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Der Israelit · 1920-09-09 · Heft 36 (9.9.1920) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 36 (9.9.1920)
Date
1920-09-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 86 Sette 7 9, September 1930 rein Geist lebte und webte im jüdischen Schrifttum iinb konnte in den Künsten des Lebens nicht heimisch werden. Schon mehr als 40 jährig sagte er daher dem Erwerb Valet und trat mit einer literarischen Arbeit: BwnBKm oäüwt imn L'ivD 71NLVV, einer enzyklopädisch nach dem 3"n geordneten historischen Darstellung -er Biographien unsrer Mischnah- und Talmudlehrer hervor, in der er bereits eine erstaunliche Belesenheit und wissenschaftlichen Spürsinn an den Tag legte. Seine Arbeit erfreute sich auch in den Kreisen des Gerrer Rebbe, zu dessen Anhängern Ahlbeck zählte, großer Beliebtheit und als bald daraus ein zweites Werk, die v'pvlL betreffend erschien, eine Neuherausgäbe und Bearbeitung des Rabon (Rabbi Elieser b. Natan aus Mainz) begleitet von einem sachkundigen Kommentar aus Ahlbecks Feder, da bestellte der Gerrer Mebbe selbst 380 Exemplare, um den Verfasser dadurch moralisch und materiell zu unterstützen. Die Beschäftigung mit den Rischonim führte ihn such zum Seser Hoeschkol, das zum ersten Male vom seligen Halberstädter Raw ediert worden war. Text« Variationen, die Ahlbeck in seinem Manuskripte fand, verleiteten ihn zu einem Kampfe gegen den ersten Herausgeber, den keiner billigen konnte, der den kannte. Ahlbeck war eben eine leidenschaftliche Natur, ergriffen von seinen wissenschaftlichen Funden, darin ohne Selbstkritik. Er wußte auch nicht, wem «r in feinem ißtt. die Fehde ansagte. Heute, wo die Leidenschaft des Streites schweigt, können wir «inen Teil der Schuld unglückseligen Einflüssen und Umständen zuschretben. Große Pläne beschäftigten Ahlbeck. Eine neue TalmudauSgabe mit eignem Kommentar wollte er der Welt schenken. Ein Anfang erschien davon, ein Teil von 711212 und eine Einleitung niöirn Ki3ö enthaltend. Um sich ganz der Arbeit widmen zu können, siedelte er nach Berlin über, nachdem er während des Krieges in Moskau gelebt hatte. Bis dahin fehlte, ihm jede größere Bibliothek, über sein phänomales Gedächtnis ersetzte ihm die Bücherei, erst bet der Drucklegung seiner Werke kontrollierte er seine Angaben an der Hand von Bibliotheken. Er war ein Jeuergeist, konnte Nächte hindurch der Arbeit widmen und war in allen Lebensansprüchen, -in Essen und Trinken bedü fnislos, ein echter Weiser. Literarische Anerkennung wurde ihm wiederholt zu Teil, einen Rothschildpreis gewann er und wurde in Vielen Ländern mit Auszeichnungen bedacht. Als Autodidakt in der Wissenschaft verdient er jedenfalls Bewunderung, die Thora liebte er über alles und die hingebende Beschäftigung mit, ihr durfte letzten Endes «auch seine Kräfte so früh erschöpft haben. Es war die Freude seines Alters, daß auch seine Kinder die Liebe zur Thora von ihm gelernt hatten. D. I. C. Berlin, 2. September. Durch den Heimgang des Vorstandsmitgliedes Manuel Schwarz hat der Verein „Jüdische Blindenanstalt für Deutschland" E. B. «inen unersetzlichen Verlust erlitten. Ein Wohltäter der Menschheit, dessen Lebenszweck das Wohltun war, Schützer und Freund unserer Blinden war der Verstorbene. Er, der selbst keine Bedürfnisse kannte, gab aus vollen Händen an die Armen und Bedürftigen aller Stände,, er verstand es wie keiner, andere zum Wohltun anzüfeuern, auch in dieser mitleidlosen Zeit. . N2W71 Breslau, 28. August. Herr Dr. Bog elfte in aus Königsberg ist feierlich in sein Amt als Breslauer Gemeinderabbiner eingeführt worden. Sögel, 30. August. Vor.kurzem