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Der Israelit · 1920-10-23 · Heft 38-39 (23.10.1920) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 38-39 (23.10.1920)
Date
1920-10-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sette 1V Nr. 38 u. 39 Deckmantel einer jüdischen Lebensanschauung." 'Wenn man von der etwas seltsamen Abhandlung über die Chriftusmythe, die wie ein grotesker Seitensprung anmutet, absicht, wird man in dem Buche überall, auch wo man mit dem Verfasser nicht einverstanden sein kann, wertvolle Anregungen finden. Rabb. Dr. Unna-Mannheim. Vermischtes. Berlin, 12. Sept. In Bischofswerder, dem südlichsten Zipfel des westpreußischen Abstimmungsgebietes erklärte der deutschnationale Führer, der dort die deutsche Bewegung leitet, daß die jüdische Bevölkerung von Bischofswerder nicht nur mit besonderer Hingabe an dem Kampfe für die Erhaltung deS Deutschtums teilnehme, sondern auch mit aller Macht daraufhin gewirkt habe, daß die ausgewanderten Bischofswerder jüdischen Glaubens zur Ab stimmung kommen. In der Tat sind denn auch nahezu 200 deutsche Juden eingetroffen, die in Bischosswerder geboren find und die im ganzen nur 1v jüdischen Familien des Ones haben eS auf sich genommen, diese sämtlichen Ankömmlinge zu beherbergen und zu beköstigen. Das war um io wichtiger, als eine ganze Reihe von den Zugereisten fromme Juden sind und auf rituelle Ernährung Wert legen. Der deutschnationale Parteisekretär versicherte, daß bet den kommenden Reichslagswahlen dieses Verhalten nicht vergessen sein werde und daß man in Bischosswerder jedenfalls nicht daran denke, den Antisemitismus in der Wahlpropaganda von deutschnationaler Seite als Waffe zu benutzen. Berlin, 17. Sept. Zu Gunsten des „Hilfskomitees für Palästina", finden demnächst drei Vorrräge über das Judentum von Rabbiner Dr. Baeck und Dr. Noffig statt. Sonnabend, den 35. September spricht Dr. Alfred Nossig im Logenhaus, Kleiststr. 10, abends 8 Uhr, über den „Wiederaufbau Palästinas". Donnerstag, den 30. September, im Brüderverein, Kurfürstenstr. 115/116, abends 8 Uhr, Dr. Alfred Nosfig über „Sozialismus und Mosaismus". Mittwoch, den 6. Oktober im Brüderverein Kurfürstenstr. 115/116, abends 8 Uhr, Dr. Baeck über „Das Judentum in der Weltgeschichte". Dettelbach^ll. Sept. Für diejenigen ehemaligen Schüler der Höchberger Anstalt, die vietätvoll des Heimgegangenen Herrn Sam. Eldod in einem gedenken möchten, sei der BHp Dt? desselben mitgetettt: bmw 'n *m*7. Dresden, 12. Sept. Nachdem in Magdeburg das Tragen von Hakenkreuzen für fämttiche Mititärpersonen Mitteldeutschlands in Uniform und Zivil verboten ist, erläßt jetzt das Provinzialschulkollegtum der Provinz Sachsen eine Verfügung, wonach das Tragen von Hakenkreuzen auch den Schülern der Provinz Sachsen verboten wird. Sprechsaal. Anregungen. Es sei mir gestattet, eine in der A.J. I. G- Tagung in Nürnberg-Fürth gemachte Anregung kurzgefaßt zum weiteren Ausdruck zu bringen. Bisher haben Jugendgruppen und Esra-Vereinigungen es sich zur Aufgabe gemacht: 1. die MLip-Gedar ken zu wecken und zu festigen, indem sie danach strebten, bei allen geselligen Veranstaltungen die Zugehörigkeit der Teilnehmer zum Judentume zu betonen und zum Ausdruck zu bringen, womöglich die gegenseitigen Erfahrungen aus jüdischer Lektüre, aus Thora und Talmud, zu besprechen und zu verbreiten. 