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Der Israelit · 1920-09-16 · Heft 37 (16.9.1920) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 37 (16.9.1920)
Date
1920-09-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ftffiirief ood Or. belmaiiDlo n»W 61. Jahrgang. v i» . m _ 10. September 1920 Sranhfurf a. M-. den- M »7 ABourremenL pro Bierteljatzr r Deutschlandbei den Postämtern sowie Sei direkt. Bestellung u. Rechnungserteil. durch d.Verlag M.6.— Viertels, f. Lehrer u.Kultusbeamte (n. direkt)M. 3.— Viertels!., monatl. 3Pfg. Bestellgeld. Deutsch-Oesterreich Kr.30.— Viertels.; Tschecho- Slowakei Kr. 12.—Ungarn Kr.36.— Viertels., Polen(nur in deutsch. ReichSmk.)M.9.viertelj.,Holland fl.l,SkandtnavieuKr.2, Schweiz, Frankreich u. Belgien Fr. 1.60, England 1 sd. 6 v., Arrierika0.50 Doll. Viertels. Einzelnümm.60 Pfg. Durch d. Buchhandel wie v. Verl. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: Mk. 1.50 für die sechSgesvaltene Colonel-Zeile einschl. Teuerungsznschl.;Ausland-Jns.Mk. 3.—pro Zeile Rav. nach Tarif Bei laufenden Jnseratauftr. tarifm. Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. 6 H., Frankfurt a.M.» Gr. Eschenheimerstr.23 Del. 5842, Amt Hansa, sowie samt!. Anuoncen-Exped. des In- und Auslands. Zahlungen äußer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 19 802 — erfolgen an: Conto bei der Postsparkasse Wien No. 79 Couto bei dem Bostsparkasseuamt Budapest No. 18124 Conto Beim Postscheckamt Zürich 5fr. VIII 7254 Conto Beim Postscheckamt Amsterdam No. 24809 Conto Bei der Böhmischen ttnionBank, Prag und deren Filialen. Her NsckiSruck Ser Artikel unS eorrelponSenzen Ses „Israeli!“ ii! nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es lieh um größere fiuffSfce banSelf, nur nach norberiger öenebmlgung geffaffef. IrchMsirvrrstcht. 1. Leitartikel: Das UerhaUen des Doischrwismus;um Judentum. — 2. Homiletik: Dr. Felix Kanter: Einige Gleichnisse für die hohen Feiertage. — 3. Klein es Feuilleton: Karl Darmstädter: Ue'its. — Dr. Kaatz: Aus den Selichaus. — (Ein französischer Roman aus dem Leben der Chassidtm.) — 4. Wochenrundschau: Vor dem Wandersturm. — Amerikanische Gelder. — 5. Aussätze: Gin offenes Mort an de» Misrachi. — L. Kor respondenzen und Nachrichten: Frankfurt a. M-, (Rektor Prof. Dr. Hoffmann und der „Misrachi"). — Posen, (Brief aus Posen). — Warschau, (Zu den Vorgängen in Schedliz und Piozk). — Wien, (Die Militärpogrome in Galizien). — Warschau, (Ein Tagesbefehl des polnischen Generalstabschefs). — Budapest, (Die Juden aus den ungarischen Mittelschulen ausgeschlossen). — London, (Der Wanderstmm). — Jerusalem, (Industrie in Palästina). — Jerusalem, (Die Rabbiner bei Herbert Samuel). 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Spr echsaal.. — Gebetzeiten. — Vereinskalender. 10. Feuilleton Beilage: Eine Sabimtfeter des Kaal- Schern. — Heinrich Einstädter: Ms wohnt das Glück? — Arnold Singer: Das Wiedersehen mit der Preßüurgrr Ieschiday. -^ Erschütternd. . .! — 11. Kinderecke: Kaddi Iochauan, Sohn Sakkeis. —12. E r z i e h u n g und Lehre: Bericht über die Generalversammlung des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands" am 26.Mai 1920 in Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Nachrichten und Korrespondenzen. Das Verhalten des Bolschewismus zum Judentum. Von einem vortrefflichen Kenner der russischen Verhältnisse, der lange Jahre in Rußland an leitender Stelle gewirkt hat, wird uns geschrieben: Bevor ich zum eigentlichen Gegenstände meiner heutigen Besprechung übergehe, erachte ich es für geboten, eine tendenziös stark verbreitete irrige Behauptung, als ob Bolschewismus und Judentum identisch oder zum mindesten das GrM der Bolschewisten Juden wären, streng sachlich zu widerlegen. Wer, wie Schreiber dieser Zeilen, in Sowjet-Rußland, im Herzen der bolschewistischen Bewegung während der ganzen Zeit ihrer Existenz gelebt und aufmerksam alle Phasen ihrer Entwicklung sine ira cum studio genau beobachtet hat, muß in höchste sittliche Entrüstung geraten über die böswillige Verlogenheit dieser höchst gefährlichen Behauptung, richtiger Verleumdung. Daß Judentum und Bolschewismus die denkbar.schroffsten, gegenseitig sich aufhebenden Gegensätze sind, darf in diesen-Spalten nicht erst bewiesen werden. Es genügt schon der flüchtige Hinweis auf die allbekannten Tatsachen, daß das Judentum der felsenfeste viertausendjährige Träger des erhabensten idealsten Bekenntnisses des einzigen einigen