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Der Israelit · 1921-03-10 · Heft 10 (10.3.1921) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 10 (10.3.1921)
Date
1921-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wochenrundschau: Die Bermittlungs-Äktion de» Amsterdamer Oberrabbinat». — Präsident Har ding.) - 5. Aussage: Dir jüdische SchvlpStMK der Krrltncr „Aiberalev". — L. Korrespondenzen und Nachrichten: Halberstadt, (D. I. 8. B. und gesetzestreuer Eemetndebund). — BreSlau, (Oberscd!'fische Adstinimung.) — Warschau, (Unfug. mit Koscherfleisch). — Warschau, (Hilfe auS Amerika). — Aarau, (Zwang sonntagSruhe — Kirchensteuer). — London, (Bom ukrainischen HUfswerk). — London. — Jerusalem, (Die Neuordnung der rabdtnischen Gerichtsbarkeit). — Jerusalem. — Jerusalem, (Berurteilung eine» arab schen Judenfeinde»).— New- Bork, (Das neue Einwanderungsaesetz). — 7.Personalien. — 8. Vermischtes. — S. Frankfurter Berichte: Verkauf dr alten Synagoge in der Schlitzenstraße. — Das jüdische Heim. — Palästina-Bortrag — OlgaLion n"L— Familiennachrtchten. — Vereinskalender. — Gebetzeiten. — 10. Feuilleton Beilage: Kon Lordowa nach Khafarien. — 11. Kinde recke: Heinrich Einstädter: Sille schön find drtnr Mohnuugen, IrrarU — Dir KaattShea. — Setrachtungen zum Palästina > Nandai. I. „Nachdem uns unser Land vor bald 1900 Jahren von den Römern geraubt wurde, erklären die Völker, die wohl als Rechtsnachfolger des römischen Imperialismus anzusehen sind, das Land solle wieder jüdische- Nationalheim sein." Mit diesen Worten hat unser geschätzter Mitarbeiter, Herr Dr. MoseS Auerbach, in seinem in der vorletzten Nummer veröffentlichten Aufsatz die Bedeutung des Palästina-Mandatecharakterisieren zu sollen geglaubt. Wir deuteten bereitan, daß wir unS dieser idealtsterenden Auffaflung nicht anzuschlteßen vermögen. Keineswegs haben sich die Nationen der Erde in messianischem Aufschwung einmütig versammelt, vm daS bedrängte Israel von allen Enden der Erde heimzubrtngen und ihm sein alte- Erbe zurückzuerstattenkeineswegs hat sich die Macht vor dem Recht, der römische Imperialismus vor Judäas göttlich verbrieftem historischem Anspruch auf sein Land gebeugt. Vielmehr ist — wel, politisch betrachtet — Erez Jisroel selber ein Faktor in dem verwickelten Spiel der imperialistischen Machtgruppierungen geworden und innerhalb diese-, dem machtpolitischen Jnterrffe dienstbar gewordenen Landes will man — ohne den aufstrebenden arabischen Imperialismus irgendwie beseitigt zu haben — ein „jüdische- Nattonalhetm" aufbauen, deffen Formen in nebelhafter Ferne verschwinden. Aber wenn eS somit bet nüchterner, verstandekmaßiger Betrachtung ziemlich klar ist, waS das Mandat nicht bedeutet, so lasten sich gerade vom jüdischreligiösen Standpunkte aus, nach der p o s i t i v en Richtung sehr verschiedene Maßstäöe der Beurteilung daran anlegen. Der Jude, der diesen Namen mit Fug trägt, steht selbst die kleinen Dinge de- Alltags sud «pecie aeternitati» d. h. alS Schickungen der Gotteswaltung anwie sollte er einem weltgeschtchlichen Ereignis, wie eS der Uebergang Erez Jisroels in die Hand der englischen Weltmacht bedeutet, ohne die ehrfürchtige Ahnung göttlichen Wirkens gegenüberstehen, und wie sollte er nicht das wahrhaftige Wunder bestaunen, das in der bloßen Diskussion über einen jüdischen Staat in Erez JiSroel als realpolitischer Möglichkeit zweifellos gegeben ist! Mag diese Möglichkeit