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Der Israelit · 1921-03-10 · Heft 10 (10.3.1921) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 10 (10.3.1921)
Date
1921-03-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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16. M«rr ISA.. SieAguda in der Slowakei. Ein Reisebericht. Vor einigen Tagen rief mich eine schwere Pflicht in meine alte Heimat, die allerdings ein anderes Land geworden ist, seitdem ich sie verlassen habe. BuS Preßburg ist Bratislawa geworden, und ich. der ich alr Nachbarrabbiner in Ersenstadt sehr häufig tn Preßburg war, muUe während einer Anwesenheit von kaum 10 Tagen bxei* bis viermal die Polizei aussuchen, um mir die fttr eine 48 ständige Frist gewährte AufenthaltSbewilliaung von ^all zu Fall verlängern zu lassen. Doch sonst fand ich alte, treue Ereunde, deren Wiedersehensfreude mich leicht die rßeren Unannehmlichkeiten vergessen ließ. Toch' auch die alten Freunde fand ich verändert, und ich will gleich hinzufügen, zu ihrer» Vorteil verändert. ES klingt wie ein Paradoxon, aber es ist buchstäbliche Wahrheit: der engere Rahmen, in dem jetzt dieses Bruchstück der ehemaligen ungarischen Orthodoxie zu leben gezwungen ist, weitete den Blick der Führer und eS erschloß sich ihnen der Begriff und die >Bedeutung von in seiner ganzen Weite und Tiefe. Tie ehemalige ungarische Orthodoxie, diese stolze Kerntruppe der Orthodoxie, schloß sich im Bewußtsein ihrer Macht und Bedeutung von allen Bewegungen, die di? Geister und Gemüter der cm' aus weitem Erdenrunde beherrschten, ab. Ter Starke ist am mächtigsten allein, war die unausgesprochene Tevise der Führer der ungarischen Orthodoxie. Sie fürchteten, daß die ungarische Orthodoxte durch eine allzuenge Berührung mit anderen Kreisen etwas von ihrer prächtigen Eigenart einbüßen würde, was sicherlich nur zu bedauern gewesen wäre. ES gab selbstverständlich auch damals viele, denen diese Selbstgenügsamkeit nicht behagte, und die für ein aktives Eingreifen der ungarischen Orthodoxie in die Weltvrobleme plädierten mit der ausgesprochenen Absicht, den Stempel der ungarische» Eigenart der Bewegung der Gesamtheit aufzudrücken, aber die Bedenklichen behielten doch die Oberhand. Ta kam nach dem blutigsten Kriege der mörderischste Friede und die ungarisch» Orthodoxie, die trotz der Heterogensten Elemente, die sie in sich faßte, nach außen hin und namentlich in ihrem Kampfe mit der Neolog ie immer das Bild geschlossener Einheit bot, ward in drei Teile gerissen, oder gar in vier. Ein Tell verblieb im alten Ungarn, ein Teil fiel an die Tschechoslowakei, ein dritter Teil tvaro rumänisch und ein kleiner Rest lebt nun im Rahmen des serbokroatischslowenischen Staates. Ich spreche aus Erfahrung und weiß, welche Gefühle eines ratlosen Jammers die einzelnen Teile der einst so stolzen ungarischen Orthodoxie angesichts dieser Zertrümmerung bewegten und rurch heute bewegen. So dürfte den Jehudim nach dem Churban zu Mute gewesen sein, und es ist sicherlich keine Uebectreibung, wenn wir, die von dieser Zerstörung am härtesten getrosten wurden, diese Zertrümmerung der einheitlichen ungarischen Orthodoxie als ein schweres Unglück ^ür oie Gesamtortyodoxie empfinoen. Wir waren doch das Krastreserooir ♦er bewußten Orthoooxie, die nanio nz'ro, v e Uriegs gewohnten und auch Kriegsgeübten. Toch in der ganzen Geschichte des jüdischen* Volkes sehen wir die' Wahrheit sich verwirklichen, oaß kern Unglück so groß ist, daß es doch nicht für etwas gut wäre. Tie Zertrümmerung des jüdischen Staates und die Zer-- streuung seiner Söhne trug den Gottesgedanken in oie Welt und ebnete den Sinaiwahrheiten den Weg zum Siege und vielleicht ebnet die Zertrümmerung der ungarischen Orthodoxie