Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1920)
- Date
- 1920-10-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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91. Oktober 1900 Der »»raeltt. Nr. 49 Seite 7 Go sind die linksradikalen Parteien, die auch sonst durch das Wahlsystem verschieventliche Bevorzugungen genossen, zu einer überwiegenden Majorität gelangt, die keineswegs dem Willen der palästinensischen Bevölkerung entspricht. Jetzt sind nicht nur alle Orthodoxen geschloffen gegen die Delegiertenversammlung, sondern auch noch zahlreiche andere führende Persönlichkeiten, deren Aeußerüngen, wie die Oberrabbiuer Kuks, Ben Jehudas und Prof. Sloufch' der „Doar Hajom" als erste einer nachfolgenden Serie wiedergibt. Ganz besonders^ wendet er sich gegen Ussischkin, den er als „Boged" — Verräter — bezeichnet, der nur um an Brandeis und an den Amerikanern Rache zu nehmen, sich jetzt den von ihm erst unlängst so sehr bekämpften Extremisten, gänzlich verschrieben habe. Er wolle jetzt seinen Willen der jüdischen Bevölkerung aufzwingen, ohne zu bedenken, daß der Zusammentritt der Delegiertenversammlung von nachteiligen Folgen für das palästinensische Judentum begleitet sein könnte. Offene Briefe. Jerusalem, 3. Oktober. Herx Rabbiner Kuk erließ, zu natpn EWl zwei „Offene Briefe". Im ersteren geißelt er das Ueberhandnehmen der Sabbatentweihung und der unrituellen Lebenswrise in den Städten und vielen Kolonien. Er schreibt dann u. a.: „Man muß ausrotten den Geist der Thoravrrachtung aus den Schulen, den niedrigen wie den höheren, aus der Literatur, cruS der Lebensführung der Lehrer und Schriftsteller, der Komitees und ihrer Vertreter, wie aus allen Kreisen der Führer und Arbeiter." Der zweite Brief ist' an die Kolonisten gerichtet, die er mit dringenden Worten auffordert, nach dem Grundsatz ■J’HK Tll jüdische Arbeiter anzustellen. Personalien. KleinricholzhetM (Baden), 17. Okt. Nach kurzem schwerem Krankenlager starb in Würzburg Herr Emil Ltßberger, Inhaber der Fa. I. Ltßberger u. Syhn dahier. Mit ihm verlor die Familie einen liebevollen, treubesorgten Gatten und Vater, die Gemeinde einen strebsamen, tüchtigen Bürger und speziell die israelitische Gemeinde ein Mitglied, das in selbstlosester Weise seine Kraft in den Dienst der Allgemeinheit stellte. So versah er viele Jahre hindurch das Amt eines sin und ypin ^2, bis ihn ein Leiden überfiel, daS iym die" Ausübung dieser Tätigkeit unmöglich machte. Trotz seines Gesundheitszustandes stand er feinem Geschäfte in musterhafter Weise vor und alle Kreise, die mit ihm in Berührung kamen, rühmten seine strenge Rechtlichkeit und seinen geraden Sinn. Bei der Beerdigung, die in Höchberg staltfand, sprach Herr Seminarlehrer Dr. Feinberg, indem er dem unersetzlichen Verluste der Familie in beredten Worten Ausdruck gab. Möge der Allgütige die trauernde Wiitwe und Tochter trösten. n"2m Höreffburg, 10. Oke. Einen der Besten, die in unserer Zeit wie Merksttne aus großer Vergangenheit hinetnragren, ist uns mit Wolf Grüns selb, dem langjährigen Sekretär der orthodoxen Kehilloh, im Aller von 90 Jahren