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Der Israelit · 1920-08-19 · Heft 33 (19.8.1920) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 33 (19.8.1920)
Date
1920-08-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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19. ftttgufl lfflt Ernährungsminister Stephan SzaLo erklärte, daß es in Ungarn tatsächlich eine Judenfrage gebe, er könne jedoch mit den Ausführungen des Vorredners nicht vollkommen übereinstimmen, wiewohl auch er dafür fei, daß der Antrag verhandelt werde. Das Haus beschloß hierauf, den Antrag in Verhandlung zu ziehen. Der Antrag wird also vom Präsidenten auf die Tagesordnung gestellt werden. ' Der Kampf Gegen Sie Juden- \ Me«, 11. August. Der ungarische Minister des Innern hat in einem Budapester Blatte den mittelalterlichen Antrag auf Entrecht ung der Juden wärmstens befürwortet. Die Juden dürften in allen Schulen, Zeitungen und Bunten der Welt nur nach einer bestimmten Prozrntnorm zugelaffm werden. »er KsrsrW. Gotteshauses, wahrend alle Anwesenden sich zu seinen Ehren erhoben, durch den Gabbai der Synagoge, Rabbi Fr ng mit dem Segen-spruch vk-i’"} 11122» pinfr -p->2 und zwar nrcböi 2V2 begrüßt. .Als Kohen wurde Rabbiner Kuk aufgerufen. Die Herren Oderrabbiner Sonnenfeld und Rabbiner DiSktn, denen man und '»f zugedacht hatte, waren am Erscheinen verhindert. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. Jabotinsky und Ben- Jehuda. Gewaltigen Eindruck machte es, als Herbert Samuel die -aftoro begann und alsdann die Worte sprach: *6l 11 2V 1XD2 1P 11122 m ö'ihk iip ibnr r t M , Ganz Jerusalem war auf den Beinen und begrüßte den Oberkommissar und sein Gefolge Leim Verlassen des Gotteshauses mit lautem Jubel. Am Jassathor war eine Ehrenwache des indischen Militärs aufgestellt. Tßolzxus Aus dem iedroftfen Hfarfcftau, Marschau, 10. August. Der Ausruf, der seit Freitag an allen Litfaßsäulen sämtliche wehrfähige Personennamens des „Rares zur Selbstverteidigung der. Hauptstadt", zum Eintritt in die FretwilligenbataiLons auffordert, ist u. a. auch vom jüdischen Ratman Meisel unterzeichnet. Die anttsemttitche Presse hat, wie es scheint, auf höhere Weisung, die Hetze fürs erste ganz eingestellt. Die Zeitungen bringen täglich amtliche Bekanntmachungen über vom Kriegsgericht gefällte- und ausgeführte Totesurteile. Unter sieben in der letzten Liste befinden sich auch zwei jüdische Namen. Aus den öffentlichen Gärten, besonders aus dem „Sächsischen Garten" werden mittels weitgehender Absperrungen Spaziergänger gewaltsam zu öffentlichen Arbeiten abgeführt. Ein jüdisches Komitee für Landesverteidigung entfaltet eine große Hilfsaktionen für Soldaten und deren Angehörige. Der jüdische Kaufmännische Verein führt die beschlossene Selbstbesteuerung der Mitglieder mit aller Energie durch. Jüdische Firmen zeichneten bis zu 250000 Mk^ und mehr für die Zwecke der Selbstverteidigung. Die Äuöhrbungskommissionen arbeiten .an vielen Stellen der Stadt Tag und Nacht. Gestellungspflichtig ist jeder, werinWarschau registriert ist und Wohnrecht hat. Privilegien von Familienvätern wie auch sonstige irgendwelche Unabkömmlichkeitsgründe werden nicht anerkannt. GeitHreitag früh ist der Belagerungszustand über die Stadt verhängt. Der Verkehr nach 10 Uhr qbends ist verboten. Für Vergehen gegen die Lebensmittelgesetze wird die Todesstrafe angedroht. . Für Donnerstag, den 28. A«, war vom Rabbinate ein halber Fasttag angesetzt. In allen Synagogen wurden in Verbindung mit svp 2//V Gebete für die Rettung des Landes verrichtet und große Geldsummen für. Kriegsfürsorge gesammelt. Kettland. Mga, 6. August. Rach dem Vorbilde des