Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1920)
- Date
- 1920-08-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 82 Sette 7 ft.; LS August LW8. Herr Rabbiner Dr. Levy eine Ansprache an den Jubilar. Aurich i. OstfrieSld., 18. A«g. In selten körperlicher Rüstigkeit und Frische feierte am 24. Juni d. IS. daS älteste Mitglied unserer Gemeinde, Herr Kaufmann Simon Ho ff mann, sein SS jährkgeS Bürgerjabtläum. Der Jubilar ist am 8. März 1838 zu Aurich geboren, steht jetzt somit im 83. Lebensjahre. Bom Jahre 18SS ab versah er daS ehrenvolle Amt eines Mohel, das er stets ohne Entgelt, also nur n«v buh ausübte und noch vor kurzem hat er die Mtloh bei einem feiner Enkel in Hannover mit sicherster HanauSgeführt. Seitens des BürgervorsteherkollegiumS, der dortigen Presse usw., sind ihm zahlreiche Ehrungen zuteil geworden. Vermischter. Berlin, 28. Juli. Auf der kürzlich stattgchabterr Vorstandssitzung des jüdischen Frauenbundes in Berlin wurden hauptsächlich die Fragen. besprochen, die mt Augenblick im Vordergründe des jüoischen Interesses stemn. Der Bund tritt jetzt an die Schaffung des Hermes für schwer erziehbare Knaben heran, das ähnlich, wie das Heim in Neu-Isenburg, einem dringenden Bedürfnis entspricht. Auch die Bundesidee zur Schaffung eines Heimes für heimatlose ältere Frauen, soll nicht ausgegeben, sondern vorläufig nur zurückgestellt werden. Die Delegierten-Versammlung des Bundes, die sür die Ausführung dieser und anderer »richtiger Pläne äußerst notwendig ist, ist für den 11. und 12. Oktober dieses Jahres in Berlin vorgesehen. München, 28. Juli. Das Kultusministerium hat an den Landtag den Asttrag gestellt, die Regierung zu ermächtigen,, ab 1.- Juli die gegenwärtigen Teuerungsbezüge an die katholische und protestantische Geistlichkett um 25 Prozent zu erhöhen und bei der Gehaltsregelung der israelitischen Rabbiner die entsprechende Angleichung vvrzunehmen. In der Begründung des Antrages wird daraus hin-?Miesen, daß die Einbringung des kommenden Geetzentwurfes über Angleichung der Bezüge der katholischen und protestantischen Geistlichen an die neue Besoldungsordnung der Staatsbeamten gegenwärtig noch nicht möglich ist, weil die. Verhandlungen mit. den kirchlichen Oberbehörden noch nicht abgeschlossen sind. . Die vorgeschlagene Erhöhung der Teuerungszulagen soll nur bis zu einem Gesamteinkommen von 15.000 Mark in Kraft treten. Budapest, 2. Aug. Sonntag vormittag fand das Leichenbegängnis der beiden jüdischen Ovser des vergangene Woche im Kaffee Klub und in der Nähe des Lustspieltheaters inszenierten Ueberkallcs, und zwar des Rechtsanwaltes Dr. Bela Barsany und des Bankdirektors Artur Verebelh, statt. Am Leichenbegängnisse des Rechtsanwaltes Doktor Barsany hat eine Abordnung der Advokatenkammer unter Führung des Kammerpräsidenten Hofrates Dr. Josef tap und der Präsident des Advokatenklubs Tr. Geza -efi teilgenommen. Rabbiner Dr. Julius Fischer sagte in seinem Nachruf unter anderem: „Ich spreche nicht von der Vergeltung, von der ausgleichenHen Gerechtigkeit, das ist die heilige Pflicht anderer Faktoren. Ich will bloß betonen, daß die menschliche Gesellschaft und' jeder einzelne Mensch sich bessern