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Der Israelit · 1920-08-19 · Heft 33 (19.8.1920) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 33 (19.8.1920)
Date
1920-08-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Geile 10 Nr. 33 Der JSraeltt. 1«. August 1930 ß D kommt, daß man während des Leienen in alle denkbaren Handelsgeschäfte eingeweiht wird und zudem auch noch ein gut Stück Kehillohpolttik erfährt . . . „Tefilloh mitbringen, unbedingt zu raten", würde der jüdische Baedeker an dieser Stelle bemerken. Denn die guten Kifsinger sind höflich genug, von dir vorauSzusetzen, daß du alles auswendig kannst . . . Auf meiner Suche fand ich eine herrenlose „Rödelheimer", mit der Aufschrift: „Gestiftet von A. Schw. and Frau aus Frankfurt a. M. aus Anlaß ihres Kifsinger Aufenthaltes im Jahre . . . ." Also damals schon! . . Der Herr Rabbiner, Sproß einer altberühmten bayrischen Rabbinerfamilie, müht sich redlich, durch Wart und Tat das religiöse Leben aufrecht zu erhalten und hat auch einen kleinen Kreis, in dem er bet täglichem Talmudstudium für mancherlei Enttäuschungreichlich entschädigt wird. Die Gemeindeinstitutionen sind auch bei ihm in guten Händen und bester Ordnung. Das nrW3 in den genannten unter Aussicht stehenden Hotels — verbürgt durch die Zuverlässigkeit der Inhaber selbst — geradezu musterhaft. Ich besuchte auch die „Israelitische Kinderheilstätte" (ursprünglich eine Schöpfung des Herrn Dr. Münz) auf dem grünen blumigen Hügel am Wege zur Saline und sah an sechzig vergnügt lachende Kinder bei Speis und Spiel. Der Vorgarten, in dem Gipsfiguren die Kinder in die Märchenwelt von „Schneewittchen" „Hansel und Gretel" usw. entführen, gibt dem Ganzen die idyllische Note und das kindlich heilere Gepräge. Die liebenswürdige noch jugendliche Leiterin führt mich durch Schlaf-, Speise--und Spielräume, durch Küche, Keller und Badeeinrichtungen. Alles ist einfach und praktisch, schön, sauber und so stimmungsvoll, daß die Kinder mitsamt der Heilung auch liebe Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Des weiteren existiert hier ein „Verein Kurhospiz für arme JSraeltten", der, ohne ein eigenes Heim zu haben, mit Hilfe von Gönnern aus allen Teilen Deutschlands, im Jahre 1910 an hundert kurbedürftige Personen mit bald 13000 M. unterstützt hat. Eine Leistung, die zeigt, welch unermeßlichen Segen zu stiften . H dem Vereine bet weiterer tatkräftiger Förder. ' feiten edler Menfchenfrennde noch Vorbehalte ' ’inberecfe* Elijah» all Zaumeifler. Bon B. Ledy, Berlin. I. Es trug sich zu, daß ein rechtschaffener Mann, der eine fromme Frau uni^Jünf kleine Kinder hatte, so arm und dürftig war, daß sich eines Tages kein Pfennig meA, im Hanse fand, seiner Familie und sich ein .Stückchen Brot zu kaufen. Da sagte seine Frau zuihur: „Auf! Gehe zum Markt, vielleicht läßt dich Bott, gelobt sei er, Nahrung finden, daß wir nicht vor Hunger sterben." Es antwortete der Mann: „Wohin soll ich gehen? Ich habe keinen Verwandten, keinen Freund, der mir helfen könnte in dieser Not. Nur das Erbarmen...des Himmels allein kann uns helfen!" Da schwieg die Frau. Aber die Kinder hungerten gar sehr und weinten und schrien nach Brot. '78a' bat die Frau ihren Mann, doch fortzugehen, daß er nicht den Tod der Kinder mit anschT' „Wohin soll, ich siehen, da ich doch kein Kleid hwbe?" Er hatte fern Gewand fortgetragen, Brötdafür zu kaufen. Da erbat die Frau von ihrer Nachbarin einen alten Rock und gab ihn' ihrem Manne, daß er sich damit bedecke. Er ging fort und irrte durch die Straßen der Stadt. Er weinte und betete: „Herr der Welt! Du weißt, daß niemand außer dir mein Elend sieht und sich meiner Not erbarmt. In meinem Hause flehen hungrige Kinder uni Brot, Ich kann ihnen nichts geben. Laß doch deine Gnade üder nns walten und hilf uns bald; denn du kennst ja meine Not, oder nimm unsere Seelen zu dir in deiner großen Barmherzigkeit und befreie uns von Imferen Schmerzen!" Das Flehen dieses frommen Mannes stieg zum Himmel