litauischen Nachbarstaates wurde im lettländischen Ministerium für Unterricht eine jüdische Abteilung eingerichtet, %rt die konstituierende Nationalversammlung wurden fünf Juden gewählt, wovon einer, Dr. Münz, in das Ministerium eintrttt. UStästina. Sabbaf-nadimu-Seier im neuen Palllfina-] i Aerusako«, 27. Juli. In der großen Synagoge der Aschkenasim fand unter Teilnahme des OherkommiffarS Sir Herbert Samuel ein feierlicher KestgotteSdtenst statt. Gamuel wurde beim Betreten des Die Paläifina*Deufidißn. Jerusalem, 1. Aug. Zu der Frage der Palästina-Deutschen, die das Oberhaus in London schon wiederholt beschäftigt hat, nimmt die hier in Jerusalem erscheinende Tageszeitung „Haarez" Stellung und dürfte wohl mit ihren Ausführungen im Ganzen die öffentliche jüdische Meinung Palästinas in dieser Sache widerspiegeln. Aus prinzipiellen wie aus sachlichen Gründen, so schreibt das Blatt, müßten die Juden eine Ausweisung oder sonstige Entrechtung der Deutschen ab lehnen. Grundsätzlich sträubt sich das Empfinden des vielerfahrenen jüdischen Volkes gegen jede Art von Verfolgung und Entrechtung anderer Völker. Darüber hinaus muß aber betont werden, daß sich die Deutschen während des Krieges als sehr wertvolle Verbündete des jüdischen Jischuw gegen Ausschreitungen und Schikanen der türkischen Behörden bewährt haben. Das muß umso mehr anerkannt werden, als die Deutschen wohl wußten, daß Palästinas Juden ihre Hoffnung, nach der ganzen Lage der Dinge, nicht aus Deutschland und noch weniger auf die mit ihm verbündete Türket setzen konnten, daß sie vielmehr den Bestand und die Entwicklung ihrer Niederlassungen nur im Schutze der Alliierten gesichert sahen. Trotz alledem standen die Deutschen den Juden älle Zeit bilfreich zur Seite. Sowohl ihre Heerführer in Palästina selbst wie ihre Vertreter in Konstantinopelwaren stets bestrebt, die drakonischen türkischen Gesetze gegen die Juden zu mildern, sodaß sich gar nicht ausdenken läßt, wie sich die Lage ohne die deutsche Hilfe gestaltet hätte. Neben diesem Dankbarkeitsgefühl spricht aber noch ein anderer Grund gegen die Ausschaltung des deutschen Elementes. Der Germane ist ein fleißiger, geschickter, äußerst gewandter und an Ordnung gewöhnter Arbeiter, von dem der Jude ungemein viel lernen kann. Die beiden deutschen Kolonien in der Gegend von Jaffa galten stets als Musterniederlaffungen. Die deutsche Kolonie in Haifa hat während des Krieges wahre Wunder an Arbeit und Ausdauer vollbracht. Eine solche Nachbarschaft kann uns nur Nutzen bringen, uns belehren, unterweisen und zur Nachahmung anspornen. Lächerlich wäre es, die Konkurrenz der Deutschen zu fürchten. Nachdem es mit ihrer politischen Macht in Palästina aus ist und sie einzig mit der Waffe des Fleißes und der Tüchtigkeit um ihre Existenz im Lande ringen, kann dieser friedliche Weltkampf nur vom Nutzen sein für sie und für uns alle. Früher war die Angst vor den Deutschen mehr politische/Natur und mehr oder weniger berechtigt. Der wirtschaftliche Kampf von heute kann nur nützlich für beide Teile werden. » „ Freilich liegt die Entscheidung "dieser Frage nicht in unserer Hand, sondern in der Englands. Aber wir dürfen es nicht unterlassen, zu sagen, daß uns mit einer irgendwelchen Entrechtung der Deutschen keineswegs gedient ist, und daß wir nichts sehnlicher wünschen, als, wie mit allen anderen Völkern, auch mit den deutschen Nachbarn in Frieden und Eintracht zu leben. __3*. 