müsse und daß jedes einzelne ausgesprochene .Wort nur einem wahrhaft Löttlichen Ziele geweiht sein, dürfe." Bei dem Leichenbegängnrjse des ermordeten Bankdirektors Artur Verebelh, an welchem die Vertreter der Banken in großer Zahl erschienen waren, hielt Rabbiner Dr. Simon Hebest einen Nachruf. Rabbiner Dr. Hebest schloß seine Abschttdswyrte an das Opfer des magyarischen Weißen Terrors wie .folgt: „Obgleich wir leiden, obgleich wir von Haß umgeben sind, werden wir unser ungarisches Vaterland niemals verraten. Ungarisch-jüdische Brüder! Wir werden treue Söhne dieses Vaterlandes bleiben, laßt es uns an diesem Sarge geloben Mit aufrichtigem Sinn, der nicht niederreißt. Jerusalem, 24. Juli. Auf die Begrüßungsadresse namens der Jerusalemer Institutionen der Amsterdamer Pektdtmverwattung (Armen- und Pilgerwohnungen auf Zion, Amsterdamer Gemeinde „Hud", Rabbinerschule Jeschiwat Zion und Apirjon, Sefardifche Doresch-Zion-Schule, Aemenitenschule Or Thora, Gewerblicher Verband Agudas Hafosrim und Talpioth) ist vom Oberkommissär Sir Herbert Samuel folgendes Dankschreiben xmgrgangen: „Rabbi J. Horövicz, Jerusalem. Dear Sir, Please aceept my most sincere thanks for the beautiful illurainated address of welcome, which has given me great pleasure. J shall be glad if you will convey to the Committee of the Amsterdam Amarcalim and Pekidim my great appreciation of their message of goodwill. Yours very truly Herbert Samuel. Vneflasten. I F. in Freiburg. In den lehren Jahren hat Iich die Zahl der Gemeinde- und sonstigen Körperchaften, welche gründlich vorgebildete Hilfskräfte für oziale Arbeit benötigten, stark vergrößert. Immerhin läßt sich angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage nicht vorausjeherp ab dies» Entwicklung w jysrotm. weitergehen wird oder ob dir Gemeinden und Vereine nickt gezwungen sind, ihre ganze Arbeit auf sozialem Gebiete stark einzuschränken. Eine bestimmte Voraussage, ob die Ausbildung sür einen sozialen Frauenberuf wirtschaftlich rentieren wird, kann man daher im Augenblick nicht machen. Sprechsaal. Der Einladung des Verfassers des Artikels „Geldheiraten" an feine Gesinnungsgenossen, sich auch in dieser wahriich hochwichtigen Frage zu äußern, leiste ich umso lieber Folge, als dessen Auslassungen ein Spiegelbild dessen sind, was ich schon lange empfinde. Aber meine Bedenken gehen noch weiter. Ich bin nicht nur ein Gegner der uns herabwürdigenden .Geldheirat-Annoncen", sondern der „Geldheiraten" überhaupt. Ich will absolut nicht verkennen, daß zur Gründung vinsS Haushaltes, zum Betreiben eines Geschäftes und zu dessen Ausdehnung pekuniäre Mittel gehören und daß aus diesem Grunde bet einer Heirat die Mitgift auch in Frage kommt/ aber eS ist eine tiefbedauerliche Tatsache, daß in allererster Linie die Frage des Kandidaten lautet: „Wieviel Mitgift"? Und wenn die Antwort auf diese Kardinal« frage nicht befriedigend ist, wird der Antrag in den meisten Fällen beiseite geschoben. Wenn diese nicht wegzuleugnende Jagd nach dem Mammon bei einem Bund für's Leben, wo doch die -Persönlichkeit, der Charakter, die Geistes- und Herzensbildung der zukünftigen Lebensgefährtin die Hauptfrage bilden sollten, deprimierend