Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1921)
- Date
- 1921-02-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ti. fltitatftK D« tfMUMt. ftt. 8 «ehe » „Heller und schöner," sagte die SchabbeS lampe traurig, „daS mag schon sein, ober waS bekommt Ihr zu sehen, Ihr armen Glühstrümpfe? Arbeit, Arbeit und nichts als Arbeit und Plage. Wenn Du dagegen wüßtest, wieviel schöne Tage ich erlebt, wieviel Licht ich verbreitete, wie ich glänzte und wieviel Freude sich in meinem Glanze spiegelte, so würdest Du mich bedauern." Der Glühstrumpf war nie aus feiner engen Mise herausgekommen) er kannte die Welt da draußen nur vom Hörensagen, und benutzte gte rig jede Gelegenheit, etwas auS ihr zu erfahren. „Vielleicht werde ich sie beneiden, nicht be dauern", dachte er still in sich und laut fügte er hinzu: „Erzähle mir doch, Du wirst einen aufmerksamen Zuhörer an mir haben." Und die Lampe begann: „Kannst Du Dir denken, daß ich einmal jung war? Jung und schön, und daß ich glänzte, wie lauter Gold, obwohl ich doch nur von Messing bin. Wenn ich so zurückdenke, so fühle ich mich ganz in jene Zeit versetzt und deutlich steht vor meinem inneren Auge das Zimmer, wo ich zum ersten Male zum Bewußtsein meiner selbst kam." „Ach, wie schön sie spricht!" dachte der Glühstrumpf. An einem Freitag Nachmittag war's, als man zum ersten Mal Oel in mich goß und in jede meiner acht Zacken einen Docht legte. Ich fühlte, daß ich einen Inhalt bekommen hatte." „Und was geschah weiter mit Dir?" fragte der Glühstrumpf. „ES war ein einfach, bescheiden eingerichtetes Zimmer, in dem ich hing, aber Alles blinkte und blankte. Gerade unter mir stand ein blendend weißgedeckter Tisch, und ein junges Weib war beschäftigt, denselben zu schmücken. Sie legte zwei geflochtene Brode auf den Tisch, die sie dann mit einer gestickten Decke verhüllte, stellte daneben eine Flasche Wein und einen goldenen Becher. Außerdem Obst und Blumen in die Mitte, gerade unter mich. Dann trat sie an wich heran (sie selbst war in festl.cher Kleidung) wit einer brennenden Kerze, und entzündete die Dochte mkiner acht Zacken, worauf sie in inniger Andacht die Hände ausgebreitet vor's Gr ficht dielt, so daß ich sie für einen Augenblick nicht sehen konnte, und laut einen Segenspruch sagte. Ach, wie warm, wie wohl wurde es mir! Ich fühlte, daß Licht und Freude von mir ausstrahlte. Noch mehr ward ich mir dessen bewußt, als kurz darauf der Gatte dieser jungen Frau, nach Hause kam, mit innigem „Gut Schabbes" den Gruß von ihr empfangen, wie sie beide glückselig zu mir traten und die Frau ganz freudig sagte: „Schau nur, wie schön unsere Schabbeslampe brennt." Ta fühlte ich, daß ich einem jungen Eheglück meines Leuchtens Glanz und Wärme weihen durfte, und ln zwei glückstrahlenden Augenpaaren mein Licht sich abspiegeln sah." „DaS war gewiß der schönste Tag Deines Lebens," sagte der Glühstrumpf ganz gerührt. „Ein schöner wohl, aber lange nicht der schönste", versetzte die Lampe, und fuhr dann fort: „Damals meinte ich auch, daß eS eine Steigerung jenes Hochgefühls, daS ich allwöchentlich, wenn ich in mein Recht trat, empfand, nicht Mehr gäbe. Doch als nach einigen Jahren zwei re'zende Kinderarme sich nach meinem Glanze und Licht verlangend auSftreckten, und Kinderjauchzen an mein Ohr drang, da war mein Glück von früher nichts gegen die überwältigende Freud?, die mich da durchströmte. Ich war gewiß nicht weniger glücklich, als das junge Elternpaar, -essen Glück durch den Besitz deS KtndeS eine so mächtig; Steigerung erfahren hatte." „Wie viel Schönes hast Du doch erlebt," seufzte der Glühstrumpf.!