Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1920)
- Date
- 1920-08-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gelte S Nr. 83 ftu KSrarttr über Litauen, Tomktn über die Ukraine. Dort haben in 586 Orten 138000 Juden durch Pogrome ihr Leben eingebüßt. Mehr als eine Million Brotlose und 130000 Waisenkinder sind die Folge dieser entsetzlichsten aller Menschenschlächtereten. Zarrz?-, 1. August. Die baltisch-amerikanische Dampschiffahrtsgesellischaft hat einen. direkten Dampfer-Verkehr Danzig— New Ljork eingerichtet, der für die jüdisch-polnische Auswanderung nach Amerika von höchster Bedeutung zu werden verspricht. Eine Fahrkarte Danzig—New Aork HI. Klaffe kostet 146 Dollar, was allerdings ungefähr 25000 polnische'Mark bedeutet. Trotzdem wird es dem am 10. August abgehenden Dampfer, der 2000 Passagiere faßt, wohl kaum an Reifenden fehlen. Die bisher vorgeschriebene Quarantäne ist aufgehoben. Auch werden in Warschau beim amerikanischen Konsulat in der letzten Zeit große Erleichterungen hinsichtlich der Paß-Bisa gewährt. Gesteweirh. lveklkonteren? Ser vosle Sion. Wie«, 6. August. Die russisches» Delegierten sind nunmehr eingetroffen, sodaß mich die bolschewistisch orientierten Vertreter aryS den anderen Oftländern ihre anfängliche Zurückhaltung aufgeben und den Mut haben, mitzutun. So stehen sich die gemäßigte Richtung (etwa deutscher Mehrheitssoztalismus) j der amerikanischen Poale Zion und die russischen Vertreter der Rätedtkratur und des Kommunismus gegenüber, dazwischen die palästinensische „Achduth Hoawoda". Man vermutet, daß der Anschluß an die dritte Internationale ausgesprochen werden wird. . Molen. Deputat Nalpern beim Kriegsminiifer. Warschau, 1. August. Der Abgeordnete Halpern wurde gestern zu einer langen Konferenz vom Kriegsminister empfangen, um neuerliche Beschwerden über Exzesse gegen die Juden vorzutragcn. Das Kriegsminifterium hat durch einen ausführlichen scharfen Erlaß strengste Bestrafung jeder Ausschreitung gegen die Juden angeordnet und außerdem einen besonderen Ueberwachungsdienst für Truppentransporte angeordnet, da die meisten Attentate auf die unterwegs befindlichen militärischen Abteilungen zurückzuführen sind. Die flusroanierung aus Polen. Warschau, 5. August. Wie der „Jud" meldet, hat der Leiter der AuswanderungsabteilungimpolnischcnWirtschaftsministerium folgende Erklärung abgegeben: Der Andrang zur Auswanderung nach Amerika ist bet den Juden sehr stark und die Zahl der zur Auswanderung Angemeldeten beträgt mehr als 250000. Die Schwierigkeit ihres Abtransportes ist durch den Mangel an Kommunikationsmitteln verursucht. Unter normalen Berhältniffen würde bst Abtransport dieser 250000 Personen etwa ein Jahr beanspruchen, so aber dürfte er zwei bis drei Jahre dauern. Die gegenwärtige Emigration trägt einen anderen Charakter als die vor dem Kriege. Damals bestanden die Emigranten aus qualifizierten Arbeitern, heute dagegen wandern nach Amerika bloß arme Leute aus, welche zu ihren Verwandten fahren. Das Arbeitsministerium steht mit der „Hajas", einer der wichtigsten amerikanischen philanthropischen Institutionen, welche viel für die armen Emigranten tut, in ständiger Verbindung. Wir bemühen uns ferner, die ganze Amerika-Auswanderung durch Danzig zu leiten, einerseits um die Entwicklung des Danziger Hafens zu fördern, andererseits um den Emigranten die Reise durch fremde Staaten und die damit verbundenen Schwierigkeiten und Kosten zu ersparen. Bisher hat eS allerdings keinen direkten 12. August MS Schiffsverkehr Danzig—New Jork gegeben, feit August aber nehmen einige Dampfer bereits die direkte Route. Polen braucht wohl nicht zu befürchten, daß es durch die Amerika-Auswanderung wirtschaftlich leiden werdedenn die Emigranten sind bloß