auf unser Ansehen nach außen wirken muß, um wieviel mehr, daß zur Bekämpfung dieser unS an und für sich zur Unehre gereichenden Geshtnung, alle Hebel in Bewegung gesetzt ^werden müssen. Fern liegt es mir, den zahlreichen mittel- und mitgiftlosen Mädchen das Wort zu reden, die ohne Aussicht auf eine Ehe, unserem heiligen Glauben den Rücken kehrend, in die Ehe mit Andersgläubigen treten; ich entschuldige eine solche Fahnenflucht nicht, aber ich verstehe sie. Die Lösung dieser brennenden sozialen F age sollte eine unserer heiligsten und vornehmsten Aufgaben sein und gerade wir, auf dem Boden des gesctzestreuen Judentums Stehenden und die gesetzestreuen Rabbiner, unsere geistigen Führer, müßten in Tat und Wort mehr zur Hebung dieses sozialen Elendes tun, als , dies bisher geschehen ist. In »Ta»", indem man bet Heiraten die Position „Mitgift" in gebührender Weise nach hmten rückt und in „Wort", indem unsere Rabbiner für die gute Sache von der Kanzel aus unermüdlich anelfernd wirken. A. 8. Familiennachrichten. Geburten Einen Sohn: Benjamin Wolff, Nürnberg, Hiriengaffe. Silberne Hochzeit. Lehrer Alexander Gutmann und Frau Zipora, geb. Saalheimer in Ottenfoos bei Nürnberg. Frankfurter Kerrchte. An der Krankfurter Klaus. Zur Einführung des neuen Klausrabbiners Tr. Joseph Breuer am 23. Ab. Im Feiertagsgewand unsere liebe, alte >,Klaus". Geschmückt wie am Geburtsfest der Thauro. Funkelnde Lichter allüberall. Schlank aufstrebende oder breit ansbuchtende, schattende Oleander. Zierlich geschlängelte . Guirlanden. Röslein zärtlich an den Oraun hakandesch geschmiegt. Die Rose Israel an ihre Mutter Thauro gelehnt. Erinnerung schwebt auf lerfen Sohlen heran. Streichelt liebkosend tröstend die leidbolle Seele der Gattin dessen, der an dieser Stätte zuerst das Wort des Lebens verdeutlicht und vergeistigt hat. Nickt wehmütig grüßend seinen vielen, vielen Freunden zu, die ihn unverlierbar in der Mappe ihres Herzens eingeschlossen haben. Tie wogende Menge verstummt. Minchahgebet. Mit glanzvollem Klang tönt's auf einmal huldigend heraus: Zadik katomor jwroch . . . Dann ein Gruß aus beredtem Munde. Ein Abschiedsgruß den: nun schon 16 Monde in den ewigen Frieden gebetteten Rabbiner Dr. Lorsch s. A. Ein Willkommgruß demneuen Rabbiner. Von der Jugendzeit der „Klaus" weiß der beredte Mund zu berichten. Wie auch sie ein Schifflein war, das sich aus der Brandung Achab gleich tobender Frankfurter Reform rettete. Und dann von der in gedankenhafter Vertiefung und eiserner Pflichterfüllung zum Wecker und Sporner gekümmerten Persönlichkeit des neuen Führers des . Schiffs. Stille schreitet durch den Saal. Ehrfürchtige, erwartende Stille. Tann rauscht aus der Tiefe ein Hymnus auf von jüdischer Lebensharmonie, bricht ein Jubelruf empor von jüdischem Lebensglück. Gesegnet Du Gott Israels, der Du unser Teil als Weiser des Bethhamidrafch bestimmt hast! Gesegnet, der Du unser ganzes Sein zu einem, einem frohen, starken Gottesdienst gemacht hast! Nirgends Spalte, nirgends Zerrissenheit, nirgends Leere, nirgends Kluft! Jeder Schritt, jede Regung, jede Handlung geadelt, gehoben, geweiht zum Gottesoien st! Manches leidgeprüfte Gemüt zuckt und jauchzt. Manches steinerne junge Gesicht senkt sich unruhdoll. Reue pocht <m ihm. Ob auch sein Träger fern» Füße nur unserem Stammvater Abraham gleich beim Weg ins Bethhamidrafch bestäubt hat? Vorsatz keimt wieder Stille. Stille der Ergrisfenhttt. Und Stille, froh erregter Erwartung kommender Wochen, Monde, Jahre seelischer Erschütterung, geistiger Erhebung. Wachst weiter empor am Stamme Deiner Ahnen und Deines Vaters, RabbinerJo,ephBreue.