entschlief Frau Lehrer Spei er geb. Korn in Sögel (Bez. Osnabrück) Sie war eine edle Frau und erfreute sich der weitesten Sympathie ihrer Gemeinde wie der ganzen Umgegend. Groß war daher die Zahl der Beteiligten an der Bestattung, die zum Teil aus der Ferne herbeieilten, ihr noch die letzte Ehe zu erweisen. Mit dem Gatten und den beiden Kindern werden besonders die Kollegen, Lte Verstorbene vermissen, da sie es verstanden hat, ihr Haus durch stete Hilfsbereitschaft, durch Gastlichkeit, durch ihre Unierhaltungsgabe zum Sammelpunkt der Lehrerschaft zu machen. Mehrere Kollegen gaben an der Bahre dem tiefen Schmerze der Familie, sowie der aufrichtigen Betrübnis der mittrauernden-Lehrerschaft des Bezirks Ausdruck. Während der ny2!P hielt auch Herr Landrabbiner Dr. Ho ff mann« Emden einen Hesped im Trauerhause. — Möge ihre langen, mit Gottergebenheit getragenen Leiden, der trauernden Familie zum Verdienst anrechnen. ,i"3H7i Unsledeu, 12. Ang. Der isr. Bolksschullehrer M. Blu menthal wurde von der Regierung zum Hauptlehrer befördert und mit Wirkung vom 1. April 1920 ab in die VIII. Gehaltsgruppe eingereiht. Berlin, 1. September. Professor Albert Einstein, dessen Relativitätstheorie letzten Dienstag in der Philharmonie durch Redner der „Arbeitsgemeinschaft deutscher Naturforscher" so scharf angegriffen wurde, gedachte, Berlin zu verlassen. Maßgebend für diesen Schritt war für den Gelehrten nicht der sachliche Angriff für seine Forschungsarbeit, über deren Wert vder Unwert allein die Nachwelt richten wird, sondern einzig und allein der Kampf gegen seine Persönlichkeit als solche. — Wie nachträglich bekannt wird, Hat sich Einstein auf Drängen seiner Freunde entschlossen, in Berlin zu bleiben. -L-*« HSrarur. Bad Nauheim, 30. August. Einen seltenen hervorragenden Genuß bot Fräulein Suse Etlinger aus Karlsruhe den Gästen des Löbschen Hotels hierselbst vurch ihren entzückenden Gesang zur Laute. Reicher Beifall wurde der Künstlerin zu Teil und die nach Beendigung des Vortrages veranstaltete Sammlung zu Gunsten der hiesigen jüdischen Männer- Frauen- und Kinderheime erbrachten die stattliche Summe von über 500 Mark. Würzburg, 6. September. Die Talmud-Thora- Schule in Höchberg versendet zur Zeit ihren Bericht für das 80. Schuljahr; Zwei Menschenatter wirkt sie nunmehr im Sinne ihres Gründers Rabbi Elosor Ottensoser-s. A., Thauro zu lehren und Thauro zu verbreiten. Das zeigt auch der vorliegende Bericht über das abgelaufene Schuljahr. Der gesamte Thaurounterricht wurde durch die Angliederung der Bürgerschule neu organisiert. Auch der Profanunterricht, für den die vorgeschriebenen Lehrpläne maßgebend find, war vom Geiste der Thauro durchdrungen und auf die Bedürfniffe des praktischen Lebens eingestellt. AuS den Schülern heraus bildete sich eine „Bereinigung zur Förderung religiösen Lebens und Wissens," in der allwöchentlich durch Lehrer oder Schüler Vorträge über religiös-wiffenschaftliche oder Zettfragen gehalten wurden. Die Schule war im Berichtsjahre v. 60 Schülern besucht und das Lehrerkollegium bestand aus 8 Lehrern und 1 Fachlehrer für Französisch. Die materielle Grundlage der Schule entspricht nicht mehr den heutigen Zeitverhältniffen. Der Rechnungsabschluß für 19)9 zeigt einen Etat von über 50000 Mk. bei einem Kaffarest von nur 280 Mk. während die Zinsen des Stiftungskapitals nocht nicht 7000 Mk. betragen. 