Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1920)
- Date
- 1920-08-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Nr. 82 Rn die Befielier von fllrfdi, Pentsteuck. wir Können 511 unferm Bedauern erR jetzt, ohne datz uns feibR eine Veranfroorflidihelf für die Verzögerung trifft, mit der Lieferung der unseren Rbonnenfen angebotenen Prämie tllrfch Penfafeudi, 3. fluflage beginnen; es liegen Band I und Band II sowohl in Reffen als broschiert abgeschlossen und oeriandtbereif oor. Wie durch öiffer 6 der Bezugsbedingungen Vorbehalten. müssen wir den Preis etwas erhöhen und zwar um genau denselben Betrag den wir selbst der Verlagsbuchhandlung mehr zu zahlen gezwungen find. 6s kostet demgemäß, sofern keine weiteren Preis erhöhungen eintreten. für Rbonnenfen für Ridifdes Jsraelif abonnenfen Das ganze werk broschiert Mk. 48 — Mk. 79.— Zeder Band broschiert Mk. 9.60 Mk 15 80 Band I u. II gebunden je Mk. 15.— Mk. 19.20 Vach Mitteilung des Verlags soll das Oefarntwerk bis Rofckkafckono vollstündig vorliegen. wir bitten nunmehr sämtliche Besteller, welche die fertigen beiden ersten Bände jetzt sofort zu beziehen wünschen, uns — unter Rbzug etwa früher bereits geleisteter Rnzahlungen — auf postscheckvonto Frankfurt a. M. 19802 freundlickst zu übersenden: Brosck. 6ebdn. Siir Band 1 u. II brosck. zus. Mk. 19.20 5ür Band l u. II gebund. zus. Mk. 30.— Rierzu für Porto und Verpackung für beide Bde. zus. Mk. 2 — Mk. 2.50 Mk. 21.20 Mk. 32.50 worauf Susendung der brosckierten 6xernplare sofort. dSr gebundenen gleick nack Fertigstellung der klnbände erfolgt- Die Lieferung kann grundsätzlick nur nack Sahlung erfolgen. Die Bestellung des ersten Restes oerpflicktet zur Rbnahrne des ganzen Werkes. 3m übrigen gelten die im Dezember 1919 veröffentlichten Bezugsbedingungen. Rlnsicktlick der Lieferung der Reff-Ausgabe, die monatlick erfolgen sollte, hatte uns die Druckerei bisher im Sticke gelassen; wir liefern daher auck den Bestellern der Beff-Rusgabe die beiden ersten Bände komplett zusammen in Reffen. Sür die Mge hoffen mir denjenigen Bestellern, die es ausdrücklich nochmals verlangen, die Reff-Rusgabe monatlick liefern zu können. Sranhfurf a. M.. 8. Rugufl 1920. Derlag das JsraelU“, 6. m. b. M. Der Israelit. InHttltSÜVovstcht. 1. L e i t a r t i k e l: N. Schlesinger: Das jüdische Kutturprolstem unserer Zeit und die jüdische Kuttur-Auwnomie Kttaurns. — 2. Kleines Feuilleton: Aus jüdischen Kandgemeinden. — (Neue Briefmarken in Palästina.) — (Zu der „Judenbuche" von Annette v. Droste-HülsHoff. — („Und sie wandeln ihre Schwerter zu Sensen und ihre Speete zu Winzermessern.) — (Der Porzellan-Affe. — 8. Wochenrundschau.' Zur Ostjudenfrage. — Die jungen Pflanzen in Palästina. — 4. Aufsätze: Drr Iugcndtag in Dürnberg. — 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Der Aufbau der Kolonie Kafr- Uria fKirat-Moschej). — Karlsbad, (Welthilsskonferenz). — Danzig. — »ien, (Weltkonferenz der Poale Zion). — Warschau, (Deputat Halftern beimKriegsrnnuster). — Warschau, (Die Auswanderung aus Polen). — Kischineiv, (Die Lage in Beßarabien). — Genf, (Bom Kongreß der Zweiten Internationale). — Zürich, (Agudas Jisroel). — Warschau, Der Chassidismus in Amerika. — 6. Persona l i e n: Meerholz. — Goldbach-Hösbach. — Laupheim. — Crefeld. — Aurich. — 7. Vermischtes: Berlin. — München. — Budapest. — Jerusalem. — 8. Sprechsaal. — Frankfurter Berichte. — Veretnskalender. — Gebetzeiien. — 9. Feuilleton Beilage: Im Iudrnjlaat drr Chasarrn. — Ktsftnger Kadebrief. An die Leser der „Israelit/'' Mit Rücksicht auf die Teuerungsverhältnisse kömreu mir de« Lua für das Jahr 5681 nicht der Gesamtauflage unentgeltlich beigeben, stellen ihn jedoch soweit der Vorrat reicht denjenigen Abonnenten unentgeltlich und Rostfrei zur Verfügung, die eine Bestellung daraus bis spätestens 35. ds. Mts. an uns gelangen lassen. Verlag des „Israelit", G. m