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Der Israelit · 1920-08-12 · Heft 32 (12.8.1920) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 32 (12.8.1920)
Date
1920-08-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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f ■f 4 3m Mkn-aal -er Moren. Historischer -koman aus dem achten Jahrhundert. . (Schluß.) Darum braucht auch Moses auf die Frage des Volkes nach dem Namen Gottes keine andere Auskunft zu geben, als „Gott ist und wird sein". Nicht das Forschen nach ihm, sondern das Wissen um sein Sein im Tiefsten unseres Innern macht es. Das Bild, das wit im einzelnen in unserem Herzen von ihm tragen, ist wohl der menschlichen Begriffswelt entsprungen, doch ahnen wir bei all unserem Unvermögen, das Letzte auszudenken, seine Reingeisttgkeit. Gott nur in der abstrakten Idee zu erfassen und anzubeten, wie es die Philosophen wollen, ist dem Menschen,, der cm seiner Erdenschwere trägt, nicht gegeben. „Was euch zum Vorwurf gemacht wird", laS Taban aus dem Fragebogen, „ist, daß ihr für diese euere Gotteserkenntnis nicht gekämpft habt, gleich den anderen für die ihrige. Selbst euere Märtyrer waren keine Helden wie die Blutzeugen des nazarenischen und islamitischen Glaubens, sondern nur fromme Dulder, die das Schicksal still auf sich nahmen, ohne es wie jene durch Kampfansage an die Welt herauszufordern. Seitdem .seid ihr in der Zerstreuung stark im Tragen, aber ohne Kraft und Willen, mit euerem Wissen um Gott an die offene Welt zu treten". Hier nahm Sangori Gelegenheit, diese Art von tragendem, wahrem Heldentum zu beleuchten. „Ein Wort genügte, um unseren Leiden hier und dort ein Ende zu bereiten und uns alle Türen in die lichte, freie Welt zu öffnen, aber das gesprochene Wort lautet „Schema"! Zunächst möge Israel hören, die Welt kommt nach, ihr voran die von Gott Bevorzugten, zum Frühlicht Geweckten ..." Seine Stimme bekam prophetischen Klang als er das in der schwarzen Erde rollende, gärende und endlich keimende Saatkorn schilderte, bis es sich zum Lichte emporstreckt. „Israel ist Gottes Säemann —". „Und Chasarien der Gottesacker, der die Frucht znerst zur Reife bringt", ließen sich Stimmen aus dem Rate hören. In zehn kurzen Lehrsätzen faßte Sangori in seiner fünften, letzten Aussprache die jüdische Glaubenslehre von Gott und Welt zusammen. In sechs Sätzen brachte er die Bestimmung des Menschen und sein Verhältnis zu Gott zum klaren Ausdruck und schloß mit einer hinreißenden Schilderung der tausendjährigen jüdischen Hoffnung" auf Erlösung Israels und des heiligen Bodens, nach dem Psalmworte: „Nun (stehst du auf, dich Zions zu erbarmen, denn es ist die Zeit zu begnadigen, gekommen die Frist, nachdem deine Diener seine Steine umschlingen und seine Erde betreuen ..." XX. Mit dem Abschluß der Aussprachen hatte die Belehrung ihr Ende nicht erreicht. Im Volke und im weiten Lande setzte sie erst ein. Die von Sangori aufgestellten Punkte und Lehrsätze bildeten die Unterlage für weitere Belehrungen, die im Aufträge Salimans an verschiedenen Stellen der. Stadt von Kundigen Tag jür Tag an das Volk weitergegeben wurden. Der Zustrom aus allen Schichten und Ständen war so gewaltig, daß man immer neue Hallen und neue Lehrer ausfindig machen mußte. Darüber verging der Sommer. Die Ernte war eingebracht, bei Psalmliedern, die durch die