Arme. Emen ganz anderen Charakter trägt die Auswanderung nach Palästina. Dorthin wandern zumeist arbeitskräftige und arbeitswillige Personen aus, um das Land aufzubauen, aber auch in gewissem Maße Wohlhabende, welche neues Kapital ins Land führen und es verwerten wollen. Die Emigration nach Palästina ist etwas schwächer als die nach Amerika. Das ist aber nur vorderhand der Fall, denn es ist anzunehmen, daß sie in Kürze stark zunehmen wird. Nach den Mitteilungen, welche die Zionistische Organisation Polens dem Arbkitsministertum zukomwen ließ, dürfte die Zahl der Emigranten einige zehntausend Personen betragen." llumänten. Die base in Beftarabien. Kischinerv, 15. Juli. ließet die politische Lage der beßarabischen Juden kann gegenwärtig nicht geklagt werden. Der Staat behandelt die jüdischen Einwohner auf dem Fuße vollkommener Gleichberechtigung wie die übrigen Konfessionen und Nationalitäten, scdaß der jüdische Einfluß auf den wirtschaft-! lichen Wiederaufbau des Landes sich zum Vorteil tes Ganzen ungehemmt entfalten kann. Lebensmittel sind reichlich vorhanden und die Preise nicht zu hoch. grdjwei?* flguöas lisroel. Zürich, 8. August. Die soeben erschienene Nummer 10 des „Ha de rech" bringt an ihrer Spitze einen Briefwechsel, der zwischen „Agudas Jisroel" und Zionistischer Organisation in den Jahren 1919 und 1920 stattfand, um eine Zusammenarbeit Leider Organisationen beim Aufbau von Erez Jisroel herbeizuführen. Die Korrespondenz endete damit, daß die zionistische Organisation jedwede Antwort schuldig blieb. Ein ähnliches Ergebnis hatte eine zweite Korrespondenz zwischen beiden Organisationen über die Frage der Emigration. Die Nummer enthält ü. a. weiter einen Aufruf der Bukowinaer Landesorgantsation in.Ezernow itz, ein beredtes Plädoyer gegen das Frauenwahlrecht aus der Feder einer Jerusalemer Dame — sowie zahlreiche Berichte aus aller Welt über die Entwicklung der Bewegung. Scharf rechnet Rabb. Zirel sohn in Kischinew mit den nationalen Schreiern ab, die sich über das Memorandum der Schlome Emune Jisroel an die englische Regierung entrüsteten. Dem Heimgegangenen Lubawtt scher Rebbe werden warme Worte des Nachrufs gewidmet. vom Kongreß 8er Zweiten Internationale- Genf, 6. August. Der internationale sozialistische Kongreß gab der Hoffnung Ausdruck, daß die jüdischen Arbeiter in Palästina eine sozialistische Republik errichten würden. Eine Resolution spricht sich zu Gunsten der polnischen Juden aus. Der £fiatii8ismus in fimerifta. Warschau, 1. August. Der „Jud" bringt interessante Mitteilungen feines amerikanischen Korrespondenten über die Entwicklung chassidischer Mittelpunkte und das Wachstum chafsidischen Einflußes in den Vereinigten Staaten von Amerika. Der erste, der den Chassidismus in das Land des Dollars verpflanzte, war Reb David TwerSktz, bekannt unter dem Namen Reb David Talner. Um sein Stübel gruppiert sich heute in New-Aork die größte Zahl der Lhassidtm. Aber nach diese« Pionier kamen bald noch andere Persönlichkeiten nach Amerika, die den Mittelpunkt chasfidtscher Kreise bildeten, denn unter den Hundertkausenden, die aus dem heimatlichen Milieu herausgeriffen, damit auch die alte Tradition vrrleugneten, fanden sich doch immer wieder Tausende und Zehntausend^ die glücklich waren, sich wenigstens rein gefühlsmäßig an dem alten heimatlichen religiösen Maßstabe orientieren zu können. Nach dem Krieg, hat sich die chasstdische Bewegung in Amerika womöglich noch verstärkt. Die religiöse Sehnsucht ist mächtig gesteigert worden, und lebt selbst in denjHrrzen derer wieder aus, nach deren Aeußerem man alles eher vermuten sollte, als daß sie sich zu den Chassidim rechneten. Dabet ist New Z)ork nicht einmal der günstigste Nährboden für den Chassidismus und eine Anzahl Rebbes