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Der Israelit · 1920-08-19 · Heft 33 (19.8.1920) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 33 (19.8.1920)
Date
1920-08-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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burgÄRabbAer, jjtcf »emN Szimr it Wehrte die Her! m erii (Eine wahre Geschichte.) trübKl Herbstmorg^n. Der große Preßtaböt Moscheh S o f e r, bekannt jassam-Sofer", sitzt inleknem Wände vow oben bis nnten angeWt sind. Vor dem ganzer MM von Briefen und eist AnAtzen halachischer Natur, ZemetndenMnd Rabbinern aus^gller lndern Mm zugegangen sind. All die BAEe harrenMmrgehender Beanwortung^und gründlich MRrr Zeile für Zeile, um gleich mit Bleistift jdflt Antwort am Rande des Schreibens zu nottEn. Zuweilen entringt sich seinerDrust ein . ijfler Seufzer. Ueber den Wünsche^, und M der anderen Gemeinden vergißt er die seiner eigenen nicht. Ein langer, harter Winter steht vor der Tür und die Gemeinde ist voll der Armem und Dürftigen, daß er nicht weiß, wie diese durch die schweren Monate durchzuhalten sind. Es klopft jemand an der Türe. Einerder Armen, denkt der Rdbbt, der täglichen Gäste, die ihn um Hllfe 'angehen, und öffnet die Türe. Aber vor ihm stand der Preßburger Roschhakahal, der bekannte reiche Wohltäter Rabbi Salomon Gutmann. „Willkommen Rabbi Schlome!" begrüßte ihn der Rabbi freudig überrascht und bat ihn,Platz zu nehmen. ' Ohne der Einladung, FolgeHu leisten, blieb der Gemeindevorsteher in gedrückter Laltuna stehen., „CS geht nicht gut, Rabbi", stammelte der Vorsteher endlich heraus. „Ich komme um Rat, rettet mich!" Und' nun packte der reiche Schlome GuLmann seine Geschichte aus.' Große.geschäftliche Verluste, schwere Verpflichtungen. Er war ein ruinierter Mann, mit einer Schuldenlast, die ihn zu erdrücken drohte. „Me kann man so unglücklich tun, wenn es nur Geldverlust ist?" ermahnte der Rabbt^„Etwas mehr Vertrauen, mein lieber Rabbi Schlome. Geld macht unsnicht glücklichnoch stößt es uns um". > „Gewiß", gab der Angeredete zp. „Aber die Schulden, fremde Gelder, Waisengut. . . Wie sollte ich mich noch aus der Straße zeigen?" „Habt ihr schon selbst über irgend einen Ausweg aus der Rot nachgedacht?"- fragtk^llabbi Moscheh Sofer. Ich? dachte mir, wenn ich, nach Leipzig zur Meffe htnfahren könnte. . . Vielleicht rönimt von dort die Erlösung ..." „Hat schon jemand Kenntnis von euerer Lage?" „Keine Menschenseele". „Wieviel Gelll braucht ihr für die Reisekosten nach Letvria?" „Mindestens 16T Gulden". ._ „Nicht mehr?", sagte der Rabbi beruhigt. „Soweit, reicht, es gerade noch." ^Sprachs. und. kramte-» seine letzten Geldbestände aus, die er dem Kaufmann aushändigte. „Das erste Geschäft, das sich euch darbtetet und euch gut dünkt, sollt ihr abschlteßen. Gott wird seine Hilfe schicken", sagte er noch zum Abschied. ™ Als sich der Vorsteher bedanken wollte, wehrte lieber Freund, man darf auch mit Dankesworten keinen Zins zahlen noch ayLxhrnen". Rabbi Schlome Gutmann trat erleichtert und voller Hoffnung die Reise rmch Leipzig an. Gleich nach seiner Ankunft, besuchte ihn ein alter Freund und bot ihm ein Geschäft ay^das Rabbi Schlome, eingedenk der Worte des Rabbi, abschloß. Dieser Kauf brachte Glück und M kommenden Tage waren so erfolgreich für ihn, daß er bald wieder im Besitze eines ansehnlichen Vermögens war, von dem er nicht nur alle seine Schulden bezahlen konnte, sondern sein Hanseln altem Wohlstände erhalten konnte. " Cs drängte den Kaufmann, den Rabbi irgend wie seine Dankbarkeit zugigen, und so kaufte er; vor seiner Abfahrt aus Leipzig einen kostbaren Edelstein, den er, kaum in Preßburg angelangt, dem Rabbi überbrachte. Rabbi Moscheh Sofer^saß gerade in seinem Studierzimmer und lernte mit seinen zwei