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Der Israelit · 1921-03-10 · Heft 10 (10.3.1921) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 10 (10.3.1921)
Date
1921-03-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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ss Mumner 10 s 1«. Al ä r, 1921 VH,. Iahrgmlg =ss 3«. A d ml. 5681 h e L L u s g e ß e b e n » o m Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. Inhaltsübersicht. 1. Dr. Jsaae Breuer: Die Idee de» AgudiSmus. — 8. Einberufung deS ZentralrateS der AgudaS JiSroel. — S. Stimmen der Zeit. — 4. Rabbiner Dr. Hermann Rlein: Die Aguda in der Slowakei. — S. Au» der Bewegung: Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Zürich. — Pretzbmg. — TSln. — Kttzingen. — Nürnberg. — Lübeck. — Wien. — Bratislava. — Zürich. — London. — Rew-V-rk. — Jerusalem. — Jerusalem. — Jerusalem. — 6. Spendenliste. Die Zdee -es Agudismus? Der Vorstand 8er Frankfurter Ortsgruppe Hat ihren Mitgliedern ein Programm vorgetrat, das mittlerweile Ln diesen Blättern veröffentlicht und damit der allgemeinen Kritik zugänglich gemacht worden ist. Die Slufnahme, die das Programm in der ersten Frankfurter Mitgliederversammlung gefunden hat, läßt es notwendig erscheinen, einige Worte der Einführung ihm vorauszuschicken. Jedes neue Programm will einen vorläufig noch vorhandenen Zustand ändern. Wer also der Meinung ist, daß die Tätigkeit der Ortsgruppen Deutschlands sich in durchaus befriedigender Weise vollzieht, hat überhaupt keinen Anlaß, sich nach irgend einem neuen Programm umzusehen und wird daher auch das Frankfurter Programm ohne weiteres abzulehnen in der Lage sein. Erst wenn man sich darüber klar geworden ist, daß es mit den deutschen Ortsgruppen schlechterdings in der bisherigen Weise nicht weiter gehen kann, ohne daß die ganze deutsche Landesorganisation, vielleicht gar die Weltorganisation, schwersten Schaden leidet, erst wenn man sich weiterhin über die Gründe der völligen Unzulänglichkeit unserer Ortsgruppen verständigt hat, kann eine vernünftige Besprechung des Frankfurter Programms einsetzen, indem man riä) alsdann lediglich darüber auseinander w setzen hat, ob dieses Programm em taugliches Mittel ist/ um die vorhandenen Mißstande wirksam zu beseitigen. Die Tauglichkeit des Programms im Ganzen im Verhältnis' zu seinem vorbedachten Zweck steht zur Frage. Nur wenn die Tauglichkeit im Ganzen bejaht ist, hat es Sinn, auf seine Einzelheiten einzugehen oder dag -Kleid, in das es gehüllt ist, seine Stilform, zu begutachten. Mer .Abkürzung des Verfahrens dient es ungemein, wenn die völlige Unzulänglichkeit der gegenwärtigen Ortsgruppen als allgemein bekannt -vorausgesetzt werden darf. Ich möchte dies hier tun, es sei denn, daß jemand Widerspruch erhebt, und möchte mich vorläufig mit der Preisgabe meiner persönlichen Auffassung begnügen, me allerdings sich also aus-spricht, daß die Ortsgruppen augenblicklich in Deutschland pornehmnch Zahlungsstellen sind, die mit mehr ober minder glücklichem Erfolg die Mitgliederbeitrage einsammeln, Spenden in dankenswerter Weise anregen und entgegennehmen, hie und da auch Vortragsabende veranstalten, bei denen ein mehr *) Die Frankfurter Ortsgruppe veransialteke am Februar eine zweite Mitgliederversammlung, um Wer das in unserer letzten Ausgabe veröffentlichte Programm zu beraten. Tvs kinleitende Referat hielt Herr R. A. Tr. I. Breuer. Derselbe hatte die Liebenswürdigkeit, uns »bigeu Aufsatz, der srirr vor- «wähnt*» Referat wiedGvgibt. »ur B-eflwmch M Linberufung des ZentralrateS der Agu-as Moel S o u v o n. Das Zentralbüro der «Suvas JiSroel hat in feiner jüngsten Sitzung den 2V März als Termin zur Konstituierung -eS ZentralrateS festgesetzt. Die konstituierende Sitzung wird in Wien stattstnven. Fast sämtliche LanveSorgauisatione« haben bereits ihre Vertreter für de« Zentralrat ernannt. oder minder interessantes, aber meist der freien Wahl des Redners überlassenes Thema unter Erweckung eines Lieferen oder mehr an der Oberfläche haftenden Eindrucks abgehandelt wird. Wir haben rn Deutschland — immer nach meiner persönlichen »Auffassung — zwar verhältnismäßig viele Mitglieder der Ortsgruppen, aber unverhältnismäßig wenig — Agudisten, gleichwie wir zwar verhältnismäßig vjele Ortsgruppen der Agudas Jisroel haben, aber destoweniger — agudistische Ortsgruppen. Mt dies möchte ich, wie gesagt, solange sich kein Widerspruch erhebt, zunächst -als bekannt utib anerkannt einfach unterstellen. Der Bolksmund pflegt den Äs bekannt und anerkannt vorausgesetzten Zustand der Ortsgruppen kürzer und derber, als ich es eben getan, zu kennzeichnen, indem er sagt: tz i e d e u t s ch e n Ortsgruppen schlafen. Besteht aper über den Schlaf der deutschen Ortsgruppen Einigkeit, so erhebt sich sofort die Frage: Warum schlafen sie? Dies bedarf nunmehr der Klärung. Mer