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Der Israelit · 1920-10-21 · Heft 42 (21.10.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 42 (21.10.1920)
Date
1920-10-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«ette S Nr. 43 Der Israeli». 31. Oktober 1830 ist aber, daß sie nur für Russen, Deutsche und Juden vorgesehen war und daß Zwangsmittel nur gegen die Juden zur Anwendung kamen. Zur gleichen Zeit erließ das Kriegsmmisterium einen kategorischen Befehl an die untergeordneten Instanzen, sofort und unnachsichtlrch die Geheim zirkulare betreffend die Juden zur Ausführung zu bringen. Diese Geheimzirkulare sehen die Beseitigung der Juden aus den militärischen Schreibstuben und Büros bis auf 5°/0 der nichtjüdischen Schreiber vor. In Verbindung damit wurde die Verordnung erlassen, eigene jüdische Arbeitsbataillone zu bilden und sie im Lager zu Jablona zu konzentrieren. Alle militärische Formationen erhielten den Befehl, die Juden auszuscheiden. Mit Ausnahme der jüdischen Frontsoldaten, die man ruhig in der Schlacht beließ, wurden aus allen anderen Truppenteilen die Juden entfernt und in Jablona interniert, wo sie wie echte Sträflinge behandelt wurden. Unter diesen Internierten befanden sich auch Freiwillige, sogar frühere Legionisten, die früher schon für Polens Unabhängigkeit gekämpft haben und mit Ehrenauszeichnungen geschmückt waren. Die Behandlung war unter aller Kritik. Tagelang bekamen die Leute keine Nahrung und dis zur letzten Minute ihres dortigen Aufenthaltes bekamen sie keine Strohsacke, so daß sie auf dem harten Boden schlafen mußten. Zu Wächtern dieser Soldaten wurden die berüchtigten „Posener" aus den Hallerschen Truppen bestellt, die ihre Kameraden mit unbeschreiblicher Brutalität.behandelten. Die Wache war so stark, daß auf zwei Internierte ein Wächter kam. Nach vier Wochen unsäglicher Leiden, konnten die jüdischen Soldaten aus Bemühung oller jüdischen ruaßgebender Stellen ore Hölle von Jablona veriasscn. Aber sie durften immer noch nicht zu ihren früheren Formationen zurückkehren, sondern sie werden m fremden Rayons als Soldaten zweiten Grades behandelt. Mit dem Rückzüge der Bolschewisten setzten die neuen Gerüchte über jüdischen Verrat em. Die Kommuniques des E r-c-s a brachten Mitteilungen über eine br .> •' ,-v m.u 'che Abteilung, die in Schied le z c: . ' n o.*t Bolschewisten gekämpft haue, fer': . Ä. .rsto k das polnische Militär eintu ju.«i*rteu Kamps gegen die städtische jüdische Bevölkerung zu führen gehabt hätte. E:m Untersuchung ergab an Ort und Stelle, daß in Sckiedlez kern einziger bewaffneter Jude angerroff n wurde, und daß im Aufrufe der polnischen Geseuiü,aft, der unmittelbar nach Räumung der Srad». durch die Bolschewiki erlassen wurde, ausdrücklich beton: Wird, daß sich die jüdische Bevölkerung loyal (Zum Wochenabschnitte.) Von M. I. Die ersten Sätze des dieswöchentlichen Thoraabschnittes bieten uns ein herrliches Beispiel von der Art und Weise, wie die Thora es versteh!, selbst bei der Erzählung geschichtlicher Begebenheiten, bei der Darstellung cinsacher Ereignisse höhere Gedanken anzudeuten und dies in der Weife, daß die Andeutung höherer Ideen der Einsachheit