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Der Israelit · 1920-12-16 · Heft 50 (16.12.1920) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 50 (16.12.1920)
Date
1920-12-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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mr&rimrm meinen Freunden nach Hanfe gma,da waren wir uns einig, daß alle» vorzüglich geklappt: hatte. Und meine Freunde erwogen zweifellos, wieviel politische Vorteile diese beiden Besuche wohl bringen werden. Mer sie waren gerade Politiker genug, um dies nicht auszusprechen. Jüdisches Leben in GroKserbien. Ein Mitarbeiter des Budapester „Zsido SZemke" hatte vor kurzem eine Unterredung mit einer angesehenen jüdischen Persönlichkeit aus Jugoslawien, welche über das Leben der Juden in Großfcrbien unter anderem folgende Mitteilungen machte: Es wird vielleicht am zweckmäßigsten sein, wenn wir zunächst uns über das Rieiengebiet klar werden, welches das heutige Jugoslawien bildet. Tas ist Umso wichtiger, als das großserbische Judentum , aus Zwei mächtigen, gesonderten Gruppen bestcht. Zn Jugoslawien gehören heute: Serbien, Altserbien, Bosnien. Herzegowina, Kroatien-Slawonien, Kärnten, Krain, j Mazedonien, die Bacska und oas Banat. Tie Gesamtbevölkerung diesen Rieiengebietes beträgt rund 18 Millionen, davon etwa ein Prozent Inden, also um ein bedeutendes mehr, als oie Zahl der Juden ut Serbien — etwa 20.000 — vor dem Kriege betragen hatte. Tie Hälfte der Juden sind Sepyaroim, bergt Vorfahren zur Zeit der Vertreibung der Juden aus Spanien nach Bosnien, Serbien, Altserbien und Mazedonien geflüchtet waren. Sie sind sehr stolz auf ihre spanische Abstammung und die meisten von ihnen sprechen noch bis auf den heutigen Tag die spaniolische Sprache. Auch dieser spanisch-jüdische Jargon hat noch seine schwärmerischen Anhänger, wie der deutschjüdische Jargon, so sehr, daß selbst das „Unesanne Tokes"-Gebet am Versöhnungstage in spaniolischrr Sprache rezitiert wird, wie überhaupt di: gottesdienstliche Sprache bei ihnen zum großen Teile die spaniolische ist. Sie besitzen amtlich beglaubigte Dokumente darüber, daß sie schon im Jahre 1550 in Sarajcvo eine Synagoge besaßen. Sie bekennen sich zum jüdischen Nationalismus und hegen aufrichtige Sympathien für die Serben, mit denen sie im besten Einvernehmen leben. Ter andere Teil der serbischen Juden sind Aschkenasim. Ein Teil derselben wanderte im Laufe des 16. Jahrhunderts aus Krain und Kärnten ein, der überwiegende Teil jedoch kam erst im 19. Jahrhundert nach Bosnien. Interessant ist, daß während des Krieges von den bosnischen Regimentern des österreichisch-ungarischen Heeres bloß der Sarajevoer jüdische Advokat Dr. Jakob Cajon die goldene Tapserkeitsmnaille für Offiziere erhalten hat und viele mit dem Eisernen Kronenorden und anderen hohen Auszeichnungen dekoriert worden sind. Auch in der serbischen Armee war es ein Jude, der die höchsten militärischen Auszeichnungen erhalten hatte. Es war dies der Bezirkskommandant Oberst Avram Bar ach, ein charaktervoller, guter Jude. Es geschcch, daß anläßlich des griechisch-orientalischen Osterfestes unter den vielen Deputationen, einer alten Sitte im Orient folgend, auch eine Abordnung, bestehend aus dem Präsidenten der Kultusgemeinde und dem Rabbiner bei ihm vorsprach. Nach der Rede des Rabbiners klopfte ihm der Oberst auf die Schulter und jagte: „Ihnen kann ich nur das eine antworten: Leschanah habaah bijeruscholajim!" In Jugoslawien herrscht im allgemeinen der weitestgehende Liberalismus. Auf Grund des geltenden Proportionalwahlrechtes haben die Juden las Recht, drei eigene Abgeordnete zu wählen. In Altserbien leben Sephardim in größeren Massen. Besonders in Mitrovica und Monastir. Diese stchen mit den übrigen Schichtendes Judentums in keinem besonders starken Zusammenhang. Um sie den großen Bewegungen des Judentums näherzubringen, wurde mit Zustimmung des zentralen Exekutivkomitees ein Blatt in spaniolifcher Sprach: ms Leben gerufen und belehrende Flugschriften herausgegeben. Die Juden haben sich in den politischen Bewegung »n bisher nicht exponiert, wa» in