3. Schiurim zu halten und Thora zu lernen, insoweit jemand hiezu fähig war. Bisher war dies nur für diejenigen Kreise der Jugend gedacht, welche sonst nur Profanes lernten, sozusagen nur zur Erweckung und Ermunterung, damit sie doch etwas vom Judentume erfahren und ihre Zugehörigkeit zu diesem bekennen. Es wird aber eingesehen, daß das bisherige System nicht genügt, man will es verbessern, erweitern und ausbauen. Das Judentum krankt daran, daß selbst unsere größten. Führer nicht wagten, die Thora an erste Stelle vor alle anderen Kulturlehren zu stellen; die Thora wurde ein Gelegenheitsobjekt. — Unseren Kindern wird die profane Lehre von. systematischen, cindringenden, pflichterweckenden Lehrern beigebracht, während unsere Thorch unser Schatz, wofür wir leben und sterben, nur so nebenbei, bei Gelegenheit, „wenn sich solche bietet" geboten wird und ' dies ohne jedes System. Und felbstveostLndlich fühlen dies die Kinder. Es kommt ihnen zum Bewußtsein, daß man alles Profane je mehr, desto besser, sogar über den Lehrplan hinaus, lernen muß, wahrend man das Jüdische, die Thora, nur, wenn es die Zeit erlaubt, so nebenbei lernen kann. Hier liegt der Fehler unserer Führer, womit sie unsere Jugend von sich stoßen Und in das andere Lager hinüb erlaß en. Denn mit demselben Recht, womit wir sagen, wir können nicht die Thora an erste Stelle stellen, dürfen die andern Richtungen lagen, wir können sie übechaupt nicht brauchen, denn halbe Sachen machen ,6«c IffrateHt; wir nicht. Zeigen wir also, daß auch-wir ganze Arbeit leisten, daß wir mit ganzem Herzen, Leib und Seele nur in Gottes Glauben ausgehen, seine Thora auf 'Kosteri aller anderen Vorteile zur Richtschnur des Lebens nehmen. Damit leisten wir Selbstzucht, inneren Ausbau und zeigen unseren festen Charakter, wodurch wir, wenn schon nicht die Außenstehenden heranziehen — ich glaube aber selbst dies —, auf alle Fälle aber die Unsrjgen sesthalten. Wenn also die Organisationen Esra und A. I. I. O. nicht umgestaltet werden, sondern das jetzige Shstem, nur mit etwa einigen Verbesserungen beibehalten wird, so können sie nur schallen; denn schon heute kann man eine direkte Talmud-Tauvo-Schule kaum gründen. Tie Leute begnügen sich mit dem. was die Esra leistet, und ob dieses für thoratreue Orthodoxie genügt, bitte die Herren Führer selbst zu beantworten. Wenn auch das Bestreben, der gute Wille der Esraführer sehr hoch zu schätze>r und wertvoll ist, was nützt uns das? Seien wir ehrlich und offen:, besitzen diese Esraführer die Fähigkeiten, Kinder zu unterrichten? Sind sie in die Trefe der Thora so eingedrungen, daß sie weiterlehren könnten? Haben sie daraus das Moralischsittliche und das Verständnis zur Gottesfurcht so erfaßt, daß sie dies weitergeben können?. Tiefe Lehre und Gottesfurcht ist nicht so einfach zu geben und zu nehmen, ist nicht wie eine andere Wissenschaft, die man einfach aus den Büchern lernt, um nur gute Noten zu bekommen, wobei man aber das Gelernte im Leben vielleicht nie gebrauchen wird. Tie Thora ist uns mit ihrem tiefen Inhalt Quelle aller Bildungen, Sitten, sozialen Rechtslchren, unsere eigenartige Religion. * Meine Anregungen gehen dahin: Ta doch die Agudas-Jisroel eine Weltorganisation ist, so muß