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Der Israelit · 1920-08-12 · Heft 32 (12.8.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 32 (12.8.1920)
Date
1920-08-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Crtte 4 No. 32__ städten wird immer verzweifelter und nur entschlossenes Handeln kann sie vor physischem und moralischem Untergang retten. Das Berliner Unternehmen sollte daher schleunigst — in zartfühlender Weise und unter Heranziehung verständiger Flüchtlinge selbst für die Leitung — verwirklicht werden. fceOvLL' 1pl-3 Sie jungen Pflanzen in palüstlna. Wir haben in der jüngsten N,immer öinem Briefe aus Palästina Raum gegeben, der eine erschütternde Darstellung des von den zlonijblschen Machthabern zur Zeit im heiligen Lande ausgeübten Terrorismus gegen alles was noch zur alten Fahne schwört, enthält. In dieses traurige Kapitel gehört auch ein Briefwechsel zwischen dem Zentralkommitee für Waisenhilfe in Jerusalem und der Leitung der landwirtschaftlichen Schule „Mtkweh Jisroel", über den die neueste Nummer des „Haderech" zu berichten weiß. Das genannte Komitee legte in einem Schreiben an die Schulleitung Protest dagegen ein, daß in dem Betriebe Waisenkinder zur Entweihung des Sabbats veranlaßt werden und erhielt darauf eine Antwort, die den jüdischen Juden bis ins Herz treffen muß. Zunächst verwahrt sich die Leitung dagegen, daß es sich nur um Waisenkinder handele. In der Schule seien auch andere Kinder untergebracht und irgend eine unterschiedliche Behandlung der Zöglinge finde Nicht statt. Dann stimme es auch nicht mit dem „Zwange". Gezwungen zur Sabbatarbeit werde keiner, aber . . . Dieses kritische „Aber" rechtfertigt indes nicht nur den Protest des Komitees, sondern sollte den flammenden Protest aller Treugesinnten in der Diaspora herausfordern. Alle Arbeiten, so erklären die Herren, müssen in der Schule im Jntereffe ihres Lehrzweckes von den Schülern selbst unter. Leitung der Lehrer ausgeführt werden. Nun aber gibt es in der Landwirtschaft, besonders in der Viehzucht und der Kultur der jungen Pflanzen Verrichtungen, die keinen Tag, ohne Schaden für die ganze Anlage, aussetzen dürfen. Sollte man etwa zu diesem Zweck den „S chab b o sgoi" als nationale Institution übernehmen? Von Zwang keine Rede. Aus freien Stücken hätten sich die Schüler darauf geeinigt, daß je ihrer vier oder fünf an Sabbat etwa zwei Stunden die notwendigsten Arbeiten (wozu Begießen der Pflanzen gehört) — und nur diese — besorgen, im Bewußtsein, daß sonst „unser Bestand im Lande gefährdet" sei (13'acnKS nölpn u*? Knn 87>V). Wer am Sabbat nicht arbeiten will, ist frei und wird auch sonst in keiner Mise gezwungen, gegen sein religiöses Gewissen zu handeln. Soweit dem Inhalte nach der Brief der an den Anfang gestellt, ein Wort zerrissen und Buchstaben finb falsch wtedergegebea. Der Satz wüßte nach dieser Vorlage — von rechts nach links gelesen — lauten: n#iy nnN: jnp' nin GlPpa itfgo dni Sollte es nach der deutschen Uebersetzunz der Droste lauten: „wie du mir getan hast", so müßte es statt nn$ „wie du mir tust" heißen: Ein Kenner sagt mir, das sei auch kein gutes Hebräisch, aber es sei doch Hebräisch. — So geringfügig die Sache auch manchem erscheinen mag, es ist doch wünschenswert, daß neue Ausgaben den Fehler verbessern. („Und sie wandeln ihre Schwerter zu Sensen und ihre Speere zu Winzermessern"). An dieses Jesaijantsche Prophetenwort wird man erinnert, wenn man folgende Notiz in den Tagesblättern liest: Die Umstellung bet der Friedrich Krupp A.-G. in Essen ist nunmehr soweit gediehen, daß der Bau von landwirtschaftlichen Maschinen nach Fahrschein System in Massenfabrikation stattfindet. Die mit der Maschinenfabrik Fahr A.