hoher» Mttz» DerJSraelit. dazu beitrug, daß eS inGervie» vor dem Kriege einen Autifemiitsmu» übechaupt nicht gegetzrn hat. Jetzt aber kommen di« Offiziere der serbischen Legion, der sogenannten Tobrovoley-Organhation, die in der. Tenrtin-Armee den Antisemitismus in sich aufgesogen haben, zu Tausenden mit ihren Familien nach Serbien, wo sie die größte Gastfreundschaft genießen, und reizen die Bevölkerung zum Antisemitismus auf, indem sie gleichzeitig gegen den Bolschewismus Line Massenstimmung zu erzeugen trachten, ßtun steht aber die jugoslavische sozialdemokratische Partei, der große Teil der Arbeiter, der Beamten und Univerfitätshörer auf dem Boden der Tritten Internationale. Es ist unbegreiflich, warum der Bolschewikenhaß mit dem Judenhaß in' Verbindung gebracht wird, da doch sämtliche Führer der Anhänger der Tritten Internationale in ganz Jugoslawien" Serben sind. Die ökonomische Lage der Juden ist zufriedenstellend, wenngleich der Handel nicht ihren, sondern in den Händen der Serben liegt. Bezeichnend für die hervorragende organisatorische Fähigkeit der Juden ist jedoch die Tatsache, daß die spaniolisch-jüdischen Großhandlungssirmen nach dem großer: Zusammenbruch die direkte Handelsverb insung mit England, Frankreich und insbesondere mit Spanien hergestellt haben, wo sie bereits ihre Vertretungen haben. Ter wichtigste Knotenpunkt ist Sarajevo, von wo aus der ganze Balkan mit Textilwaren versorgt wird. Mit Rücksicht aus diese gute wirtschaftliche Position der Juden ist aus 'Jugoslawien eine starke Abwanoerung nach Palästina kaum zü erwarterr. Ein winterlicher Schabbos- Morgengenuß. Bon Arnold Singer in Baden bei Wien. In großen Flocken fällt der'Schnee zur Erde, eine zur anderen sich gesellend, eine auf der andern ruhend und so eine dichte, hohe Schneemasse bi'dend. Es warren die frommen Tempelbe'ucher vor dem Tempel« elngang bis b>x Hausbesorger den Weg zu demselben frei macht. Es ist Schabbos früh und noch eine Weile vor dein Anfang deS Go,ttsdienstrs, der um diese Jahreszeit recht früh beginnt. Aber unsere fivmmen Glaubensgem fstn, die am Freitag abend weder das Theater noch das Kaff ehaus besuchen und die daher an dielen langen Schabbos-Winrerabenden schon sehr stütze zu Bette gehen, versammeln sich schon lange vor dem Gottesdienste im Tempel, wo sie eine angenehme Wärme empfängt, die man am Schabbos doppelt wohltuend empfindet. Man umringt den Ofen als wäre er e-n treuer F eund, dessen Wärme uns fähig macht, die wahre Wärme zu empfangen, die aus der Glut eines wahrhaft jüdisch abgehallenen Gottesdienstes strömt und die Menge mit einem heiligen Feuer durchglüht. Der Gottesdienst hat aber noch nicht begonnen. Dtefentgen, die eiwaS lernen können, haben irgend ein Sefer vor fich oder gehen durch die Sidra. Die anderen wieder, die nun schlichte brave Juden sind ohne irgendwelches hebräische Misten, befaffen sich mit den Kehtllaangelegenheiten der verfloffenen Woche, oder nehmen sich eiuen der „Zurückgebliebenen", wie solche in jeder Gemeinde vorhanden, zur Zierschkibe des Spottes. S lbstverständUch werden auch häufig die G-meindebeamten herangenommen und nicht zuletzt der Schames, besonders wenn die Ofenwärme nachzulaffen beginnt und er dafür verantwortlich gemacht wird. Da ist einer ein leidenschaftlicher Raucher, heute diesem Genuffe entsagend, stachelt er durch seine Nervosität, feine Umgebung zu Neckereien und Hetzereien auf,' ein anderer wieder aus Mißmut darüber, sein gutes Frühstück erst nach dem langen Gottesdienste eivrtehmen zu können, kramt seinen Unmut über Dinge aus, die ihn sonst ganz kalt lasten würden. Oft aber auch ortet dieser frend'ge Hnmor in eine srreng ernste Debatte aus, wenn es sich um wichtige, jeden einzelnen betrrffende Geldfragen handelt, wenn das Koscherflei ch oder die Kultussteuer um einige Kronen erhöht werden. Das Jigdal-Gebet, das vom Borbeter herrlich angesttmmt wird, macht diesem Genuffe ein Ende und wie auf einen Kommando» ruf fällt alles leise mit'^ngend in diesen schönen Gesang ein, besten Melodie so geeignet ist, eine erhebende Stimmung in uns wachzurufen