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Der Israelit · 1920-07-01 · Heft 26 (1.7.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 26 (1.7.1920)
Date
1920-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 8 Nr. 26 Der Jsraettt. - 1. Juli 1930, deren Händen einst die Erziehung der Jugend liegen soll. In hervorragender Weise erfordern unsere Aufmerksamkeit die eigentlichen Talmudhochschulen, unsere Jeschiwaus. Wir wissen, daß sie es waren, welche seit vielen Jahrhunderten die Altarstätte des Thorafeuers bildeten und heute noch bilden. Die ganz einzigartige jüdische Kultur könnte nicht bestehen, wenn nicht immer wieder geiML hervorragende Jünglinge die schönsten Jahr^ihrer Entwicklung ganz dem Thorastudtum widmeten. Diese Stätten des reinen Thorawiffens müFen so ausgestaltet werden, baß sie unter AusrHyung der heiligen Zeit ihrer Schüler dieftn die möglichst größte Förderung gewähren. Auch ist es Pflicht der jüdischen Gesamtheit, die materielle Existenz der Jeschiwoschüler und -Lchrer sicherzustellen, so' daß Ksse ohne wirtschaftliche Sorgen dem Studium der Gotteslch'e nachgehen können. Eine wettere Aufgabe der Lhoratreuen Gesanttjudenheit in Palästina ist die Gründung einer Hochschule aller Geisteswissenschaften sub specie der Gotteslehre. Es ist dieses eine Forderung, die manchem, utopistisch, manchem unnötig erscheinen mag. Und doch ist ihre Erfüllung von allergrößter Bedeutung für die Erhaltung und Vertiefung jüdischer Kultur. Es ist eines der schwersten geistigen Golusleiden, daß unsere auf den Universitäten herangebtldete Jugend gerade beim tiefen Eindringen in die Gebiete der Wis-' senschaft fast ausschließlich unter Leitung von Männern steht, die jüdischer Welt- und Lebensanschauung ganz fremd, vielfach feindlich gegenüberstehen. Gerade in der erhabenen Tätigkeit des rein geistigen Strebens fehlt daher unserer akademischen Jugend so vielfach die innere Harmonie. Nur einen notdürftigen Ersatz bilden die Pereinigungen thoratreuer Akademiker, wie sie in dem bekannten B. I. A. zusammengefaßt sind. Unbedingt notwendig ist es, daß wir führende Männer auf allen Gebieten der Geifleswiffenschasten haben, deren, wissenschaftliches Streben als Ausgangs- und Zielpunkt die innigste Vereinigung menschlichen Wissens mit göttlicher Lehre bildet. Kräfte genug besitzen wir in den Rethen der jüdischen Akademiker, aber der Zwang, sich Berufen der Praxis zuzuwenden und die Unmöglichkeit, an einer wirktch jüdischen Hochschule zu wirken, läßt diese Männer nicht ansreifen. Eine jüdische Hochschule in Palästina wird die geeigneten Männer aus allen Ländern unserer Diaspora zusammenrufen, in tiefem Forschen und gegenseitiger Befruchtung in die tiefsten Schächte menschlichen Wtssens einzudringen, geleitet vom Lichte der Thora. Die jüdische Universitas litterarum ist ein Hochziel unseres Volkes, das damit sich das Höchste und Reinste aller Menscherrkultm zueignet und wiederum der Gesamtmenschheit den Dank abstattet für die vielen wertvollen Güter, die auch sie uns auf der langen Goluswauderung gegeben hat. (Fortsetzung folgt). *»■"*" — Minirn > n. ■ ■■Mir. Wochemundschau. Die poM der Dankbarkeit. Wie naiv sich in manchen Köpfen das jüdische .Zukunftsbild ausmalt, zeigt die Wahlversammlung des „Machsike Hadath" in Wien, wo der Chassidimrabbi Rimalt aus Zolktew u A. hervorhob, daß „schon ans Dankbarkeit für die immensen Letstung.en der Zionisten für die Flüchtlinge sich alle Glaubenstreuen bei der Wahl für die zionistisch? Lifte entscheiden müssen". Er warnte vor der Sünde, die Stimme einer anderen Partei zu geben. Im übrigen wurde in der Versammlung tüchtig losgezogen gegen „die Auserwählten der Schiffschul", wie überhaupt gegen die unabhängigen - Gesetzestreuen, die sich nicht vor ben