Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1921)
- Date
- 1921-02-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gette 6 nt. * K«. ZKMVN Nürnberg, 4. Jan? 'Bor dem hiesigen Schöffengericht wurde eine Privatbeleidtgungsklage der Meister vom Sruhle der Loge „Zur aufgehenden Morgenröte" in Frankfurt a. M., Kaufmann Eomund Ganz und Geh. Sanüötsrat Dr. Ludwig Rofenweyer, gegen die Vorsitzenden der Ortsgruppe Nürnberg des »Deutschvölkischen Schutz- und TrutzbundeS", Zivtlmgenieur Tarl März uns Geschäftsführer Kurt Kerlen, verhandelt. Dre genannte Ortsgruppe hatte im Frühjnhr 1620 ein Flugblatt verbreitet, dessen Behauptungen auf dem bekannten antisemitischen Pamphlet „Die Gehetmntsie der Weisen von Zion" aufgebaut waren. Das Pamvhlet veröffentlicht angebliche Geheimberichte über den 1807 in Basel veranstalteten Ztonistenkongreß, auf dem die Vernichtung aller Staaten, die Beseitigung aller Fürsten und die Errichtung etneö Weltreiches umer jüdischer Herrschaft beschlossen worden sei. Auf der ersten Seite des Nürnberger Flugblattes wird von der Bestechung eines Inden geredet, der die Geheimberichte des Basler Zionistenkongreffes nach Frank« surt a. M. gebracht habe, wo nach dem wörtlichen Ztrat auS de« „Geheimnissen der Weisen von Zion" „die am IS. August 1807 gegründete Judenloge mildem vielsagenden Namen „Zur ausgehenden Morgenröte" seit emem Jahrhundert die Verbindung mit dem Groß, orient von Frankreich unterhält". In dieser' Bemerkung erblicken die Kläger eine schwere Üble Nachrede tn dem Sinne, daß die Loge während des Weltkrieges Verbindung mir den französischen Großiogen umerhallen, also in landesverrätertschen Beziehungen zum Feinde gestanden habe. Der Angeklagte Kerlen bestritt, an der Verbreitung des Flugblattes irgendwie beteiligt zu feinder Angeklagte März gab zu, an einer Audschußsttzung des Demschvötkischen Schutz- und TrutzbundeS rettgenommen zu haben, in der die Ber- . vreitung deS Flugblattes beschlosien wurde und als einer der Boriitzenden der Nürnberger Ortsgruppe die Lerdretiung durch die Ortsgruppe gekannt zu haben. Just<zrat Dr. Gehrke alö RechiLberstand der Kläger, rennzeichnete diese Art der Verteidigung ais armselig und ryplsch für dre perfide Kampieswetse dcS Auttjemitismus, die Gegner mit Schmutz zü bewerfen und dnnn, zur Rechenschaft gezvgtn, durch Ausflüchte und Sophrsmen zu kneifen. Das Gericht sprach Kealen frei, wert ihm eine Btterlrgung an der Verbreitung des Flugblattes nicht nachgewtesen sei, verurteilte dagegen März zu 80 Mark Geldstrafe eventuell 8 Tagen GesängM und sprach den Prtvattiägern das Recht zu, oaS Urteil je einmal tn der „Frankfurter Zeitung" und dem „Fränkischen Kurier" zu veröffentlichen. Bei der Strasvemefsung sei zu berücksichtigen gewesen, daß März an die Richtigkeit der Behauptungen geglaubt Hube. Limburg a. de. Lahn, 25. Kan. Herr Lehrer Isaak rief am ht.sigen Platze einen Jugendbund, ins Leben. Die Grünoung erjolgle am 16. Januar d. IS. Nach einer begeisternden Begrüßungsrede deS Herrn Isaak, hielt Herr Hans Adler, tzranlfurt a.M., einen fesselnden Vorirag über „Den neuen Geist der Jugend". Reicher Beifall bewies, wie sehr die Worte delder Redner auf fruchtbaren Boden gefallen waren. Dem Vorstand gehören die Damen: B. Lomnitz, H. Behr und die Herren: O. Faßbender, M. Steruberg und F, Leopold NN. Den» netten Verein traten sofort über hundert Mitglieder bei. Wöchentliche Vortrags- und Heimabende sollen das Interesse für alle jüdische Fragen wachhalten. Hannover, 26. Jan. Das KindererholungShelm der Ztonloge auf Norderney öffnet tn diesem Jahre zum dritten Male seit