sie für unseren höchst wichtigen, idealen Zweck, für unseren Lebensnerv auch die nötigen Finanzmittel beschaffen können. Ferner: Selbstverständlich sollen allüberall, selbst auf den kleinsten Landgemeinden, Esra- und Jngeudgruppen gegründet werden. In den Städten und Großgemeinden müßten ohüe Rücksicht auf die bisherigen Lehrer direkte Talmudisten angestellt werden. Die Esra soll zu einer Art Talmüd- Thora-Schule umgestaltet werden. Tie Landgemein- , den sollten je nach Größe der Grrippen und den Fähigkeiten des bisherigen. Lehrers (eventl. je 3—3 Gem. zus.) einen direkten Talmudisten anstellen. Es sollen die Esräer gruppenweise, aber täglich zu mindest eine Stunde Thora lernen. Auf diese Weise bekommen wir eine in der Thora gestärkte und befestigte Jugend, welche dann in der Jugendgruppe, wenn der junge Mann einen kaufmännischen oder sonstigen Berus antritt, immer aerne selbst weitter lernen wird, um schließlich „Tancoh" und „Terech- Erez" zu vereinigen. Zum Schlüsse noch ein Punkt: Vor einiger Zeit wurden zur Unterstützung der Landgemeinden Millionen gestiftet und könnten noch Millionen gesammelt werden, um den Landgemeinden nach mernem Vorschlag zu helfen. Auch sollten Lehrer der Landgemeinden, welche sich mit gar keinem jüdischen Unterricht befassen wollen, selbstverständlich von diesen Begünstigungen ausgeschlossen werden. Indem nun die Kinder und Jugend „Esra und A. I. I. G." organisiert sind, ist es Zeit, daß die oberste Leitung, die Agudas Jisroel das Lernen der Tauroh unter ihnen auch organisiert. q. » q- Hirschsohn. Die teuere Mizwoh. Im Schulchan-Aruch wird die Mizwoh der awü eine „teuere Mtzwo" genannt, b. h. eine besonders schätzenswerte. Heutzutage ist sie auch im materiellen Sinne eine teuere. Lulof, ESrog und Hadassim stellen sich auf 60—70 Mk. Gar mancher wird zaudern angesichts solcher Preislage, sich die cr^'v 'n zu beschaffen. So sei daran erinnert, daß wir — V'nan1? — für eine Gans 60 und 60 Mk. zahlen, für ein Paar Schube 140 Mk. und mehr, für ein Paar Sohlen 46 Mk., für eine Hose 200 3(X) Mk., für einen Familienam slug oft gegen 100 Mk. usw. Hm Kriege zeichneten wir Hunderte und Tausende für Kollekten. Könnte man da geizen, wo es sich um eine herrliche mjtö handelt, die nur einmal im Jahre wiederkehrt und die wir nun nach schrecklichen Kriegszeiten endlich wieder frei erfüllen können. * Bar Menachem. Die SimÄasthaurouud Jaurrrtow-Bälle. Geehrte Redaktion! Bor sieben Jahren veröffentlichte ich an dieser Stelle einen kleinen Aufsatz, worin ich den allgemein eingeführten Unfug der SimchaSthaurobälle in entsprechender Weise geißelte. Schneller ,als ich in meinen kühnsten Träumen zu hoffen wagte, ist mein Wunsch zwecks Einstellung der SimchaSthaurobälle erfüllt worden. Unsere Weisen berichten: Was 48 Propheten und Prophetinnen durch ihre begeisterte Rede nicht zu erreichen vermochten, die vollfläudige Rückkehr des jüdischen Volkes, ist in dem Augenblick erreicht worden, als König Ahasveros dem Bösewichte Haman den Siegelring übergab, wodurch er das jüdische Volk seinem Todfeinde auslieferte. Was unsere Rabbiner und Gelehrten nicht zu erreichen vermochten, ward durch die Mobilmachungsordre deS schwachsinnigen russischen Kaisers Nikolaus U. zur Tatsache. Sechs;r ■■ 38. «ept*mber192d Jahre lang ruhte in