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Der Israelit · 1920-11-04 · Heft 44 (4.11.1920) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 44 (4.11.1920)
Date
1920-11-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 Nr. 4L Schnell nimmt die Strafe ihren Lauf! Wen hier du liebend magst umarmen, Wir wollen seiner uns erbarmen: Bring' ihn aus diesem Ort hinaus; Denn EotteS Sendung führ'n wir aus, Dir Stadt der Lasier zu verderben — WaS ln Eedom lebt, das mutz sterben!" Doch als dann schreckensbleich zu seinen Söhnen, Den Männern feiner Töchter, Lot gekommen: „Auf! Flieht! Denn über uns entglommen Ist GoneS Zorn; Er wird die Stadt zerstören!" Da lachen sie, anstatt auf ihn zu hören, Sie schienen eh'r den Warner zu verhöhnen.- Inzwischen fing es langsam an zu tagen, Und Sedoms Schicksalsstund' begann zu schlagen. — Die Engel drängten in Lot: ,,Joxt, fort! Nimm Weib und Kind, Die bei dir find, Sonst kommst du in Todesnot!" Und als er noch zauderte — Da vor dem Los seiner Lieben ihm schauderte — Ergriffen sie ihn mit Frau und Kind Und eilten geschwind Zur Stadt hinaus Und wiesen ihn an: „Bring dich nun selber in Sicherheit, Zum Gebttg ist's nicht weit. Schau nicht zurück! Stehe nicht still auf der ganzen Bahn!" Doch mir flehendem Blick Bat Lot, nach Zoar sich retten zu können. Mild sagte der Engel: „Ich will eS dir gönnen". Sie kamen nach Zoar in fliehendem Lauf, Da flammte im Osten die Sonne auf.- Doch aber, welche Schwüle bringt sie mit! Wie ist die Luft so bleiern, niederdrückcnd! Tin heiher Schwaden weht erstickend, Benimmt den Atem, lähmt den Schritt. Enisetzensvoll stürzt alles auf die Straßen, Die Plätze füllten sich, die Gassen,' Sedoms, Amoras Leute, schreckensbleich, Sie möchten fliehen gleich. Allein sie können nicht, Denn Fürchterlicheres ereignet sich. — „Seht da den Himmel! Weh', er brennt! . Nicht eine, lausend Sonnen sind am Firmament! Welch' Dämpfe, schwefelgelb! Die Wolken, glutenrot! Weh' uns, das ist der Tod! Sie kommen, kommen, senken sich herab! Uns alle schlingt ein Jeu'r« und Schwefelgrab!" Und während wild, verzweifelnd sie so schrei'n, Von oben schlagen Flammenblitze ein. Vom Himmel regnen Jeuerfunken, sprühend, Und Schwefelgarben, Steine, biutrotglühend. Da brechen Dächer, Wände stürzen ein, Aus Tür- und Jensterhöhlen züngeln Flammen Es krauen ganze Stratzenreih'n zusammen Und Angst- und Wehgeheul mischt sich darein.- Rings dampfen schwarzverbrapnte Wüsteneien, Wo gestern blühendes Gesild noch war; Der „Garten Gottes", einst so wunderbar. Erlebt kein Blühen mehr, nie mehr ein Malen. Sodoms Geschlecht, verschüttet tief, verkohlt, Dorrt nun im schaur'gem Aschenmassengrabe; Der See hat's gierig sich herabgehoit, Sedom ist jetzt des Toten Meeres Habe.-- Und über die Einöde schmerzlich gehr Detz Blick, der fromm verkündet Gottes Namen. Dann wendet er sich — ferner er besät Der Menschheit Furchen mit des Heiles Samen. Der Ehewra-Kadischa-Diener. Bon Arnold Singer in Baden bei Wien. In Strömen schüttet der Himmel sein segnendes Natz zur Erde; alles freuet sich der vielversprechenden Ueppigkeit nach diesem wohltuenden Regen. Keine menschliche Seele ist weit und breit zu erblicken, nur der Friedhofsdiener refp. der Chewra-Kadi cha-Diener watet auf den ihm wohlbekannten, in ein zum Meer umgewandelten, über einen Kilometer langen Feldweg, der von der Stadt d. h. von der Kultusgemeindekanzlei auf den jüdischen Friedhof führt. Ihm ist dieser Regen kein Segen. Oft mutz er drei- bis viermal täglich diesen Weg passieren. Er kennt jedes Steinchen und Bäumchen am Wege. Die kleinen