„Jch lebte jede Woche nur einen Tag, aber das gab mir Inhalt genug", fuhr die Lampe wir im Selbstgespräch fort. „Ich sah nicht immer Glück und Freude. Vrele, viele Mühen und borgen sah ich die Woche hindurch, viele Hoffnungen und Enttäuschungen erlebte ich mit, viel Arbeit und Plage sah ich mit an. Da- Leben zeigte sich meinen Besitzern nicht immer von der rosigsten Seite. Aber wenn ich brannte, wenn mein Licht leuchtete, wenn der Schabbes einkehrte in Haus und Herz, dann war alles, alles vergessen) alle Arbeit und alle Last, alle Sorge und Mühe. Mein Schein fiel nur auf glückliche, zufriedene, sich ganz der göttlichen Ruhe des Sabbats hingebende Menschenkinder, mein Licht strahlte nur zu frohen, freudersüllten Stunden, und strahlte nur aus leuchtenden, durch gehobene Stimmung glänzende Augen zurück. Es gab später mehr der Kinder, jch sah sie heranwachsen zur Freude und zum Stolz der Eltern. Der Schabbes bildete auch für sie ein Fest; da entwickelte sich stets ein edler Wettstreit, wenn der Vater jeden Freitag Abend ein „Verhör" anstellte, jedes wollte besser wissen, mehr, fleißiger gelernt haben die Woche über. Viel erfuhr und lernte ich selbst dabei, das ganze jüdische hehre Pflichtrnleben hörte ich aus dem Munde des Vaters den Kindern erklären, eS ihnen einprägend, dessen Sinn erläuternd, auf daß sie in dessen Betätigung selbst ihres Lebens höchstes Ziel und Ideal finden sollten. Und es war nicht nur tote Theorie, was der Vater lehrte, nein, in diesem Kreise war alles in lebendige Tat urngesttzt, und leicht hatten die Kinder an der Hand eines solchen Beispiels zu lernen." . „Da muß ich allerdings gestehen, daß Dein Los ein glücklicheres war als das meinige, trotz meiner stärkeren Leuchtkraft, die aber nur hastende, mürrische und sich quälende Menschen sieht." „Wie viele lieblche Gesänge tönten an mein Ohr^, fuhr die Lampe fort. „Wie viele Gäste sah ich bewirten, mit wie viel Liebe und Güte) wie bestrebten sich Groß und Klein, den Gast vergessend zu machen, daß der Tisch, an dem er saß, eigentlich ein fremder, und das Brot, welches er aß, das der Heimatlosigkeit sei. Ja, ich kann sagen, daß ich nur Edles und Schönes bet den lieben Leuten sah und erlebte." „Und warum kamst Du fort von dort?" fragte der Glühstrumpf. „Ja, das ist das traurigste, dunkelste Kapitel meines Lebens. Ich hatte mit einem Haken bittere Erfahrungen gemacht. Der Haken, an dem ich damals hing, er versagte mir eines Tages treulos den Dienst und fiel mit lautem Krach zur Erde. Ich wurde ohnmächtig und weiß nicht, was mit mir geschah. Ich weiß auch nicht, wie lange meine Bewußlosigkett gedauert, nach was inzwischen mit mir vorgegangen war. Als ich wieder zu mir kam, da lag ich verstaubt im Winkel einer Bodenkammer. Wie lange ich schon da war, ich weiß es nicht, ich glaube, ich muß mich bet dem Falle unheilbar verletzt haben, und deßhalb auch wohl wurde ich zur Seite gelegt. Ich hatte jedes Maß für die Zeit verloren, denn mein Leben hatte ja nur Inhalt durch die Sabbate, an denen ich leuchten durste, sie gaben mir den Maßstab für seine Dauer. Nun ich nicht mehr leuchten durfte, hatte es seinen Wert für mich verloren. Eines Tages stöberte man mich in meinem Winkel aus und brachte mich hierher. „Altes Messing, wert zum Einschmelzen", das war das Urteil, das mem jetziger Besitzer über mich fällte, und so hänge ich nun hier und wünsche mir den Tod. Ach, einaeschmolzen zu sein, es müßte herrlich sein im Vergleich zu diesem unnützen Leben, das mich nur täglich und stündlich der schönen Tage und Jahre, die ich erlebt, mit Schmerz gedenken läßt". „Horch, was ist das?" sagte der Glühstrumpf, „es scheint, wir bekommen noch späten Besuch". Die Türe öffnete sich und es kam noch ein Käufer. Er erblickte die Schabbeslampe. „Ist die verkäuflich?" ftagte er den Trödler, -er mit ihm eingetreten war. „Verkäuflich wohl, aber als Oellampe unbrauchbar", sagte dieser. „DaS schadet nichts", war die Antwort, „ich üche eine solche Lampe, um sie für elektrisch einrichten zu lassen". Die Lampe durchfuhr