des Berichtes, der auch einen« Kinde verständlichen Erzählung keine:: Abbruch tut. Der Hinweis auf erhabene Gedanken, inmitten geschichtlicher Ereignisse einfacher Statur geschieht so häufig durch bloßes Wortgefüge, ungewöhnliche Satzverbindung und nicht selten durch äußerst seine, nur vom Kennerauge bemerkbaren Nuancen an der Schilderung der Tatsachen. Wäre mit dem Befehle: “p/y nur die räumliche Entfernung aus dem Vaterhause und dem Vaterlande veabsichtiA, der Zweck kein anderer gewesen, als daß Abraham nach Art vieler Völkerstämme des Altertums verhalten hätte. In Bialistok hat eine Schlacht mit Juden nicht stattgefunden. Und auch dort erklärten die Repräsentanten des polnischen Bürgerkomitees, daß sie keine Veranlassung hätten, irgend welchen Vorwurf gegen die Juden zu erheben. Dessenungeachtet wurde die Legende über den jüdischen Verrat durch die amtlichen Kommuniques durch das ganze Land getragen. (Schluß folgt.) Wochemundschau. Sie Organisation der jüdischen Gemeinden in Preußen. Mitte November soll eine Tagung des D. I. G. B. in Berlin die laugst geplante Satzungsänderung vornehmen, die es dem Bunde ermög« llwkn wird, die ihm angefchlossenen Gemeinden, zu e-.ner ZwangSgrmeinfchaft^mit össenrüchen Reckten, dcttnnier vor allem dem Renne der Sleuer-Erheoung für Gesamtheitszwecke,zusitiumenzuschiikßen. Aus diesem Anlaß veröffentlicht Lehrer Steinhardt folgende kritische Bemerkungen : Der Gemeindebund lädt zum 17. November zum 15. (vide-ui-chen) Gemeindelag ein: Haupweratungspegi-nstand bildet: „Die Gesamtorganisatlo n der deutschen " Diese rückt somit in greifbare Nähe: aber e n Unstern schwebt über ihr. Jedwede Oiaaiiimiioii verursacht Kosten; die der geplanter: Gesamtoraamsation werden keineswegs gernüi.'!. Die Regie allein wird, wenn der voriteoende Satzungs-Entwurf des Gemekndebune.es anüi.meu werden sollte, etwa eine halbeMt-Non ve.- sch.e.'-en; will die Organisation ihrer Hauplaufuc-re, Ern-ttrung vo-: Schule und Gotteshaus rn den kleinen (*€>! i iv.jui, ge recht werderr, so sind bn-rsür nach i.-einr Schätz uru>. erndtveilen etwa 2—3 MiUronen jährlich tts^.bbi.' Uct). (l\d) gedenke dem Gememdclnge nach...U" wer eu, onß d-ese Zistern keineswegs hoch gegriffen sind.) Woher sollen die Mittel kommen? Unsere leistungsfäoi..en, iA-.i’ete reichsten Grotzaemeinden erklären. u>-auft,ö-:-ch, r.imt ub>r die nötigen i'iuirl zu Verfüger-, iip;c Gt.u v.cn L-.'LUiien zeitgemäß zu besolden, ode-.- sattüj, sie auch nur voc dem Hunger schützen zu köniu-i . We dawahr ii;, tv ‘.'ivr l -:e Ftnaazläge u-! :ch sch i feilt in d-!0: len Ö! e- Mi l« l für biC ‘«.H'iu-: io ü-n ...’n f u ii; in: n V 9Ltä kra..-. . ■■! r der Inre y der t! JCV bei Gesonne ,f.. '-U. iN f e (ä :ch i' oenn tna:i bcu ' , X .n. uiin; " d's D G. 33 n>" e 44 bc.: .Mn ii r t; :.t r: " 5i 9l) 'ii-' v be ock i*. D'.e yu f./i. d 2H>üC 0 Ma i.e rüge-; für , Unre- - . . f de R-., :v: u-. .ch 5>. Ii. mit c-iiK'Wn S f , r ö r c Erl uUm - e r flfi n r n E e ru e i d e u r b , j •; c t 11 I n i; - e n r0> tzü ')): * v o r;.e s c 1} e n; yj ie-'i t-l-e ., tute iU ‘CCiJC* s 1 tvä er-!- '.-rrn.c r r j - . . dg. $!JCr t atz h .'s ac .r { Betr-.-ett. i-’i-it i -u nl0 (jO>.