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Der Israelit · 1920-07-29 · Heft 30 (29.7.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 30 (29.7.1920)
Date
1920-07-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 3 Nr. 30_■ _ . Der Israelis. Mchennindscha« llnsere Zügen». In N.ürnberg versammeln sich nächste Woche die Vertreter der Agudas JiSroel- Jugendorganisation zu ihrem Delegiertentage. Außer den Formalien, die offenbar einen breiten Raum etnnehmen werden, sieht die Tagesordnung Referate über das.Lehrprogramm der Jugendgrrzppen, ihre sozialen Aufgaben und ihre Stellung zu den Erez Jisroel- Problemen vor. Damit ist aber keineswegs die innere Bedeutung gerade der Agudas JiSroel- Jugendbewegung, die 'heute nicht nur in Deutschland, sondern überall im Osten in erfreulicher Entwicklung sich befindet, erschöpfend gekennzeichnet. Entscheidend ist vielmehr die Erziehung der Jugend zum Agudas Jisroel- Gedanken selbst, in dessen Dienst sich die Führer der Jugendbewegung erfolgreich gestellt haben. Denn nirgends so sehr wie tm Kreise der gesetzeStreuen Judenheit, die der zusammenfassenden Organisation so lange entbehrt, hat, ist auf dem Gebiete des Gesamtheitsdienst es die Jugend fast ganz auf S e l b st e r z ieh u n g angewiesen. Das Bewußtsein, nichts weiter als dienendes Glied hi einem großen Ganzen zu sein, hat zwar zu allen Zeiten im Herzen jedes treuen Juden ge-, wohnt, aber dieses große Ganze ist den meisten Angehörigen der älteren Generation — in Deutschland wenigstens — doch recht eigentlich nur in der Form der Ke Hilla lebendige Wirklichkeit geworden. Selbst die sogenannten „Landesverbände", wie die ,-Freie'Vereinigung", sah und sieht man schon als bloße Zweckverbände mit lediglich praktischen Aufgaben an, Zweckverbände, die nicht als sittliche Mächte' empfunden werden, und die darum auch nicht die Persönlichkeit in ihrem innersten Wesen ergreifen und umwandeln können. Das kann nur „Agudas JiSroel", der zur Wirklichkeit gewordene lebendige Klall Jisroel, die Nation als solche, wie sie Don Sinais Tagen her als lebendiger Organismus gelebt hat und weiter leben will. Wan kann mit Freude wahrnehmen, daß in der Jugend die Zahl derer doch.stetig wächst, die diesen innersten Ginn des Agudas Jisroel- GedankenS zu ahnen oder zu verstehen beginnen, und die sich darum darüber klar sind, doch der Aufbau der „Agudas Jisroel" d ie eigentliche Aufgabe der Gegenwart und nächsten Zukunft ist. Der Lösung dieser Aufgabe dient alle Einzelarbeit in den Jugendgruppen: das Lernen sowohl, das die Individuen befähigt, den Gotteswillen zu erkennen und sich .selber zu Gott dienenden Gliedern des Gottesvolkes zu gestalten, die soziale Wirksamkeit, die als Vorschule zum künftigen Wirken fürs Ganze dienen kann, und alles Schaffen für Erez Jisroel, das Land unserer Zukunft. Möchte die Nürnberger Tagung im Zeichen dieser Erkenntnis stehn, und aus ihr heraus der Giist schaffensfroher Lebensenergie und einheitliche jüdischer Gesinnung die Genoffen aus Ost und West, Nord und Süd zu erfolgreicher Arbeit vereinen. Die KamburgerGemelnde und die Gefanrl-Slganisatton. Wie au andxrer Stelle berichtet,- haben die Repräsentanten der Deutsch-Jsraelttischen Gemeinde (nicht des Gynagogenverbands) in Hamburg ihre Zustimmurg zu der geplanten Gesamtorganisation von gewissen" .Bedingungen abhängig gemacht. Ueber diese Bedingungen erfährt man aus einem zionistischen Blatte Folgendes: " 1. Schutz' der Orthodoxie durch die Aufnahme einer Bestimmuug in die Verfassung, daß der Verband nichts unternimmt, was eine religiöse Richtung im Judentum zu verletzen geeignet ist, ferner, daß die von dem Verbände einzurichtenden oder zu unterstützenden Anstalten im Sinne des Religionsgesetzes zu führen sind, sowie und zwar als Hauptpunkt, daß auf den Reichsverbandstagen in religiösen und Schulfragen nur die Vertreter der betreffenden religiösen Richtung, mitstimmen dürfen. 