und uns über die Unannehmlichkeiten deS AlliagStebeus .hoch emporhebt. (Jerusalem als Kunststadt). In Jerusalem wurde eine jüdische Künstler mrrinisüng gegründet, um dte Pflege jüdischer Kunst und jüdischen Kunsthandwerks zu verbreiten. Die Vereinigung will im Frühjahr ihre erste Ausstellung veranstalten. UM inderecke Weihefest. Waldemar, Evchen und Käte, die Sinder eines chrMtchen Tierarztes, erzählten unserer dicken Volt« mit Bor liebe vom Weihnachtsmann, von den Spiele suchen, die sie unter d m Tannenbaum fanden, von den Liebe»«, die ihr Onkel Hand b,im Schein der Weih» nachtskerz«n sang, von dem süßen Stollen, der regel« mäßig als Festgebäck angeschnitten wurde und dergleichen mehr. Lotte hörte von all den Dingen, die ein Kin^erherz erfreuen und fragte eines Abends die ältere Schwester Clara: „Warum haben eigentlich jüdische Kinder nicht Freuden mit Ltchterglanz, mit Liedern und Ueber» raschungen"? „O, du kleine Törin", Hub La die Schwestrr Clara an. „Erinnerst du dich denn garnicht des Chanuka- oder Weihefestes, das wir Juden ai jähr ich zur Winterszeit im Familtenlreiso so schön feiern"? Der Barer und d>e Brüder stecken dann jeden Abend Kerzen oder Oelflämmchen an einem Extraleuchter an. Am ersten Abend ein Licht, am zweiten deren zwei, am dritten noch eins mehr usw., btS schließlich am achten Abend des Festes acht Helle Flämmchen außer der gewöhnlichen Beleuchtung unS erfreuen. Beim Ke;zenscheine versammeln sich Eitern und Kinder um den großen Ausziehtisch im Wohnzimmer holen Lotio-, Domino- und Würfelspiele herbei - setzen Aepfel, Rüste, Bonbons. Cakes, auch wohl Abziehbilder und Modepuppen zu Gewinnen ein und gespielt wird, bis der Lichterglanz verglommen, manchmal sogar noch ein Weilchen länger. Am Swabbos — Chanuk , harten dte Eltern immer noch eine besondere Ueberraschung. Die. Kleinsten bekamen eine neue Puppe oder ein Svietmagazin, die Schulkinder ein schönes Buch oder Noten, die Erwachsenen wohl gar einen Schmuckgegenstand, eine Pelzgarntmr oder waS das Herz sonst begehrte. Mit dem Lichierg'anz zugleich erfieuen uns althergebrachte Melodien, dte wir im' Chore so gerne singen. Und all das Schöne, hast du, dumme kleine Lo-te, seit dem vorigen Jahre ganz vergr ffcn? Schäme dich, auf andere Kinder neidisch zu sein; denn Freuden zu bereiten, verstehen jüdische Eltern recht gut. Des Mrchenrätsel- Lösung. Bon .H. Einst ädter Bon mehreren jungen Lesern des „Israelit" erhielt ich Zusch.tsten, wo. in. um Ausschluß gebeten wird, nach welcher Methode derartige Rätsel zu lösen seien. Ich komoie den Aufforderungen gern nach, indem ich das „Märchenrätsel" meinen Ausführungen zu Grunde lege. Bor allem ist es erforderlich, daß man zuerst das ganze Rätsel langsam durchlieft. Man findet dann zumerst den Punkt heraus, bei dem man einsetz?nmuß. So ergibt» sich beim Dmchlelen des Märchen'ätsels, das infolge eines sonderbaren Zufa"es einige Wochen zu spät veröffentlicht, worden ist, daß der Mann in den i.tzten Wochenabschnitten öfters vinkommt und daß er aus fünf Buchstaben besteht. Mancher Leser wird da sofort an die Erzväter denken und so auf orrc» kommen. Stellt er sich dann dte einzelnen Buchstaben in Quadrarschrift vor, so wird er mitiels sitner Einbildungskraft in dem k baß zerknitterte Käppchen, ijn dem 2 das gestärkte Krägeletn, in dem *1 das gebügelte Röckchen in dem ,1 das zerrissene Sirümpfchen und in dem o das dichte Stiefelchen erkennen. Dann gruppiert er wie angedeulet: 1. Das Krügelchen mit dem MÜtzchen war 2 3» d. i. Vater,' 3. Das Mützchen und hinter ihm daS Stiefelchen: bk d. i. Mutter- 3. Krügelchen und Röckchen dazu: 13 d. t. Sohn. In ähnlicher Weise wird man bei jedem Rätsel verfahren. Richtige Lösungen sandten ein: Salomon und Emanue! Wolf, Köln- M. Echeükolervskt und Jakob Strauß, Hamourg- Heinrich Stmon, Darmstadt - Sara Katz, Karlsruhe- Elfriede Katzenstein, Breftenbach- Hermann Adler, Nürnoerg- F. Häusler, DutSdurg- Eft^er Seilnowttz aus Jaffa, z. Zr. in Ah»weiter - Max FlörSheem, Emil Schwuzfchtld, Emil Offenbacher, Frankfurt a. M.

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