durch das Mandat und die ganze politische Konstellation für den Augenblick weniger als je der Wirklichkeit nahegerückt sein — derselbe Gott der Geschichte, der den von Millionen hhpergescheiter Kulturmenschen als frommen Trug belächelten Ghetto- Traum durch ungeheure Ereignisse in das Helle Tageslicht der Weltpolitik rücken konnte, deffen Geschichtswaltung vermag denn doch auch in Zukunft ein wenig mehr, als unsere Schulweisheit sich gemeinhin vorzustellen vermag! Was diesmal — aus welchen Gründen auch immer — noch nicht reifte, eS könnte doch der Ausgangspunkt unabsehbarer Entwicklungen für Jahrhunderte werden: so bedeutet da- Erlebnis deS Palästina-Mandateine ungeheure Stärkung der rtilöK an die unerforschltche Waltung de- Gotte- Israels für alle diejenigen, die sich von dem Getöse der nur an ihrer eigenen Geschäftigkeit sich berauschenden menschlichen Akteure nicht betäuben ließen. Diese Akteure waren und find — im Sinne dieser Betrachtungsweise — unbewußte Werkzeuge einer höheren Waltung, als Werkzeuge jenseits von gut und böse, ob auch als verantwortliche, freiheitbegabte Wesen der sittlich-religiösen Wertung unterworfen. Daß gerade ein Herzl berufen war, aunahezu vollendeter Entfremdung heraus zum willenlosen Instrument der GotteSwaltung am jütischen Volke zu werden,braucht unter diesemGefichtswinkel ebensowenig dteEntlchiedenhelt deS religiösen Werturteils zu berühren, wie die Tatsache der geschichtlichen Mission eine- SauluS »on Tarso- oder Spinoza-auf dem Wege der Erziehung de- Menschengeschlechts. Jener so wenig wie diese können nationale Heroen und Vorbilder freier jüdischer Leben-gestaltung sein, ob ihnen auch in der Symphonie der Weltgeschichte von dem großen Komponisten dadroben ein Stück Stimmführung übertragen worden, und der Lohn guter Taten jedem Wesen sicher ist. Allein es gibt vom Standpunktjüdisch-reltgiöser Weltanschauung noch eine zweite Möglichkeit der Betrachtung, die zu der eben entwickelten Gedankenrethe in einem gewissen Gegensätze steht und dennoch theoretisch die gleiche Berechtigung hat. ES ist eines der tiefsten und lehrreichsten Kapitel der jüdischen Reltgionsphilosophte das sich an den Abschnitt vom B. M. 13,2—4) anknüpft und in dem Worte gipfelt: 'n HDJö '2 *121 &2DK /M „Denn eS versucht euch Gott, Euer Gott, ob Ihr liebet Gott, Euren Gott, mit Eurem ganzen Herzen und Eurer ganzen Seele." Offenbare Wunder, Durchbrechung der Naturgesetze am Himmel und auf Erden setzt dieses Wort als Wardeiung deS "ipw K'22, deS falschen, zum Abfall verleitenden Propheten voran- — ohne ein anderes Ziel, alS dades sl'02, der sittlichen Erprobung, der Probe auf da- Exempel, ob dem jüdischen Volke die unerschütterliche Treue zu dem klar ausgesprochenen GesetzeSwillen feine- Gottes höher steht alcille Offenbarungen der Natur und der Geschichte, die sich oft alS göttlich auSgeben und als trügerisch von unS erkannt sein wollen. Jst's Zufall oder pragmatischer Zusammenhang, daß der Größten einer, Rabbi A ktb a, grade derjenige, der jene Stelle deS GotteSworteS nicht ganz in dem eben dargrlegten einfachen Sinne zu deuten sich entschließen konnte (Sanhedrtn 90a), der ungeheuren Katastrophe der Bar-Kochba-Jrrung zum Opfer fiel, für alle Zeiten ein warnende- Beispiel für die Macht mejsiantsttschen Wahnes über die reinsten und edelsten Gemüter? Und heute nun, da dem oberflächlichen

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