Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1920-10-07 · Heft 40 (7.10.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 40 (7.10.1920)
Date
1920-10-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450088-2450125--68489-2525627
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

II mm 61. Zskrgs Frankfurt a. M.. Sen — 7. Oktober 1920 25. Tischri 5681 M*o «büttnement pro Vierteljahr r Dentfchlandvei den Postämtern sowie bei direkt. Bestellung u. Rechnungsertetl. durch d.Verlag M.e.— viertelj. f. Lehrer u.Kultusbeamte (n. direkt)M. 3.— vierteljl., monatl. 5 Pfg. Bestellgeld. Deutsch-Oesterreich Str.30.— viertelj.; Tschechoslowakei Kr. 12.—Ungarn Kr.36.— viertelj., Polenlnur in deutsch. ReichSmk.)M.9.viertelj.,Holland fl.l,Ska«dinavienKr.2, Schweiz, Krankreich u. Belgien Fr. 1.50, England 1 sh. 6 p., Amerika0.50 Doll, viertelj. Einzelnumm.60 Pfg. Durch d. Buchhandel wie v. Verl. [ fl Der Israelit erscheint jede« Donnerstag II Anserate: Ml. 1.50 für die secösgesvaltene Colonel-Zeile 3 einschl. Teuerunaszuschl.;Ausland-Jns.Mk. 3.—pro Zeile f j Rav. nach Tarif Bei laufenden Jnseratanftr. tarifm. 8j Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnferatenannahme f durch den Berlag des Israelit G. m. b H., Franki surt a.M., Gr. Eschenheimerstr.23 Del. 5842, Amt Hansa, fi sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. k> VlahvorschrMeu ohne MerdtndNckkr». Zahlungen außer direkt an den Berlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 18 802 — erfolgen an: Conto bei der Postsparkasse Wien No. 79«0., Conto bei dem Poftsparkassenamt Budapest No. 184*4 Conto veim Postscheckamt Zürich Sfr VIII 7254 Conto beim Postscheckamt Amsterdam No. 24868 Conto bei der Böhmischen Unionbank, Prag und deren Filialen. Der nackdruck 9er Artikel und £orrefponden?en 9es «Israelit“ IR nur unter genauer Quellenangabe, und. soweit es ftcfi um größere KulMe bandelt, nur nadi norberiger Genehmigung gestattet. Infolge der Feiertage mutzte diese Nummer in beschränktem Umfange erscheiueu. Intzaltsüdrrstcht. I. Leitartikel: Das Urrhalten des Bolschewismus;um Juwntum. — 2. Homiletik: Uo» der Gottesfurcht. - 3. Kleines Feuilleton: (Prof. D. Karl Marti über die „Große Täuschung"). - (Das Hakenkreuz.) 4. Wochen rund schau: Die jüdisch-polnischen Auswanderer in Danzig. - Die Auflösung des „Bundes" ft lt f I ft h 0 » SYftktflf JK _ S*«Nif<4*D oa^'c^ts. o-r*f-u . fl * UUV yVUW^Uw;»»»», vttt n. w\'t 1^/iV IUMMischen Jejchiwaus). - Berlin, (Die jüdischen Religions- Vereine gegen Dr. Löwenstein). — Halberstadt, (Bund gesetz sireuer jüdischer Gemeinden). — Wien, (Der „weme Terror" in Wien). — Wien, (Eine jüdische Universität in Budapest. — Warschau, (Aus Po en). — Warschau, (Das Echo der Judenverfolgungen im Parlament. — Lodz. — Prag, (Aus der galizischen Hölle). — London, (Präsident Wilson zu den polnischen Judenverfolgungen). — 8. Personalien. —9. Frankfurter Berichte. — Gebetzeiten. Berelns-kalender. — 12. Feuilleton Beilage: Land. 'sB9nE-9=S=K-K-5=5=- Das Verhalten des VoWewismus zum Zudentum. III. Denselben Kampf gegen das Hebräische hat das jüdische Komiffariat im Moskauischen hebräischen Theater ausgesochten. Wie alle anderen nationalen Theater existierte auch die „Nv'ÄN" aus Kosten des Staates. Darüber konnte sich das jüdische Kommissariat nicht beruhigen, und obgleich auf einem öffentlichen Disput hervorragende russische Künstler und Schriftsteller für die Beibehaltung der auf Staatskosten mit aller Entschiedenheit sich ausgesprochen haben, setzte das jüdische Kommissariat durch unwürdige Machinationen durch, daß der „Nv^N^jede Unterstützung Vonseiten des Staates versagt wurde. Aber die „NV'ÄN" wie auch der Unterricht im Hebräischen, ja sogar der Religionsunterricht dauern fort. Es werden dazu kolossale Summen gespendet. Hat die „NrrM" nur einige wenige vielvermögende Gönner, so hat der, Unterricht in den Religionsfächern und im Hebräischen die bei weitem überwiegende Mehrheit der russischen Judenheit für sich. Der Aermste bringt gern aus eigenem Antriebe sein Scherflein dazu bei. Ich spreche-speziell von Moskau, wo ich mich persönlich daran beteiligte und genau die Zustände kenne; aber ich hörte, daß in der Provinz dasselbe geschieht, wenn auch wohl in kleinerem Maßstabe. Die Stadt wird nämlich in Rayone eingeteilt und in jedem