empor, zu Gott, und siehe! Elijahn Honowi, sein Andenken sei zum Segen, kam ihm entgegen. Er sprach 'zu ihm: „Was ist dir, daß du so weinst?" Der^Mann erzählte ihm die Bitternis seines Herzens und goß seinen Kummer vor chm aus.. Der "Prophet Ir ostete ihn: „Sei mutig, stärke dich:_pxnn es ist das Ende deiner Not gekommen. Nimm mich und sei streng gegen mich, wie ein Herr gegen seinen Knecht. Bringe mich aus den Markt zunr Verkauf, nimm meinen Kaufpreis und lebe davon!" Da antwortete der Mann: „Wie soll ich dich verkaufen, mein Herr, die Leute der Stadt kennen mich und wissen,"75äß ich - keinen Knecht habe. Sie werden vielmehr denken: Du seiest der Herr und ich der Knecht!^ „Sorge dich nicht,., tue so, wie ich dir gesagt habe. Wenn du in ich verkauft hast, so gieb m:r von dem Kauf einen Dinar!" Sie gingen auf den Markt^rmd stellten sich dorthin, wo die Herren standen, di^ihre Knechte verkaufen wollten. Viele Leute kamen und oach ten, jener sei der Herr und dieses der Knecht, bis sie Elijahu fragten und bieder antwortete: „Dieser ist der Herr und ich sein .skneckt." Da kam auch einer von den Beamtest des Königs vorüber. Er sah beit Knecht er gefiel ihm wohl, ihn für den KönEg zu kaufe u. Ter Mann rief seinen Knecht,für 8000 Dinar aus. Der Beamte des Königs willigte ein, diesen großen Kaufpreis für den Miecht zu zahlen. und er kaufte ihn. Der Mann nahm die 8000 Dinar und gab Elijahu eineL^avon. Dieser gab rhn ihm aber zurück und sprach: „Nimm ihn von meiner Hand und lebf durch ihn, du, deine Frau und deine Söhne, in' Reichtum und Ehre. Es wird euch nicht meb^. Mangel und Elend treffen alle eure Tage!" Elijahn ging mit dem Beamten des Königs fort in den königlichen Palast und..der Fromme kehrte eilends zurück in sein Haus" Unterwegs kaufte er Brot, und Wein. Er fand seine Frsu und seine Kinder ganz matt vor"Hunger. Er legte ihnen Brot und Wein Vormund sie aßen und tranken und wurden wieder' munter. Er erzählte ihnen alles was sich mit ihni zugetragen hatte. Die Frau freute "sich sehr, daß durch ihren Rat das Glück über sie gekommen ist. Sie priesen Gott und^ankten ihni und lebten von nun an ohne Sorgen. . ' II. Ter Beamte des Königs, der Elijahn gekauft hatte, stellte ihn vor den König und er gefiel dem König sehr. Um diese^eit gelüstete es den König nach einem prachtvollen Palaste. Knechte zur Arbeit waren genug da^auch Steine und Hölzer und was sonst zum Bauen gehört, in ungezählter Menge. Nur de?-Baumeister, der den Plan machen sollte, fehlte ihm. Da fragte er den Propheten: „Was M dein Handwerk?" Elijahu antwortete: „Ich^bin gewandt, Bilder zu schneiden in Holz und- Stein und auch verstehe ich, schöne Paläste bauen." „Dann befehle ich dir, mir einen schönen Palast zu bauen!" Er sagte ihm,, wie groß | er sein und was er alles dazu verwenden soll. Ta verbeugte sich Elijahu tief bis zur Erde: ,Jch werde tun, wie 5er König besohlen hat!" Ter König versprach ihm: „Wenn^si den Bau in sechs Monaten vollendet hast, werde ich dir Gnade erweisen und dir die Freiheit schenken." „Gut!" antwortete Elijahu, „ich'werde tun nach dem Worte des Königs." Elijahu stand aus in der Nacht und betete zu Gott, daß er Engel schicken möge, die den Palast bauen nach dem Willen des Königs. Gott erhörte ihn. Es rauschte in der Luft. Biele hundert Engel kamen herunter. Sie gruben und schachteten aus. Bald waren die Grundmauern fertig. Immer höher stieg die Mgner. Das schwangen sie Kette und Wage, richteten und schichteten und bevor noch der Morgenhimmel sich^rötete w<vr die Arbeit vollendet. Der Palast stand an der Stelle, wie es der König besohlen hatte. Elijahu ging seines Weges. Als dem König am 'Margenberichtet wurde, daß der Palast schon fertig sei, ging er hinaus, ihn zu sehen. Und siehe, er war schöner und herrlicher, als er gedacht hatte und er befahl, den Diener reisen zu^gfsen. Aber soviel man auch luchte, man fand ihn nicht. Elijahu ging feistes Weges und begegnete dem Manne, dem er geholfen hatte. Dieser