allen Landen jede Lustbarkeit auch die SimchaSthaurobälle verschwanden mit einem Schlage vo n der Bild fläche. Doch der lange, männermordende Krieg ging schließlich auch zu Ende und die SimchaSthaurobälle blühen wieder in frischem Glanze. Der unglückliche Ausgang desselben müßte jede Freude aus unserer Brust verscheuchen. Unsere Frauen und Töchter in den besetzten Gebieten müffen sich's gefallen lassen, von der rohen Soldateska der Wüste vergewaltigt zu werden. Kühner als je erhebt der Antisemitismus sein Haupt. Man will uns Juden wieder in die Ghettos einsperren und uns das erkämpfte Bürgerrecht nehmen. Tausende und Abertausende unserer unglücklichen Brüder in Rußland, Polen, in der Ukraine und in Ungarn, starben den Märtyrertod. Erst vor einigen Tagen ist ein bedeutender. Rabbiner wie ein gemeiner Verbrecher htngertchtet worden, als Opfer seines Glaubens. Und doch nichts als Festlichkeiten und Jubelgesang. Nichts ist unseren Jünglingen und Jungfrauen mehr heilig, wenn sich ein Tanzvergnügen bietet. Abgesehen vor dem schweren Verbote des Tanzens mit Musikbegleitung, bringt jede Lustbarkeit am Feiertage Uebertretungen, gegen die wir ankämxfen müßten. Wer hat nicht schon die Wahrnehmung gemacht, daß bei solchen Festlichkeiten unsere Jugend, selbst Angehörige streng religiöser Familien, kein Beoenken trägt, am Sabbat und Feiertag Geld auszugeben, weil die Wirte prinzipiell keinen Kredit gewähren. Von weither eilen die Jünglinge und Jungfrauen herbei, um der Einladung zum Tanze Folge zu leisten. Das Verbot, daß man nicht weiter als 2000 Ellen an Sabbat und Feiertagen gehen darf, scheint, nur noch für die Schwarzkittel zu bestehen. Andere benützen schließlich auch die Eisenbahn, damit sie ja nicht des großen Vergnügens verlustig gehen. Jedes Tanzvergnügen am Jaumtow ist ein öffentlicher Chillul Haschern. Es ist Pflicht jedes Lehrers, jedes Rabbiners und jedes Jehudi, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen den Unfug der Jaumtow- und insbesondere der SimchaSthaurobälle anzukämpsen. S Freudenberge.r. Frankfurter Krrichtr. Kauschanoraööo-Lernen. Das Hauschonorabbo-Lernen im Mekor Chajim findet in üblicher Weise in der Nacht zum Sonntag, den 3. Oktober, Langestr. 18, statt. Der Beitrag beträgt für Mitglieder 3 Mk., für Nichrmitglieder fr Mk. Anmeldungen an den Vorstand erbeten. MMorreusiiftrrrrg für hie Irarrüfyrter Universität. Bei Gelegenheit der Eröffnung einer Warenausgabestelle der American Relief Administration Warehoufe teilte Oberbürgermeister Voigt mit, daß der Bankier James Speyer in New-Aork, einer der Hauptförderer dieser in gemeinnützigem Sinne für die Verbesserung der Bolksernährung in Europa wirkenden Gesellschaft, vor kurzem der Frankfurter Universität eine Stiftung in Höhe von l1/* Millionen Mark zum Andenken an seine verstorbene Schwester, Frau Eduard Beit von Speyer, machte. Der Oberbürgermeister sprach dem anwesenden Spender den Dank der Stadt aus. Dr. Goldschmidtngo Taunus- Sanatorium Bad Homburg v, d. H« für Nervöse, innerlich Kranke, Erholnngsbedürftlge. Oross-Sronfifurf am Eschenheimer Turm. cmmm- 0 Waler. Zlllerthal und SlrrkaSaretl. KMttnMfmm« S V, Uvr, H«k 77, (fyr abnät. Neu eröffnet : Wein-Klause. Eingang »nr Stiftstratze SS.

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