Chtsdaier zuerst unter ben früheren Kriegern rasche Verbreitung und Beliebtheit fanden. Die Weinberge standen voller Trauben und das Meer schäumte und rauschte, vom Vorherbstmin-e gekost, als wollte er ein Neues und Großes herüberbringen. . . In der Schechunah ertönte das Widderhorn des Elul. — Es war ein Sammelhorn, das unwiderstehlich rief und lockte. Zu Dutzenden, dann auch zu Hunderten, kamen sie aus allen Schichten und Ständen den Gaba hinunter, um Zeugnis für die jüdische Lehre abzulegen. Allen Vorhaltungen, allen Hinweisen auf die Gefahren und Lebenserschwerungen, die das neue Bekenntnis mit sich bringe, hielten sie das eine entgegen : nichts könne sie davon abhalten, gleich ihrem Herrscherhause dem Zuge der Wahrheit zu folgen und nichts könne sie mehr darin wankend machen, an dem gefundenen wahren Gott der Liebe und Gerechtigkeit treu zu halten. Lehrhäuser für den Unterricht in den heiligen Büchern und ihrer heiligen Sprache, sowie für die Unterweisung in der Handhabung der Gebote wußten überall in der Chasarenstadt eingerichtet werden, die auf Wunsch Salimans mit Genehmigung Sangoris von Jüngern des Lehrhauses geleitet wurden. Mutig und heldenhaft schraken bejahrte Männer wie junge Kinder nicht zurück, auch äußerlich ihren Körper ins Zeichen des Bundes mit dem Gotte Israels zu stellen ... Der warme Sommer ging seinem Ende entgegen. Leichte Morgennebel schwammen vom Meere her über den Horizont, um herbstklare Tage vorzubereiten. Je mehrinderSchechunah das Elul-Horn rief und lockte, umso größer wurde die Zahl der fremden Gesichter in den Bethäusern... Am Rüsttage zum Roschhaschanahfeste sah man den goldenen Wagen des Chakan Bulan zum Strande fahren. Ihm zur Sette saß Rabbi Sangori. Als bekannt geworden war, daß der Chakan dort das vorgeschrtebene Tauchbad genommen, nachdem er vorher schon im Stillen alle anderen Vorbereitungen getroffen hatte, erwartete den Wagen am Aufgange zum Chakanatenhügel eine Laufen-köpfige Menge mit dem Rufe: „Hoch Bman l der erste Chakan auf dem jüdischen Throne Chasariens!". Für Ke Feste selbst mußten in der Chasarenstadt große Hallen zu Gebethäusern umgewandelt werden. Kundige aus btt Schechunah, die auch die nötigen heiligen Gegenstände für den ersten Bedarf besorgten, leiteten den Gottesdienst mit Gebet und Posaunenschall, mit Thorawort und Psalmgesang. Im Ehakanate selbst beteten im weißen Marmorsaale Bulan und Saliman und neben fünf von den sieben Räten, die zugleich nüt dem Chakan sich zum Glauben Israels bekannt hatten, alle Vornehmsten des Reiches, unter Leitung von Ben Chisdai, dem sein Freund und Berater Chiski zur Sette stand. Milkamtn fehlte. Er folgte nicht dem Beispiele des Pegan Hamenas, den Giftbecher zu nehmen, und hoffte immer noch auf ein Wunder der Götter, deren Tempel ihm nach wie vor offen blieb. Milde Herbstsonne vergoldete den Balagaplatz als am Mittag des, ersten Festtages sich ein froh- und festlichgemutes Volk sammelte, seinem Herrscher, der es auf neue Wege seelischen Glückes geführt, mit dem Festgruße zu huldigen und aus dem Munde Tabans zu erfahren, daß der Glaube des Chakanates und desChasarenvolkes im Ganzen der jüdische sei, wenn auch alle anderen Bekenntnisse, auch das der alten Götter, geduldet bleiben. Richtmaß und Lettschnur für alle Regterungshandlungen, so wurde verkündet, sei von nun an die Sinailehre