Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1921)
- Date
- 1921-01-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450138-2450140--68668-2525792- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ein Centralorgan fir das orthodoxe Judentum 62. lafiraang. Sranhfurt a. m.. Sen 4 J^eBat 5681 E5SSI M 2 «vonnement pro Vierteljahr r Deutschlandsei den Postämtern sowie bei direkt. Bestellung u. Rechnnngserteil. durch d.VerlagM. 7.20 Viertels, f. Lehrer u. Kultusbeamte (n. direkt) M. 3.60 vierteljährlich, Deutsch-Oesterreich Kr.50.- vierteljährlich: Lschecho-Slotvakei Kr. 12.—Ungarn Kr. 50.— vierteljährlich, Polen (nur in deutscher ReichSmk.) M. 10. vierteljährl., Rumänien 10 Lei, Holland fl. 1, Skandinav. Kr. 2, Schweizfs.1.50,Frankreich ».Belgien Fr.2.50, England 1 8d. 6 p., Amerika 0.50 Doll, vierteljährl. Einzelnummer 60 Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Berlaa. I Der Mraeltt erscheint jeden Donnerstag Inserate: Mk. 2.— für die sechsgespaltene Colonel-Zeile einschl. Teuerungszuschl.;Ausland-Jns.Mk. 4.—pro Zeile Rab. nach Tarif Bei lausenden Jnseratauftr. taristn. Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b H., Krank» surt a. M., Gr. Eschenheimerstr. 23 Del. 58*55, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In» und Auslands. NtatzvorpchrMen ohne NerblndUchkott. Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonti Frankfurt a. M. No. 1880» - erfolgen an: Postsparkasse Wien No. 78 Poftfparkaffeuamt Budapest No.JgJ/* Postscheckamt Zürich Nr. TIII 7854 Postscheckamt Amsterdam No. 24869 Böhmische Unionbank in Prag Banca Marmarosch Blank & Co. in Bncarest Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Der ttachSruck 9er ttrlikel un9 Correfponhemen Oes «Israelit“ IST nur unter genauer Quellenangabe; un9, soweit es fidi um größere fiufföfce hanöelf, nur natfi vorheriger Genehmigung gestattet. Inhaltsübersicht. I. Leitartikel: Der Meg rum inneren Friede». — 3. Homiletik: Gold und Kohle. — 3. Kleines F e u i llet o n: PalLstirm-Mchtllnse. — (Eine neue Thora und ein neuer Sinai!) — (Das Chanukalicht in der Mischnah.) — 4. Wochenrundschau: Der Kulturkampf in Breslau. — „Wir sollten von der Orthodoxie lernen". — Auch die Turnerschaften. — 5. Aufsätze: Die Seele des jüdischen Ostens. — Das neue Regiment in Kaden. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Die Schulpolitik der Berliner Gemeinde). — Dortmund, (Ein Alarmruf in letzter Stunde!) — Wien, (Die Agudas Jisroel in Wien). — Warschau, (Die Juden im Rigaer Frieöensvertrag). — Lemberg. — Czenstochau, (Die Petljuratruppen). — Wilna, (Der Wilnaer Landtag). — Kowno, (Die jüdische Lage in Litauen). — London, (Die Propaganda der Agudas Jisroel in England). — London, (Eine interessante Korrespondenz). — London, (Die jüdische Aktion beim Völkerbund). — London, (Ein Jude Vizekönig von Indien). — Jerusalem, (Eine Hauptsynagoge an der Westmauer). — New-Dork, (Der Weltkongreß und die amerikanische Judenheit). — Warschau, (Einwanderung nach Agenttnien). — 7. Personalien.; — 8. Vermischtes. — 9. Vereinswesen — 10. Sprechsaal. — 11. Literarische Warte: Bücherbesprechungen. — 12. Frankfurter Berichte: Die Hirsch- Jahrzett. — Jüdische Haushaltungsschule. — Dinimkurs der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. — Freitagabend. —; Jahrzeitsfeier. — Familiennachrichten. — Vereinskalender. i — Gebetzeiten. — 13. Feuilleton Beilage: Der i „Wucher"-Iude. — Das Geheimnis der Sprache. — Don t Genf nach Jerusalem. — 14. K i n d e r e ck e: Kirbe junge f Freunde! — .rw: 1 Der Weg zum inneren Frieden. ß Gegen Ende dieses Monats soll in Berlin de O Delegiertentag des „Deutsch-Israelitische Gemeindebundes" zusammentretm, um übe die Umgestaltung des Bundes zu einer öffentlich rechtlichen Körperschaft im Sinne des Art. 13 . der Reichsverfassung zu beschließen und den Bun! damit zum Träger einer offiziell anerkannte.! einheitlichen Organisation desdeutschenJuden; tums als Religionsgesellschaft auszu ' gestalten. Unsere Leser sind seit langer Zeit über di grundsätzliche Stellung genau unterrichtet, welch die in unabhängigen Verbänden organisiert deutsche Orthodoxie gegenüber diesen Zen traltsationsplänen, ihren Traditionen getreu einnimmt und einnehtnen muß. Wir können dem Versuch, der Welt, den Staate, sagen wir vor allem, dem eigen ei Bewußtsein eine nur nach „Richtungen" nü aneierte religiöse Einheit da vorzutäuschen