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Der Israelit · 1921-01-20 · Heft 3 (20.1.1921) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 3 (20.1.1921)
Date
1921-01-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 3 Der JSraeM. 20. Januar ^21 GefangenengrSber m Sibirien. , 12. Jechitt Osch Ätzer aus Krzyz bei Larnow (Gallz.), göst. 22. 6. 1916, 21. Siwan. 2"11 1712»2 7>7i7i2t vriv^ 'nn. Von Siegfried Jeidel in Frankfurt a. M. Zu den bedauernswertesten Opfern des Weltkrieges gehören die zahlreichen, zwar der Front Entrückten, aber in langer Gefangenschaft zugrunde Gegangenen und fern von ihren Lieben Bestatteten. Außer Entbehrungen und Strapazen und harter Arbeit, waren es hauptsächlich die infolge unerhörter sanitärer Verhältnisse, besonders in Rußland, ständig wütenden Epidemien, welche unter den Gefangenen aufräumten. Daß unter solchen Verhältnissen der Prozentsatz der verstorbenen jüdischen Gefangenen ein verhältnismäßig kleiner gewesen ist, das danken wir nächst Gottes Hilfe, dem überall praktisch betätigten jüdischen altbewährten 121 nV9’ü2, das sie gerade in Zeiten der Not aneinanderschloß und zu gegenseitiger Hilfe aneiferte, einerlei ob österreichischer, ungarischer, galizischer, türkischer oder deutscher Jude. In fast allen Gefangenenlagern wurden Unterstützungsvereine gegründet, von denen sich so gut wie keiner ausschloß. Jedes Mitglied leistete wöchentlich einen seinem Können entsprechenden Beitrag. Hiermit und mit den bei besonderen Anlässen eingehenden Spenden konnte solchen geholfen werden, die nicht in der Lage waren, durch ihrer Hände oder ihres Geines Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen und wurde den im Spital Befindlichen Aufbesterung ihrer Kost gewährt. Infolgedessen konnte es nicht Vorkommen, daß auch nur ein Jude ohne genügende Kleidung zu sehr der strengen Winterkälte preisgegeben gewesen wäre und war im allgemeinen der im Hinblick auf Epidemien so wichtige Ernährungszustand ein verhältnismäßig guter. Ueber diese von echtjüdischer Pflichttreue getragene soziale Liebestätigkeit innerhalb der Gefangenenlager ließe sich ein andermal ausführlicher berichten. Heute möchte ich von den Beklagenswerten sprechen, die nach Gottes Rarschluß ihre Lieben nicht Wiedersehen sollten. Ihnen wurde von treuen Händen „ihr Recht" getan", sie wurden zu 71728 12p gebrächt durch eine Chewra von aufopferungsvollen Männern, wenn auch eine so grimmige Kälte herrschte, daß das Ausheben des Grabes infolge der hartgefrorenen Erde einen ganzen Tag in Anspruch nahm. In dem einen Lager Dauria, Gouvernement Transbaikalien, das aus der sibirischen Eisenbahnstrccke von ' Tschita nach der Mandschurei, ca. 40 Kilometer von der mandschurischen Grenze entfernt, mitten in einer öden Stepps liegt, sind im Laufe der drei Jahre, in welchem dieser Platz als Gefangenenlager von 10 000 bis 12 000 Mann diente, vierzehn jüdische Kameraden gestorben, davon zwölf an Typhus, einer an einer Operation, einer an Hirnschlag. Die allgemeine Begräbnisstätte der Gefangenen mit vielen hunderten Gräbern, liegt außerhalb des Lagers auf einem kleinen Hügel. Abseits davon, in einer Talsenkung verborgen, liegen die vierzehn jüdischen Gräber in einer Längsreihe. Ein jedes hat seine i2'2tv bekommen, die fünf ersten sind aus Naturstein und wurden von der ca. 400 Kilometer entfernten nächsten sibirischen jüdischen Geme.'nde Tschita gestiftet. Die übrigen Mozewot wurden im Lager selbst aus Zement hergestellt und werden die Zeiten überdauern. Name, Heimatsort und Todestag find mit lateinischen Leitern eingraviert. Von den fünf ersten Gräbern der im Jahre 1915 Verstorbenen, und