genommen worden. Als Schüler des Ksav-Szoser ^*nt, trug er schon in früher Jugend die erhaltenen Lehren in die Ferne und gründete, in Siebenbürgen jüdische Schulen, in denen das Heranwachsende jüdische Geschlecht im Sinne der Thora erzogen wurde. Nach seiner Rückkehr nach Preßburg trat er in den Dienst der Gemeinde und widmete ihr alle feine Kräfte.. Was er geleistet hat und wie er miOKl wirkte, wird unvergessen fein. Bis vor einem Jahre war er täglich gewissenhaft iw Amte. Sein Leben war beispielgebend für sdine große Familie. Enkel und Urenkel trauern um ihn und nicht zuletzt unsere .altehrwürdige Kehilloh. An seinem Grabe sprachen der Preßburger Oberrabbiner, Rabbiner Donath und im Namen der Familie der Rabbiner von Baztn, Rabbiner Schill, ein Enkel des Verstorbenen. Vermischtes. Göttiygen, 18. Okt. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag, den 10.' Oktober, wurde in dem. Beisaal der hiesigen orthodoxen Vereinigung ein Einbruchsdiebstahl verübt. Gestohlen wurden ein kompleter Thoraschmuck bestehend aus: 2 silbernen Glockentürmchen (ca. 35 cm. hoch), 1 silbernes Schild (3 springende Löwen darauf, 1 silberne Hand. Ferner 3 Leuchter (Neusilber, ca. 30 cm. hoch) mit hebräischer Inschrift am Fuße, 1 silberner Becher (ca. 6 cm. hoch, Inschrift: „L. Löwenstein"), 1 silbernes Gewürz- Türmchen (ca. 15 cm. hoch), 1 Nickel-Tablette. Außerdem lv wollene und seidene Tallissim. Zweckdienliche diesbezügliche Mitteilungen werden an die Göttinger Kriminal-Polizei oder an Herrn Adolf Wolfs, Göttingen erbeten. Gute Belohnung für Wtederbejchaffung obiger Ritualien wird zugestchert. München, 11.Okt. Die Meldung, daß Dr. Hirschfeld, der in München von Antisemiten mißhandelt wurde, gestorben sei, trifft nach eingezogenen Erkundigungen nicht zu. Hirschfeld verließ die chirurgische Klinik und soll sich wohl befinden. Trier, 10 Okt. Zum Oberrabbkner der hiesigen Synagogengemeinde wurde Herr Rabbiner Altmann, früher in Salzburg und A.eran, einstimmig gewählt. Freitag, den 17. September, traf der neuberufene Oberrabbiner aus Salzburg mit seiner Familie hier ein und wurde am Bahnhofe vom gesamten Vorstande in feierlicher Weise empfangen und in den olumengeschmückten Autos zum Absteigequartier geleitet. Am Abend fand dann die Amtseinführung statt. Der Vorstand, sowie die Repräsentanten der Gemeinde begleiteten den.Herrn Rabbiner von seiner Wohnung in die fcstlich geschmückte Synagoge. Nach dem Sabbatgebete sprach ein Schulkind ein kurzes Gedicht, dann hieß der Vorsitzende des Vorstandes, Herr S. Löwen stein, den neuen Oberrabbtner herzlich willkommen, erinnerte daran, daß die Trierer israelitische Gemeinde eine der ältesten Deutschlands fei unb gab der Ueberzeugung Ausdruck, das Herr Dr. Attmann seine volle Kraft dem Amte widmen werde, zumal ihm ein verheißungsvoller, guter Nus vorangelre. Er versicherte ihn deS Vertrauens und der Mitarbeit der ganzen Gemeinde. Sodann bestieg Oberrabbiner Dr. Altmann die Kanzel, um in formvollendeter, geistreicher und hinreißender Weise über die Pflichten und Aufgaben des Seelsorgers zu sprechen. Am ersten Tag Chol Hamoed