2. Schutz des demokratischen Prinzips durch Einführung des Einkammer ystems, restlose Durchführung des Proportionalwahlrechts, Einführung einer Bestimmung, daß der Verband auf Schaffung einer demokratischen Gemeindeverfassung in den dem Verbände angeschlossenen Gemeinden hinzuwirken habe. 3. Schutz des nationalen Prinzips durch Streichung . der Ausnahmebestimmungen für nicht reichSangehörige Jude«." Die Bedingungen, die hier an erster Stelle stehen, sind sicherlich gut gemeint, -aber sie dürften dennoch einer sachlichen Prüfung nicht standhalten. Eine Verpflichtung, nichts zu unternehmen, was eine religiöse Richtung «zu verletzen geeignet ist", kann kein Verband übernehmen, der sie ernst zu nehmen gewillt ist, jeder Verband aber, der diesen Willen nicht besitzt. Denn der Begriff des „Verletzens" ist ein so dehnbarer, daß man daraus schlechterdings alles Mögliche machen kann. Wird es die Liberalen nicht „verletzen", wenn der Verband v«r Behörden und Oeffentlichkeit für die unästhetische Manipulation der' Schechita oder gar für die Chaliza eintritt? Verletzt es nicht mit R e cht die Empfindungen der Orthodoxie, wenn ein Rabbiner, der das Richtlinien-Attentat mitgemacht hat, als 'jüdischer Vertreter zu irgend einem offiziellen Akt der Gesamtheit oktroyiert wird? Konkreter ist die zweite Förderung,, die in der Lat die Vorbedingung sein müßte für jedes Zusammenwirken der Orthodoxie mit den Liberalen in öffentlichen Angelegenheiten: d ie Bindung an das Reltgionsgesetz, derart, daß ein gemeinsam er Verband niemals etwas Gesetzwidriges fördern oder unterstützen darf, - Aber glaubt Hämburg wirklich, daß - sich unsre liberalen Großgemeinden auf eine derartige Bindung einlaffen werden?' Sagt ja der vom -,Verband", vorgelegte Entwurf mit ausdrücklichen 'Worten das Gegenteil, indem er in § 4 bestimmt: „Die Bewilligung von Mitteln seitens des Reichsverbandes darf nicht von bestimmten Fordkruygen in Bezug auf Kultus oder Ättus oder den Inhalt des Religionsunterrichts abhängig gemacht werden." Mit anderen Worten: der Ve rband m uß mit Geldmitteln alles unterstützen, was von irgend einer Gemeinde-Willkür zum Judentum deklariert wird wäre es auch der Atheismus, die Btbelkritik oder da- Christentum. Vielleicht hat gerade dieser § 4 die Hamburger Gemeinde zu ihrer Forderung veranlaßt. Es - dürfte aber dann kein Zweifel darüber bestehen, daß mit der Annahme dieser Forderung auch die Schaffung eines Gremiums gesetzeskundiger und von der Orthodoxie anerkannter Rabbiner notwendig würde, das im Einzelfäll zu entscheiden hätte, ob die zu unterstützende Institution beu gesetzlichen Anforderungen entspricht. Ohne ein solches Organ wäre das Ganze eine Farce. Wir unsrerseits ziehen aus den Hamburger Bedingungen nur den Schluß, daß eine künstliche Zusammenkoppelung der religiüstn Gegensätze in einen die Religionsgesellschaft re«. präsentierenden Verband ein Unding ist. Jede religiöse „Richtung"- muß ihren eigenen Verband mit der Würde einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft haben. 'Dann ist der Meg zur friedlichen Zusammenarbeit in politischen und sozialen . Dingen offen. <smamKtsattäBaBmmaBasaBsasssasBmBtassmaBamBBB^s Z-rael unterwegs. Bon S. Gin-brrrg, Ing. in Zürich. II. Ich sagte in meinem ersten Artilel: die Regulierung der Durchwanderung ist der erste Schritt zur Regulierung der Einwanderung. Alles nun, was Äs jetzt , geschah auf dem Gebiete der Wanderung — und das ist, wie wir gesehen haben, im Verhältnis zur Größe Exegetische Miszellen zu pnnw 's.