Gottes und Seines offenbarten heiligen Willens, also die erhabenste Ethik bedeutet, die je existiert hat, während der Bolschewismus den brutalsten Atheismus und den historischen Materialismus in seinen extremsten Konsequenzen predigt und betätigt, um den Gegensatz zwischen Judentum und Bolschewismus zu erkennen. Bedenkt man, daß die Grundtendenz des Bolschewismus die Aushebung ' des Privateigentums mit allen daraus resul- ' tierenden Folgen ist, wie Aufhebung des Privatbetriebs in Industrie, Gewerbe und Handel und die Verstaatlichung jeder ErwerhDtätigkeit, welche konsequentermaßen die persönliche Freiheit vernichtet und die ganze Bevölkerung der freien Bürger in sklavische Leibeigne des Staates verwandelt, so ist ja einleuchtend, daß auch in politisch-ökonomischer Beziehung der Bolschewismus dem Judentum schnurstracks zuwiderläuft. Das Judentum nimmt bekanntlich seinen Anfang mit der Erlösung aus der ägyptischen Sklaverei, mit der sinaischen Proklamierung der persönlichen Freiheit und dem strengen Verbot der Sklaverei. Hinwiederum wird Privateigentum, das wesentlich die Manifestation der persönlichen Freiheit durch die produktive Arbeit oder sonstige gewinnbringende Tätigkeit bedeutet, mit einer ganzen Reihe von Gesetzen der Thora geschützt und vor jedem Eingriff beschützt, ja sogar so weit, daß gedankliche Gelüste nach fremdem Eigentum eine schwere Verletzung des zehnten Gebots ist, während andere Vergehen eine vollzogene Handlung voraussetzen. In praktischer Beziehung muß die heutige Judenheit als ein durch die Macht der Verhältnisse vorzüglich Handel- und gewerbetreibendes Volk unter der Verwirklichung der oben erwähnten bolschewistischen Grundprinzipien am meisten leiden. In der Tat wurde auch die jüdische Bevölkerung Sowjet-Rußlands unvergleichlich mehr von den bolschewistischen Grundprinzipien betroffen, als die christliche Bevölkerung weiß. Cirka 94% der Gesamtbevölkerung Rußlands sind Bauern, die bis heute vom Bolschewismus so ziemlich geschont werden. Oekonomisch ist aber die russische Judenheit völlig aufgerieben. Noch bevor die bolschewistische Revolution ausbrach, war es in wirtschaftlicher Beziehung mit dem Gros der russischen Juden sehr schlimm bestellt. Zufolge der blödsinnigen Verdächtigung einer komplotarttgen Spionage und zwar als Rache für die Vonseiten der russischen Zarenregierung erlittenen grausamen Verfolgungen, wurden hunderttausende jüdische Familien aus ihrer angestammten Helmut, aus den Grenzländern Litauen, Kurland, Lifiand, Polen, Beßarabien unbarmherzig vertrieben und ihr Hab und Gut der Raubgier des zurückgebliebenen Pöbels preisgegeben. Kaum hatten sie in ihren neuen Ansiedlungen Wurzel gefaßt und ein erträgliches Unterkommen mit Hülfe ihrer am betreffenden Orte ansässigen Brüder gefunden, als der Bolschewismus die Herrschaft ergriff und in erster Linie die Städtebevölkerung ökonomisch mit einem Schlage niederschmetterte, worunter die Juden, die durchwegs dieser angehören, in erster Linie gelitten haben. Die sofortige Verstaatlichung des Privateigentums, welcher Art es auch sei, von Immobilien und Mobilien, Häusern, Fabriken, Geschäften, Banken, welche mit beispielloser Energie und äußerster Strenge in kürzester Zeit durchgeführt wurde, hat die ganze städtische Bevölkerung an den Bettelstab gebracht, nur gab es nicht, wen anzubetteln. Der Hunger zwang alle früheren Stände, den gewesenen Adel wie die frühere Kaufmannschaft, den Literatenstand, wie überhaupt alle Angehörigen der freien Professionen, welcher politischen Gesinnung sie auch immer sein mochten, in den Dienst der bolschewistischen Regierung zu treten. Die vornehmsten Würdenträger des Zarenregime, wenn sie sich nicht geflüchtet haben und am Leben blieben, selbst Minister und Generäle ersten Ranges, findet man unter den Angestellten der bolschewistischen Regierung. Was Wunder, wenn unter diesen auch Juden oft zu treffen sind. Allerdings trifft man jetzt Juden in hervorragenden Aemtern, was früher nie der Fall war. Das ist aber nur deswegen, weil die Führer der Bolschewisten, konsequente Internationalisten, sich prinzipiell um Nationalität und Konfession ihrer Angestellten nicht kümmern und ausschließlich die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit ihrer „Mitarbeiter" berücksichtigen, auch wenn sie keine Bolschewisten, sondern „Unparteiische" sind, was in überwiegender Majorität bet den Juden auch der Fall ist.

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