> M..! k U; w. : u der ] Voran s-iil ..g' ei. r:’ Feg u-> r j.i von Or»Ö jO Mn t n.if. * sein Land verlasse t'Nd in eine n. freu bfu Delilen GVtU: , Kolonie gründe dann U’äa1 sicheich tr. i gört: cheU \ Befehle die Wo:.steüm'g eine ui-dere gevoes Drese würde gen--utet iju&cn: -sr-irrvi “nrCwi rrra *p. Verläßt man ja bei der Eursetz'-uog r.-..;s dtr Heimat zuerst das Varersans, dann den Geburtsort und zmept das Geburtöland. Tie den. Tatsachen nicht eriprechc-.de und darum ungewohnl.-che Wortjreu'ung rm göttlichen Befehle deutet an, daß, obgleich von lu.sett u Urahn eül rärrmliches' Verlassen seiner bisher igcn Heimat verlangt wurde, dies rrur eine notwendige Beoi:;gung war, zur Erreichung des alleinigen Zweckes des Goitesbefehles, der völligen Erufernr'..:g und Lossagung von der Denkweise seines HeimS, des völligen AusgebenS desgeistigen Srarrdpunkles, auf dem ferne Fau-itie gestanden. Ist dies der ekgenitiche Zweck des Gotiesworrcs, dann ist die iur ersten Mornente uns befremdende Wortstellung eine korrekte und dem Zwecke entsprechend. Obgleich Prinzipienireue das Merkn>al eines ehrc:>- hasteit Charakters und lautere Gesinnung von Jedermann gefordert werden mutz, geschweige denn von einem Manne, der mit leuchtendem Beispiel den von ihm geleiteten Menschen vorangehen * soll, so gibts dennoch im Leben Momente, in rvelchen eine Metamorphose unseres geistigen Lebens nicht allein unserem festen und unerschütterlichen 'Charakter nicht widerspricht, sondern vielmehr von demselben kategorisch gefordert wird. Sobald wir uns überzeugt, daß unsere Prinzipien falsch, unsere Leitmotive irrig und unsere Ideale leere Lustgebilde sind, ist deren'Fallenlassen und Umtauschung mit anderen, besseren, eine unerläßliche Forderung. Die einzige Grundlage eines jeden ehrlichen Charakters kann und darf schließlich doch nur die Wahrheit sein. Während aber der immerwährende Wechselprozetz in unserem physischen Leben ohne jede (Die Gesamtbeiträge von BündeSgemeinden sind mit 47600 Mk. angesetzt.) Ich halte die Gesamtorganisation für notwendig, für unerläßlich sogar. Aber ebenso notwendig ist es, klar zu schauen und nicht ein Gebilde zu schaffen, das nachher nicht leben und nicht sterben kann. Ueber eines muffen die Gemeinden sich klar fein : Wenn ihre Opferwilltgkeit nicht soweit reicht, von vornherein in großzügiger Weise die Mittel für wirkliche Leistungen der Organisation zur Verfügung zu stellen, wenn'die Gemeinden nicht dazu bereit sind, etwa 10 Prozent ihres Etats jährlich an die Gesamtorganisarion abzuführen, wenn sie in ihren Bewilligungen genau so engherzig sind, wie sie es bislang dem Gemeindebunde gegenüber gewesen, dann ist es besser, die Gesamtorgänisation gar nicht erst ins Leben zu rufen." Marc kann zwar anw'hknen, daß der Gemeindebund bisher absichtlich nichts unternommen bat, um seinen Unterstützungs-Etat für kleine Gemeinden über dis lächerliche „Summe" von ganzen zwarrzigtausend Papiermark hinaus zu steigern; er will eben die staatliche Zwangsorganisarion durch Aushungerung erzwingen. Aber recht hat Steinhardt ganz zweifellos, wenn, er verlangt, daß man sich vor allen Dingen klar werde, über die Höhe der Beträge, die