*k Hilf nnö, beschatt' unS und führ' uns! M. Sp. Salomo« Rosenbaum Am 8 Am erlag Herr Salomon Rosen bäum im Alter von 70 Jahren einem Leiden, das schon die letzten Jahre seines Lebens zwar feinen Körper gebeugt hatte, aber trotzdem war die große Zahl der Freunde dieses echten Jehudi und treuen Mitgliedes »er ^Israelitischen Religionsgesellschaft" tief erschüttert, als die Kunde von seinem plötzlichen Heimgänge besannt wurde und die am Sonntag am ri'jyri statw'hak'^ "iyV bewies, welch großes Maß an Treue und Freundschaft der Verblichene sich wäyrend seines arbeite .ra, «, nicht immer sonnigen Lebensweges erworben. Der weithin bekannten Familie Rosenbaum aus Zell entstammend, pflegte der Verstorbene treu die altiüdische« Traditionen seiner Familie. Während er m seiner ganzen Lebenshaltung die schlichteste Anspruchslosigkeit verkörperte, stellte er an sich selbst die größten Ansprüche, wo es galt eine der mwe mrrv zu verwirklichen. Aber nicht nur ivi:2, mir dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit, auch i::öü2 mit seinem Bermögen stellte er sich ganz in den Dienst des Thoraideals, ohne Prunken nach außen, ohne selbst mehr alS unbedingt nöiig hervorzutreten, war er ein HBiL byz der inSbesönders den verschämten Armen aufsüchte und im Stillen manche Not, die sich zu offenbaren scheute, in zartfühlendster Weise linderte, manche Träne trocknete, manchem Hungrigen Speis' und Trank zuteil werden ließ, ohne daß der Beschenkte den Geber kannte. Sein irdisch Dasein ist geendet, aber daS Denken an ihn und seine schlichte alljüdische Art wird weiter im Kreise der Seinen und darüber hinaus zum Ansporn und zur Nacheiferung führen und also über die Zeit seines Erdenweges hinaus zum Segen werden. N2i2? p'ix ist. Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Samstag morgen nach Schul: „Dinim"- Herr Rektor Falk. — 13 Uhr: „Melochim"; Herr Prof. Weyl. — Na ch m. 4*/« Ufjr, Langestr. 18: „Mikro"- Herr Leopold Oppenheimer. Sonntag morgen, 9l/< Uhr und Dienstag vor nwv. im Vereinslokale: „Gemoro"- Herr R. A. Posen. Sonntag bis Donnerstag abend, 8V, bis 9l/t Uhr: v"v>-Schtur- Herr H. Halpern. Montag, Jahrzeitsstistungklernen, Moritz Htrschberg- Stiftung. Jeden Morgen nach Schluß der Synagoge: „Mtfchnalernen". Agudas Jisroel-Jugeud gruppe. Sonntag vorm. 8 Uhr: „Chumisch mit Rüsche- Herr Leopold Oppenheimer. Dienstag, 9—9 Uhr abends: „r>2S>". — 3»/,—4lfg Uhr nachm.: „Gemoro"- Herr Dr. Hofwann. JOMK1PPURKEHZEIV Tefillin — Mesusoth zuverlässig '"JfcSO V. Seckbach, Hebräische Viichhaiiblung 3508 WiiriburB, Zwinger 5. Telefon 2244. <m Eschenheimer Tnrnt. PWOlilöfßii- Zltlerthal und Vierkadarett. K*Men«mu*0 6 v,«»'. Auf. IV. Ufr Untf. Ne« eröffnet: IV ein-Klausa. «irrgaug nur Stiftstrutze SS.