beendeter Krtegszert seine Pjorten, um in der Zeit vom Mai bis Oktober allmonatlich ca. erholungsbedürftigen Kindern einen kräftigenden und frohen Aufenthalt an der Nordsee zu schaffen. Das Heim, tn günstiger Nähe des Meeres gelegen, erfüllt mit seinen ueuzeitltchen, hygienischen Einrichtungen <1911 erbaut), fernen luftigen, hellen, tn schönen Farven geyarrcnen Wohn- .und Schlaft äumen all« Bedingungen, die erforderlich sind, um unter der Leitung pädagogisch geschulter Kräfte, tn famiUenhafter Gruppierung dre Pflege und Förderung jedes einzelnen KtndeS zu gewährleisten. Verbindung mir dem Ktnderherm beabjlchtigt die Zionloge — in einer benachbarten, neuerworvemn, klemen Villa — eine Ableitung für acht btS zehn schulentlassene, junge Mädchen im Atrer von 14 18 Jahren für üte Zeit vom 2. Mat bt» Ende September anzugltedern. Mit dieser Erweiterung ihres bisherigen Arbeitsgebietes wacht die Zionloge es sich zur Ausgabe, cinersetts jungen, jüdischen Mädchen nach beendeter, höherer Schulblldung einen fünfviS sechsmonatigen, gesunden Aufenthalt an der Nordsee zu breren und andercrjetiS eine praktische und theoretische Einführung in Hausarbeiten und Kochen zu geben. Des Weiteren sind auch ln Verbindung mit unferm Kindererholungsheim Unterweisungen tn den einfachsten Formen der pflegerischen und erziehlichen Arbeit an Kindern beabsichtigt. Anmeldungen und Anfragen find zu richten an die Verwaltung deS Kinder- «rholungSheimes der Zionloge Hannover, Theaier- - platz 14. A«rich» 12. Jebr. Der neugegründets Talmud ThvrN'Verem hielt zum ersten Male seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht und konnte mit Befriedigung feststellen, datz der Verein dis auf ihn gestellten Hoffnungen voll «rMt Hab». Dt» ßsrschiedenen Vorträge und Schiurim, Welche in höchst anregender Weif» von Herrn Hauptlehret Wolff und Herrn Lehrer Gold schmidi ckbgehalten werden, erfreuen sich nach wie vor eines regen Besuches. Weiter machte der Vorsitzende die erfreuliche Mitteilung, daß dre als Wohltäter bekannte Familie Josef Hes und Frau, geborene Hildesheimer öins Josef und Eise Hes-Stistung gemacht haben. Mögen noch recht viele diesem schönen Beispiel folgen. Antwerpen, 2. Februar. Zum Sekretär der orthodoxen Gemeinde rnrr »pnno zu Antwerpen (Oberrabbiner M. Rottenberg) und Direktor der Abteilung Religionsunterricht an der Mittelschule mim wurde Herr S. M. Slagter, Rotterdam, Redakteur deS dort erscheinenden Weekblad voor Israel. HuiSgestnnen ernannt. Herr Slagter hat feine neue Stelle schon angetreten. Jerusalem, 1. Jebr. Die jüdischen Arbeiter und Beamten der palästinensischen Eisenbahnen, sowie des Post- und Telegraphenwesens, haben sich zu einer Berufsgcnoffenschaft vereinigt. Ferner wurde in einer kürzlichen Sitzung des Beamrenvereins in Jerusalem beschlossen, einen Schlrchtungsautzschutz zu wählen. Denselben Beschluß faßten auch die Beamten und Angestellten der jüdijch-ameiikanischen Santtätsinstitution „Hadasiah". Es wurde beschlosien, die neuen Organisationen der"kürzlich gegründeten „Gesamtgewerkschaft aller Arbeiter Palästinas" (Jchud) anzufchtießen. Die hebräische Sprache ans den öffentlichen Gymnasien. Frankfurt a. M , 7. Jebr. „Wenn wir auch gar keine Veranlassung haben, für daS „Hebräische" in der Art und der Dosis, wie eS auf den preußischen Gymnasien einigen wenigen Lernbegierigen, zumeist angehenden Geistlichen, gereicht wird, eine Lanze zu brechen". . . Gegen diesen Satz, den wir in Nr. 5 des „Israeli t" lesen, möchte ich mir einige Bemerkungen gestatten. Da ich diesen Unterricht genoß und mich noch gern und dankbar an ihn erinnere, komme