Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1921)
- Date
- 1921-03-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450138-2450147--68775-2525906- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3. Mürz *3®L Der IsraeM. Nr. 8 Seite S Erlösung zu rechtfertigen, und sie fand ein Geschlecht vor, von dem es, wie zur Zeit der Richter, heißt: „Es ging eine Sehnsucht, ein aus dem innersten Herzen kommendes Heimweh, wie ein verzehrendes Feuer durch Israel", angesacht durch die großen Männer, die einen so außerordentlichen Einfluß auf die Volksseele, den Weg zu ihrem innigsten Gefühle zu finden gewußt hatten. Aber die Zeit war noch nicht da. Das Zerrbild eines Synedrions, die langsame Anbahnung einer fragwürdigen Emanzipation, mit dem Eintausch teuerer Ideale gegen kindischen Flitterkram, das waren die Früchte jener großen Zelt. Noch in seinem Falle hat der dämonische Welteroberer zu der äußerlichen Erhebung der Judenh.eit betgetragen. Wir sagen: dämonisch) denn er, der Ungläubige x»r srvsl- Ivnov, glaubte, wie Sokrates, an seinen Dämon. In seinen Memoiren heißt es, daß . er in allen Schlachten ein rotes Männchen vor sich hergehen sah, eine Reminiszenz an Alexander den Großen, von dem Josephus und der Talmud Aehnliches berichten,' in der letzten Schlacht bei Waterloo war es nicht.mehr zu sehen.- Den Ausgang der Schlacht verfolgte, in einem Gebüsch versteckt, der Begründer des jüdischen Welthauses, Nathan Meyer Rothschild, der in dem fast aussichtslosen Kampfe Englands gegen den Zwingherrn der Welt an der Seite Prtt'S die finanziellen Operationen leitete. Als Nachmittags Willing ton sich auf die Erde setzte in Verzweiflung über die unvermeidliche Niederlage, da strömten die Hiobsposten nach London. Der Jude wartete bis Abends, als sich im Schein der Abendröte die verbündeten Heerführer auf der Höhe von Belle-Alltanee umarmten und der Kaiser die Flucht ergriffen hatte. Da bestieg Rothschild sein Pferd, ritt nach Oftende an das tobende Meer, erkaufte die Ueberfahrt unter Lebensgefahr mit reichlichem Golde, kam unbeachtet in die von Verzweiflung erfüllte Hauptstadt und hatte am nächsten Tage durch einen Gewinn von 10 Millionen Pfund eine Weltmacht begrülidet und den Segen des von seinem Vater mit unbegrenzter Verehrung geliebten Verfassers des NX7LN zum Segen der Welt in Erfüllung gebracht. jinderecke. Sin »guter" Schabbos. B-n Heinrich Aiustädter. Rach Wochen, in denen der Himmel nie heiter und der Boden nicht trocken geworden war, kam endlich wieder einmal die Sonne zum Vorschein. Bald hatte sie die ganze Natur verändert. Schon früh am Tage wurde es hell. Der Himmel blaute. Eine erfrischende Luft zog durch die geöffneten Fenster. Am Nachmittage verbreiteten die Sonnenstrahlen schon eine behagliche Wärme, und überall zeigten sich grüne Knospen an Blüten Und Hecken. Da nahm der Vater aus seinem Bücherschrank die „dicke Trphtllo". Er schlug die Gebete von SchabboS Schekoltm auf und las sie durch. Dann sang er leis vor sich hin die schöne Melodie des Kaddisch, die auch im Mussafgebete des kommenden SchabboS ertönen wird und die in uns so angenehme Empfindungen hervorzaubert: Winterende, Frühlingsanfang, Pesach. Und dabei dachte err Wie froh wollte ich erst fingen, weyfl auch mein Gottfried da wäre! Aber der ist ja leider weit fort,' ist -efauM im tottit EMMir Vr.sMWr?