Knaben, die sonst auf dem beiderseitigen Rasen des Feldweges die Ziegen oder Gänse weiden, erkennen ihn schon von weitem und grüßen ihn freundlich. Sogar die Eisenbahnpaffagiere, die täglich mit dem Zuge den Feldweg passieren, erkennen den Totenwächrer und raunen sich zu; „Jetzt geht er auf den Friedhof, den andern Wächter abzulösen. Sicher liegt eine Leiche draußen und die darf keine Sekunde ohne Bewachung sein". Die Juden dieser Gegend sind noch vom alten Schlage, traditionell nach strenger orthodoxen Richtung sich führend und würden es den Dienern arg verübeln, wenn sie den Toten ehe er in die Gruft gesenkt wird, auch nur eine Minute unbewacht ließen. Begleiten wir den Cherora-Dtener weiter auf s.lnem Wege,' er denkt, spekuliert und hadert mit seinem Schicksals, das ihn zu solchem Beruf verdammt hat. Auch die heutige Nacht soll er durchwachen im Friedhofskämmerlein. Wenn er wenigstens Aussicht hätte reich zu werden, oder sich für die alten Tage etwas zur Seite legen zu 4. November 19M Der Israelit. können! Aber dem hat schon unser Urvater Jakob vorgebeugt, wie es im Talmud (Peflachim) heißt. Der Patriarch hätte zu Gott gebetet,' daß all diejenigen, die von der Vorsehung dazu ausersehen würden, in einer jüdischen Gemeinde als Beamter fungieren zu müffen, nicht reich werden mögen, ansonstenS keiner bei diesem Berufe bleiben wurde und die jüdischen Gemeirlben keine Funktionäre hätten. Und fo sinnend und grübelnd gelangt er auf den Friedhof. Auch die Leichensteine samt deren Inschriften kennt er genau und zeigt dem Besucher, ohne geringstes Suchen die Gräber seiner Teueren. Seine traurigen Gedanken weichen aber bald einem tröstenden Bewußtsein und er denkt sich in stiller einsamer Nacht, bei Hellem Mondschein den Friedhof überblickend: Ach!, wieviel gäben diese hier Begrabenen, wenn sie wenigstens so wie ich leben könnten. Ihr Geld und ihre Güter, die sie hier zurücklassen mutzten, Hoven keinen Wert für sie. Gerne würden sie leben, selbst in der Eigenschaft elmS niedrigen Dieners und würden nicht mehr nach Reichtum und Schätzen streben, um nur leben zu können und wenigstens einige glückliche und angenehme Stunden zu haben, die auch manchmal dem Chewra- Diener gegönnt sind. Diese Gedanken richten ihn auf und freudig und seelisch vergnügt geht er wieder an seine Arbeit. Minderecke. Eine gesalzene Soiel-Rechnung. (Aus alten Schriften.) * Abraham hatte ein offenes Haus, in dem jeder, Groß und Klein, Arm und Reich, Jude und Nichtjude, Unterkunft, Verpflegung und Reisezehrung, Schutz und Hilfe erhielt. Fragten die Leute nach ihrer Schuldigkeit, so sagte Abraham, er habe nur seine Schuldigkeit gegen die Menschen getan, die alle Brüder, Söhne eines Vaters sind. Wollten sie sich bedanken, so sprach er: „Nicht mir gebührt Dank, sondern demjenigen, der all' das mir beschicken hat, damit ichs auch Euch spenden kann." Fragten sie aber, wer der große Spender sei, so erzählte er ihnen von Gott, dem Schöpfer und Besitzer von Himmel und Erde, und belehrte und bekehrte sie alle zum Glauben an den Etnigeinzigen. Eines Tages kam auch Nimrod, der große Jäger, der damals die Welt beherrschte und sich selbst als Gott aasgab, in das Zelt Abrahams. Er hatte in der Gegend das Weidwerk geübt und wollte im offenen Hause des allbekannten Gastherrn Verpflegung suchen. Die fand er auch in reichstem Maße und es gefiel dem Weltbeherrscher in der einfachen Behausung Abrahams so gut, daß er wohl einen ganzen Monat hier blieb und sich an Speis und Trank gütlich tat. I Als er die Heimreise wieder antreten wollte, be- I dankte er sich herzlich bet seinem