Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1920)
- Date
- 1920-10-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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" Sette L0 Wv. 4§ die „Brochoh" vorgesagt. Da dasKinh zumeist verkehrt nachfagt, so Ämmt eS zuweilen vor - daß er dte Brochoh ganz richtig sagt . . . v': Das ist alles ergötzlich and erfreulich und man möchte der Leute ehrliche Freude rnich durch Nörgeleien und durch die Frage, ob hier . Wirklich, ein Grund vorliegt, den „Sieg der ' Thora" mit Fahnen zu feiern, um etwas mindern Biele von. diesen Kleinen und Kleinsten werden später in der großen Welt mit glühen der Sehnsucht an diesen Fähnenumzug wie an verlorenes Glück zurückdenken und vielleicht an . dieser , letzten Erinnerung Halt und Schutz vor der. Lebens wilder Brandung finden, vielleicht an ihr sich geistig wieder heimfinden ... (Fortsetzung folgt.) Die Familiennamen der deutschen Men. Darüber teilt Professor Dr. L. Günther, Gießen u. a. folgendes mit; Während manche christliche Fa mMennamen (mir etwa Hildebrand, Odebrechr, RU diger) bis in die heidnisch-germanische Zeit zurückgehen, so daß sie selbst ihren gegenwärtigen Trägern oft nicht mehr recht verständlich sinH haben die Juden eigentliche Familiennamen erst gegen das Ende des 18 oder zu Anfang des 29. Jahrhunderts angenommen, indem ste meist dazu durch die Gesetzgebung gezwungen wurden, so in Oesterreich unter Joseph II. in den Jahren 1782/83, in Preußen durch ein Edikt Hardenbergs vom 11. März 1812, in Bayern gar erst 1813 Mit der Durchführung dieser Aufgabe wurden damals Kommissionen betraut, die sich auS niedern Beamten oder (z. B. in yesterreich) aus Offizieren zusammen setzten, die dabei in der Regel ziemlich chematiich vor gegangen zu sein, anderseits aber auch gegen Zahlung einer Art von Taxe die Wahl besttmmrer „schöner" Namen gestattet zu haben scheinen. Die Begüterten unter den Juden konnten auf diese Weise sich einen anständigen Namen erwerben, während weniger Wohlt habende sich mit einfachern Formen begnügen mußten, die ganz Armen aber von Amts wegen Spott- und Schandnamen erhielten, wobei dann der Witz der Subalternen und der militärische „Schneid" die merk würdigsten Blüten gezeitigt haben. Auch in frühern Jahrhunderten waren natürlich dte Juden nicht völlig „namenslos" gewesen. Sie hatten nicht nur sämtlich ihre weist dem Alter-Testa ment entnommenen Vornamen (nicht selten mit tinzufügung auch der - durch das hebräische den — ohn angedeuienden — Abstammung vom Vater, wie Mosche den Abraham), sondern führten (schon seit dem 13. Jahrhundert) daneben oft noch einen zweiten, die Familie näher kennzeichnenden, sozusagen bürgerlichen Beinamen, der oftmals auf die örtliche Herkunft (Land, Stadt, Familtensiammsttz) oder auch auf den Stand oder Beruf hindeutele. Als nun die Aufforderungen der Behörden zur Annahme von Familiennamen ergingen, lag eS. natürlich nahe, besonders an dieie schön vorhandenen Vor- oder Beinamen anzuknüpfen und fie einfach zu wirklichen Familiennamen zu erheben. So erklären sich vor allem die recht zahlreichen Familiennamen alttestamentarischer' Herkunft. Unter dem Einfluß der deutschen Umgebung haben sich übrigens manche der. alttestamentarischen Namen auch etwa verändert, sind mehr oder weniger sozusagen anaedeutscht worden. So findet sich zum Beispiel neben MoseS auch Masse und ähnliche, aus A(a)ron hat man wohl auch A (h) rend gemacht, aus Isaak E t s s i g und Jtztg, das dann weiter noch zu Hitzig wurde, auS Levi Levinger, Löb (Löw), Leib und ähnliche, auS Elieser Leser, Löser, Leyser usro. Recht beliebt erscheinen weiter auch noch die auf die Herkunft vom Vater hinweisenden (sogenannren