-G. in Gottmabingen in Baden gemeinsam gegründete Krupp u. Fahr Erntemaschinen- Vertrieb-Gesellschaft m. b. H., nimmt am 1. September d. Js. in Berlin ihre Tätigkeit aus. Schade nur, Laß es vorläufig nur DentschlanL ist, das von seinen Feinden zur Entwaffnung gezwungen wird, während deren Länder weiter in Waffen starren und neuer Krtegslärm die Welt erfüllt! Aber einst wird dennoch die Zeit Heraufziehen, die unsere Propheten nicht umsonst verkündet haben. (Der Porzellan-Affe). Dieser Tage starb zu Königsberg der Gymnafialdirektor Dirichlet, ein Enkel des berühmten Mathematiker« Gustav Lejsune Der Israelit. Leitung der einzigen landwirtschaftlichen Schule in Palästina »Mtkweh Jisroel". Das Entscheidende darin ist, daß nach Ansicht der Leiter, Lehrer und des größten Teiles der von ihnen geleiteten Schüler jüdische Bodenkultur in Palästina ohne Sabbatentweihung undenkbar sei, mit der Thora „unser Bestand im Lande" gefährdet sei ... Und die Wenigen, deren religiöses Gewissen man schont?! . . . Es werden nicht viele sein, die sich bei der Atmosphäre dem Spott und der Verachtung der Lehrer und Mitschüler preisgeben und sich von ihnen nachsagen ließen, daß sie aus fanatischem Festhalten an alten „Bräuchen" das Land gefährden! Wir kennen es zur Genüge aus den Ländern der Diaspora. An den Schulen ist es von Gesetzeswegen „den Israeliten freige gestellt", sich am Sabbat vom Schreiben oder vom Schulbesuch dispensieren zn laffen. Aber der moralische Zwang der „öffentlichen Meinung" in der Schule steht über der gesetzlichen Toleranz und ist so drückend, daß leider'nur Wenige den Mut haben, ihm zu trotzen. Zustände, die oft genug unseren Blick voller Sehnsucht und Hoff nung nach dem Lande gelenkt Häven, wo — abgesehen von all den anderen religiösen und histo rischen Banden, die uns an den heiligen Boden ketten -• sich der Jude treu und frei nach seinem Gesetze ausleben könnte. Da tön^ vom Lande unserer Hoffnung zu unserer tiefen Bestürzung das alte Goluslied zu uns herüber. „Wir zwingen keinen", sagen die Herren, die bestellt sind „Israels Hoffnung" OmttP mpfc) zu hegen und zu hüten. „Aber! ..." Schonet die jungen Pflanzen, Ihr Herren! Nicht nur die, welche aus dem Boden keinem und blühen und die ohne Schaden an einigen Stunde in der Woche, wenn es schon sein muß, auch von ntchtjüdischen Händen gepflegt werden können, sondern vielmehr, die, welche Euerer Obhut anvertraut sind, daß sie uns später den Boden bereiten für bessere und jüdische Lebensmöglichkeit. Schonet die jungen Pflanzen und bedenkt, daß nicht der Sabbat, sondern die Sab bat entweihung unseren Bestand im Lande gefährdet! . . . 1L.AugustZ1980 Ser Zugendtag in Aürnderg. Würnverg, 6. August. Fast eine ganze Woche waren die Vertreter der gesetzestreurn Jugend Deutschlands in den Mauern der gastlichen Schwestergemeinden Fürth und Nürnberg versammelt, um in ernster Arbeit, in ehrlichem Ringen der Geister und in der Belebung echten Brudergefühles sich zum Wirken für zu rüsten. Dkrichlet und seiner Gattin Rebekka — einer Töchter Moses Mendelssohns. Zu der Erbschaft, die noch aus der Zeit des großen Berliner Philosophen auf die Familie Dirichlet gekommen war, gehörte — wunderlich genug — auch ein lebensgroßer Affe aus Porzellan, der im Hause als teures Andenken gehütet wurde. Und damit hat es folgende Bewandtnis : Unter Friedrich dem Großen mußte jeder Jude bei seiner Eheschließung für eine bestimmte Summe Porzellan aus der neugegründeten Königlichen Porzellanmanufaktur entnehmen, und zwar nicht aus eigener Wahl, sondern nach Belieben der Manufaktur, die sich auf diese Weise natürlich ihre Ladenhüter vom Halse schaffte. So bekam Moses Mendelssohn, der damals schon allgemein bekannte und geachtete Weltweise, bei seiner Verheiratung mit Fromet Gugenheim zwanzig massiv porzellanene Affen. Und das letzte Stück dieser seltsamen Gesellschaft wird noch heute in Treuen aufbewahrt. Sabbat-Anfang und Ausgang. QRTl Anfang! Datum Ausgang mtlffinJlWOl 5680 Utzr Mii, Frankfurt a. M. 7 05 13." Aug. ßo. Ab s 35 Bern« .... 