ich zu einer anderen Stellungnahme. Angesehene Germanisten und namhafte Schulmänner sind gegen den elementaren Unterricht tn der deutschen Grammatik, wie er gewöhnlich in den Schulen erteilt wird. Es sei überflüssig und schädlich, den Kindern Dinge, wie Deklinieren, Konjugieren und ahnliches, betzubrmgen, die selbstverständlich seien Die Muttersprache sei zu gut dazu. Ein Eingehen auf das tiefere Verständnis der Sprache, auf Wortkunde, Satzbau, Stttistlk usw., das erst auf einer höheren Stufe beginne« kann, wird hierdurch freilich nicht berührt und ausgeschlossen. Im Gegenteil, sie kommen erst Sa zu ihrem Rechte. Aehmtch ist unser Verhältnis zum Hebräischen. Wir wollen offen und ehrlich sein. In unseren Kreisen ist es ein schöner Gebrauch, die Kinder, noch bevor sie schulpflichtig'stnd, die Sprache unserer Gebere zu lehren, ihnen auch bereits Abschnitte der Bibel zu übersetzen. In der Schule wird dieser Unterricht fortgesetzt, zugleich etwas elementare Grammatik geboten. In den oberen Klaffen, wo der grammatische Unterricht eigentlich erst gute Früchte zeitigen könnte, fehlt meisreens die Zeit; der Unterricht har, und mit Recht, andere, höhere Ziele. Und ferner: Die Schüler si.rd nicht mehr unbefangen genug, sie stehen dem Hebräischen, das sie täglich beten und von Kindheit an kennen, nicht mehr objektiv genug gegenüber, eö ist ihnen, cum grano salis, gleichsam zu einer zweiten Muttersprache geworden. (Eingefleischte Zionisten werden über meinen Optimismus lachein, aber er ist doch wohl gegründet). Die Grammatik wird also vernachlässigt. So kann es geschehen, daß ein ganz geweckter Bursche, der neun Jahre Hebräisch gelernt hat, der Ansicht ist, das Hebräische besitze keine eigentliche Grammatik, sei also keine durchgebrldete Sprache wie die anderen Sprachen, die er in der Schule lerne, oder gar, jedes hebräische Zeitwort sei unregelmäßig. Der hebtärfche Unterricht auf den Gymnasien entspricht dem lateinischen und griechischen. Wer daran leilntmmt, lernt bereits tm Beginn, auf Einzelheiten und Feinheiten achten, dre unser einem erst tn reiferem Alter auffallen, wenn man sich tieferen Studien hingibt. Das Hebräische ist auf den Gymnasium eben eine Fremdsprache wie jede andere und wird ad ovo angesungen und gründlich behandelt. Und man denke nicht gering von dresem Unterricht und seinem Ziele. Von Obersekunda bis Oberprima werden zwei Stunden wöchentlich gegeben, Jünglingen, die bereits die grammartsche Schulung deS Lateinischen und Griechischen befitzen. Da die Teilnahme gering ist — meine Klaffe zählte sechs Schüler, galt daher a!S gut besetzt —, kann der Lehrer den Unterricht intensiv gestalten. Wenn der Abtturient in der Laut- und FlexlonSiehre, auch in einigen Kapiteln der Syntax gut beschlagen ist, wenn er imstande ist, mit Hufe deS Wörterbuches auch schwierigere Stellen der Bibel im Urtext zu lesen, ist das so wenig? Ist das viel weniger, aiS man schließlich nach einem neunjährigen Unterricht tm Lateinischen, nach einem sechsjährigen im Griechischen ins Leben hinausnimmt? Wenn jüdische Gymnasiasten sich an diesem Unterricht bstetligien, sie hätten eS nicht zu bedauern,- sie hätten jedenfalls mehr davon als von de« sogenannten Religionsunterricht, der Ethik, Moral, allenfalls jüdische ««schichte »i^ot, aber «»hl u»th r»i«M recht erwärm» har. Ä Februar tm Sollte eS nach de« Vorschläge eines Herr« Dr. Krohnert zur Aufhebung des hebräischen Nnterrichtes in den Gymnasien kommen —> zum-'Glück-liegt noch kein Anlaß zu einer Befürchtung vor —, dann werben wir freilich keine Versammlungen einberufen, unr unserer Entrüstung Ausdruck zu