Gastgeber. Wie unangenehm überrascht war aber Nimrod, als Abraham zu ihm sprach: „Ich habe es nicht des Dankes wegen getan. Hier die Rechnung! ..." „Höre ich recht?" fragte Nimrod, „Du, der Mann, deffen Liebe und Gastfreundschaft in der ganzen Welt gepriesen werden, wünschst Bezahlung für gewährte Unterkunft? Speisest Du nicht alle Menschen, die bei dir einkehren?" „Wohl", sagte Abraham mit Nachdruck, „alle Menschen. Du aber bist ja kein Mensch, sondern dünkst dich einen Gott. Wenn du nun Gott bist, so zahle! ..." „Wie viel habe ich zu zahlen?" fragte Nimrod mißmutig. „Zehntausend Schekel", gab Abraham ruhig zurück „Wie kommst du zu dieser hohen Forderung meinte Nimrod ärgerlich. „Ganz einfach", sagte Abraham. „Seit Jahr und Tag kommen die Leute in mein HauS und finden darin Schutz und Nahrung ohne jegliche Vergütung. Wenn sie grkräfttgt von dßnnen gehen, dann wünschen sie mir: „Gott möge es Dir doppelt vergelten l Nun wartete ich schon lange auf diesen Gott, auf den mich all die Leute verwiesen . . . Jetzt, habe ich ihn endlich, und er soll mir nicht eher entgehen, als bis er' die Schuld getilgt. Ich habe genau Buch geführt über die Ausgaben für die Wanderer. Hier die Zusammenstellung. Macht im Ganzen fünftausend Schekel. Das doppelte wurde an Gott angewiesen, somit die Summe von zehntausend Schekel." Nimrod machte wohl ein recht dummes Gesicht. Aber die Richtigkeit der Berechnung konnte er nicht bestreiten, und noch weniger durfte er zugeben, daß er kein Gott sei. So sagte er nur in seiner Verlegenheit, er habe im Augenblicke kein Geld und würde später die Schuld bezahlen. „Das ist aber sehr merkwürdig", meinte Abraham. Gott sprach: „Mir ist das Silber und mir das Gold", und nun ein Gott in Geldnöten? Aber--— — " „Aber?: fragte Nimrod ungeduldig. „Ich meine nur, wenn Du d.n unterschreibest, dann könnten wir es machen ..." „Gern", sagte Nimrod und sah sich den Schein an. Darauf stand in großen Lettern geschrieben: „Ich Nimrod, König von Elam, erkläre hierdurch öffentlich, daß ich kein Gort bin, sondern bloß ein sterblicher Mensch." „Das ist ein böser Schein", seufzte der König, aber unterschreiben mußte er ihn, da er einen anderen Ausweg nicht wußte, dennoch. Nun reichte ihm Abraham freundlich die Hand: „Zieh in Frieden, mein lieber Nimrod. Nachdem du ein Mensch meinesgleichen bist, so bist du mir nichts mehr schuldig. Menschen haben bei mir freie Aufnahme, ob Klein oder Groß, Hoch oder Niedrig." Mit diesem Scheine zertrümmerte aber Abraham die Gewalt des Tyrannen und trug den Goitesnamen durch alle Lande. ,iTP n /•»jjrtrnb 7i&rr w'rr 72 /•JKXön 87 UPll '222 mro -DY.7W /DTK 72 2*?2 ,.-7-122 nw? rinpöb '228, ara #12-12 tn* 87 ayai WT1 l'V ^2 '»2e7‘V ,7228 8*?27 ,7112'' N7'72 , ,N122 ib!fl8 871?287p71 8 ÜV 281 /Wp2n 722? ^221 MN21 .7N1222 -s'2' .7^251 78 , •nmi! -pby nrbacn V2L71 Kreuznach. E. Agulnik. Huflöfuna des Rätfels in llr. 41. 1) rn» 2) mp 8) 1X2 4) ItfP 5) rim 6) TPINIP 7) 1X71 8) XV12 9) in» 10) ti»ipxi trocken Gestrüpp Brunnen Lied Netz Rest Erscheinung Bund erben am Anfang 11) xi2 12) nm 13) IIP» 14) XI» 15) 171» 16) nm 17) IPX1 18) mip geschaffen Schande Geradheit fürchten Vorzug Schrecken Haupt Verkauf (Getreide) Getreide 19) 12 20) TP IPX12 7121P. Richtige Lösungen sandten ein: Samuel und Emanuel Wolf, Köln: Marcus Neuberger, Berlin; Ruth und Jü Ascher, München; H. Landau und R. Felsenstein, Fürth; Rosel Löwenthal, Emil Schwarzschild, Emil Offenbacher, Albert. Löwenthal, Sophie Landau, Jakob und Hanna Rothschild, alle in Frankfurt a. M.

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