der Idee der Orthodoxie die Bahn. Tie Orthodoxen in der Slowakei konnten sich nicht lange einem tatenlosen Schm rz hingeben. Gefahren der verschiedensten Art bedrohten ihre Existenz. Gleich nach dem Zusammenbruch bereisten Emissäre des jüdischen Nationalrates aus Prag das Land, um die Gemeinden für sich zu gewinnen. Tie Gelahr weckte die Geister und Gemüter und in kaum einigen Monaten ward eine Organisation der Orthodoxen inS Leben 'gerufen, von der imm schon heute sagen kann, daß sie sich bewährt hat uno in mrem weiteren Ausbau sich sicherlich zu einem Bollwerk des orthodoxen Gedankens entwickeln wird. Toch die Orthodoxen empfanden ein Anlehnungebedürfnis an eins größere Organisation und auch den Wunsch mit den alten Genossen in einer größeren Gemeinschaft wieder vereinigt zu werden. Und so zog AaudaS Jisroel siegreich in die Slowakei ern, als die geaebene Gesamlorgantiation aller Diese« Gedanke stärkte sie und cS ist ja offenes Geheimnis, daß auch die Agudoh rurch den Anschluß der slovakischen Orthodoxie an Einheitlichkeit und Zielsicherheit gewonnen hat. ES ist etwas von dem Geist der ungarischen Orthodoxie in die Agudoh eingezogen. So sich gegenseitig befruchtend, ist die Agudoh zu einer herrschenden' Macht in der Slovakei geworden. Alle v'dwr sind bewußte Vorkämpfer des Agudohgedankens, von dessen Herrschaft allein sie sich das Herl des wahrhaft jüdischen Gedankens versprechen. Ich hatte die Freude, während meiner Anwesenheit in Preßburg auch den Nestor dev slowakischen orthodoxen Rabbiner, meinen väterlichen Freund, Oberrabbiner Katz aus Neutra zu sprechen, der im ehemaligen Ungarn den intransirrgentosterr Standpunkt vertrat und der in des Wortes wahrster Bedeutung ein wZfl ist, und sein Auge leuchtete, «ü *« mir von tot Mnxendsr, Erfolgen des Agu- „Sl ä t t e r." Nr. 10. Seife 3. dohgedgnkens in der Slowakei sprach, dre zum größten Teile den selbstlosen Bemühungen seines Sohnes, meines lieben Freundes R. Awrohom Ahron Katz zuzuschreiben sind. Und auch die ganze thorabeflissene und thoratreue Jugend hat sich tu Hellen Scharen NM die Fahne der Agudoh gesammelt. Ich bin sicher, daß wrr in den Orthodoxen mr Slowakei bald die Kerntruppen der Agudoh zu erblicken haben werden, und es wäre sicherlich zu wünschen, daß in der Agudoh die getrennten' Teile der ungarischen Orthodoxie sich zu einer höheren Einheit zusammenschließen mögen, was sicherlich sowohl chnen als auch der Agudoh nur zum Vorteil gereiche» würde. Mein Bericht wäre unvollständrg, wenn ich nicht der segensreichen Arbeit des Abgesandten der Agudoh. des Herrn Rabbiner Tr. P. Kohn aus Ansbach Erwähnung tun würde, der es meisterhaft verstanden hat, sich die Sympathien aller berufenen Führer der slowakischen Orthodoxie zu gewinnen. ES ist im Wesentlichen sein Werk, daß man Vertrauert zur Agudohleitrmg gewonnen hat. Alle rühmen seinen besonderen Takt und sein seines Verständnis für die Nuancen des Seelenlebens der ungarischen Orthodoxen. Sie reklamieren ihn als einen der Ihrigen, der beste Beweis, wie er den Gedanken des m sich verkörpert, da ja alle Glieder des ihn ais beit Ihrigen betrachten. Ueber verschiedene Einzelheiten will ich in «irrem nächsten Berichte referieren. Rabbiner T-r. Hermann Klekn-Beffenkicchsn. Aus der Bewegung. Frankfurt a- M. Als wirtschaftlicher Sachverständiger schiffte sich am 3. März das Mitglied des bisherigen Provisorischen Komitees der Agudas Jisroel, Herr Abraham Grünbaum- Nürnberg, der sich im Aufträge der hiesigen Paläftinazentrale der Agudas Jisroel nach Erez Jisroel begibt, in Triest ein. Herr Grünbaum wird sich der bereits in Palästina weilenden Agudchhdelegation, die unter Führung unseres greisen Wiener Führers Wolf Pappenheint steht, anschließen. Gleichzeitig