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Der Israelit · 1921-02-10 · Heft 6 (10.2.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 6 (10.2.1921)
Date
1921-02-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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19. Februar Ml Existenz: den Gedanken der Souveränität des Gottesgejrtzes aufgibt und sich in eine unmittelbare oder mittelbare Abhängigkeit von einer nichtorthodoxen Organisation begibt. Düs aber Le- [eutete der misrachisrische Vorschlag/ die „Aguda" dolleBertreter in einen vom Zionismus abhängigen Erziehungsbeirat entsendenhierauf konnte der Gegenvorschlag nur lauten, der „Misracht" solle erst seine Abhängigkeit von der Zionistisch;n Organisation lösen. Es ist aber wahrhaft thöricht, dieser Forderung nun die Wendung zu geben, datz es sich um den „Ausschluß der Nichtorthodoxen" handelt. Agudas Jisroel will niemand von dem Anteil an dem Aufbau Erez Jisroels ausschkießen. Sie gibt auch nicht die Hoffnung auf, im Goius wie in Erez Jisroel die heute der Thora entfremdeten Söhne und Töchter des jüdischen Voltes zu sich zurückkehren zu sehen, aber sie setzt die Thora als Mittelpunkt, nicht als Fraktions-Ideal. Sie ruft die Entfremdeten zu sich, sie will aber nicht umgekehrt die dem Thora-Geist entfremdeten Kreise als Führer der jüdischen Gesamtheit anerkennen und sich ihnen unterordnen. Diese organisatorische Unterordnung bedeutet tu ihren Augen früher oder später eine geistige Unterordnung der Prinzipien und die Preisgabe des absoluten Wahrheitswertes der jüdischen Ucberlieferung. Der Mtsrachi mag in allen diesen Dingen anderer Auffaffung sein, leinesfalls aber hat er das Recht, ln die Gedankengänge der Agudas Jisroel Tendenzen hinein zu legen, gegen die leicht zu polemisieren ist, die aber der wahren Meinung der Aguda nicht entsprechen. Ae vierte Internationale. „Neben den drei immer genannten Internationalen, der Sozialdemokratie, des Kathosizismuö und des Judentums, gicbt es noch eine vierte, nämlich die Dummheit . . ." So bemerkte in einer vom „Berliner Zentralverein" veranstalteten öffentlichen politischen Aussprache ein hervorragender Vertreter der Zentrumspartet, Dr. Alfons Steige. Ist aber damit die Dummheit gemeint, die der Zeniralverein mit seinen öffentlichen Aussprachen bekämpfen will, so sollte man doch wissen, daß gegen Dummheit nicht allein Menschen vergebens kämpfen . . . Dessenungeachtet wollen wir den Wert dieser Aussprachen bei den obwaltenden Umständen nicht ganz verkennen. Leute, die tagein tagaus mit der geistigen Kost aus der antisemitischen Hexenküche überfüttert werden, denken selten daran zur Belehrung mb Vervollständigung des Bildes von den Dingen nach der Gegenliteratur der Abwehrveretne zu Keines Feuilleton. Wochenhast und Sahbatrast. Bon David Piueas. Wie lastet doch so schwer, so schwer Auf uns des Alltags Sorgen! Und drückt das Heute noch so sehr, Mehr wuchtet noch das Morgen. Ums Brot die Jagd mit ihrer Hast Erdrosselt Geist und Seele säst, Verscheucht jedrved Behagen. Du hebst nach sorgzerpflügter Stacht Dich müde auf vom Pfühle- Du wirfst dich in die Daseinsschlacht, Dich in dcS Tags Gewühle. Uno was dir da entgegengrinst - Siehst picht das Gieren nach Gewinnst, AuS Not und Angst geboren'? Doch Schlimm'res noch begegnet euch Im tollen Menschenschwarme: Daß jung und alt und arm uitb retch An Sitte fast verarme, ' Daß offen schwelgen, schlemmen dürfen, Die frech das Mark des BolkeS schlürfen — Und Kinder, Kranke darben. Wer rettet uns vor dieser Echan, Deckt zu mit stillen Händen Uns diese Szenen, nülft und rauh, Nr. S Seite 8 Der JSrrrltt. Wäsclie-Ausslatfmigeni Damen-, Herren- und Kinder-Wäsche Anfertigung in eigenen Werkstätten Ständige Ausstellung eingerichteter Zimmer von einfacher bis zu vornehmster Art Vier Stockwerke Möbel Gardinen . Möbelstoffe . Teppiche . Beleuchtungskörper % pVandamerstr ASSE G; E J5 R greifen. Aber es ist wohl denkbar, daß der eine oder andere, sofern das antisemitische Dogma noch nicht ganz von seinem Denken Besitz genonimen hak, zu einer politischen Aussprache — die nichts kostet und zu nichts verpflichtet ~ htngeht und sich belehren läßt,' tlicht durch die Reden der jüdischen Versammlungsleiter, auch nicht durch die Referate der Vertreter anderer Konfessionen, aber durch die Reden der eigenen antisemitischen Führer, in denen sich ihre ganze Ignoranz, Anmaßung und der absolute Mangel an Verantwortungsgefühl mit überzeugender Gewalt offenbart ... Im letzten Hefte der Monatsschrift „Auf Vorposten" sind nur acht Artikel enthalten, die alle Glft und