1920 ist der Etat laut Bericht auf 80000 Mk. gestiegen. Das Kuratorium. und die Schulleitung bitten daher um Zuweisung von Spenden und Stiftungen, entsprechend dem heutigen Geldwert tn erhöhtem Maße und um Werbung neuer Gönner. (Postscheckamt Nürnberg Nr. 10450). Aus Sparsamkeitsgründen hat man von der Veröffentlichung des Spendenverzeichniffes abgesehen. Die dadurch ersparten 3000 Mk. werden besser für Zwecke der Schule, zur Unterstützung armer Schüler oder für Teuerungszulagen au die Lehrer verwendet. (1919 wurden für 6 Lehrer 21000 Mk. und zur Unterstützung von Schülern 6500 Mk. verwendet.) Halle, 30. August. General v. St. Annette in Magdeburg hat eine Verordnung erlassen, wonach sämtlichen Beamten der Sicherheitspolizei Mitteldeutschlands das Tragen von Hakenkreuzen, auch wenn sie in Zivil sind, verboten wird. „2)urch das Tragen von Hakenkreuzen werden", so heißt cs in der Verordnung, „Tendenzen bewiesen, die sich gegen einen Teil der Bevölkerung richten. Die Polizeibeamten haben neutral zu sein." Kiel, 20. August. Um für den nötigsten jüdischen Unterricht der hiesigen Jugend zu sorgen, ist hier nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten von einem Kuratorium, - bestehend ans den Herren Bertenthal, Czagonik, Grubner, Dankowitz und Nagelberg, eine unter Leitung des Herrn Rabbiner Breslauer stehende Talmud Thora-Schule ins Leben gerufen werden, in welcher an Kinder von 5-15 Jahren Unterricht von Alef-Beth bis Talmud erteilt wird. Die Begründung der Talmud Thora, die mit Gottes- Hilfe blühen und gedeihen wird, darf als Beginn einer neuen Epoche im Kieler Gemeindeleben bezeichnet werden. Detmold, 30. August. Einers stürmischen Abschluß fand am Mittwoch abend eine Versammlung des Deutschvö.'kischen Schutz- und Trutzbundes in Salzuflen. Der Redner Prof. Dr. Werner aus Gießen wurde im Laufe seiner Ausführungen von einem Teil der Versammlungsbesucher derart unterbrochen, daß es ihm nicht möglich war, seinen Vortrag zu beenden. Einige jüngere Teilnehmer drangen schließlich auf ihn ein und zerrten ihn von seinem Platz, worauf ein großer Tumult eiusetzte. Mit Stühlen und Stöcken wurde ein allgemeiner Kampf geführt. Budapest, 28. August. Die polizeiliche Untersuchung über den jüngsten Pogrom in Budapest hat festgestellt, daß die blutigen Ausschreitungen durch die V. Bezirksgruppe des Vereins der „Erwachenden Madjaren" veranstaltet wurde. Mehrere Zeugen bekundeten, daß sie zurzeit drs Pogroms mehrere Offiziere in der Nähe des Cafe Club stehen sahen. Nach der Aussage eines der Zeugen trieb Oberleutnant Georg Sefesik, der an dem Morde gegen dett Redakteur des „Nöpfzava" Gen. B?la Somogyi beteiligt war, die „Erwachenden Madjaren" an, gegen die Juden loszugehen. Die Führer der V. Bezirksgruppe hielten am Tage des Pogroms in der Ferdinandskaserne, dem Standort des Pronay-Detachements, eine Besprechung, in der die Einzelheiten des Pogroms festgestellt wurden. Sprechsaal. Geldheiraten. Auch der zweite Einsender, der zum Kapitel „Geldheiraten" das Wprt genommen hat, scheint das richtige Heilmittel gegen dieses Uebel nicht getroffen zu haben, obwohl er an die geistigen Führer appelliert. Ihm ist es wohl nicht bekannt, daß es Söhne gesetzestreuer Männer gibt, die durch ihre Väter nicht daran haben gehindert werden können, ausgesprochene Geldheiraten zu machen in offenem Gegensätze zur rnw. ö'ftDS die schlechthin die Forderung ausstellt: 113W dtdtc D3n tü'wi 7i2 rw'i i^> v'v na ^3 an«, man müsse sich alles Geld kosten lassen, um die Tochter eines frommen Gelehrten zu heiratenist eine solche nicht zu haben, dann möge sie ersetzt werden durch die Tochter eines in seinem Zeitalter hervorragenden frommen Mannes, oder eines Synagogenvorstehers, eines Verwalters von n^rr-Kaflen, oder eines Schullehrers, aber nur ja nicht die Tochter eines pan ay. Ja, was soll man dazu sagen, daß es sogar gesetzestreue Rabbiner gibt, die überhaupt nicht geheiratet haben? Wäre