schiffte sich auf. Veranlassung der Palästinazentrale Herr Herbert Kruskal-Haag ein. Frankfurt a. M. In der am 2. März stattgefundenen Sitzung der Palästinazentrale der Agudas JiZroel wurde berichtet, daß bisher in Gemeinschaft mit der Deutsch-Holländischen Palästina,Verwaltung zur Erhaltung des unabhängigen orthodoxen Schulwerkes rund 300.000 Mark aufgebracht wurden. Die Sammlung wird fortgesetzt. Loir-o». - Tas Zentralbüro hat' sich konstituiert und besteht aus folgenden Herren: I. Landau (Vorsitzender), Tr. Jung, W. Wachrnan, Joseph Krag, W. Schiff, Percy Schwarzschild, I. Well, F. Lunzrr, D. Frost und I I. Bräun. Frankfurt a. M. Die Pol-Zentrale schreibt: Tas Postscheckkonto der Palästlnazentcate heißt: Nr. 44522 Siegfried Löwenthal, Frand'urt/Main. Briese, welche geleistete Zahlungen betreffen, bitten wir an Herrn Siegfried Löwenthät, Rotteckstraße 10, Frankfurt a. M. zu richten. Tie Quittierung der eingesandten Gelder erfolgt in Zukunft nur durch Veröffentlichung in den „Blättern". Frankfurt a. M. Anfangs Februar tagten hier die Vertreter der Jugendgruppen Berlin, Fulda, Halberstadt, Nürnberg, Fürths Karlsriche, Mainz und Köln in Gemeinschaft mit Mitgliedern des Organisationsvorstandes der Jugendorganisation. Gegenstand der Beratungen waren soziale Fragen. Zürich. Der Aufruf vom Schweizer Agudas Jisroel Landeskomitee zu Gunsten der unglücklichen Ukraineprogromopfer hat erfreulicher Weise warmen Widerhall bei der jüdischen Bevölkerung -in der Schweiz gesunden. Es konnten bis jetzt 10.000 Lei nach Beffarabien, 75.000 Pol. Mark nach Ostgalizien, 200.000 Pol.. Mark und eine große Anzahl Kleidungsstücke nach Polen, wo große Massen von ukra- . mischen Flüchtlingen sich in bitterster Not befinden, abgeführt werden. Diese Sammelaktion ist noch keinesfalls als abgeschlossen zu betrachten; im Gegenteil, man hofft in hiesigen Agudohkreisen, unseren imglücklichen Brüdern im Osten noch weitere Hilfe, wenn auch in bescheidener Weise leisten zu können. R. W. R. Preßburg. Die provisorische Leitung der Agudas Jisroel-Landesorganis,ation der Slovakei hat zwecks Ausbau der Landesoraanisation und Einsetzung einer legalen Leitung, für 14. März einen Delegiertentag der Agudas Jisroel nach Poprad einberufeu. Cöln. Einem Rundschreiben der Jugendorganisation an die Jugendgruppen entnehmen wtr: Ta wir uns mit dem Gedanken tragen, eine Ssorim-Er.rtral» einzurichten, um imstande zu sein, den verschiedenen kleineren Gruppen die nötigen Sforim zur Verfügung stellen zu können, bitten wir, uns umgehend mrtzutcilen, welche jüdischen Bücher im Besitze der Gruppen sind. Sollten doppelte Bücher zum Abgebrn vorhanden sein, so könnten wir eventl. neue, die noch nicht im Besitze der Gruppe sind, dafür eintauschen. »ctt. Nunmehr hat sich auck» hier. ein« Zroel-Jugendgruppe gebildet. Es werden bereits 4 Schiurim wöchentlich gelernt, und zwar haben die Herren Tr. Wohlgemuth, Bamberger, und Oppenheimer diese in liebenswürdiger Weise übernonrmcn. Es ist zu hoffen, daß dre neue Jugendgruppe gut« und wirksame Agudotzarbett zu leisten vermag. Nürnberg, Tic - hiesige Ortsgruppe der Agudas Jisroel, die bereits an 200 Mitglieder zählt, hat Aussprache - Abenoe iür Mitglieder eingerichtet, um neben den von Zeit zu Zell stattfindenden öffentlichen Vortragsabenden, die der Verbreitung der Agudvhidee nach außen dienen, im internen Kreise der Gesinnungsgenossen Gelegenheit zur Aussprache über jüdische Tagessragen, insbesondere die Agudohbewegung, 4U geben. Ter erste Ausspracheabend, welcher im Januar stattiand und durch ein Referat Sr. Ehrtv. des Herrn Nabb. Klein eingeleitet würde, zeigte, daß nicht nur in den Nürnberger Jugendgruppen, sondern auch in der Ortsgruppe lebhaftes Interesse für Agudas