Royon werden mehrere, Unterrichts-Gruppen gebildet, je nach dem Alter und den Kenntnissen der.Schüler und Schülerinnen. Die Unkosten sind enorme. Damit man sich davon einen Begriff macht, würde es genügen, wenn man bedenkt, daß gewöhnlich gegenwärtig jede Privatstunde mit '500 -1000 Rbl. honoriert wird, sonst-müßte der Privatlehrer, bei der herrschenden Teuerung und den weiten Entfernungen Moskaus bet fast völliger Abwesenheit der Stadtbahnen, verhungern^ Das Budget für besagten Gruppen-Unterricht (4 Gruppen) in dem mir bekannten Rayon beläuft sich auf hunderttausende Rubel monatlich. Wie treibt man solche große Summen auf, bei gänzlicher Verstaatlichung aller industriellen, kommerziellen, und gewerblichen Unternehmungen und bei der erschreckenden.Armut der jüdischen Bevölkerung? Das erklärt sich durch die außerordentlichen Verhältnisse, in welchen die Bevölkerung im Sowjetstaate lebt. Wie schon oben hervorgehoben worden ist, floriert in nie und nirgends erhörtem Maßstabe der Schleichhandels die „Spekulation". Die strengen Maßnahmen gegen den Schleichhandel fördern denselben: indem sie das Risiko vergrößern, steigern sie enorm die Preise der Gegenstände des Schleichhandels, und um so verlockender wird er. Die Sowjetregierung, die sich in der Aufhebung der Stände, in der Vertiefung des Klaffenknmpfes, in der Verstaatlichung des Privat- und Gefellschaftseigentums, in der Proletarisierung der ganzen Bevölkerung, in der Vernichtung der Straßenräuber und Quartiereplünderer, welchs^unter Kerensky Moskau, wie auch andere größere Städte in Schrecken setzten, und endlich in der Unterdrückung der bald hier, bald dort entdeckten kontrerevolutionären Verschwörungen sich so allgewaltig erzeigte, scheint gegenüber dem Schleichhandel und der mit diesem eng verbundenen Bestechlichkeit und Veruntreuung der verstaatlichten Güter, mit welchen hauptsächlich der Schleichhandel operiert, völlig ohnmächtig zu sein. Denn ihr Kampf gegen diese Uebelstände bedeutet unter den obwaltenden Umständen nichts anderes, als einen Kampf gegen den Hunger, der sich weit mächtiger erwiesen, als die unbeschränkte Macht des Bolschewismus. Wo Alles „spekuliert", dort ist es ganz natürlich, daß eine Minderheit glücklich spekuliert und Millionen in kurzer Zeit sich erwirbt. Aber die Spekulanten laufen Gefahr, von den Detektiven der „Zerewizatka" entdeckt, dieser Millionen beraubt und selbst ins Gefängnis geworfen zu werden, oder sie müssen durch enorme Bestechung sich loskaufen. So oder so könnten sie bald um ihr Vermögen kommen und daher hängen sie nicht sonderlich an chm und gehen mit ihm sehr splendid um. Solchen Leuten fällt es nicht schwer, zehntauscnde, ja hunderttansende Rbl. für Gegenstände, welche sie besonders interessieren, zu verausgaben. Von ihren Spenden in erster Reihe werden gegenwärtig die religionsgesetzlichen Anstalten, die Wohltätigkeitsstiftungen und. ganz besonders die oben erwähnten Unterrichtsgruppen ausgehalten. Freilich sichert das bei weitem nicht ihre Existenz für beständig, allein von aller Welt abgeschnitten und jeder Hilfe von Außen bar, ist es immerhin ein zeitweiliger Notbehelf, welcher alle diese Institutionen über Wasser hält, so lange die bolschewistische Krisis im Lande fortdauert. Es ist aber anzunehmen, daß diese nicht mehr lange sortdauern wird' Denn der Bolschewismus bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als unversöhnlichen Kampf, gegen den Menschen, der nach Freiheit lechzt, der wenn auch Mitglied der Gesellschaft, des Staates, jedoch auch als Individuum, als ein besonderes „Ich" sich geltend machen und sich ausleben will, der nicht für alle Ewigkeit einem abstrakten Begriffe „Collectivum" sich unterjochen läßt, während der Bolschewismus jede Freiheit der Meinung, in Wort und Schrift despotisch unterdrückt, Freizügigkeit, Freiheit der Arbeit nicht aufkommen läßt, die hundertfach überwiegende Majorität durch einen unerhörten Terror einer verschwindend geringen Minorität geschickt aber unterjocht. Der Bolschewismus bedeutet ferner einen erbitterten Kampf gegen den Idealismus, gegen alles, was von jeher der Menschheit als hoch und heilig galt, wie Recht und Gerechtigkeit, Heiligkeit und Unantastbarkeit des menschlichen Lebens, indem er aus eigner Machtvollkommen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.