Lieblingsschülern, als Schlome Gutmann ins Haus kam und freudestrahlend von seinen Erfolgen erzählte. Im Gespräche überreichte er dem Rabbi das Juwel. Das Antlitz W Rabbi erstrahlte beim Anblick des kostbaren Steines so sehr, daß die Schüler ganz verwundert-Ar ihrem großen Lehrer hinsahen. War das nicht echter rechter Zins, wie konnte ihn nur der "Rabbi so freudig annehmen? Aber er nahm ihn auch gar nicht an. Der Rabbi betrachtete nocheinmal den Stein mit sichtlicher Freude und lachte ihm dann dem Kaufmann zurück. „Lieber Freund", "sprach er frohgemut, „ihr wißt, daß^jch für mein Darlehen keine Zinsen annehmen kann. So bringet den Edelstein euerer Frau und möge euch Gott weiter beistehen!" — Zu seinen Schülern sprach er aber, nachdem der Gemeindevorsteher aegangen war. „Ich sah euere, Verwunderung über meine Freude beim Anblick des Geschenkes. Ich freute mich wirklich, aus vollem, tiefstem Herzen. Erstens, daß bet meiner Armut mir geMint war, eine Liebestat an einem Bruder zu üben, und zweitens, daß ich, trotz meiner Armut und dem Glitzern des Steines, der Versuchung" des Zinsmnehmens so leicht widerstehen konnte . . Und dabei erzählte er, wie sein Whrer, Rabbi Nathan Adler einmal mitten im Winter auf-einer Fahrt auf verschneiter LandstrHe vom Schlitten gesprungen war und förmlich tanzte vor Freude. Und der Grund seiner Freude? Die Pferde hatten nämlich auf dem schlechten^Wege versagt, so daß der Bauer zu ihnen ein" Ochsenpaar an den Schlitten spannten. Da sprang Rabbi Nathan Adler vom Schlitten und tanzte vor Freude, daß ihm Gott $mt erstenmale^die Gelegenheit gab, das Verbot des „Kilajtm" zu wahren. . Kissingen, Ende Juli 1980. geh oft Sache beschäst finden herzuzi wen der Kohle! : die.Ausländer geschimpft. eschimAt. Das Schimpfen der Svmmerfrtsch y, wo .„hart im Naum^stMkn die tsch und TrMMiDr Tagesimmer^gWWeiche Seelen dritten genuaWUen, um über sie ist tm. wo sich die Leute das SMMfen quasi ein Bestandteil wie'der der Maxbrunnen und die AlleMMmpft, der eine über das Essen, der Rabbi mit leisem Vorworf nSP Ihr wißt,! der andere übeMDRyvhe Kurtaxe, der dritte über die unerhörte MiMsteuer und der vierte über die Leute, die so vtMMmpfen . . . Der Fremde ärgert sich über die MSVe Ausbeutung von seiten des Einheimischen und dieser seinerseits zuckt im Stillen die Achseln über die „fremden, übersatten Faulenzer". Alle zusammen schimpfen auf die Juden und diese schimpfen weiter auf die Ausländer. „Diese Bande! Diese Schiebergesellschast!" Als ob alle Ausländer Schieber und alle Schieber Ausländer wären! Ich für meine Person traue den Leuten nie recht, die so überlaut bei jeder Gelegenheit auf die Schieber schimpfen . . . Zumerst klingt doch etwas Konkurrenzneid in diesem Getue mit . . . Unter denen, die — Juden und Nichtjuden, Ausländer und Inländer — nicht schieben, sah ich bis jetzt nur zwei Katogorien: 1. solche, die so was gar nicht kennen und 3. solche, die die Schiebermoral mit so tiefem Ekel erfüllt, daß sie es ablehnen, ein Wort darüber zu sprechen ... Allein, wir wollen dem Unwillen über das Benehmen gewiffer Gäste nicht schlechthin alle Berechtigung versagen. Der jüdische Ausländer der früher Ktssingen zum Teil dar Gesicht gab, ist heute, mit dem Auge wenigstens, laum zu entdecken. In den vier Wochen, da die Fremdenfrequenz 38008 betrug, sah ich täglich immer nur den einen einzigen Kaftan. Er fiel so wenig auf, wie die geistlichen Schwarzröcke der anderen Konfessionen, die hier zu Dutzenden mit dem gleichen Rechte, wie Vertreter aller anderen Stände Genesung suchen. Nur einmal sah.ich am Brunnen, wie eine Dame an ihm Anstoß nahm, natürlich eine jüdische Dame. „Er macht Nischus!" sagte sie naserümpfend. „Er nicht!" gab ich lakonisch zurück und war zu galant, ihr meinen Taschenspiegel