haben sich aus diesem Gefühl heraus in der Tat bereits in kleineren Städten des Landes niedergelassen. Die Stellung der Misnagdim gegenüber den chafsidischen Kreisen war anfänglich recht ungünstig. Ja es kam vor einigen Jahren in Brooklyn zu einer Art „Chassidim-Pogrom", wobei zwei Chassidim durch Steinwürfe verwundet wurden. Die Ursache war der Aerger der Nachbarschaft über die nächtliche Ruhestörung durch chassidtsche Gesänge. Auch die Presse kam den chafsidischen Tendenzen anfangs mit sichtlicher Abneigung entgegen, allein es ist natürlich, daß mit dem Anwachsen der Bewegung auch die auf den Abonnentensang eingestellten Blätter diese chassidimfeindliche Tendenz sehr bald zu revidieren wußten. Jedenfalls ist ftstzuftellen, daß der chasstdische Einfluß auf daS öffentliche jüdische Leben in Amerika in starker Zunahme begriffen ist. Personalien. Meeryolz, S. August. Am Rosch Chodesck Am trugen wir unseren Herrn Arnold Fuld zu Grabe. Mit ihm schied ein braves Mitglied unserer Gemeinde aus dem Leben, dessen rechtschaffenes Wesen und kluger erfahrener Rat, ihm die Achtung seiner Mitbürger errang. Aus einem echtjüdifchen Haufe entsprossen, hat er stets die Grundsätze -seines Elternhauses hochgehalten und als ein treulicbender Bruder an der Seite seiner Geschwister gestanden. War es auch durch den Rosch Chodesch nicht möglich, ihm Worte der Trauer nachzurufen, so ist doch sein Leben und Wirken unvergeßlich den Seinen und seiner Gemeinde. Ehre seinem Andenken! n"£5E>n. Goldbach-Hösbach, 1. Aug. Einen unersetzlichen Verlust erlitt unsere Gemeinde durch das plötzliche Hinscheiden des Herrn Joseph Lö wenthal. Ueberall, wo es galt eine jüdische Pflicht zu erfüllen, wirkte er in erster Linie beispielgebend. Die zahlreiche Beteiligung an der Beerdigung zeigte, welche große Beliebtheit der Verblichene in allen Kreisen der näheren und weiteren Umgebung genoß. An der Bahre schilderte Herr Lehrer Erlebacher u. a. auch seine großen Verdienste, die er sich in kurzer Zeit als Vorstand der Chewra und Kultusvorsteher erwarb, indem er energisch für die Erhaltung und Förderung der Gemeindeeinrichtungen eintrat. Sein Gottvertrauen hielt ihn auch aufrecht, als er einen hoffnungsvollen Sohn im Kriege verlor. Möge Gott die Trauernden trösten und unsere in den letzten Jahren so schwer heimgefuchte Gemeinde vor weiteren herben Verlusten bewahren.' Lanpheim, 4. Aug. Heute wurde hier eine Fran beerdigt, die verdient öffentlich genannt zu werden. Es ist die Witwe Fanny San. Steiner, die ein Alter von 83 Jahren erreichte, eine 'rtfiKV .irrm, eine edle Frau von echtem alten Schrot und Korn. Bis vor einigen Jahren, da die Beschwerden deS Alters sich fühlbar machten, sah man sie täglich morgens und abends in der Synagoge. In der Gemeinde hoch geachtet, entfaltete sie ,eit Oktober 1863 im Ausschuß und feit Oktober 1867 als Vorsteherin des israelitischen FrauenvereinS eine rege Tätigkeit. Am Grabe würdigte Herr Rabbiner Sr. Treitel das Wirken, der Heimgegangenen in warmen Worten. Vor einigen Jahren wurde auch durch die Regierung der Umstand, daß sie 56 Jahre dem Ausschüsse angehörte, durch Verleihung der silbernen Verdienstmedaille gewürdigt. Der Verein batte ihren 80. Geburtstag durch Errichtung einer Stiftung, deren Zinsen alljährlich an ihrem Geburtstag zur Verteilung an ein junges Mädchen gelangen, als Beihilfe zur Errichtung eines Berufes, gefeiert. Der Ausschuß des Frauenvereins ließ durch seinen Sekretär, Hauptleyrer Rosenberger, einen Nachruf sprechen, in welchem ihr der Dank für alle Leis, tungen gezollt wurde. Creseld, 6. Aug. Herr Gabriel Paßmann feierte am letzten Tischo beaw feinen 90. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. In der Synagoge, m$ sein Pult herrlich geschmückt mar, hielt