- 'w nton B'"onn mt ,r>v' mV, Sn: *?*ip I. . «Diese Worte sprach Gott zu eurer ganzen Versammlung am Berge, aus dsm Feuer, der Wolke und dem Nebel, eine mächtige Stimme, die nicht aufhörte (oder die sich nicht fort setzte)- er schrieb sie auf zwei steinen,e Tafeln und gab sie mir". Die einfachste Uebersetzung der ist die des Targum, die auch Raschi an erster Stelle akzeptiert: „Die nicht aufhörte". Allein, was ist der Sinn dieser Worte'? RaschiS Erklärung: «Die Stimme Gottes ist stark und ewig bestehend", scheint unverständlich und paßt auch kaum in den Zusammenhang. B'elleicht geht folgende Auffassung nicht ganz fehl. Der Kusarl beantwortet die Frage, wie man vom geistigen göttlichen Wesen anssagen könne, Gott spreche, ohne daß wir uns ein Organ dieses Sprechenvorstellen können, mit dem ganz modern klingenden Hinweis auf das Zustandekommen der Gehörempfindung durch die das Ohr treffenden Schallwellen. Gagen wir, Gott spricht zum Menschen, so bedeutet dies: der Wille Gottes läßt die Schallwellen in der Form schwingen, daß sie im Oh, des Hörenden die gewünschten Sinneseindrücke hervorbringen. Im allgemeinen nun verschwinden die Schallwellen, sobald sie das Trommelfell getroffen und die beabsichtigien Sinneseindrücke hervorgerufen haben. Hier aber, am Sinai, als Gott sein Wort auf den Wellen der schwingenden Atmosphäre dem Menschen. gesandt hatte, da verschwanden die Wellen nicht, sondern sie gruben sich sofort in, die stetnernen Tafeln ein und verewigten dort die Gotte-stimme: Eine mächtige Stimme, die nichts aushörte: Er schrieb sie nämlich auf zwei steinerne Tafeln und gab sie mir. - Skur so ist gleichzeitig erklärt, warum der Bericht von den steinernen Tafeln den Zusammenhang scheinbar grundlos unterbricht und das Wort j»B erhält seinen guten, einfachen Sinn. II. In Kapitel 4, Vers 46 ist die Wendung schwierig, daß Moses und die Söhne Israels den Sichon «bei ihrem Auszug aus Aegypten" besiegt hätten. Lagen ja fast 40 Jahre zwischen dem Auszug und dem Kampf gegen den Emoriterkönig. Soll aus einer bestimmtey Tendenz heraus, die ganze Wüstenwanderung als Episode hlngestellt und diese ganze Zeit als die des «Auszugs aus Aegypten" gekennzeichnet werden, so müßte eine solche Tendenz anderweitig nachweisbar sein, wenn man sich damit befriedigt erklären soll. In der Tat nun ist. dieser Nachweis glatt zu führen. Es heißt unmittelbar dahinter Kap. 5, Vers 2 u. 3:- „N i ch t m i t u n s e r e n Vätern hat Gott diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, uns, die wir hier heute allesamt leben". Feierlich wird hier im vollen Bewußtsein des Auffälligen, die Einhe.it der Auszugs- und der Einzugs-Generation scharf -herausgehoben und die Konsequenz daraus gezogen. So führt die Feststellung der Schwierigkeit auch hier zur tieferen Erkenntnis. Keines Mlleton. Propaganda-Moral. Eine tragikomische Plauderei aus England. (Bon einem gelegentlichen Korrespondenten). London, Mitte Juli 1d2l). Gestatten Sie mir, Ihren Lesern eine Blumenlese von Meldungen, Aussprüchen, Interviews, Zeitungsartikeln, inspirierten Gerüchten?c. rc. zu widmen, mit der freundlichen Bitte um ein paar Minuten behaglichen Nachdenkens. „ Der Ziekiewer Wunderrübbi versetzte seine Anhänger in nicht gelinde Aufregung, als er am. Ausgange von Jom Kippur den gewohnten Schlußäkkörd v'5Mi»rr> .ist optsn änderte und statt dessen, in inniger Verzückung bat, Dipön möge ron' unsere Widersacher mehren. ' ' i

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