Vorzuhalten, wo sie hätte sehen können, was ja „Rischus macht": die glitzernden Brillanten an ihren Händen und Ohren und den schweren Pelz — bet 33° im Schatten — auf den kostbaren Spitzen um die Schultern... Mit dem Auge also ist der Ostjude, wie gesagt, kaum zu finden, aber umsomehr mit dem Ohre! Es ist darin eine große Wandlung vorgegangen und leider nicht zum Guten. Wer Galizien sucht, sehe sich nur um, da wo Männlein bartlos, hutlos, im Schnallenrocke Pariser Schnittes, den Stock in der Hand — auch am Sabbat — >„an der Seite der pelzbeschwerten, juwelenbesäeMtMfidame daherstolziert oder die ersten Plätze im §mWw besetzt hält, achte nur dawuf, wenn die „Herrschten aus Paris" den Mund aufmn — und sie halten Ihn kaum eine Minute geschlossen. Und dieser Hetmatzug ist vielleicht noch das Beste an ihnen . . . Es sind Kriegsopfer . . . Die Route heißt in der Regel: Galizien — Antwerpen - Schewentngen. In der Panik der Flucht vergaß der noch jugendliche Mann Gebetmantel und Gebetriemen zu Hause, merkwürdigerweise auch den schönen Bart . . . und damit'tausend andere unschätzbare Dinge der kleinen Heimat . . . AlS man später auch aus Antwerpen flüchtete, ließ man von diesen Dingen noch mehr liegen . . . Und in Holland gibt es Diamanten, ach s o viel Diamanten und Brillanten! . . . Der Vater geht noch in Kolomea täglich in die Mikwoh, Sohn und Tochter baden, wenn sie nicht in Kissingen oderVaden-Vaden sind, im„Familienbad" zu Norderney; der Vater schmückt sein graues, schönes Haupt, dem Sabbat zu Ehren, mit dem Streimel aus kostbarem Zobel, der Sohn promeniert, dem Sabbat zu Ehren Hut los, mit Stock in der Hand, der kostbare Zobel umrahmt der holden Gattin halbnackte Büste ... Wie sehnt man sich da nach dem alten, langen Kaftan wieder!- Auch hier müssen wir gerecht sein. Das Protzen und Brillieren ist nichr Monopol des Ostens. Auch kleine „großgewordene" Leute aus hessischen und bayerischen Viehhändlerkreisen machen sich in ganz ähnlicher Weise breit und bemerkbar. Es liegt einmal in der Art des Parvenü, ob er hinter Krakau oder hinter Würzburg zu Hause ist, zu zeigen, daß er kein Zaungast mehr sei ... — Alte Patrizterfamilien aus der Großstadt fallen hier durch Einfachheit und vornehme Zurückhaltung auf. — Der schwerreich tzewordeue dicke Schweinezüchter oder Schlächtermeister und seine noch schwerere Schlächtermeister!« aus Umerfranken zeigen es nicht minder, daß sie es, und w i e sie es sich leisten können . . . Aber man vergesse doch nicht, daß sogar dieser Schlächtermeister auf die protzigen Juden weidlich schimpft... tz Ist noch kein Träuklein, kein Sprudel entdeckt gegen solche Nebel und Beschwerden und Störungen des guten Geschmackes, noch kein Balsam erfunden gegen den Bazillus der albernen, ärgererregenden Protz- und Putzsucht? Warum heften die Badeärzte ihren vom Patienten heiligernst genommenen „Verordnungen" nicht noch zwei Blättchen an,mit derUeberschrist„KurgemtttzesBenehmen" und „Kurgemäße Kleidung" ... -i- * * In Kissingen soll es auch „einheimische" Juden geben, sogar ganze hundert Familien. Dian sieht sie nirgends, am wenigsten in der Synagoge ... UebrigenS ein schöner, geräumiger Kuppelbau, der aber in seinem Innern, auch am Sabbat, von der Fülle der Hochsaison nicht die Spur merken läßt. Am Sabbat gibt es zweimal Gottesdienst, einmal um 7 Uhr morgens für die Einheimischen und nocheinmal für die Kur fremden um 10 Uhr. Wie es bei diesem zweiten Gottesdienst ausschaur, weiß ich nicht. Der „Jrttbgottesdienst für Einheimische" ist leidlich besucht — von Kur fremden. Immerhin kann es einem passieren, daß man bet dieser Frühandacht, allen leeren Bänken zum Trotze, so unglücklich zwischen zwei „Eingeborenen" zu. stehen

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