eS schon jetzt wie ein elektrischer Schlag. Ach, sie besaß Erfahrung genug/ fie wußte, daß man sie quälen und bearbeiten wird, daß man Drähte durch sie ziehen wird, Wd sie empfand es schon im voraus, wie einen körperlichen Schmerz. Ach, zu erhoffen hatte fie nichts davon, sie wußte, wo fie nicht einfach und bescheiden mit Oel leuchten durfte, daß fie dort nicht dem gemütvollen, echt jüdischen Leben ihre Dienste weihen durfte, daß nur kalter fremder Glanz von ihr ausgehen durste, bei dem ihr Herz selbst kalt bleiben wird. Mit Schmerz sah sie, daß man handelSetnS wurde über sie. Doch im Grunde genon.men konnte eS ihr gleich sein. Ob sie hier im Trödlerladen hing oder vielleicht in einem eleganten Zimmer elektrisches Licht verbreiten mußte — für sie gab es nur noch eins, waS Niemand ihr rauben konnte, waS ihr köstlichster Besitz bletben würde bis an ihr Ende: D^e Erinnerung an echtes Schabbesglück und wahren Schabbesfrirden. Der Glühstrumpf aber kam in das Kontor eines modernen Glaubensgenossen und mußte Sabbat und Feiertage und Werktage glühen, bis er zur Asche zurückkehrte, voü der er genommen war. S. S. rrm' r?*n ans rstfiö •rfcm bsn 'bv nnn '28 niHö ->V22 Kreuznach. E. Agulntk. nuflöfuno öes Safjrälfeis in Nr. 5: *1010 bspl nrep VPV (Mischte, Kap. 1v, «atz 20), fluflöiuno öes Öahlenräifels In Nr 0: 1. Mose». 2. Absalon. 3. KadeS. 4. Kaleb. 5. Ahab. 6. Babylon. 7. Aleph. 8. Esra. V. Rahel. Anfangsbuchstaben: Makkabäer. Richtige Lösungen sandten ein: Julia und Paula Bamberaer, Resa und Lea RooS, Heinrich Teiielbaum, Harry Weinberg, Werner Groß. Joseph Oppenheimer, Adolf und Sali Ansbacher, Julie Ochsemann, Han.ielt Bamberger, Jakob Ratzker, Hanna und Jakob Rothschild, MoseS Diamant. Emtlund Erich Offenbacher. Emil Schwarzschild, Paul Gugaenhelm, Bella und Bronja Wetnreb, Siegberr Neuland,Bernhard u. Simon Jeck el, Ludwig Forchheimer auS Würzburg, Julius Werihan, Frankfurt a. 3».;. Gust. Heldingsfelder, Kttztngen; Rudolf Freudenberaer. Beitshofhelm; Hermann, Alexander und Lotte Cayn, Hamburg; Mannfred Fisch, Trier; Johanna Weiht, Grebenau; Hermann Lehmann, Letpztg; Luise Mayer, Groß-Biebera»; Johanna Löwtnger, WilhelmSburg; Oskar Feuchtwangec, Amsterdam; Ludwig Frank, König i. O.; Frau B. Strauß nebst Kindern Jose und Ruth, Jakob und Mirjam Strauß, Hambu'g; Bertha Erlanger, Luzern; Mina und Bella Israel, Str-mpfelbrunn; Julius Kahn, Bucha; Egon und Güniher Damman, Jakob Bock, Berlin; I. Salomon, Nürnberg; Flora Lehman«, Donondorf t. E; Lina Markus, Affenheim; M. Feller, Josef, Nastali und Wolf Berlinger, D Simon, M. Bernknopf, EliaS EhwadanSkt, Heidelberg; Johanna und Sally Schwab, Halberstadt; Hermann Wolf, Dortmund; Arihur und Ludwlg Samuel, Freuden^urg a. S.; Isidor Weinreb, Ludwigs trafen; Julius Carlebach, Hamburg; Ludwig und Ruth Halberstadt, Halle; Simon und Lint Erlanger, Most Herz und David Grünwald, Luzern; Leopold Flamm, Nürnberg; Leo Schwarzschild, König i. O.; Rost und Hanna Birnbaum, Fürth; Jenny Salomon und Irma Joseph, Beerfelden i. O.: Benztan Margulies, Mannheim; Ruth Löw, Bierheim; Judith, Emmy und Leo Wechsler, Nürnberg; Phil. Goldmann, Wiesbaden; Nelly Marx, Neuktrchen; Elsa Guggenhetm, München; Alfred Herz, berg, Nürnberg; Frieda, Meier und Benno Heß, R. Ettltnger, Mai'ch; Kantor Ph. Künsteln, Hameln; David Halberstadt, Oberseemen; Eiia Hschenberg, München; Simon Eschwege, Fulda; Gitta Sichel, Burghasloch; Heinrich Lamm, Berlin; Heinrich Leoy, Homburg (Pfalz); Tilli Kahn, Arnim Blumenthal. Ruth Oppenheimer, UnSleben; Hedwig PinkuSfon, Sam bürg; Elfrtede Katzenstein, Breitenbach; M. lemmer, LudwigShafen; Cäctlle Weinberg. Barchfeld; Ludwig Marx, Fürth; Max Gutmann, Jchenhaufen; Heinz Heymann, Hella Behrend, Rudolf Heyman«, Friedrichstadt a. E.; Markus Neuberger, Berlin; Jakob Altmann, A. Rothenberg, Karlsruhe.