deren Mazewot war es möglich, Photographien unfertigen zu lassen. Von diesen wurde s. Zt. den Angehörigen je eine von Sibirien aus zugefchickt, wie überhaupt die Angchörigeir aller Verstorbenen benachrichtigt wurden. Doch wer weiß, ob Nachrichten und Photographien ihr Ziel erreicht, bei den schlechten Postverhättniffen. Ich möchte daher nochmals von hier aus den Angehörigen Nachricht zukommen lasten, auch habe ich noch fünf der genannten Photographien aus Sibirien mitgebracht, um sie den Angehörigen zu schicken. Da aber ein großer Teil der gattzischen und auch ungarischen Juden während der letzten Jahre von Haus und Hof — wer weiß wohin — verschlagen wurde und es.mir bis jetzt nicht gelang, die gesuchten Adresten ausfindig zu machen, so möchte ich auf diesem Wege die Angehörigen benachrichtigen und teile die Namen der leider Verstorbenen 12121 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11? 221127 mit: 1. Chaim Fleischmann aus Lemberg (Galizien), gest. 21.5.1915. ° _ 2. Israel Sonnenschein aus Tirnau (Galizien), gest. 20. 5. 1915. 3. Hersch Schmutz aus Chodorow (Galizien), gest. 21. o. 191o. 4. Moses Stein aus Kuty (Bukowina), gest. 25. 5. 1915. 5. Jsak Wohlmann aus Zbaraz (Galizien), gest. 27. 5. 1915. 6. Miksa S ch w a r c z aus Budapest, 1. Honved, gest. ,.9. 2. 1916, 6. Adar, 20 Jahre alt, 7. Fülop Stern aus Budapest, 1. Lonved, gest. 8. 3 1916, 3. Weadar, 33 Jahre alt. 8. Jakob Moses aus Dorna Watra (Bukowina)/ 13. 3. 1916, 8. Weadar. 9. Jakob Reif aus Nowe>Miasto (Galizien), gest. 6. 4. 1916, 3. Nissan. 10. Owadie Katz aus Liste«. (Galizien), gest. 31.4.1916, 18. Nisian. 11. Samuel Hirsch! aus Nemetyvar (Ungarn), zuletzt Wien, gest. LS. S. ISIS, 22. Jjar. Ich hoffe, daß die Angehörigen der Gemeinden diese Zeilen lesen werden, oder irgend ein Lebender, der von ihrem Wohnsitz Kenntnis hat oder irgend etwas über ihren früheren oder jetzigen Aufenthalt weiß. Man möge mich oder die Angehörigen benachrichtigen, daß sie sich an mich (Obermatnanlage 22) um Auskunft wenden können, damit ich in der Lage bin, den Angehörigen der obengenannten ersten fünf eine Photographie der letzten Ruhestätte ihrer Lieben znzuschicken. inderecke PBS Schabdos-Mumen. //Sieh Mutter, wie Nelken blühen, Wie prächtig sich die Tulpen schmücken,, Wie sonnig, heiß die Rosen glühen, Ach Mutter, komm, ich will sie pflücken! Ich will sie an mein Kleidchen stecken, Will sie mir durch die Haare ziehen, Mit ihnen mir mein Bettchen decken, Ich stell sie an mein Fenster hin. Sie sind so zierlich und so fein, So lieblich, kunstvoll, zart und schön, So lachend, so unschuldig rein; Wie ich mich, Mutter, nach ihnen sehn'!" „O nicht, nicht doch, mein liebes Kind, Tu ja den Blümlein nichts zu leid! Wo immer man was Schönes findt, Da ist der liebe Gott nicht weit. Schau dich nur um, wie seine Welt So voll von Sonne, Licht und Morgen. Nur bösen Menschen und Toren hält Ihre Schönheit sie verborgen. Steh, wie im Gras Tautröpfchen sprüht, Auf Wiegen von Licht die Falter schaukeln, Der Kirschbaum leise reifend glüht, Spinnlein an seidenen Fädchen gaukeln! Wie's Küken mit goldenem Schlüffelein Sein marmorn Palästchen behutsam schürft) Bienchen aus smaragdenem Schüffelein Allmorgendlich sein Frühstück schlürft! Glühwürmchen den Waldsaum mit Sternen bestickt, Nächtlich im Moore das Irrlicht gleitet, Dämmerung den Himmel mit Purpur schmückt, Der Reiher durch das Röhricht schreitet. Seelilie im dunkeln Weiher sinnt, Die Eule im alten Gesteine lauscht. Ltbell' ihr Märchen im Schilfe spinnt, Die Stofe1 schwermütige Lieder rauscht." Das Kind hört was die Mutter spricht, Geht schweigend in den Garten