veranstaltete der Vorstand der Gemeinde einen feierlichen Eins ihrungsabend. Sämtliche Vereine und Körperschaften Triers hatten ihre Delegierten entsendet, die vor dem neuen Seelsorger ihr Wirksamkeitsprogramm entwickelten. Sie baren um die Unterstützung ihrer Bestrebungen. Dr. Altmann erwiderte dann zusammenfaffend und feine Ausführungen erweckten allgemeine Begeisterung und Zustimmung. Seine ersten Funktionen an den hohen Feiertagen haben der ganzen Gemeinde den vollen Beweis erbracht, daß die mehrere Jahre verwaist gewesene Oberrabbinerstelle zu Trier nunmehr ihren rechten Mann gefunden hat. Nürnberg, 1. Okt. Die gestrige öffentliche Versammlung der Deutschdemokralischen Partei in Nürnberg, in der Reichsschatzminister m D. Gothein über den Preisabbau sprechen wollte, wurde von Anhängern deS Schutz- und Trutzbundes gesprengt. Treuchtlingen, 21.. Sept. Wir lesen in der „Tageszeitung für Nahrungsmittel": Land- „butter". Wie verschiedene Ladeninhaber in Wittenberg Mitteilen, wird neuerdings von den Landleuten auffallend viel Margarine gekauft. In einem Falle wurde bereits festgestellt, daß ein Bauer „Butter" iür 28 Mk. das Pfund verkaufte, beigemischt war mindeste ns die Hälfte Margarine. — Tiefes sollte jüdische Konsumenten zur Vorsicht mahnen. Köln, 3 Okt. Die jüdische Kinderhetlstätte Bad Kreuznach, welche der Pflege und Heilung fkrophulöser, blutarmer und rachitischer Kinder dient, bleibt auch im Winter geöffnet und bietet Gelegenheit zu Soolbadekuren, die erfahrungsgemäß im Winter ebenso erfolgreich sind wie im Sommer. Heizung und beste streng rituelle Verpflegung sind gesichert, ebenso gewiffenhafte Pflege und sorgfältige ärztliche Ueberwachung. Aufnahmebedingungen sind zu beziehen durch Frau Rabbiner Dr. Rosenlhal, Köln, Roonstr. 50. Aufnahmegesuche sind zu richten an Herrn Sanitätsrat Dr. Sternberg, Köln, Hoüenstaufenring 10. Beginn der nächsten Kur am 18. Oktober. Umgehende Anmeldung ist notwendig. Magdeburg» 10 Sept. Die Enthüllung der Kriegergedenktafeln in der Synagoge gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Feier. Die Tafeln enthalten die Nämen von etwa dreißig gefallenen Kriegsteilnehmern der israelitischen Gemeinde. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Rabbiner Dr. Wilde hielt eine Ansprache und betonte, daß die Besucher des Gotteshauses gekommen seien, um den Gefallenen, deren Namen für ewige' Zeiten in die Geschichte der Gemeinde eingegraben seien, ihren Dank abzustatten. Stettin, 14. Sept. Eine Gedenktafel für die im Kriege gefallenen Angehörigen der Stettiner Gemeinde ist in der Synagoge über dem Haupteingang angebracht worden. Sie weist 68 Namen auf. Hamburg, 7. Sept. Eine große Anzahl jüdischer Gemetndemttglteder har ihren Wohnsitz in Barm deck- Uhlenhorst. Den Wünschen dieser Mitglieder nachkommend, hat der Deutsch-Israelitische Synagogenverband jetzt in Barmbeck eine Synagoge errichten taffen. Das neue Gotteshaus befindet sich in der Gluckftraße. Die Etnweihungsfeier fand Sonntag abend statt. Außer den Rabbinern und Vorstehern der Nachbarge» einden waren Abordnungen des Gemeindevorstandes