aufgebracht werden müssen, wenn der ganze Api urat der Organisation überhaupt rentieren soll. Daß die Gemeinden sich im Augenblick entschließen werden, den 'Sprung ins Dunkle mtt den aufzuerlegenden Riesenverpflichtungen zu wagen, scheint uns wenig wahrscheinlich. Ganz aöge eheu davon aber fehlt ja noch immer die j u x i ft ■ - dj e Grundlage für das ganze Projekt. Sörauge nicht die zur Ausführung des tz 37 der Reicksverfassung erforderlichen Gesetze erlaßen sind, schwebt die ganze Idee der Ge! vättorga.'-tsarion in der Lust, und es ist Unsens E:ucytt-ns auch für den Gemeindebund ebenso wie für seinen Gegenspieler, den Verband der kern scheu Juden verfrüht, etwas Endgültiges zu schaffen. - Man v.-■![',? vganze Angelegenheit vernünftiger - v■■■»r, bis größere Klarheit vorhanden .en aber mit aller Energie an die y-e .. ü fe ^Willigkeit des Einzelnen u.!g ser Grmeinden appellieren. Die neue Aationalversammlung in Oesterreich. In die neugewählte Nationalversammlung Oesterreichs ziehen die C hristl ich soz taUu ü-s Sieger ein. Mit ihren 78 Stimmen b i un sie rarjäcklich dir größte Partei, und der Z--w.:Ls vo! 14 Mandaten bedeutet für sie r -r n mo>-i.ich-tt Erfolg, den sie, geschickt in der Lüch.k, w e sie feit Luegers Zeiten immer schon ma.. vHteüs anszuuutzen wissen. Eine abso- L M-ch.U.eck ei geben sie aber auch in Gemein- Erschüttermig unseres Wesens sich vollzieht und wir -a. il und aeräuscilloS von einem Stadium zum andern m-.e'.yaw dieser Metamorphose geterrel werden, ist der Vr;..zrpt..':r!r'cchier immer gutchbeoruLend mit einer märylig-"-: Nevotulior., öle unser ganzes Innere erschr'ütert und.ausregt. Es handelt sich um Sein ödör ölichtsein! Die Prinzipien machen den Mewchen zum Menschen. Das Anfgeben lievgewonnenec Prinzipien ist der Tod eines Mettschen.. die Annahme neuer Ptiuzipien aber tirch die Anserstehung desselben, sondern die Schöpfung eines neuen. Menschen. Der Pciitzipienwechiei ist ein Kanipf zwischen zwei Menschen, deren einer das Alte und deren anderer die junggeborene Wahrheit zu verteidi;ien sucht. Abraham war wohl bkrelts durch die Naturbeirachtung von der Haltlosigkeit seiner alten, retigiösen Prinzioien überzr-agt, bei alldem komite er, sich selbst überlassen, zunt völligen Bruche mit der Denk ichrung seines Batet Hauses und seines Heimatlandes sich nicht aufraffen. Der Menr'ch ist eine tieskouservarive Natur, er bieillt häufig selbst dem mit MürigeLn behafteten Alten tuen, rust nur nicht in neue V.rhältursse sich fügen zu müssen. Daher die Aufforderung Gottes: ,/7^> 'pr‘> gche deinen Weg, wandte auf dem von dir selbst bereits erkannten Pfad der Wahrheit und sage dich los von deiner alten Denkweise. Dieses Lossagen sei jedoch kein plötzliches, sondern ein allmähliches. Das rasche Brechen mit einem System tlnd ein ebenso rasches Ergreifen einer entgegengesetzten Methode wird seiten dauert--es Gute zur "Reife bringen. Sage dich zuerst los von den Ansichten und Ideen deines Heimatlandes, das deinem Herzen minder schwer fallen wird und wenn dir das gelungen, dann versuche zu brechen mit den Jrrtümern deiner Vaterstadt, die dir mehr zu

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