Jisroel besteht. ES wurde beschlossen, alle 4 Wochen zur gleichen Zell einen solchen Ausspracheabend nbzuhalterr, wozu auch auswärtige Agudisten herzlichft willkommen sind. Lübeck. Am Chamischoh-Osor b'Schwat fand in in' den Räumen des Araelitischen Achlorreins zwecks Propaganda für das Schulwerk in Erez Jisroel eine Feier statt. Wien. Wie der Wiener Jugen gruppe aus Erlau berichtet wird, hat ^er dortige Agudas Bachurim- Berein in seiner letzten Generalversammlung den Anschluß an die Agudas Jisroel-Weltorganisation ausgesprochen — Meser Anschluß ist umso bemerkenswerter, als es die erste Jugendvereinigung in Ungarn ist, die in unsere Reihen emtrat. Wir hoffen, daß die übrigen orthodoxen Jugendverrine in Ungarn dem Erlauer Beispiel bald folgen werben. Bratislava. Unter großer Bet^tUgung der hiesigen Agudaanhänger fand am 13. Fcbruar 1921 die Gelteralversammlung der Agudas Jisrocl-Ortsgrnppe im Lokale der Mensa statt. Ten Vorsitz führte Herr Benedikt. Tie Anwesenden und den als Gast erschienenerr Herrn Rablim^r Tr. Kohn aufs herzlichste begrüßend, ichiloert er in kurzen Morten die bisherige Tätigkeit der Ortsgruppe und ersucht Herrn Tr. Rosenbaum nb?r die bisherig« Tätigkeit der Aguoa zu referieren. Herr Dr. Rosenbaum führte unter anderem aus: Wenn unsere Leistungen nicht mehr wären als die Werbung für diese Idee und deren Vorbereitung, so haben wir schon Großes und Ersprießliches getan. — Jetzt aber beginnt die Periode der Arbeit. Das bisherige Budget für Repatriierung der Palästinenser-Flüchtlinge, Jeschiwoaktion und die Austeilung der Kleider, beträgt zirka Kc 250.000. — Aus einer (m Jntereffe der Jeschiwoaktion gerichteten Anfrage, antwortete Herr Wilhelm Kohn, daß Kc 20.000 air fünf slowakischen Jeschiboth respektive -ur Auft chterhaltung der^ Mensa-Institutionen, und zwar Preßburg, Unzdorf, Galanta, Trnava und Magmoori. welche doch derzeit die ersten unserer Gegend sind, verteilt wurden. Zürich. In der Ortsgruppe Zürich hielt im Noveniber Herr Tr. M. Jung einen Vortrag über unsere ZukunftSarbell in der Diaspora uno in Erez Jisroel. Ter Redner verstand es, das Publikum zu begeistern und besonders im Kreise der Alten hat die Aguda-Arbeit seit dieser Zeit gewisse Fortschritte zu verzeichnen. — Anfangs Januar Krach Herr Tr. Leop. Herz aus Fulda auch im Kreise unserer Ortsgruppe Über die Orqänvaiion der Aguda in Tvutschland um> über die nmteriellen Schwierigkeiten, die sich in Deutschland besonders kennzeichnen, worunter die ioeelle Arbeit der deutschen Landeszentrale der Agudas Jisroel zu leiden hat. — Bor einitzen Wochen organisierte das Schweiz. Landeskomrtee der Agudas Jisroel eine Geld-' und Kleidersammlung für die ukrainischen Flüchtlinge und können wir mit dem Erfolg dieser Sammlung zufrieden sein. Es sind vielleicht 30 große Pakete mtt gut erhaltenen Kleidungsstücken eingcgangen (ein großer Teil davon ist nerv, oder fast neu und die Geldsammlung hat schoil eine Höhe von'mst 3000 FrS. erreicht. Dies ist bei der heutigen schlechten G> schaftslage ein sehr schöner Erfolg. Treser Betrag entspricht fast einer halben Million polnische Mark. . T-ie Agudas Jisroel-Jugendgruppe Zürich hat ihre Arbeit auch wieder amgenommen und beschränkt sich diese vorerst auf Vorträge, oie über jüdische Fragen handeln und die ca. alle 2 Wochen stattfinden. — Tie A§udas Jisroel-Mäochengruppe Zürich hatte auch im Sonnner keine Unterbrechung der Schiurim. Im Wintersemester wurden 3 Schiurim abgehalten und ist der Besuch derselben ein sehr reger. In Zürich wurde an die Mädchengruppe eine Kletnmädchengruppe nach dem deutschen ESra angegliZdWt. & Vi { ' i \ '' . ’i', ’ h.;-; - -• i! ' ,<> . .r: -»>' ' ‘t . .1 ' ' -V 4'- •liv Iß

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