des Repräsentantenkrllegiums und anderer Gemeindeinstriutionen erschienen. Eingeleitet k wurde die Feier mit einem Gesang. Hierauf wurde; mit einem Segensspruch die „Ewige Lampe" durch Herrn Oberrabbiner Spitzer angezündet. Nachdem . Herr Oberkantor Psychsucher Psalme angestimmt hatte, wurden die GesetzeSrollen, getragen von den Rabbiner» und den Gemeindevorstehern, in die Heilige Lade eingehoben. Die Weiherekw hielt Herr Oberrabbiner Dr. S. Spitzer, und mit "Gesang deS Synagogenchors unter Leitung des Oberkantors Dreiblatt hatte die Feier ihr Ende erreicht. Samiliennachnchten. Barmizlvohfeier. Martin, Sohn von Heinrich Scheuer, Hettbronn, am 23. Oktober. — MoseS, Sohn deS Herrn Alexander Birnbaum, Kleine Obermainstraße 16, Synagoge Friedberger Anlage. Silberne Hochzeit. Das Fest ihrer silberne« Hochzeit begehen Herr Lehrer und Kantor Bernhard Gutmann und feine Frau Hedwig, geb. Rothschild, in Fürth (Bayern). Frankfurter Krrichtr. Verein zur Asseze jüdischen Wissens. Der Verein zur Pflege jüdischen Wissens „Tisereth Dachurim" e. B.» versendet sein Winterprogramm. Der Verein veranstaltet Lehrkurse, „in denen durch engere Fühlungnahme zwischen Dozent und Hörer eine tätige Anteilnahme der letzteren angestrebi wird, und zwar werden folgende Lehrkurse abgehalten: 1. Rabbiner Dr. B. May: .»Die Periode des babylonischen ExtlS (an Hand der Quellen des T'nach ) 6 ständig, Sonntag abend 7ll,—8l/a Uhr. Beginn am 24. Oktober d. Js. 3. Direktor Dr. Gr.umbacher: „Lektüre von Aufsätzen über daS Wesen des Judentums". 8 ständig, Sonntag abend 81/*—Ö1/* Uhr. Beginn am 1.9. Dezember d. IS. 3. Rechtsanwalt A. H o r v i tz: „Ein talmudifchrechrlickes Thema", b stündig, Sonntag abend 8V, bis 9llt Uhr. Beginn 6 Februar 1921. (Zur Eröffnung des Semesters sprach am Dienstag, den 19. Oktober, abends 8% Uhr, Herr Rabbiner Dr. Jakob Horovitz über „Das Buch Kohelcth"). Sämtliche Veranstaltungen finden in dem Bereinslokal der jüdischen Bibliothek und Lesehalle, Langestraße 33, statt. Zur Teilnahme an den Lehrkursen wird schriftliche Anmeldung an Referendar Dr. Adler, Uhlandstraße 47, erbeten,- an die gleiche Adreffe sind Anregungen und Wünsche wegen Einrichtung weiterer Kurse zu richten. Sinmfeier. Die vor zwei Jahren gegründete Chewra m* Ostendstratze 18, veranstaltet in diesem Jahre zum zweiten Male ihre Siumfeier auf ganz on» am Sonntag. 31. Ok.tober "n '&$ 'x dv nachmittags 4 Uhr, in der Aula der israelitischen Volksschule. Bärenstraße 11. Alle Mitglieder uns Freunde des Vereins werden hierzu höflichst eingeladen. Einlaßkarten sind spätestens bis zum 37. Oktober (15. SMat-Anfang Mb Ausgang. rotr- ORTi Anfang Datum AuSgaug u&t iMm. 1920| 5081 Uhr jMK». fitttf a. M« Berlin .... München . . . Straffburg . . Stuttgart. . . Bose» .... Nürnberg 4 4 5 4 SO 55 50 23. Okt. 11. Marcheschwan 0 5 5 S 05 3» 51 50 Hamburg . . . —!_ 5 57 Ä am Eschenheimer Turm. , SDesiolifoißii- UOeoter. Ziüerthal und Sikrtadareit. =s kasrrnMmmg 6 l/t tlvr. Aul. 71/* Llhr a&e A Neu eröffnet: W eii&-Klaus e. Eingang nur Stiftstraffe 32 M—B—IHWiHIM'iB'Bill HHIM«IBIHHIIIlTir I IBIW*I)II 1MI«IHIIIIIWHII