^ ' " *r'; 'i/; j / Die Mutter prüfte ihren Mehlvorrat. Diese Woche mußte sie trotz der Knappheit einen Kuchen backen. Der gehörte zum „guten Schabbos." Und während sie knetete und rollte und formte, dachte sie: „Wie gut würde der Kuchen erst schmecken, wenn mein Gottfried miteffen könnte! Aber der ist ja weit weg, ist gefangen fern im Osten, im eisigen Sibirien. Und sie weinte. — Der kleine Bub aber griff zu seinem Kreisel und ließ ihn zum ersten Male wieder auf der Straße draußen tanzen. Das war doch eine andere Lust als beim Spiel im Zimmer! Da hatte der „Drehtopf" Platz! Da konnte er kreisen und hupfen! Mit luftigen Sprüngen war Simon hinter ihm her und trieb ihn zu immer tollerem Laufe. Doch plötzlich erinnerte er sich an den großen Bruder, der ihm den Kreisel geschenkt hatte, und dachte: „Wie sollte der Kreisel erst tanzen, wenn mein Gottfried hier wäre! Aber der ist weit fort in Sibirien bet den bösen Russen. Und er senkte traurig den Blick. — Als aber der Schabbos schon ganz nahe war, als der Vater bereits dir „dicke Tephillo" zuruckgelegt hatte, um sie mit zur Synagoge zu nehmen, und die Mutter den wohlgetungenen, duftenden Kuchen aus der Ofenröhre schob, da stolperte Simon ganz außer Atem zur Haustür herein und schwang in der Rechten eine Depesche, die ihm soeben der Postbote übergeben hatte, und schrie aus Leibeskräften: „Unser Gottfried kommt!" Im Uebermaß der Freude hatte er vergessen, seinen Kreisel von der Straße aufzunehmen. Da vergaß auch die Mutter, den Deckel vom Topf zu heben, obwohl die Suppe überkochte, und der Vater, den Zilinderhut abzustellen, der seit Schabbos Chanuko Winterruhe gehalten und zur Feier des „guten Schabbos" gerade hervorgeholt worden war. Mit einem dumpftn Krach siel das kostbare Stück, das bestimmt war, vom Hochzeitstage bis zur „Goldenen" aüszuhalten, zu Boden. Und als endlich der Schabbos wirklich einzog, da war auch er, der lang Ersehnte und schmerz« ltch vermißte, zu Hause, ging zwischen Vater und Bruder zur Synagoge, verfolgt von den zärtlichsten Blicken der Mutter, die in der Tür stand, gehoben von Gefühlen tiefster Dankbarkeit gegen Gott, erfüllt von Freude, Glück und Zuversicht. So gingen sie dem „guten Schabbos" entgegen. Lebe junge Freunde! Der Eifer, mit dem Ihr Euch an der Lösung der Rätsclaufgaben beteiligt, macht mir viel Freude. Ihr zeigt eine recht anerkennenswerte Gewandtheit, und tch sehe, daß Ihr in der Schule Tüchtiges gelernt habt. Diesmal.möchte ich schon etwas schwierigere Fragen an Euch richten. 1. An welchem Freudentage wird kein Halle! gebetet? 2. Wie wird der Nasi Jehuda I. gewöhnlich bezeichnet? 3. Nennet einen jüdischen König, dessen Name schon im Buche BereschtS vorkommt! 4. Welcher Ausdruck für „Kind" kommt oft im Talmud vor? b. Wie heißt der unterste Pflanzenteil? 6. Wie heißt Moses Großvater? 7. Wie heißt „Grummet" tm Hebräischen? 8. Wie hieß der Vater KorachS? 9.?3ie nennt man das Zugabeopfer?. Die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, und die Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, bezeichnen einen bekannten Abschnitt der Thora. Ich hoffe auf recht zahlreiche Einsendungen. Mit besten Gruß Gurr JE&M in der Sprichwörter. Ohne Fleiß ^2 kein Preis. p« Tages Arbeit, -iS»6v vvo SSLk' Gäste. .mp an« saure Wochen, jwa iv.jna* Wer andern eine ivinn , , „ Grube gräbt, fällt na stohe Feste. jE2 v'rn selbst hinein. nno a Würzburg. Simon Rau, Seminarist. Druckfehlerberichtigmrg. In der Erzählung »Die SchabvoSlanpe und der Glühstrumpf", muß als Autor«ame S- R (nicht S. S.), angegeben werden. Hamburg, 18. Febr. In einer deutsch-demo. kratischen Wäyterversammluug sprach General Freth. v. Schönaich üoer »Der nationale Gedanke in der Demokratie", in der er unter anderem ausführte: »Unser Bolk befindet sich in großer Not. Alles, war dazu dienen kann, es zu neuem Licht LU führen, bezeichnet die Demokratie als national. Dasjenige Volk werde in dem künftigen