Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 38-39 (23.10.1920)
- Date
- 1920-10-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Weite 1 Nr. 13 u. 89 Der Israelit. - .LS Septemver 1S90 zu DKVi) fragte, ob noch Moschiachs Ankunft der jüdische Staat monarchisch, konstitutionell oder republikanisch sein wird, zitierte er nur die Schriftsätze aus Debarim V Kap.33,B.4—5 apr nbnp romiö nm i:b ms n-nn, die Thora, die wir von Moses als Erbe übernommen, sie ist souverän und diktiert unser gesamtes Staats- und Gesellschaftsleben. Darum bleibe es an sich gleich, ob, *pb. IHW’a \T1/ ein Mo narch in Jeschutun regiert, oder VZ) 'Vrr-i rpKflPD, sich des Volkes Spitzen im Parlamente nach den Regeln der Konstitution versammeln oder sogar, sich die Stämme allesamt nach republikanischer Art selbst regieren, an der obersten Spitze bleibt doch die eine gleiche Selbstregentin, die Thora, die uns Moses zum Erbteil Aller übermittelt ... Gewiß ist nicht dieser der ursprüngliche Sinn der Bibelsätze und wollte sie der Rabbi auch nicht im Ernste so gedeutet wissen. Aber wahr, ununtstößlich wahr für sich ist und bleibt dieses Wort — mit oder ohne Possuk! . . . Die Thora ist aber die Lehre der jüdischen Zusammengehörigkeit, in dem Sinne, daß sie von ihr und mit ihr rechnet, wie mit dem Grundw'esen des Volkes, das man der Gottes- >ür würdig befunden. Tragen wir den Segen des Festes in den Winter hinein, auf daß wir mit gesteigertem Gemeinschaftsgefühl am ewigen Werke der Gesamtheit arbeiten. Kochennindschaii. An Aachklang der preßburger Konferenz. Die Konferenz zu Preßburg, die einen starken Schritt vorwärts zur inneren Festigung und äußeren Ausbreitung der „Agudas Jtsroel" bek hat der misrachisttschen Presse Anlaß zu ganzen Reihe unfreundlicher Kritiken t. nuy die zu erwidern sich kaum lchnt. Je .‘larsv ia Preßburg sich gezeigt hat — und das Ergri) .s wäre in Wien oder Warschau kein anderes gewesen —, daß in der Ablehnung der Mtsrachi-Jdee und in der Erkenntnis der misrachisttsche Gefahr Ost und West, soweit man den Aguda-Gedanken überhaupt versteht, völlig einig sind, desto weniger möchten wir dem streitbaren Herrn Lazarus Barth und seinen Helfern auf das Gebiet der kleinlichen politischen Nörgelei folgen, die die Atmosphäre vergiftet und dem redlichen'Kampf der Ideen seine Reinheit raubt. Nur ein Punkt bedarf, um der Sache willen, einer Klarstellung. Herr Barth stürzt sich mit «Ufr-«,» Einige Gleichnisse für die hohen Feiertage. Bon Dr. Felix Kanter in ßtvittau (Mähren). Zrrm Schlurfest. Die Pflichten der Liebe und Wohltätigkeit- Ein König hatte einen Freund, der als der reichste in seinem Lande galt. Alle rühmten und priesen seine kostbaren Schätze, seinen ausgedehnten Besitz, feine weitverzweigten geschäftlichen Unternehmungen, seinen Reichtum, der zusehends wuchs, seinen Wohlstand, der sich täglich vermehrte. Der König, volksfremd und einsam auf seinem Throne, wollte Einblick gewinnen in die Verhältnisse seines Freundes. Er befahl ihm, zur festgesetzten Frist ihm ein Verzeichnis all dessen vorzulegen, was er sein Eigen yenne. Allein, wie erstaunt war der König, als ihm sein Freund nach kurzer Zeit ein winziges Schriftstück überreichte, auf dem uur wenige Zahlen standen, die er als sein Eigen bezeichnete. „Wie", rief der König zornentbrannt einer wahren Wonne auf den Beschluß der Preßburger Konferenz, lediglich solche I esch iwos zu unterstützen, die Jeschiwos im allen Sinne sind, d. h. Stätten der reinen Thorawissenschaft. Dieser Beschluß ist ihm Ausdruck des „Fanatismus", eine Absage an die Lebensideale Israel Hildesheimers, der „dernier criw einer modernen „Dunkelmänn erei" und was der Liebenswürdigkeiten mehr sind, mit denen misrachisttsche Ethik andersdenkende Vertreter der Thora zu beehren gestattet. Zwar ist's Herrn Barth selbst nicht ganz wohl bet seiner Philippika, denn er schreibt folgenden Satz mitten hinein: Man wende nicht ein, daß es sich nicht um grundsätzliche Stellungnahme