7 30 s 24 München . . . 7 15 s 11 Straßburg . . — — — ' Stuttgart... — — — Bose» .... — — — — Nürnberg. . . 7 8 10 Ham-ueg , . . — — 8 U ESra-Tagung. . öaeiil am Freitag trafen die meisten Es ra- Führer- und Führerinnen in Fürth ein, wo am Sonntag die Führerschafts-Tagung, beginnen sollte. Schon in der sabbatltchen Ansprache des Herrn Dr. Deutsch" freundlich begrüßt, fanden sich die jugendlichen Gäste zür dritten Sabbätmahlzeit, die von der Agudas Jisroel- Orts- und Jugendgruppe Fürth gerüstet worden war, in fröhlicher lttrü Stimmung zusammen, um dann abends den offiziellen B egrüßung sabend zu genießen. Es sprachen die Herren Prof. Dr. Feilchenseid (Agudas Jtsroel-Ortsgruppe), L a n d a u (Jugendgruppe), Dr. Deutsch (Tradition. Rabbinervereintgüng), Rabb. Dr. Klein (Gruppenverband), Max Cohen (Jugendorganisation), David Lehmann (Prov. Komitee der A. I.), H. JchenHäuser (Machsike Hadaß), M. König shöfer (Ohawe Tauro) und Dr. Benzton Feßler aus Wien als'Vertreter der österreichischen A. I. Lugendgruppen. — Die Tagung am Sonntag beschäftigte sich mit einer Reihe von Problemen der inneren Esra-Arbeit/ genauerer Bericht bleibt Vorbehalten. Der wichtigste Gegenstand war das Verhältnis der Esra zur Agudas Jisroel. Aus pädagogischen und taktischen Gründen wünscht eine Anzahl von Esra-Gruppen seit langem, daß die „Esra" nach außen möglichst selbständig und unabhängig dastehe, um erstens in allen Kreisen, auch in denjenigen, die der organisierten Orthodoxie grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen, werbend austreten zu können und um bet der inneren Arbeit jede Erörterung religiös-- politischer Streitfragen für das Ktndesalter ausschalten zu können. Bet der Mehrheit der Gruppen besteht jedoch die Auffassung, daß die historisch undsachlich gegebene Gemeinsamkeit von Esra und Agudas Jisroel die „Esra" in jedem Falle auf die Flagge der Aguda festlege, daß auf eine solche Festlegung auch im Jntereffe einer eindeutigen und entschiedenen Ktndererziehung gar nicht verzichtet werden dürfe, wobei es in jedem Falle dem Takte des Führers überlassen bleiben muß, alles Polemische und Kritische vom Gemüte der Kinder fernzühalten. Dank einer Nachtsitzüng der Kommission gelang es am Montag Vormittag, einer Resolution zur Annahme zu verhelfen, die innerhalb der Esra Uebereinsttmmung herftellt, und die hoffentlich auch die Genehmigung der Aguda-Leitung finden, wird. Die Beziehungen zur ÄgudaS Jisroel-Jug endorganisation werden danach durch eine statutarisch gesicherte gegenseitige Vertretung im Vorstand festgelegt, während die „Esra" in ihrer inneren Erziehungsarbeit autonom bleibt und nur dem rabhinischen Rate der „Agudas Jisroel" untersteht. Tagung der Jugendorganisation. Begrüßungsabend. Nachdem» am Montag Nachmittag der O)rganisationsvorstand und die Ausschüsse getagt hatten, versammelten sich die Delegierten, am Abend in dem großen Festsaale des Deutschen Hofes in Nürnberg zum Begrüßungsabend der Jugendorganisation. Der Abend wurde mit einer Ansprache von Herrn Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg eingeleitet. Ferner sprachen die Herren V i s e n S e r g- Straßburg, Klugmann -Nürnberg, Lehrer Gutmann (Bahr. Lehrerverein) und Dr. Pinchas. Kühn-Ansbach (im Namen des Deutschen Grüppenverbandes). Nach den Begrüßungsreden hielt Herr Rabbiner Dr. Munk.Berlin sein Referat über „Wesen und Aufgabe der Agußa". Zu Anfang fand er beredte Worte über den Verlust, den die Aguda durch den Heimgang des Herrn Dr. Abraham Hirsch b"xi erlitten hat. In seinenwetteren Ausführungen verstand es der Redner trotz der vorgerückten Zeit, die gespannteste Aufmerksamkeit der Versammlung zu wecken. .Er definierte das Wesen der Aguda-Bewegung als ‘in&r *Hn *Nnr„etn Bekämpfen alles desjenigen, was.die jüdische Seele verfolgt, ein Abwehren aller thora-

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