Schlaf ist, vorausgesetzt, Laß man ihn als gesunden Schlag bezeichnen kann, die völlig normale Folge einer Ermüdung. Die Ermüdung wieder kann die Folge einer —- körperlichen oder geistigen > Kräfteverausgabung, kann aber auch die Folge einer den Geist ergreifenden abspannenden Langweile sein. - Den Schlaf der deutschen Ortsgruppen halte sch für gesund. Er kann jedoch die Folge einer Kräfte raubenden, un8 darum neue Kräfte heischenden .Anstrengung nicht sein. Wenigstens iß mir von einer solch nachhaltigen Schlaf bewirkenden Anstrengung bislang nichts bekannt geworden. Daraus ergibt sich mit aller Sicherheit, daß 8er Schlaf der deutschen Ortsgruppen mit einem erschrecksnden Mangel an geistiger Anregung, geradezu mit einer hinreißend ermüdenden geistigen Eintönigkeit der deutschen Agudas Jisroel in ursächlichen Zusammenhang gebracht werden muß. Die deutschen Ortsgruppen schlafen, weil die deutsche AgudaS JiSroel keine geistige Bewegung ist. Oder wenigstens nicht mehr zst. Sie ist das gekommen? Jede geistige Bewegung bedarf eines wohl umrissenen Zieles. Dieses Ziel muß zwar erreichbar sein, darf aber nicht sofort erreicht werden können. Gerade das Streben zu diesem Ziele hin bildet die fortwährende geistige Aufstachelung, die das allmähliche "Erlahmen der geistigen Spannkraft verhindert. Was wohl umrissene Ziel der Agudas Jisloet ist zunächst die Zusammenfassung aller. Anhänger des 'geschichtlichen Judentums in einer sonvermren Organisation. Diese- Ziel erreicht $efr<§ Mitglied' dv» Ortsgruppe für feine Person unmittelbarim Augenblick seines Beitritts. Her Gedanke einer souveränen Organisation der Orthodoxie entbehrt, zum mindesten in Deutschlands jedes Reizes der Neuheit. Die „Freie Vereinigung" hat diesen Gedanken seit mehr aÄ 30 Jahren mit stets ivachsendem Erfolg, nicht immer zu allgemeinem Wohlgefallen, vertreten und verwirklicht. >Das Mitglied tritt der Ortsgruppe bei, zollt damit dem Gedanken der veränen Orthodoxie seinen Beifall-, bekräftigt diesen Beifall tunlich durch jährliche Entrichtung des Beitrags, kann aber bei bestem Willen durch diesen Gedanken nicht das ganze Jahr sich wach erhalten. Nun ist ja die souveräne Orthodoxie nur da8 nächste, keineswegs daS letzte Ziel der Agudas JiSroel. Agudas JiSroel bedarf der souveränen Orthodoxie, um „die Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora" lösen zu können. Sollte ein so hohes, die Organisation selber als Mittel begreifendes Ziel nicht im Stande sein, den Ortsgruppen echtes agEstisches Leben einzuhauchen und wach zu erhalten? Diese Frag« muß durchaus verneint werden. Me Lösung der GesamtheitSaufgaben im Geiste der Thora ist ein Ziel, das eine geistige Bewegung niemals Hervorrufen kann. Dieses Ziel entbehrt zunächst der Haupteigenschaft eines zur Entfesselung einer geistigen Bewegung allein tauglichen Zieles: eS ist schlechterdings nicht erreichbar. Solange die Gesamtheit besteht, hat sie immer wieder neue Aufgaben, die aus der Zeit entstehen, in der Zeit gelöst und fortschreitender Zeit durch andere abaelöst werden. Das Ziel der Agudas Jisroel ist in Wahrheit zeitlos. In aller Vergangenheit und in jeder Zukunft wird die jüdische Gesamtheit nie eine andere Bestimmung haben, als die im Programm der Agudas Jisroel formulierte: daß sie nämlich ihre Aufgaben im Geiste der Thora zu lösen hat. Das Programm der Agudas Jisroel entbehrt somit jedes bestimmten Inhalt-. Weil es alles besagen will, besagt es für jede Gegenwart — gar nichts. Agudas Jisroel ist mit diesem Programm zur Gegenwart, die wir heute leben, schlechterdings in gar kein Verhältms gesetzt. Weil Agudas Jisroel sich gewissermaßen für die Ewigkeit konstituieren, möchte, verließ Agudas Jisroel die — Gegenwart. Als Gott die jüdische Nation gründete, konnte Er ihr freilich die zeitlose Bestimmung geben, alle in der Zeit ihr zufallenden Aufgaben im Geiste der Thora zu lösen. Mer AgudaS JiSroek kann und darf sich nicht hiermit begnügen, soll sie nicht letzten Endes doch nur eine reine organisatorische Bestrebung sein, befähigt, gleich dev „freien Bereinigung, praktische Einzelausgaben durch ihre Führer in durchaus aristokratischer Weise zu lösen, aber ganz gewiß nicht befähigt, eine geistige Bewegung zu entfesseln, durch die allein die Ortsgruppen auf die Dauer in wachem Zustand erhalten bleiben können. Wie soll denn eigentlich die Ortsgruppe Posemuckel die „Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora" lösen? Me soll sie das denn anfangen? Ist sie nicht erst genötigt, das zeitlose, jedes bestimmten Inhalts entbehrende Programm zunächst einmal aus himmlischer Höhe herabzü^ langen, zunächst einmal die GesayitheitSaufgaben' der Gegenwart aus dem Geiste der Tbora. einheitlich zu erfassen, um dann erst aiS diese» MheitWm InymN-rsassyng der OchmWM

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