nach Ausdeutung der Weisen, deren Kenntnis und Verbreitung Schulen und Lehrhäuser im ganzen Lande vermitteln sollten. Nach dieser Lehre und unter Zugrundelegung des aus Babylon herübergekommenen Halachotbuches sei Rabbi Jizchak Sangori beauftragt, mit Hilfe eines Gelehrtenkollegiums die neue Staats- Verfassung, durchdrungen vom Geiste: „Gleiches Recht für alle", auszuarbeiten. Mit dieser höchsten Aufgabe verbunden war auch das Amt des Pegan gedacht, der im Namen des Chakan zu reden und zu handeln hatte. Doch hatte Sangori gebeten, ihn durch solche Amtsbürden seiner Lehrtätigkeit, der er jetzt mehr denn früher obliegen mußte, nicht zu entreißen. Darum, so teilte Taban mit, fei er, Taban, von.heute ab zum Pegan aufgerückt, während Sangori an seiner Stelle in den Rat als höchster Letter des Lehrwesens trete. Milkamin, der es vorzog, aus dem Staatsdienste auszutreten, um im Tempel Sidhartes sein Leben zu beschließen, sollte durch einen bewährten Freund Salimans, der auch im Kriege ihm treu zur Seite stand, ihn mit seinem Leben deckte und nicht wenig Anteil an dieser geistigenErhabung desChasarenvolkes hatte, ersetzt werden. „Ben Chisdai!" jubelte das Volk. „Es lebe Ben Chisdai!" Damit war der öffentliche Uebertritt des Chasarenvolkes zum Judentum vollzogen. Gleich nach dem Feste gingen Boten über die Berge nach der Krim und in den Kaukasus, um überall wo Juden wohnten, die frohe Kundschaft hinzutragen und dort heilige Bücher, Gebetmäntel, Gebetriemen und andere Dinge des täglichen religiösen Lebens zu beschaffen. Biele kamen schon nach sechs bis sieben Tagen zurück mit reichen Gaben der Brüder hinter den. Bergen an heiligen Requisiten des jüdischen Lehr- und Bethauses und herzlichsten Brudergrüßen, auch mit Lehrern und Reltgionskundigen, die man drüben in großer Zahl für das neue Judenland gewonnen hatte. So kam der zehnte Tischrt heran, an dessen Ausgang die Chasarenstadt vom hundertausendstimmtgen glühenden Rufe eines neuen Volkes widerhallte.- „Der Ewige ist Gott!!!" J8> ’ *-*”? 3@S k—'rnd «E .-=■* Wie in alten biblischen Zeiten im Jahre des Erlasses, las der erste König auf Chasariens jüdischem Throne am Tage nach dem Hüttenfeste seinem Volke aus dem heiligen Buche der Lehre vor, und der Gnadenerlaß, den er.damit sär sein Volk verband, war der der Thoralehre, beseelt vom Geiste der Freiheit, der Liebe, des Rechtes für alle .. . Am Neumonde des Marcheschwan wurde jedoch das chasarische Volk zu einem neuen Feste im Chakanate geladen und rauschend ergoß sich der Freudenstrom durchBalagarsGafsen. Saliman, der Thronerbe und glorreiche Sieger und Befreier des Volkes, führte seine jüdische Gattin in sein jüdisches Heim, Batsua, die Tochter des Kaufherrn R. Amram, mit aller bunten Pracht des Orientes und nach allen Gesetzen und Bräuchen der jüdischen Religion. Sangori segnete den Bund im Beisein des Chakan Bulan und der weisen Räte und erwähnte auch die göttliche Eingebung, die einst aus dem Munde der Erkrankten sprach: „Wolke vergeht, Bergbach braust heran ..." Monobaz war gekommen . . . Schwellend rauschte der Freudenjubel durch das Blut und wischte alle Grenzen zwischen Schechunah und Chasarenstadt restlos und für immer hinweg . . terT* W». Hochbetagt starb Bulan, nachdem er noch? bald zwei Jahrzehnte jüdisches Glück auf dem

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