Galle speien, alle darauf hinauslaufelr, in Juden und Judentum die Quelle alles Nebels und Unglücks zu zeigen. Wie erbärmlich nehmen sich aber die Dinters, Kuntzes und Frttsches aus, die hinter diesen Episteln stehen, wenn sie auf dem Podium von Mund zu Mund Männern vom ernstem Denken und wirklichem Wiffen gegenüber ihre Ansichten undAnwürfezu vertreten haben?! So liegt denn das größte Verdienst der Aussprachen darin, daß sie denen, die noch sehen und hören wollen, Gelegenheit geben, sich die Herren einmal von der Nähe anzusehen . . . nsn Will unsere Pein beenden? Wer senkt in uns Vergessen süß An Wochensorg' und Bitternis, An wilder Zeit Verschulden? Düs tut der Freitag, abend mild, Der Sabbat tut'?, der hehre. Wie da die freie Seele schwillt, Die nicht mehr sorgenschwere! Der Geist trinkt von dem „LebenSquell", Leicht wird das Herz, der Mund.läßt hell Und froh Scmiraus schallen. Auf ihren Schwingen — Greis und Kind Fühlt sich zu Gott gehoben. Wie voll Vertrauen wir nun sind! Wie dankbar wir Ihn loben! Es würzt manch' Thorawort das Mahl; Der §guten Wörtchen" große Zahl Wird gebcfroh bereichert. Wo ist denn jetzt die Not der Zeit, Die gierige Jagd der Gaffen? Gottlob — wie liegt ihr doch so weit Bon Sabbats Tun und Lasten! Erfüllte doch sein Geist, sein Wort UnS so, daß er uns fort und fort 'ne „gute Woch'" bereite! (Deutsche Forschung am Sinai.) Für lange Zeit wird es wohl das letzte Mal gewesen sein, als Sas deutsch-türktsche Denkmalschutz-Kommando deutsche Foischungsarb-it in Borderasten ermöglichte. Die wiffenschaftlichen Beobachtungen und Ausnahmen, die di» brutschen Forscher aus ihren Inspektionsreisen machen konntsn, will Geh. Rat Lheodor Wiegand, Das palästina-Mndat. Das dem Rate des Völkerbundes bereits am 6. Dezember 1920 übrrmtttclte Schriftstück, das den Entwurf des Völkerbund-Mandates für die Verwaltung Palästinas enthält, wird nunmehr der Oeffentlichkeit übergeben. Angesichts der Wichtigkeit des Dokumentes, das für die nächste Zeit die Grundlage für die Entwicklung der jüdischen Siedlung in Erez Jisroel bilden wird, veröffentlichen wir int Folgenden eine genaue deutsche Uebersetzung der hauptsächlichen Bestimmungen, soweit sie sich auf unsere Interessen beziehen. Der Entwurf zerfällt in eine kurze Einleitung, die u. a. den Wortlaut des Balfour- Briefes vom 2. November 1917 wiederholt, und 27 Einzel-Artikel. Artikel 1. Seine britische Majestät soll daS.- Recht hüben, als Mandatar alle Macht äuSzuüben, die der Negierung eines souveränen Staates zusteht, es sei denn, daß ihre Rechte durch die Bedingungendes gegenwärtigen Mandates begrenzt werden. Artikels. Die Mandatarmacht soll dafür verantwortlich sein, bas Land unter solche politische, administrative und wirtschaftliche Bedingungen zu stellen,, die die Errichtung des Jüdisch-Nationalen Heimes,.wie eS in der Einleitung erwähnt ist, sowie'die Entwtck» lun.q der SelbftverwaltungS.Jnstiturionen sichern^verant-- wörtlich auch für die Sicherung der bürgerlichen und» religiösen Rechte aller Einwohner Palästinas ohne Rücksicht auf Raffe und Religion. der Direktor des Berliner Antikenmuseums, in Mnzelhefteu verSffnntlichen, von denen das erste, dem Sinaigebiet gewidmet, jetzt bet der Bereinigung wiffenschastltcher Verleger erscheint. Das Preußische KriegSminiftertum unterstützte das Werk mit einem namhaften Beitrag. Der Führer des ersten Expeditionskorps am Suezkanal, General Freiherr Kreß von Kreffenstein, schildert da die so hoffnungsvoll begonnene Kriegführung am Kanal, und man sieht die Ansnahmn,. die die deutsche Jiiegerabreilung 308 dort gemacht hat, z. B. den Bück auf die Pyramiden. Wiegand, der Papyrusforscher Prof. W. Schubart, der Prähistoriker Pros. Dr. E. Werth teilen eine große Anzahl wertvoller archäologischer und topographischer Beobachtungen mit, und Wiegand behandelt Bautechnik, Baustil und Schmuckformen jener Wüstenruinen, der Reste der Orte des eittft gesegneten Landes, die hierin den ersten Jahrhunderten unsererZettrechnung lagen. Der hohe Berg, der hier seit uralter Zeit von Wallfahrern bestiegen wird, trägt nach der Bibel, die ihn den Berg Hör nennt, AronS Grab. Eine große byzantinische Kirche hat dann hier gestanden, an dem Platze erhebt sich jetzt ein kleiner islamischer Bau. Aber auch das Sinaiproblom selbst haben die deutschen Gelehrten in Angriff genommen und glauben d«tzl wahren „Berg des Herrn" gefunden zu haben, einen wildzerrtffenen, mit seinen goldgelben FelSmassen weithin sichtbaren, monumental aufgebauten Bers. der heute Dshebel Jelek heißt.

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