wo sich Wahrheit und tLüge wie I a und Nein! gegenüberstehn, nur den lautesten Protest ent- ' gegenrufen und müßten diesen Protest aufrechterhalten, wenn auch materielle Nöte dringendsten Charakters die Betätigung des alten jüdischen Wahlspruchs "TDöTi 7X1 njp n&K („Die Wahrheit erwirb, aber verkaufe sie nicht!") noch so schwer machten Der Verfassungsentwurf, den man dem Gemeindetag vorlegt, zeigt das sichtliche Bestreben, die Orthodoxie zu gewinnen, indem man durch ein System mehr oder minder selbständiger Kommissionen den sogenannten „Richtungen" eine Art Selbstverwaltung zu gewährleisten sucht und für gemeinsame, Wohlfahrtsinstitutionen die Wahrung des Religtonsgesetzes vorschreibt. Aber das kann — abgesehen von der Frage der praktischen Durchführbarkeit jener Sicherungsbestimmungen — über die grundlegende Tatsache nicht hinweghelfen, daß eine Orthodoxie, die sich auf den Boden einer solchen Religionsverfassung stellt, die radikalste Verneinung der göttlichen Wahrheit als eine in der jüdischen „Religionsgesellschaft" legitime, gleichberechtigte Gedankenrichtung des Judentums anerkennt, sich selbst gleichzeitig zu einer ebenso viel oder ebenso wenig berechtigten Partei erniedrigt und damit den schnödesten weltgeschichtlichen Verrat begeht an der gerade vvn ihr durch die Zeiten zu tragenden Mischen Gottesidee in der Absolutheit ihres Wesens und ihrer sittlichen Forderungen. * Muten ja die Verfasser des Entwurfes der gesetzestreuen Judenhelt sogar zu, die eigentlichen Quellen der geistigen nxttlfc, die wissenschaftlichen Hochschulen der Neologie, in liebevoller Duldsamkeit brüderlich zu umsangen, die Bibelkritik, die unsere Lehrer und Meister zu betrogenen Betrügern stempelt, materiell und moralisch zu fördern und deren Vertreter als anerkannte Träger und Vorbilder jüdischer Wissenschaft an die Spitze der „Religionsgemeinschaft" zu berufen. Wenn wir trotzdem von dem Augenblicke an, da der Plan der Gesamtorganisation vor einem Jahre erneut greifbare Gestalt annahm, immer wieder^'darauf hingewiesen haben, daß man verpflichtet sei, einen Weg zu irgendwelcher Mitarbeit der Orthodoxie an der Lösung des finanziell überaus dringlichen Organisationsproblems zu suchen, so geschah dies in der Ueberzeugung, daß grade die neue Reichsverfassung die rechtlichen Voraussetzungen dafür in früher nie geahntem Maße bietet. Sie gewährt allen Einzelgemeinden das Recht des freiesten Zusammenschlusses zu Verbänden und verleiht diesen, letzteren unter gewissen Bedingungen den Charakter einer Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechtes. Damit war der Orthodoxie der Weg gewiesen, um sich vonHer furchtbaren Gefahr einer geistigen Vergewaltigung durch die von den liberalen Großgemeinden beherrschte sogenannte „Gesamtorganisatlon" zu befreien. Denn in demselben Augenblicke, in dem etwa diese sich als einzig berechtigte Vertretung -er jüdischen Religionsgemeinschaft ausgeben wollte, würden die gesetzestreuen Gemeinden — wie viel oder wie wenig an Zahl auch immer —, ebenfalls zu einem Verbände vereinigt, als s e l b st ä n d t g e Vertretung der historischen jüdischen Religionsgemeinschaft ihre unverjährbaren Ansprüche vor der Welt und vor dem Staate anmelden können. Inzwischen hat sich die Gründung des„B und es gesetzestreuer Gemeinden" in Halberstadt vollzogen, dem es nicht nur gelungen ist, hunderte von Gemeinden um seine Fahnen zu sammeln, sondern der auch in der kurzen Zeit seines Bestehens eminente praktische Leistungen für die Erhaltung der kleinen Gemeinden und ihrer Institutionen aufweisen kann. In diesem „Bunde" darf die Orthodoxie, als einzige Vertreterin des geschichtlichen Judentums, das Palladium ihrer geistigem und organisatorischen Selbständigkeit erblicken und im Gefühle dieser Sicherung ruhig die Hand ausstrecken, um dem nunmehr sich bildenden liberal-neutralen „Deutsch-Israelitischen" Gemeindeverbande eine Zusammenarbeit bis zur Grenze des praktisch Notwendigen und des prinzipiell Möglichen anzubieten. Praktisch notwendig ist eine solche Zusammenarbeit insbesondere dann, wenn der Staat — wie nach den Kundgebungen der zuständigen Ministerien zu erwarten — etatsmäßige Mittel für die Zwecke der jüdischen Gemeinden flüssig machen und unter gewiffenhaster Kontrolle verteilt wissen will. Eine solche Kontrolle läßt sich natürlich nur im Rahmen einer Kommission ausüben, in der beide Bünde vertreten sind, und der