freute sich und fragte den Propheten: „Wasgeschah meinem - Herrn mit dem Beamten deZKönigs?" Elijahu erzählte ihm alles und auch, daß ihm der König für seine' Dienste' die Freiheit geschenkt hatte. Da freute sich der Fromme gar sehr. „Du hast mich nochmals am Leben erhalten; denn nun weiß ich, daß an dem Gelde, das, ich für dich bekommen habe, kein^Unrecht klebt!" Der Prophet segnete ihn befahl ihm, von seinen! Reichtum auch den Armen und Dürftigen zu geben, auf daß sein—Reichtum bei ihm bleibe undsich mit seinen Söhnen vermehre. Nachher ging Elijahu hinweg von dort und verschwand. L LAy t Sücherbesprechung. >AttS dem Spruchborn der Weisen. Spruchpoesie des Talmud und der rabbinischen Literatur nebst Fabeln, Parabeln und Sagen. (N. F. der „Ewigen Weisheit"). Poetisch übertragen von Max Weinberg. 1920. Phtlo-Verlag. Wer des genannten Autors „Ewige Weisheit" kennt, weiß im vorhinein, daß er mit den größten Hoffnungen und Erwartungen an deffen neues Buch Herangehen kann. Proben aus demselben sind, seit längerem in einigen Zeitschriften veröffentlicht worden und liehen sein Erscheinen mit besonderer Sehnsucht erwarten. Infolge der ungünstigen Zeitverhättniffe, die auch dem geistigen Schaffen nicht gerade hold find, liegt erst jetzt das erwartete 'Buch vor. CS erfüllt voll und ganz die Hoffnungen, mit denen man sich seiner Lektüre zuwendet und reiht sich nicht nur in würdiger Weise der „Ewigen Weisheit" an, sondern bedeutet alS ihre Vollendung und Krönung eine außerordentliche Bereicherung der einschlägigen Literatur. Das Ziel, das sich Weinberg in seiner Lebensarbeit gesteckt hat — Gne Bücher sind die Frucht angestrengter hingebungsvoller 5v jähriger Arbeit — gibt er selbst nicht an. Er unterläßt eS in großen Bor. reden, über seine Arbeit zu sprechen. Diese soll vielmehr durch sich selbst wirken und für ihr Wesen Zeugnis ablegen. Wir glauben aber. der- Wahrheit nicht fern zu sein, wenn wir annehmen, daß die auS allen Teilen der umfassenden talmudischen Literatur gewählten Sprüche und Sentenzen jedem Leser einen Einblick in daS Denken und Fühlen der Talmudweisen gewähren und ein selbständiges ungetrübtes Urteil über das sittliche Niveau derselben und damit über das Judentum selbst ermöglichen sollen. Und wir meinen, daß diese Methode, unsere Gegner zu entwaffnen oder doch zu widerlegen, den größten und sichersten Erfolg verheißt. Unsere Sprüche, die in unserem Buche systematisch in Gruppen geordnet uns Aufschluß darüber geben, was die geistigen Führer der Juden ihrer Zeit in den verschiedensten Lagen über die mannigfachsten Dinge .des vielgestaltigen Lebens und reiner Kräfte gedacht und geurteilt haben, bilden geradezu einen Spiegel der jüdischen Seele. Bon diesem Gesichtspunkte auS können wir Weinbergs Werk, daS vorliegende nicht weniger als das frühere, garnicht hoch genug bewerten. Weinberg, selber eine Dichternatur, mit einer wuuderbaren Phantasie und außergewöhnlichen.Gestaltungskraft begabt, in den wundersamen Gängen jener vielgestaltigen Literatur wie nur einer bewandert, voller Liebe und Begeisterung für seine Arbeit, hat die Aufgabe, die er bewußt «der unbewußt hat leisten wollen, für die er vermöge seiner reichen Gaben und Fähigkeiten wie prädestiniert erscheint, meisterhaft zu Gnde geführt. Wir sehen in dieser Arbeit eine Tat. „AuS dem Spruchborn der Weisen", kann jedem unbefangenen Leser ein Quell werden, aus dem ihm reiches Verständnis für die talmudischen Werke, Verehrung für die großen Meister auS alter Zeit und die rechte und die gerechte Würdigung des Judentums ließt, abgesehen von dem ästhetisch«« Genuß, den die üektüre dieses Buches bringt. Unsere Gorge sollte eS sein, daß auch Weinbergs neueres Werk zu einem Hausbuch wird, das in keinem jüdischen Hause fehlt und auch außerhalb unserer Reihen viele Leser findet, klvslrs r«o agltur. Dr. M. 8. Dach wurde aufgesetzt, Verzierungenlvurden in den Stein gehauen. Me geübte Handwsrkar I

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