b. H. Das jüdische Kulturproblem unserer Zeit M Wische Kultur-AulonW/ - AlWM. Von Schuldirektor £5, -> «n Mewno. (Schluß.) - Wie schon angedeutet, gebiert das Judentum — sobald es nur in seiner Totalität anerkannt wird — aus sich heraus die Energien und Kräfte, um diese Sehnsucht zu erfüllen und den Typus des vollkommenen jüdischen Menschen zu gestalten. Es bedarf dazu nur der stillen Arbeit und Einwirkung der jüdischen Idee, wie sie begrifflich das Gottesgesetz in seinen Einzelbestimmungen aufbauen will, und wie sie in den Etnzelgestalten der jüdischen Geschichte verwirklicht erscheint. 12. August 1920 Glückliche providentielle Fürsorge hat bis kurz cm unsere Lage' heran uns einige jüdische Kulturinseln M erhalten gewußt, Enklaven abgesonderter Geistes- und Lebensentfaltüng, die mit Seele und Körper in ihrer eigensten jüdischen Kultur wurzelten, in ihr sich glücklich fühlten und an ihr Genüge fanden. Auf den Zentren der jüdischen Diaspora, wie sie in Litauen, Polen und Galizien entstanden waren, haftete immer unser Blick, wenn wir im unbefriedigten Gefühl eigener Zermürbtheit und anerzogener Halbheiten, im verzweifelnden Irren des rechten Weges uns hineinträumen in messianifche Zeitenwo mit dem Höhenruf der Pflicht die Wege der Verwirklichung geebnet sind, wo die jüdische Seele nicht in der Furcht zu leben hat, an den Verhältnissen der Umwelt Schaden und Einbuße zu erleiden, sondern frei gestaltend sich jüdisch auslebt.und zu jüdischen Gipfelpunkten sich hinaufentwickelt. Kein bloßes trügerisches Spiel unserer Phantasie narrte uns dabei; es gab ja im Bereich unserer Sehweite jüdische Menschengemeinschaften, die jüdisches Kulturgut hüteten, jüdische Kräfte und Statet steigernd entwickelten, um zu gegebener Stunde unserer Traumwelt das Leben der Wirklichkeit zu verleihen. Dort gab es eigene jüdische Maßstäbe für ethisches Handeln, dort entwickelte sich der soziale Gedanke, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Menschenliebe nach jüdischen Grundsätzen, dort schuf sich der jüdische Geist seine eigenen Bildungsideale, seine eigene Schichtung der Volksmassen nach den Graden der errungenen Kulturhöhe, dort galt diejüdische Leistung, die jüdische Tat, und nur sie gaben Anspruch auf Achtung und Würde innerhalb der Volksgenossen, dort arbeitete der jüdische Kulturwille unablässig an der ihm angepaßten Form selbst geschaffener Kulturinstitutionen, die die Fortschreitungsrichtung der kommenden Geschlechter bestimmen sollten. Als mit dem unseligen Weltkrieg auch diese wertvollsten Güter zerstreut und vernichtet wurden, da fühlte man in allen Lagern der jüdischen Gesamtheit den Schlagman war sich bewußt, um was es gehtman konnte wohl in einzelnen winzigen Fällen helfende Hand anlegen, aber dem zerfallenden Bau jüdischen Eigenlebens konnte man keine neuen Schutzpfeiler einfügendenn diese besaß^man selbst nicht. Der Weltkrieg hat ausgetobt; die vereinzelten Kräfte, die als Bruchstücke früherer Herrlichkeit die Welt durchschwirrten, streben in der angebahnten Neuordnung der Verhältnisse* wieder nach Vereinigung, suchen neue Angriffspunkte, um diese zu neuen Schwingungen im Rhytmus der alten Kultur anzuregen. Kleines Aeuillelon. Aus jüdischen Landgemeinden. Reisebriefe von S. Br. M. (Schluß.) 3. Tag. Nach Mitternacht kam ein Gewitter. Vor den krachenden Schlägen zitterten die Fensterscheiben. Der jüdische Wirt betrat mein Zimmer und legte mir ein aufgeschlagenes Pentateuch und etwas Salz auf den Tisch. In der Frühe spannte sich aber schon wieder der klare Himmel über durstgelöschter Erde. An den Blumen hingen noch große Wqssertropfen; sie erinnerten mich an liebe Kindergesichter, die mit einem Auge noch weinen, während im anderen schon der Schelm lacht. Die hart an die Schwedenstraße (hat ihren Namen wohl vom 30 jährigen Krieg) herantretenden, jäh in die Höhe strebenden Felsen