handelt, sondern nur um taktische Maßregeln, man sage nicht, wer anderdenke, dürfe seine Jeschiwo anders ausgestallen, man werde sich nicht einmengen oder dergleichen. Nein, meine Herren, der klare Beschluß liegt vor, und daß er kommen mußte, war vorauSzusehen, ist längst vorausgesagt worden. Die klare Stellungnahme -gegen die profane Bildung kann nicht bestritten werden. Nur die andern Jeschiwot dürfen noch aus Unterstützung rechnen. In Wahrheit ist es nun grade der Gedankengang, den der wohlwollende Kritikus als für seine Folgerungen unpassend verwirft, der die in Preßburg versammelten «Tim 'b'NZ bet ihrem Beschlüsse geleitet hat. Es ist diesen Männern gar nicht in den Sinn gekommen, sich irgendwo „einzumengen", irgend einen Kreis, eine Gemeinde, ja eine Landesorganisation der „Ag u d a" bet der Ausgestaltung ihrer Erziehungsanstalten beeinflussen zu wollen. Sie haben lediglich folgenden, für jeden unbefangenen Menschen klaren Erwägungen gehorcht. Der überwiegende Teil aller Rabbinen und Talmide Chachomim des Ostens ist nun einmal der Ueberzeugung, daß nicht nur prinzipiell die Gotteslehre sich selbst genug und keineswegs auf fremde Kulturelemente angewiesen ist, sondern daß es vor allem praktisch unmöglich ist, wahrhafte Thoragröße zu erwerben, wenn die geistige Kraft ntchttnvoller Ausschließlichkeit vieleJahre lang auf «T171N 11 ö b konzentriert wird. Einzelne Ausnahmen bestätigen nur die Regel, und grade die Erfahrungen in Deutschland, auf die Herr Barth mit naiver Selbstsicherheit den Blick lenkt, sollten auch dem größten Kulturfanatiker zeigen, daß die Erhaltung der Jeschiwos als reiner Thora-Fachschulen geradezu eine Existenzfrage für die rninn 1D2N und damit für das Judentum überhaupt ist. Wenn nun der Preßburger Beschluß verlangt, daß die bescheidenen finanziellen Kräfte der „Aguda"- Zentralkaffe, soweit sie für höhere Kullurzwecke Verwendung finden, bewußt und ausschließlich den Jeschiwos alten Schlages zugute komme, i so gehört schon die ganze verbissene Wut des Misrächi-Leitartiklers dazu, um daraus einen Bannstrahl gegen profane Bildung überhaupt herzuleiten. Wir sagen mit Bedacht: höhere Kulturzwecke. Denn die Rabbinen in Preßburg sind in ihrem Verständnis für die Notwendigkeiten des Lebens soweit gegangen, daß sie die Unterstützung von Chadortm undTalmud-Thoras — also dort wo der staatliche Schulzwang zu berücksichtigen ist — in ihren Beschluß nicht mit etnbezogen, sondern h i e r b e t nicht nur—wiebei den ' Jeschiwos — die innere Gestaltung jedekn Lande und seinem rabbinischen Führern, ja jedem Orte überlassen, sondern auch der Zentralkaffe der „Aguda" die finanzielle Förderung aller dieser Chadortm'; und Talmud-Thora-Schulen zur Pflicht gemacht habenI Bedingung ist hierbei nur die Uebereinstimmung mit der religiösen Ueberzeugung des zuständigen Rabbinats, nicht aber der Ausschluß profaner Disziplinen. Das alles liegt für jeden, der zu lesen versteht, klar zutage — aber fls rirttV rmtpn* Herr Barth rühmt den angeblichen „anderen Geist", der die zwanzig Misrachi-Rabbinen in Litauen beseele, die „ersten Köpfe" und „feinsten Namen" diisser MiSrachi-Rabbinen und weiß sich nicht genug ' zu tun in der Selbstbeweihräucherung der eigenen Kulturgröße gegenüber der „Judentums. und weltfremden" „Orthodoxie". Für das himmelschreiende Am-razus, das unter der Herrschaft eben dieses von Herrn Barth verherrlichten kulturstolzen Epigonentums bet uns in Deutschland lang genug in die Halme geschossen ist, scheint er keinen Blick zu haben. Und dies in einem Augenblicke, in dem man auch in den leitenden Kreisen des Berliner Rabbinerseminars — das Herr Barth ganz unmotiviert in die Debatte zieht — das anerkennenswerte Bedürfnis empfindet, die Anstalt nach der Richtung einer altmodischen Jeschiwo auszubauen! -- ließet das Kulturproblem als Ganzes zu reden, ist hier nicht der Ort. Nach der billigen Methode Barth wird es jedenfalls nicht zum Wohle des jüdischen Volkes gelöst werden. An neues