Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1921)
- Date
- 1921-03-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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nt, 1« Sette Der JSraeltt. vor rund zweihundert Jahren ist zu lesen von einem Jüngling, namens Chisdt,, der im Aufträge seines Lehrers, Rabbi Jzchak San gort aus Ehasariens Hauptstadt B als gar, nach Baby'on gekommen war, um Brudergruß und Spenden der Juden Ehasariens für die baby Ionischen Lehrhäuser zu überbringrn. Nach dessen Erzählungen lebten damals Juden in geringer Zahl unter dem mächtigen und edlen Mongolenvolk der Chasaren. Man gab ihm eine Abschrift des damals durch den Gaon R. Achat neu hergestellten Codex der Halachoth als,, Angebinde für die Brüder hinter den Bergen mit. (Fortsetzung folgt.) Durch Bruchstücke zur Verbindung. Don Heinrich Einstävter. I. . . Würden wir Ihre Vorschläge gern ent. gegennehmen. Sie kennen die in Betracht kommendrn Verhältnisse und bringen der guten Sache gewiß reges Interesse entgegen. Auf jeden Fall hoffen wir auf Ihre e frig- Mitarbeit und bitten Sie, dem Unterzeichneten provisorischen Komitee bettreten zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung Adolf Wilmersdorf, Würzburg. Dr. Nathan Würzburger, Nürnberg. Löb Nürnberger, Breslau. Karl Breslauer, Berlin." Ein jugendlicher Greis sitzt im bequemen Lehnstuhl vor seinem Schreibtisch. In der Linken hält er ein Blatt, das obigen Bruchteil eines Schreibens bildet, und mit der Rechten fährt er wiederholt durch seinen lanqen Bart. „Das sieht dem alten WilmeiSdorf ähnlich", brummte er dabei. „Der gibt sich mit so vielen Dingen ab, daß er in der Eile den Haupt« eik seines Briefes liegen läßt und mir nur den Schluß zuschickt. Mein Name würde allerdings unter den Aufruf gehören) denn der schließt dann die Kette: Wi'.mersdorf in Würzburg, Würzburger in Nürnberg, Nürnberger in Breslau, Breslauer in Berlin — Berlin in Weimersdorf! Man sieht, daß cs auf Purim zugeht". Der alte Berlin ist ein fröhlicher Mann, der einen guten Witz liebt, und da ihm gerade der Satz einfällt: „Wenn^der Adar beginnt, mehrt man die Freude", setzt' er sich kurz entschloffen zurecht, ergreift einen Briefbogen und schreibt das Folgende: . . halte ich gerade Purim für die geeignetste Zeit. Wenn da die Zusammenkunft stattfindet, hat die geplante Verbindung die besten Aussichten. Seien Sie versichert, daß ich alles, was in meinen Kräften steht, tun werde, um das von uns ersehnte Ziel zu erreichen. Ich freue mich sehr darauf, die Herrschaften bald pkrsönlich begrüßen zu können, und bin in bekannter Gesinnung Ihr sehr ergebener Moses Berlin. Schmunzelnd legt er den Brief in einen Umschlag und adressiert: Herrn Adolf Wilmersdorf Würzburg. II. Ter junge Mann kennt den Absender sehr genau. Er verkehrt ja, wenn er in Berlin ist, jede Woche in seinem Hause, weiß die frommen, gastfreundlichen Eheleute wohl zu schätzen, besonders ober auch ihr holdes Töckterchen, die anmutige, liebreizende Ester. Sein V ter, der eine Verbindung beider gern sehen würde, hatte auch schon einmal gelegentlich seinem Freunde eine diesbezügliche Andeutung gemacht. Der aber hatte gemeint, die junoen Leute könnten noch warten, ihre Namen forderten