patronymischen) Bildungen, nur, daß man nunmehr an Stelle des früher dem Vaternamen Vorgesetzten hebräischen den das deutsche Wort „Sohn" (abge. schliffen: -son- -sen) Nachfolgen läßt, also zum Beispiel Abrahamso(h)n, Jakobso(h)n (-sen), Levisohn, Josefsohn, Aronsohn (l'Arronge), Davidsohn, Salomvnso(h)n, Johlson (--- Joels Sohn), Michae1fo(h)n, Mendelssohn (daS heißt EmanuelS Sohn) usw., ein Verfahren, das man dann auch bet nichthebräischen (zum Beispiel griechischen) Namen angewandt hat (vergl. Alexandersohn, Philippson). Seltener findet sich das Sohnes- Verhältnis angedeutet durch dte slawische Endung -witz (wtcz, -witsch), wie bei Jakabowitz, Jolowicz (— Joels Sohn), Leibowitsch (— Levis Sohn) oder durch eine bloße. lateinische oder deutsche — Grniiivendung, wie bei Jacobi oder Simonis (sc. filius) oder Abrams oder Simons (nämlich: Sohn). Eine sehr umfangreiche Gruppe jüdischer Familiennamen, aus der hier jedoch nur dte geläufigsten Beispiele angeführt werden können, ist dte der (übrigens auch bei den Christen — wenngleich seltener — vorkommenden) geographischen Bildungen. Mit wenigen Ausnahmen (wie z. B. den Namen Jordan oder Steigerwalb — nach dem fränkischen Gebirgszuge) handelt es sich dabei um Länder- oder Orts-, insbesondere StSdtenämen, von denen die letztem wieder Der JSräettt. wett zahlreicher vertreten find als die erstem. In beiden Klaffen , aber ist bald die Methode beobachtet worden, einfach das Land oder den Ort selbst statt der daraus herstammenden Person zu setzen, bald — und zwar viel häufiger — die, dafür ein von der geographischen Bezeichnung abgeleitetes und zum Hauptwort erhobenes (flektiertes oder unflektiertes) Eigenschaftswort zu gebrauchen. So finden sich z. B. als nach Ländern gebildete Familiennamen Oesterreich, Elsaß und Württemberg wohl auch Posen (falls nach der Provinz) neben den Formen Oestereicher, Elsässer, Würtenberger und Posener. Von nichtdeutschen Völkern find umer anderem ferner anzuführen die Namen Ungar (-ger), Wallach, Pollak (— Pole), Spanjer (---- Spanier), Italiener,. Franzos, Holländer, Schottländer, ja sogar Amerikaner. Nicht weniger stark sind erklärlicherweise — neben dem unflektierten oder Deutsch (auf Hebräisch durch Askenasy wiedergegeben) — die einzelnen deutschen Stämme vertreten, wie (außer den schon oben genannten noch), Preuß, Sachs, Frank (Frankel), Schwab (oder Schwöb), Heß, Nassauer, Pfälzer, Schlesinger usw. Noch beliebter erscheinen aber die Ortsnamen und zwar zunächst jn unveränderter Form, worunter ebenfalls einige ausländische (z. B. London, Jerusalem, Wien, Brody, Kalisch), weit öfter aber natürlich deutsche Vorkommen und zwar große wie kleinere Städte aus allen Gegenden unseres Vaterlandes (wie etwa Berlin und Breslau- Landau, Speyer, Furch: Cassel, Eschwege, Wetzlar, Fulda, (Ludwig F.), Gersseld- GoSlar und Holborstadt- Auerbach (Berthold A.), Offenbach (Jacques O.), Anspach (-bach) und Sulzbach- Aschaffenburg und Ladenburg- Friedberg, Landsberg und Strausberg (Name des bekannten Finanzmannes, ursprünglich Strausberg, wohl nach dem gleichnamigen Städtchen im Negierungsbezirk Potsdam)- Nauheim, Pappenhetm, Wertheim und (besonders häufig) Oppenheim usw.) Ein ebenfalls 'noch dieser Gruppe angehöriger interessanter Fall ist der Name Dreysus (»fuß, Dretfus, auch Triesus). Er hat, wie man annimmt, garnichts mit „drei Füßen" zu tun, sondern ist bloß eine Andeutschung des französischen Trtvous, nach der Stadt Troyes, aus der die Mitglieder dieser Familie ursprünglich herstammen. Schier endlos sind sodann die von Ortsnamen abgeleiteten substantivierten Eigenschaftswörter als Familiennamen, mner denen gleichfalls nicht nur größere Städte des In- und