Vöckerbund das wichtigste Wort zu sprechen haben, dem es gelinge, sich zuerst den inneren Frieden zu erkämpfen. Alles Verhetzende muß beseitigt werden. Dazu gehört auch die Verhetzung gegen die Juden, Man lue den Juden bitter Unrecht, wenn man ihnen vorwirst, sie hätten sich im Kriege gedrückt". Schönebeck a. E., IS. Febr. Cin RaubüberfaX wurde m der Synagoge der jüdischen Gemeinde verübt. Etn junger Mann üversiel tm Hausfiur des Tempel» den Rabbiner Dr. Gal an dt, schlug ihm ins Gesicht würgte ihn und entriß ihm die Brieftasche mit Inhalt. Er entkam unerkannt. München, . 10. Febr. Der Landesverband Bayern deS ZerurawereinS deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erläßt sorgende Kundgebung: »In der schweren Nor, in die Deutschland durch die Pariser Beschlüsse versetzt wurde, ist Einigkeit aller Deutschen dringend geboren. Die tm Landesverband vereinigten bayrischen ^uden wissen sich ctntg mrr den mit rtefem vaterländischen Gefühl hervorgegangenen Protesten gegen die Deutschland angesonnene Schmach, gegen die drohende Verknechtung feiner Bevö.kerung und Erdrosselung seiner Wirtschaft. Wir lassen uns in unser« Widerstand dagegen auch nicht dadurch beirren, daß vereinzelt und unbefugt anttsemi lsche Sondervestrvbungen in die großen Bvtkskundgebungen hereingetragen wurden. Um der gemetnsanlen «ache willen bitten wir alles zu vermeiden, was die Einheit und Geschlossenheit aller Deutschen stören könnte". Köln, 22. Febr. Gestern ging am hiesigen jüdischen Lehrersemrnar dre diesjährige Entlassungsprüfung zu Ende. Vier Kandidaten wurden nach Abhaltung ihrer Lehrprobe vom mündlichen Teil der Prüfung befreit, die übrigen bestanden alle. Geheim» rar Ewerdtng vom Provtnzial-Schuikollegtum in Koblenz lejteie die Prüfung. Ais Vertreter deS Kuratoriums wohriie Fabrikbesitzer Dülken der Entlasfungsprüfung bet. Burgpreppach, 1. März. Der 45. Jahresbericht der unter Leitung deS Herrn Distrtkrrabdmer Dr. Mtchalski stehenden Präparanden- und Bürgerschule »Talmud-Thora" Burgpreppach für das Jahr 4820 teilt mit, dag im Berichtsjahre die Schule von 60 Schülern besucht war. Lerngruppen, zusammengestellt auS Schülern mit gleichen Vorkenntmssen und Anlagen, traten auch im Berichtsjahr in den jüdischen Disziplinen an Stelle der Klasjeneinieilung und über« brückten die Unterschiede der Vorbildung. AuS der Milte der Schüler bildete sich etn Lernverein, der de» Abends sich zu gemeinsamen Sonderschturrm zusammeufand. Auch waren die Schüler im Sommer bet den allfabbatttchen Tehtüimvorträgen zugegen. .Das prak, tische Siudmm der Tefiütn, so wen es für die Schüler erlernbar, das Schwärzen und Knüpfen der beiden Knoten wurde im Berichtsjahr neu eingeführt. Für letztere wurden von Herrn Lehrer Geringer Zerchnungen angefertigt, die das Knüpfen der Knoten in den einzelnen Phasen zeigen. Interessenten stehen die Zeichnungen, soweit noch Vorrat, zur Verfügung. Der Handelsunterricht wurde in drei Abteilungen für Anfänger und Fortgeschrittene erteilt und setzte die im vorigen Berichtsjahr angegebenen Pensen in einfacher und doppelter Buchführung, kaufmännischem Rechnen, Handelsuud Wechsellehre, Stenographie und Maschinenschreiben fort. Auch'in diesem Berichtsjahr erhielten die Schüler von den Kultusgemetnden München und Nürnberg, von der Oppenheimer-, der Artur Sondhetmerschen Stiftung, der Freien Vereinigung für die Interessen deS orthodoxen Judentums in Frankfurt a. M., von der Grabfetder Judenlandschaftssttstung und der Verwaltung deS Talmud Thora-VereinS in Burgpreppach Präbenden. Der Bericht schließt mit einem AppeX an die jSdische Oeffentlichkeit, der Anstalt weiter zu ged^k«.