vielleicht auch den Spott heraus, kurz — er hatte nach Ausflüchten gesucht. Wilmersdo.f junior suchte lange nach einer Lösung des Rätsels. Er kommt aber e,st darauf, als se ne Schwester beim „Schütteln" den Anfang des an Berlin adressierten Schreibens findet. „Vater I" ruft er erfreut, „das ist ein richtiger lustiger Streich des alten Herrn. Den müssen wir aber zu meinen, Gunsten ausnützen". Und daraufhin setzte er seinem Vater einen Plan auseinander, der dessen volle Billigung findet. Am Purimabend erhält Moses Berlin folgenden Brief: Verehrter Freund! Ihr wertes Schreiben ist leider nur teilweise in meinen Hände gelangt; Sie haben wohl in der Eile vergrss n, das erste Blatt in den Umschlag zu legen. Aver der Schluß sagt uns auch genug. Wir sind glücklich, daß Sie in eine Verbil dung unserer Kinder einwilligen und danken Ihnen herzlichst für Ihre gütige Einladung. Meine Frau, mein Sohn und ich werden ibr mit Freuden Nachkommen und am Vormittage des Schuschan Purim etntreffen, um die Verlobung in Ihrem geschätzten Hause zu feiern. Mit innigen Grüßen von Hauzu Haus Ihr Adolf Wilmersdorf. Im ersten Augenblick machte der Leser nicht gerade daS klügste Gesicht. Er erinnerte sich genau des zweideutigen Wortlautes seines Brieses. Bald aber brach die gute Purimst'mmung durch. Was war da noch zu tun? Schließlich hatte er ja auch gar nichts gegen die Verbindung einzuwenden. Und so las man am nächsten Schabbvs im „Israelit": fr- - ~^ STATT KARTEN ESTER BERLIN MORDOCHAI WILMERSDORF VERLOBTE BERLIN-WILMERSDORF Erinnern Sie sich noch? PURIM 5659 inderecke. Zwei Tage später bringt die Post darätselhafte Schreiben dem Adressaten in Haus. Der würdige Herr Wilmersdorf weiß nicht, waS er davon halten soll. Er vermutet wohl, daß sein Freund Berlin den ersten Teil seines Briefes irrtümlich zurückgelassen habe, aber der Schluß will doch garnicht zu dem Anjchreiben passen, das er selbst jenem gesandt. Kopfschüttelnd zeigt er den sonderbaren Brief seinem Sohne Mordochai, der gerade zu Besuch bet seinen Eltern weilte. Das Testament. (Wach Ualmud). Ein reicher Kaufmann von des Jordans Strande, Durchreiste in Begleitung seines Sklaven Das wette Meer — als er im fernen Hafen Erkrankt und fühlte, daß im fremden Lande Zu Ende geh' sem wandermüdes Leben. Erdenkt an seinen Sohn — wie wär' das Sterben Gar leicht bei seinem etnz'gen Kind und Erben! Der blieb daheim, dem Studium ergeben. So liegt er da) ihn quält nur der Gedanke: „Die Schätze, die ich sauer mir erworben, Die nimmt» ein Knecht, sobald sein Herr gestorben." Zu seinem Lager ruft ihn sitzt der Kranke: „Den Rabbi hole mir, damit ich mache Mein Testament." — „Hier meinem treuen Hüter- Dem Sklaven Tubal schenk' ich alle Güter. Doch Simeon, mein Sohn, darf eine Sache Sich aus dem Erbe wählen nach Belieben." Der Sklave eilt, nachdem sein Herr verschieden, Der Heimat zu erfreut und hochzufrieden. Er bringt das Testament, das ausgeschrieben Der Rubbi und mit Siegeln wohl verschossen, Dem Sohne, der des Vaters Tod beweint. Gleichwohl es ihm als bitt'res Unrecht scheint, Daß ihn der Vater als den einz'gen Sproffen Enterbt. Er klagt' dem Lehrer und Berater Sein Leid. Doch dieser lächelt überlegen Und spricht: „Mein Sohn es ruhet