ein solcher in der Lage, von der Kanzel ans in gebührender Weise das Wort zu dem Thema „Geldheiraten" zu ergreifen, wie es A. S. gewünscht hat? Mit Nichten. Ich glaube vielmehr, gegen dieses so weit in unsere besten Kreise etngerissene Uebel hilft kein Predigen, sondern, der mit uns den geschilderten Tatbestand als eine Schmach empfindet, muß eS jenen „Geldjägern" zum Bewußtsein bringen, daß fie infolge ihrer Geldheirat in der Achtung aller ideal Gesinnten ganz erheblich gesunken sind, und demgemäß den gesellschaftlichen Verkehr mit ihnen einschränken. Das wird seine Wirkung nicht verfehlen. , P. T. Unwürdig. Wolfenbüttel, 2. August. „Gestern habe ich hier zum wiederholten Male ei» Blatt aus der Bleichrodeschen Tefilloh mit voll ausgedrucktem 'n uv buchstäblich aus dem Düngerhaufen gezogen. An der hiesigen jüdischen Anstalt ist ein großer Verbrauch an Gebetbüchern, deren Ueberreste dann ein so unwürdiges Ende finden. Anderswo wird eS nicht anders sein,' die 7ilvrr>, die gesammelt und verbrannt oder vergraben werden, sind nur ein kleiner Teil derer, die weggeworfen, zertreten und beschmutzt werden. Könnten Rabbiner und andere Leute, die Einfluß aus die hebräischen Druckereien haben, nicht dahin wirken, daß grundsätzlich und ausnahmslos der 'n abr und der;n uv nur in symbolischer Form gedruckt werden, in allen Tiftan und nnyam, die für all- Gemeine Verwendung bestimmt sind? Man dürfte gar eine N7S71 kaufen in der der ov» ausgedruckt ist, dann wäre bald Abhilfe geschaffen. Der jetzige Zustand ist höchst unwürdig". Oberlehrer Nothmann. Frankfurter Berichte. Agudas Isroet-Werfammkung. Im großen Saale des Löwenhofs versammelte sich am Montag Abend eine startUchc Anzahl von Mitgliedern der Agudas Jisroel, von östlichen und westlichen Freunden der jüdischen Sache, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten, den „Poniwescher Raw", Herrn Rabbiner K a tz n m a n n, zu hören. Es zeigte sich wieder einmal, daß die Sprache des jüdischen Herzens überall die gleiche ist und überall ohne Rücksicht auf Aenßerlichkeiten verstanden wird. Denn auch das Frankfurter Publikum verstand im Ganzen den Redner gut, wiewohl Hm die einzelnen Worte und Redewendungen in klassischen: litauischem Jüdischdeutsch nicht zugänglich waren. Man hatte allgemein das Gefühl, daß hier eine stärke Persönlichkeit mit lodernder Liebesglut für das jüdische Volk spricht, und harrte geduldig aus vis zuletzt. Für das stark vertretene östliche Publikum, dem diese Art von Rhetorik und Dialektik auch im Einzelnen vertraut ist, mag dieser Abend ein erlesener und erhebender Genuß, ein seltenes Erleben gewesen sein. Herr Rabbiner K a h.n m a n n unternahm eine historische Streife, um zu zeigen, wie all' die vielen zeitlichen „Wahrheiten" der Weltgeschichte zurücktreten vor unserem einzigen alten unveränderlichen tibk. Die Volksassimilation des Zionismus sei weit gefährlicher, als die individuelle Assimilation des vorigen Jahrhunderts, da damals jeder nur für sich fehlte, der Nationalismus .aber das ganze Volk an die Seite der Völker stellt und die eigenen ewigen Grundlagen verleugnet, auf denen allein sich Israels Zukunft ausbauen kann. Agudas Jisroel will nichts anderes, als uns zur S e lb st b e s i n n u n g und Selbsterkenntnis wecken. Rur diejenigen, die säst alle Sabbat-Anfang mb Ausgang. raw rav 0 R Ti Anfang Datum AuSgang UdrlMin. 1920| 5680 Uhr Mn. Frankfurt ft» M. 6 20 10. Sept. 27. Elul 7 35 Berlin .... 6 30 7 17 München . . . 6 15 7 16 Mratzbnrs . . — — — — Stuttgart. . . — — — — Bose« .... — — — — Nürnberg. ■ . 6 15 7 18 Hamburg . . . —!- 7 32

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