geben; wir werden „keine Lanze brechen", aber bedauern sollten wir eS immerhin. Nicht bloS in der Politik rächt eS sich, wenn man glaubt, über Imponderabilien sich htnwegsetzen zu können. Und hter handelt es sich um mehr alS um Imponderabilien. Dies auszuführen, dürfte die verehrlnhte Schriftlettung aus Raumknapphett nicht gestatten. Prof. Dr. I. L. Koschere Butter. Geehrte Redaktion! Das Eingesandt des Herrn Lehrer Freuden b erg er tn der vorletzten Nummer Ihre» Blattes war mir aus dem Herzen gebrochen. Er hätte sich vor allem an die Herren Rabbiner (tn Bayern) wenden müffen, die während der KrtegSzett den Genuß dieser Butter erlaubten und diese Erlaubnis auch veröffentlichren, sie somit für die Allgemeinheit fretgaden. Wie wenig damit der nrisn gedient war, ergab sich aus der Tatsache, daß der Heimgegangene Würzburger V'Xt m sehr schwere Bedenken gegen die Beröffentlichung erhob, indem er auf die Folgen htngewtesen hatte. Wie recht er hatte, zeigt die Gegenwart, zeigt die Tatsache, daß Herr Rabbiner Dr. Bamberger tn Bad Ktssingen seinen früher gegebenen zurückzieht. Wo soll denn jetzt beim besten Willen NV2- Butter Herkommen? Hätten die rituellen Haushaltungen nicht aufgehört, ihren Bedarf an Butler bei ihren jüdischen Lieferanten zu decken, so wäre es jetzt ein leichtes gewesen, mit den Bauern, den Erzeugern der Butter, auf der alten BastS weiter zu verhandeln. Mit den Behörden hat man auch während des Krieges für die rituelle Herstellung aller Lebensmittel verhandeln können; auch über die anderen Schwierig, keilen wäre man hinweggekommen. Heute läßt sich kein Bauer mehr darauf ein, eine Aufsicht bei der Heriuüung der Butter auf sich zu nehmener kann seine Bnner doch an „Juden" verkaufen, die zahlen ihm vielleicht noch bessere Preise und sind Abnehmer jeden QuanrumS, wenn e» auch keine reine Butter ist. Schaffen Sie unS Herr Freudenberger, ^Butter und wir werden sie nehmen l Frau H. B. Koscher-Margarine. Geehrte Redaktion! In letzter Zeit wird Koscher-Margarine verpackt und versiegelt, anstandslos von jüdischen Hausfrauen in Geschäften gekauft, die Schweineschmalz, Fett und Würstwaren auch vertrieben. Die Koscher-Margarine wird in dem gleichen Raum oder SchaufensterauSlagen mit obiger trefener ausgestellt. ES darf doch mit Sicherheit angenommen werden, daß die verpackte Koscher-Margarine nicht von dem Eindringen dieser sremden Jette geschützt ist, worauf ich den Leserkreis deS „Israelit" darauf aufmerksam machen möchte. Karlsruhe, den 20. Februar 1621. An verehrliche Redaktion des „JSraeM" Frankfurt a. M. Heute bekam ich erstmals Ihre Nr. 3 vom IS. v MtS., mit dem Artikel „Das neue Regiment tn Baden", zu Gesicht. Zu meiner nicht geringen Verwunderung ersehe ich daraus, daß der Oberrat ein als „geheim" bezetchneteS Schreiben an die Gemeinden gerichtet hat, worin zu Geldbeiträgen für eine Ehrengabe an mich aufgefordert wurde. AlS ich vor vielen Wochen unter der Hand von dem seitens deS gefämten Oberrats gefaßten Plan einer Ehrengabe für mich Kenntnis erhielt, habe ich mich sofort bet dem Herrn Oberratsvorsttzenden dagegen verwahrt. Damit glaubte, ich die Sache erledigt. Bon einem Rundschreiben an die Gemeinden hatte ich keine Ahnung und ich hoffe, datz mich niemand dafür mitverantwortlich machen wird. Ich danke den Herren Mitgliedern deS OberratS, namentlich auch den konservativen, für ihre gute Absicht; sie wollten mir offenbar Gelegenheit geben, einer: Groß-Frankfurt am Esohenhei nier Torrn Spezialitäten» Theater Zillertal und Bierfcabarett RueenBffnung 8*/, Uhr, Anfang 7lf, Uhr ahtntfs »ilikl au s a Eingang bd, BttlUtraB» »