Gottes Segen Auf Deinem Haupt) es hat Dein weiser Vater Dich wohl bedacht — nur Mut und keine Sorgen! Vom Vater Schlechtes denken, wäre Sünde) Mh' heim und seiner Worte Sinn ergründe!" — Auf Jerusalems Markte wird am nächsten Morgen Vollftreckt des reichen Hosea letzter Wille. Und Tubal stehet musternd vor den Schätzen. Das Volk— es murrt. „Wir lasten nicht verletzen Des Kindes Recht!7 Doch plötzlich wird es stille. Der Sohn tritt vor und olles harrt der Dinge. „Der Sklave Tubal hier—das tstdteSache Die ich als Erbstück mir zu eigen mache. Des Vaters Wunsch ich so zur Geltung bringe." Es jubelt I rusalem ob der frohen Kunde Und Hoseas Weisheit geht von Mund zu Munde. B. G. rrm- •d'ö r6atpö ’nbatt# wn m nan •D'own la wt tv, m kj n? 'amn niTri b'vwn# cnw Tm ’jaain dri Vermischtes. Heidrll erg, 30. März. Die Kinder des Thorabundes haben «nier Leitung des Herrn Rabbiner R a k o w mein ere Gemoronaktate gründlich und wieder holt mit 7NS2W durchqearbeitet. Sie feierten dieser Tage einen Doppel-M'v, bet dem eine Avteilun\ 'Bö HÖj5 X22, eine andere Ableitung 3V 822 'DO beendigt. B er irr, März. Die Hakenkreuzler haben vor kurzem am Jftmfüiftenbomm wüste antisemiti'che Szenen herum gerufen. Die Heldenjünglinge haben schon vor 14 Tagen an der gleichen Stelle KraLhi zu machen versucht, und -war tm Castz Schilling. Der Wirr ließ diesmal das Lokol schließen, um Zusammenstöße zu ve< meiden Die Radaubrüder setzten dann ihre Pä« bekeien auf der Siraße fort. Wie das Polizeipräsidium mitteilt, war es über die Vorgänge schon vorher unterrichtet worden. Es ist festgestellt worden, daß die Krakeeler denselben Kreisen angehören, wie unlängst die Stinkbombenschmeißer bet der Aufführung deS „Re>gen" im Kleinen Schauspielhaus. Die Personalien einiger Personen wurden festg-stellt. Ve ln, 2. März. Professor Einstein tritt seine Reise nach Amerika an u. d zwar auf Einladung der Zionistischen Organisation zur Vorbereitung der Jüdischen Universität in Jerusalem Proieffor Einstein hat die Teilnahme am Solvay-Kongreß in Brüssel, zu dem er eine Einladung erhalten hatte, infolge seiner Amerikareise aufg-geben. Nach seiner Rückkehr aus Amerika wi d er die übernommenen Vorlesungen an der Universität Leyden halten. Neuenahr 11. März. Am Sonntag, den 6. d- Mts., ipr ch Herr Rabbiner Dr. Wolf, Köln, im jüdischen Jugendbund über „Soziale Gesetzgebung im Judentum '. Die Versammlung konnte Herrn Dr. Wolf den Donk für seine geistreichen Ausführungen auch diesmal nicht besser beweisen,. als durch den allseitig geäuße'ten Wunsch, ihn recht bald nochmals als Redner hier beg'üßen zu können. Würzburg, 2l. März. Gelder für Erez JiSroel, die früher an das hiesige Rabbinat gingen, werden weiterhin von MoseS Bamberger, Alleestraße 20, enrgegengenommen. Wien. 7. März. Nach Meldungen aus Budapest befindet sich der Siegediner Oberrabbiner Dr. Jmanuel Löm noch immer unter strengster Bewachung als Unrersuchungsgefangeuer in seiner Wohnung. Diese UutcrfuchungShaft dauert nun schon zehn Monate und wird auf Anordnung der Siaasanwal>ichafr.oon Monat zu Mo> at verlängert. Die Staatsanwaltschaft stellt die Anklage dem Strafsenat nicht zu, so aß dieser garnicht in der Lage ist, über eine Haftentlassung zu beschließen.