hinaus, Sucht sich, da morgen Schabbos ist, Die schönsten aller Blumen aus. Und füllt sie in Wasen aus lichtem Kristall, Stellt andere auf den Kamin, Schmückt Wände, Gesimse, die Nischen all, Streut überall frisches Grchr. Dann deckt es den Tisch mit weißen Linnen, Holt die silbernen Leuchter flugs, Und zwischen die Teller und Tertnnen Streut es Efeu und glänzenden Buchs. Und wie's dunkel ward und mit freundlichen .Schein, Die Lichter brannten, die mit frommen Gedanken Die Mutter entzündet, um den Tag zu weihn, Und vor den Fenstern die Gardinen sanken, Und wie dann der Vater in der Stube erschien : Da hat er das Kind auf die Stirne geküßt.- Dann hat er mit heiligen Melodien Unsichtbare himmltche Gäste begrüßt. Raph. L. Lhamischo osor. Von Heinrich Einstävter. Wenn die Mutter den Chanuko -Leuchter nach Beendigung des Festes geputzt und wieder an seine Stelle zurückgebracht hat, dann liegt der Glanzpunkt des Winters hinter uns. Dann beginnt die Zeit, in der uns der Frost schädlich, der Regen und der Schnee lästig, der große Verbrauch an Brenn- und Leuchtstoffen unerschwingbar, kurz: der Winter zu lang erscheint. Wenn aber erst die Zunahme der Tageslärrge sich bemerkbar macht und die Sonne öfter und länger am Himmel steht, dann macht bald das Gefühl der Unlust der wachsenden Hoffnung auf den kommenden Frühling Platz, einerlei, ob noch, die Kälte alles, was im Freien ist, erstarren läßt, oder ob bereits der Frost gebrochen ist. In diese Zeit fällt Chamischo osor, der Neujahrstag der Bäume. Noch ist das Pflanzenleben nicht erwacht. Starr recken sich des Baumes kahle Aeste in die Luft. Kein Blättchen zieret seine Zweige. Und dennoch greifen wir zur reisen Frucht und loben Gott, den Schöpfer alles Guten, und freuen uns der süßen Speise schon jetzt mit froher Hoffnung und fester Zuversicht des Tags gewärtig, an dem der reichbeladene Baum zu freiem Zugriff lädt. Den Lichtern gleich, die Wtnternacht durchleuchten, sind Kinder, die als Gottessegen das I Haus bevölkern. Hohe Freude herrscht, - wenn sie erscheinen. Aber dann folgt Arbeit, Sorg und Plage, und mancher Seufzer dringt aus ihrer Eltern Mund. Noch ganz im Dunkel liegt des Kindes Zukunft vor uns Menschen) es bildet fortgesetzt den Gegenstand der Mühennoch lange nicht wird es im Stande sein, die Kräfte für sich selbst und andere in freier Selbsttätigkeit zu entfalten. Da tritt es ein ins Lebensalter der Barmizwo. Noch immer bleibt es reifen Menschen zur Bildung und Erziehung überantwortet. Erst in der Ferne winkt der Tag, an dem es sich zum Eintritt in das Berufsleben der Gesellschaft anschickt. Doch schon schöpft Liefen Atem das Elternpaar wie aus befreiter Brust und dankt und lobet, als ob jetzt bereits die reife Frucht der vielen Müh und Sorgen von ihren Augen zu ihrer Herzensfreude fertig, greifbar stände. Der Apfel wächst und reift ganz unbewußt und dankt allen Schmuck dem Baum, der ihn so lang geborgen. Nicht so das Kind. Ihm hat der gute Gott die Möglichkeit verliehen, selbst mitzuwirken an dem Werden und Gedeihen, damit es Zierde werde jenes Hauses, das es umhegt hat und gepflegt mit echter Elternliebe. Jüdische Sprichwörter. Verfaßt von Heinrich Enoch und Anselm Bing, Präparanden zu Höchberg. 711722 182 27t3 :v" initwn ciKb bk 2^.1-7717222 »3 : 71'12 218pK B’^NI 02 777^822 V'2'1V Dl 2212 7I72V1N ^2 7171’3B» JK Wohltätig ist des Feuers Macht, Wenn sie der Mensch bezähmt — bewacht. (Schiller.) Denn mit des Geschickes Mächten Ist kein ew'ger Bund zu flechten. Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebenft. Ohne Fleiß, Kein' Preis. r pMMCemn. MWai

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