33 «Me 7 - €inman9eruno in Patäffina. Zürich, 10. August. Die „Neue Zürcher Zeitung" Lerichet a«S Jaffa, daß in den letzten Tagen die Einwanderungsbewegung nach Palästina bedeutend zugenommen hatte. Fast jeden zweiten Tag landet ein aus Europa eintreffender Dampfer einige dutzend junge Leute oder Familien, die meistens aus den osteuropäischen Ländern kommen nndisich hier niederlaffen. Gestern aber schiffte der Lloyddampfer „Baron Call" 206 jüdische Einwanderer in Jaffa auS. Es sind in der Hauptsache junge Leute, die schon einige Jahre Vorbereitungsarbett geleistet haben und sich so zur Kolonisation besonders eignen. Sie stammen aus Ungarn, Galizien und Litauen. Sie finden als Erdarbeiter, Straßenbauarbekter, Wächter usw. Beschäftigung. Nach Berichten befinden sich augenblicklich etwa 800 weitere Ankömmlinge unterwegs. Die britischen Behörden scheinen nunmehr bei der Visaerteilung eine etwas mildere Praxis gelten zu lasten. Der Sammelplatz der meisten Einwanderer ist Wien, von wo aus sie über Trieft nach Genua die Seereise antreten. Da die Arbeiten zur Ausbesserung der Straßen und Eisenbahnen zum Teil schon begonnen und in Bälde mit großer Energie im ganzen Lande ausgenommen werden, wird für arbeitsgewohnte Einwanderer zunächst reichlich Beschäftigung vorhanden sein. Dem Wohnungsmangel wird vorläufig durch Erstellung von Zelten oder Baracken abgeholfen, doch steht der Beginn einer größeren Bautätigkeit unmittelbar vor. Die Grenzen Paläffinas- London, 13. Aug. Nach einer Tirres-Meldung ist Kapitän Reading zum Gouverneur von Akko ernannt worden, was daraufhin deutet, daß diese Hafenstadt zu Palästina geschlagen werden wird. FamiliennaOrichten. Geburten. Eine Tochter: Raphael Faust u. Frau Adele geb. Obermayer, Fürth i. Bayern. Verlobte, Iba Heinemann mit Israel Kofchland. Schopstvch-Fürth i. Bayern. Personalien. Berlin, 12. August. In Breslau starb nach kurzem Leiden der gelehrte Hebraist Scholem Alb eck der Herausgeber der vor einigen Jahren erschienenen neuen Ausgabe des nev und anderer wissenschaftlicher Werke. Der kenntnisreiche und scharsfinnige Mann ist nur 63 Jahre alt geworden. Königsberg i. Pr., 15. August. Nach kurze« schweren Leiden verstarb am 8. d. Mts. in Cranz der Oberkantor unserer Gemeinde .Eduard Birnbaum. Ueber 40 Jahre hat er, hochangesehen und beliebt in allen Kreisen seines Amtes gewaltet. Neben seiner beruflichen Künstlerschaft erwarb er sich als Forscher und vortrefflicher Kenner des jüdischen Schrifttums großes Ansehen. Eine liebenswürdige Persönlichkeit, hatte Birnbaum weit über den Kreis feiner Gemeinde hinaus Freunde und Verehrer, die den frühen Heimgang des edlen Menschen aufrichtig beweinen. Würzburg, 15. August. Ihren 75. Geburtstag beging gestern eine bekaunte und beliebte Persönlichkeit unserer Stadt, Frau Sara Forchheimer,1 Vorsteherin des Israelitischen Jrauenvereins. AuS diesem Anlaffe gingen der Jubilarin, die als Wohltäterin der Armen aller Konfessionen bekannt ist, aus alle» Schichten der Bevölkerung Zeichen der Hochachtung und Verehrung zu. Vermischtes. Berlin, 6. August. Eine merkwürdige Angelegenheit beschäftigt in Form einer Beschwerde den Oberstaatsanwalt beim Landgericht I und den Justizmlnister. Am 24. Februar befand sich der Aeinhändler Franz Litsin aus Eharlottenburg in Gesellschaft des Fabrikanten Reels und dessen Gattin in der Garderobe des „Palais de Danse", als ein Herr auf ihn zntrat und in lautem Ton rief: „Sämtliche Juden den Hut abnehmen, jetzt kommt ein preußischer Oberleutnant." Da Litsin nicht Jude ist, lachte er über das Benehmen des fremden Herrn. Im nächsten Auienblick harte ihn dieser aber schon an der Kehle gepackt und über den Garderabenrisch gewarfen. Als der Angreifer sah, daß Litsin jetzt pan verschiedenen Seiten Hilfe erhielt, lief er daaan and persuchte auf der Straße schleunigst

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