Auslandes anzutreffen sind (wie bei Pariser, Warschauer, Wiener- Berliner, Hamburger, Frankfurter, Karlsruher, Mannheimer, Nürnberger), sondern auch mittlere und kleinere, namentlich aus dem Osten (Provinz Posen) und dem Süden oder Südwesten des Deutschen Reichs (wie bet Exiner, Meseritzer, Wreschner, Wronker- Bamberger, Erlanger, Forchheimer, Würzburger- Landauer, Heilbronner, Darmstädier, Oppenheimer usw.), jedoch auch aus anderen Gegenden (Dessauer, Friedländer, Halberstädter, Hildesheimer, Marburger u. a. /mehr). Eni sehr bekannt gewordener Name dieser Art ist auch Bleichröder (nach dem thüringischen Ort Bleicherod, Regierungsbezirk Erfurt). Spaßig erscheinen schließlich einige zwar geographisch klingende, jedoch auf keinem Atlas zu findeude, sondern lediglich der jüdischen Phantane enrsprungeue Fanliliennamen wie Aronsbach, Cohnhetm (-städt, -seid), Meyerfeld, Lewinthal, ,Mofenthal u. a. mehr. Eine gewisse Verwandtschaft mit dem vom Heimatlanq oder'von entlehnten Familiennamen weisen auch die nach dem Stammsitz eines Ahnherrn gebildeten auf. Das berühulteste Beispiel dieser Gruppe ist der Name Rothschild. Im Jahre 1774 kaufte sich Mater nselm in Frankfurt a. M. das Haus Judengaffe Nr. 26 und tat darin ein Bankgeschäft auf. Nach dem roten Schild, auf dem die Bestimmung des Ladens angegeben war, nannte er sich dann später M. A. Rothschild. Aehnliche nach Häuserbenennungen (besonders gleichfalls in Frankfurt a. M.) curst-indene Namen find ferner noch Scbwar/chi'.d Ü*, Gelbhaus und Neuhaus, Schiff, o,, o , . nrndlcS, Ochs, Löwe, Gans und dergl. mehr. (Wo find die verlorenen zehn Stämme Israels)? Eine interesiante Vereinigung, die vorwiegend aus Historikern und Altertumsforschern, jedoch auch auS Personen sonstiger Stände besteht und in den letzten Jahren stark anwächst, ist dte über England und Amerika verbreitete British Israel World Federation.- Die Mitglieder dieses Britisch Israel- Weltbundes vertreten die Ansicht, daß das englische Bolk sich von den verlorenen zehn Jsraelstämmen ableitet und vor allem, daß die englische Königsamilie von David abstammt. Der Bund hat eine genaue Genealogie der englischen Königsfamilie ausgestellt, die — bis Adam reicht. Interessant ist, daß Protektorin des Bundes eine Prinzessin aus dem englichen Königshause ist. Der Bund hielt vor kurzem einen Kongreß in London ab. Dabei hielt der Bundessekrelär Herbert Garrison einen Vortrag, der den Titel führte: „Wir haben den Schlüffel zur Bibel"! Ein amerikanisches Bundesmitglied, ein Prediger, erklärte, daß Amerika den Eintritt in den Völkerbund, WtisonS eigene Gründung, ablehne, weil England und Amerika demnächst zu einem Sonderbund sich vereinigen werden, der den Völkerbund überflüssig macht. DaS habe der Prophet Daniel in der Bibel vorausgesagt. 21. Oktober 1520 indereöke. Wer Gutes säl, wird Gutes ernten. Reges Leben* herrscht im! Hause des Kaufmann» Sch. Es war Crew Suckoth, und da gibt es noch viel zu tun. Ter Vater ist in seinem Büro, die Mutter im Haushalt beschäftigt, und Joseph, das einzige Kind, steckt gerade schönes Obst und frische Blumen in ba§ duftende, grüne Laub der Snckoh. Endlich ist er fertig. Schnell eilt er in das Haus.zurück, denn es ist Essenszeit. Aus der Treppe begegnet er seinem Vater. Jedoch der Gruß bleibt chm rm Halse stecken/ Sein Vater ist nicht allein. An seiner Hand führt er ein kleines Mädchen von ungefähr sechs Jahren. Ter Knabe sieht chn fragend an, und fragend ist der Gruß der Mutter, als sie ins gemütliche Wohnzimmer tritt. Der Vater aber führt das Mädchen seinem Jungen zu. „Mein Kind, du hast dir ein besonders schönes Jaumtowgeschenk gewünscht. Hier ist es. Nun zeige, wäS für ein Junge du bist. Dies £itine Mädchen soll dein Schwesterchen werden. Hüte es wie deinen Augapsel! Willst du, mein Kind?" „Ich will," antwortet ernst der Knabe. Nun winkt Herr Sch. seiner Frau ins Nebenzimmer. Jn kurzen Worten trägt er die Lebensgeschichte der kleinen Ella vor Ms er seine ergreifende Schilderung beendet Unfeine Frau fragt, ob er recht, gehandelt, dies arm« Waisenkind in sein Haus genommen zu haben, da kann sie nichts antworten. Sie drückt nur verständnisinnig die Hand ihres Gatten. War das ein schöner Jaumtow für Joseph. Nun brauchte er doch nicht zu anderen Kindern, nun hatte er immer einen Gefährten. Er spielte mit Ella, führte sie in der kleinen Stadt umher, machte sie auf die größeren Gebäude aufmerksam und zeigte ihr. die schönsten Stellen im nahgelegenen Tannenwald. Ella gewöhnte sich schnell ein. Sie war ein liebes Kind, das bei jeder kleinen Handlung zeigte, wie dankbar es seinen Pslegeeltern war. Viele Jahre sind seit diesem Suckoth vergangen. In der hebräischen Buchhandlung der kleinen Stadt W. eilt geschäftig ein junges Mädchen hin und her. Freundlich und sachverständig bedient eS seine Kunden. Als sich nun eine Dame mit dem Gruß „besten Tank, Fräulein Ella" entfernt, da wissen wir, wer das junge Mädchen ist. Ja, eS ist unsre Ella. Aus dem kleinen, schüchternen Kind ist ein großes, schönes Mädchen geworden. Keinen Augenblick haben die Eltern bereut, Ella in ihr Haus ausgenommen zu haben. Im Gegenteil, sie ist ihnen zum wahren Segen geworden. Besonders die letzte Zeit hatte bewiesen, was ihnen Ella war. Eine tückische Krankheit hatte um sich gegriffen und auch das Haus des Kaufmanns Sch. nicht verschont. Lange schwebte der Hausherr zwischen Tod und Leben. Mutter und Tochter pflegten ihn unermüdlich, und endlich wurde es besser. Tie Genesung ging jedoch sehr langsam vonstatten. Vorläufig durfte Herr Sch. nicht an das Geschäft denken. Was sollte nun werden? Joseph, der, nachdem er die Schul« durchgemacht, irr das Geschäft eingetretcn. war, besorgt» seit einem Jahr die auswärtigen Sachen. ..Ohne diese Beziehungen konnte das Geschäft nicht bestehen. Wohl konnte man fremde Leute nehmen, aber wer sollte ihre.Arbeiten überwachen? Ella sah die Verlegenheit und die Sorge ihrer geliebten Wohltäter, und sie bat sie inständig, fte doch in die Geschäftsgeheimnisse einzuweihen. Wohl fiel es ihr zuerst schwer, nch einzugewöhnen. Aber die Liebe bringt alles fertig. Und bald war es ihr, als ob sie schon immer an diesem Posten gestanden hätte. Wieder war der Herbst eingezogen und .wieder waren die Leute dabei, die Suckoh zu schmücken. Dieses Mal tat es Ella allein. Joseph ist schon ei» halbes Jahr unterwegs, doch heute will er ziurückkehren. Zwar hatte er ieinen Besuch schon viel früher angekündigt, doch in letzter Minute hatte er ihn aufgeschoben, um in einer kleinen Gemeinde vorzubetti. deren Kantor plötzlich erkrankt war. Es ist, als ob das Mädchen die Suckoh besonders schön schmücken möchte. Endlich ist der lang Ersehnte da. Am Abend sitzen sie gemütlich in der Suckoh zusammen. Joseph kann garnicht mit Erzählen fertig werde«. Als nun aber der Vater an das Zubettgehen mahnt, da bittet er noch für einige Minuten um Gehör, gerade heute, liebe Eltern, denke ich an den Suckoth, der uns unsere liebe Ella gebracht hat. Damals gab sie mir der liebe Vater als besonderes Jaumtowgeschenk. Er legte mir ans Herzsie wie einen Augapfel zu hüten. Heute will ich sie euch schenken, denn mit ihrer und eurer Einwilligung wird fie meine liebe Frau." War das eine Ueberraschung! Welcher Suckoth mag wohl der schönere gewesen sein, der, an dem Ella Josephs Schwestar wurd», oder der, an dem er sie «lS glücklich» Braut in f»ine Arme schloß? E. 9.