bildeten für eine halbe Stunde beschützende Begleiter und schickten von Zeit zu Zeit ein vom nächtlichen Regen entstandenes Rinnsal aus der Höhe, das dann fein zerteilt über mich hinsprühte. Mit einem Male aber, wie mit einem mächtigen Messer abgeschnitten, hörten die natürlichen Steinmauern auf und vom höchsten Punkt des bisher steigenden Weges bot sich mir ein liebliches Bild. Tief ins Tal gesenkt, eingebettet in einen Wald von Obstbäumen, standen die sauberen Häuser von N. * i eng zusammengedrängt um ein schloßarliges Gebäude, das mit seinen gothischen Spitzbogen der Fenster und . Tore herrschsüchtig, aus einer mäßigen Bodenerhebung stehend, über das Dorf hinsieht. Aus der Entfernung konnte man glauben, daß ein Riesenkind dort die Steine seines Baukastens aufgestellt habe und seine mächtige Hand bald über eine der Höhen strecken werde, um alles wieder zurück in die Schachtel zu legen. Und bis weit hinauf in den milchigblauen Himmel stand unbewegt die dichte Rauchsäule eines Backofens. Das Leben in der breiten Dorfstraße trug den Stempel deS Freitag Vormittags. Frauen, denen unter dem etwas hastig aufgesetzten Scheitel die weißen Haare heroorschauten, gingen mit großen schwarzen Eisentöpfen oder mit den auf einem Breite liegenden Schabbosbroten zur Bäckerei. Aus den weitgeöffneten Türen dunkler 'Hausflure hörte ich die klatschenden Geräusche des Wassers vermischt nrit dem fleißigen Kratzen des Schrubbers auf Holzboden, zarte Gerüche in der Luft weckten Erinnerung an Grünkernsuppe mit Klöschen. Und eine leise Melodie klang mir im Ohr: Lecho dodi likras kaloh .... 4. Tag. Im Schatten des im Fachbau ausgesühnen Rathauses versammelte sich gegen 11 Uhr vormittags, in den Händen Lappen und Tücher tragend, die weibliche Jugend von N. „Es^wird ausgehoben", sagte erklärend mein Gastfreund p mir. Und während die Einzelnen, an ihren Tiegeln schwer tragend, vor unserem Fenster vorbeikamen, erzählte er mit seinem trockenen Humor die ergötzlichsten Geschichten von verwechselten Töpfen, eingekochten Suppen und von dem Ingrimm der so geschädigten Besitzer. Diese zornige > Aufwallung ist bet der derzeitigen Lebensmitlelknappheit leicht begreiflich. Verständlicher aber noch wird sie dem, der die Gaumenreize des „Gesetzten" schon gekostet und der weiß, daß die satte Behaglichkeit und der köstliche, ungestörte Samstagnachmittagschlaf als die angenehmen Folgen dieser eigenartigen Speisezubereitung zu betrachten sind .... Entzückt über die Genüffe formte sich in meinem Kopfe während der Mahlzeit eine Hymne nach Hetneschem Versmaß und Ausdrück. Gerne hätte ich sie wtedergegeben! Doch fürchte ich damit zuviel Verlangen und heftigste Gelüste zu weckM. Nach dem Essen kamen sämtliche Gemeindemitglieber im Hanse meines Freundes zum Schiur, den der in N. amtierende Religionslehrer, ein noch junger Herr, durch seine ttefgründtge Auslegung der Sidra sehr lehrreich zu gestalten wußte. Der Schiur in dieser Gestalt ist schon eine rudimentäre Gemetnöeeinrichtung. Ursprünglich ein Zusammenfinden von Männern zum Zwecke selbsttätigen Thorastudiums, hat heute die aktive Beteiligung aufgehört und es kostet den Vortragenden schon einige Mühe,'sie sich sämtlich als nur passive Zuhörer zu erhallen. „Wird die Gleichgültigkeit nicht noch weiter greifen"?, fragte ich den, nach dem Weggang der anderen, zurückbleibenden Lehrer. „Diese schlimme Aussicht besteht in der Tat. Das Unwiffen inbezug auf das religiöse Leben und die Erforschung des Gesetzes breitet sichln den Dörfern wie Unkraut aus. Alles will versinken und brechen. Schon aber hat man erkannt, daß mit dem Schrrrinden des Judentums in den Landgemeinden, die festesten Stützen des Bestandes der jüdischen Religion überhaupt ins Wanken geraten. Und in diesem endlichen Gewahrwerden der Gefahr hat man bereits erfolgversprechende Hilfsaktionen eingeleitet. Die Zusammenschlüsse der