Anstritt-sefeh. Die preußische Landesversammlung hat am Donnerstag einen von der Regierung vorgelegten und durch den Rechtsausschuß der Versammlung wesentlichen geänderten Entwurf zu einem Gesetz betreffend den Austritt aus den Religionsgesellschasten öffentlichen Rechts angenommen. Der Gesetzentwurf, der nach den Parlamrntsberichten im Plenum keine wesentliche Veränderung mehr eraus, „mit dreser Lüge wagst du vor mich zu treten? Ist denn dies alles, was du besitzest, du, dessen Reichtümer alle preisen, sollst nicht mehr besitzen, als das, was diese wenigen Zahlen besagen"? „Erhabener König", erwiderte darauf sein Freund, „ich tat, wie du mir befahlst. Dein Befehl lautete, dir ein Verzeichnis all dessen zu bringen, was ich mein Eigen nenne und das tat ich redlich. Ich besitze zwar mehr, ja viel mehr als das, was diese wenigen Zahlen besagen, - allein mein Eigen nenne ich das,. was in diesem Schriftstück verzeichnet ist. Denn was ich besitze und erwerbe, mein Eigen ist es nicht. Unser Leben währt 70 Jahre und wenn es hoch kommt, 80 Jahre, dann aber — ja dann geht mein Besitz auf andere über, mein Besitz, meine Schätze und Reichtümer. Eines jedoch wird mir bleiben und das nenne ich mein Eigen: was ich für die Ewigkeit schuf. Die Werte der Mild- und Wohltätigkeit, die ich geschaffen, was ich dafür verwendete, das gehört mir an für alle Ewigkeit und dies, mein König, ist auch in diesem Schriftstücke genau und sorgfältig verzeichnet. Am Schlutzfeste soll der Abschnitt verlesen werden und zwar aus dem Grunde uns? vöv nrflWNDrr für, weil es gerade die Zeit ist, in der die vorgeschriebenen Abgaben zu entrichten find. Es ist auch die Zeit der Ernte und daher der Freude für den Landmann, den Besitzenden. M gibt aber viele, die nicht ernten und daher keinen Grund zur Freude hqhen, das große Heer der Armen und Bedürftigen, die der heranbrechenden Winterszeit mit Bangen und Sorgen entgegensehen. Deshalb soll -n'diesem Feste der Abschnitt verlesen werden, bei ie. Pflichten der Mild- und Wohltätigkeit enthält, u < diejenigen, die sich mit der Ernte freuen, zu ermahnen, auch andere, die Armen und Hilflosen, zu erfreuen,- ihrer nicht zu vergessen und ihnen hilfreich betzustehen. Dieser Abschnitt soll noch aus einem anderen Grunde an dem Schlutzfeste verlesen werden. Der letzte Eindruck ist bekanntliiL der bleibende. Israel war verpflichtet, dreimal in; xJshre nach Jerusalem zu wallfahren, am Passahfest, am? Wschenfdst und am Laubhüttenfest. Vom Laubhüttenfest bis zum Passähsest ist ein Zeitraum von fast sechs Monaten. Israel soll» während dieser langen Zeit nicht vergessen, daß eine Hauptpflicht unserer Religion Nächstenliebe und Wohltätigkeit ist. Die Thora, so bemerken unsere Weisen, beginnt mit einem Werke der Liebe, mit der Bekleidung des ersten Menfchenpaares und schließt mit einem Werke der Liebe, mit der Bestattung unseres Lehrers Moses. Die Thora, so bemerkt ferner der Midrasch, schließt mit dem Buchstaben b (im Worte htNV» ^2) und beginnt mit dem Buchstaben 2 (im Worte K*D mwni), beide zusammen ergeben das Wort sh, Herz. Das heißt, Anfang und Ende der Thora ist und bleibt das edle Herz, das jüdische Herz> das^ mit anderen fühlt und empfindet und ^uch für andere schlägt. Man könnte noch weiter gehen und behaupten, die Thora schließt mit einem doppelten b (^2" bs und beginnt mit einem doppelten 2 (rN2 jtriWtt2). dies ergibt zweimal das Wort 2b. Der Jude soll gleichsam ein doppeltes Herz haben, ein Herz für die Allgemeinheit und ein Herz für seine Brüder, die Genossen seines Glaubens und Stammesein Herz für seine Religion und seinen Glauben, aber auch ein Herz fift seine Glaubensbrüderein Herz für seine Familie und ein Herz auch für andere. Und endlich: Am Schlutzfeste wird das Buch Kohelet verlesen, in dem die Nichtigkeit und Flüchtigkeit unseres Erdenlebens so wahr und eindringlich geschildert wird. „Was Staub ist, muß zum Staube trtprhpft/* ftp«« rtffpa Kt pHpT imh nprfifitirrfirfi. (£{tt&£