zionistischen Karren spannen lassen. Aus Dankbarkeit Wahldienste leisten zu wollen, zeigt von einem rührenden Mangel an politischer Reife und an dem Augenmaß für das, worauf es hier ankomint. Die Flüchtlingsfürsorge der Zionisten kann diesen doch nicht als Kaufpreis in Anschlag gebracht werden bei der Erwerbung von Mandaten, die ihnen die Schicksale der Kultusgemeinde in die Hände legen, auch dann nicht, wenn sie versprechen, daß „in der Volksgemetnde die rituellen Angelegenheiten — wohlgemerkt: ri t u e i i c n, nicht geistigen und religiösen — von einem Beth Din entschieden werden." Wie weit die Verwirrung der Begriffe übrigens bereits gediehen ist, zeigt die Aeußeru.ig, die sich die „Wiener Morgenzeitnng" von „sehr geschätzter orthodoxer Seite" zu einem Artikel in der „Jüdischen Korrespondenz" liefern läßt. Besagter Artikel macht sehr richtig daraus aufmerksam, daß die einzige Urkunde, welche das Recht des Judentums auf Palästina bestätigt und begründet, die Thora, auch 613 Gebote und Verbote enthalte und nur derjenige das Recht habe, sich auf die Thora zu berufen, der sie in allen Leihen anerkennt. Die „sehr geschätzte orthodoxe Seite" der „Wiener Morgenzeitung" weiß dazu geistvoll zu bemerken: „Das ist richtig! Aber glücklicherweise ist Gott gnädiger" als dieser echre Orthodoxe". Der Midrasch Rabba (Echa) erzählt von einer Diskussion zwischen Gott und dem jüdischen Volke. Jener spricht : „Kehre zu mir zurück, und ich werde euch dann in euer Land zurückbringen". Das jüdische Volk aber antwortet: „Führe uns zuerst in unser Land zurück, und dann werden wir zn dir zmückkehren," San Remo zeigt, daß der allgürtge Gült, ohne sich um die Meinung des „echten" Orthodoxen zu bekümmern, aus den Vorschlag des jüdischen Volkes eingegangen ist." Unseres Erachtens ändert San Nemo nicht au der Tatsache, daß tu Diskussionen zwischen Gott und Menschen immer die Stimme Gottes entscheidend btetbt. Und diese ruft uns zunächst zur Rückkehr zum Judentum! Auch Dankbarkeit gegen irgend eine Partei darf diese Rückkehr nicht aufhalten ... Sin wertvoller Fond. Unter obigem Titel bringt das bekannte rcichskeutsche Hetzorgan „Deutsche Tageszeitung" ein würdiges Seitenstück zu dem famosen Märchen von den „Weisen Zions." Sie läßt sich von Budapest drahten, daß die dortige neue Regierung die Freimauerlogen aufgelöst hätte. Das wäre für uns noch wenig aufregend. Aber nun kommt der Haupteffekt: An die Auflösung hätte sich die Sequestrierung der Büchereien und der Archive der Logen angeschlossen. Der Befund wäre, daß die Büchereien fast. ausschließlich staatsfeindliche Literatur enthielten-, antichristliche, anarchistische und ausgesprochen jüdisch gerichtete Bücher. Bei der Prüfung der Archive zeigte sich, daß. ein großer Teil fehlte, von den Freimaurern also entweder vernichtet oder beiseite gebracht worden ist. Trotzdem ist festgestellt worden, daß die üngarischen Freimaurerlogen schon lange vor dem Kriege auf Umsturzbewegungen hinarbeiteten und ein hohes Maß von Schuld an der Entstehung des Weltkrieges tragen, ebenso an der Erzeugung und Förderung des Niederlagengeistes (Defaitismus) und am schließlichen Umstürze selbst. Der seinerzettige Sieg des Bolschewismus in Ungarn werde als . das eigenste Werk der ungarischen Freimaurerei bezeichnet. „Die ungarische Regierung", schreibt das Blatt, „würde sich durch Veröffentlichung der wichtigsten Teile dieses Materials ein hohes Verdienst erwerben, denn das ist eine Sache, die außer Ungarn, auch Deutschland, ja die ganze Welt angeht." Wir fühlen freilich in uns nicht den Beruf, für die ungarischen Freimaurer eine Lanze zu brechen. Aber die Feststellungen aus den „fehlenden, von keinem gesehenen Büchern" der „Deutschen Tageszettung" ist doch zu ergötzlich, als daß man sich sie entgehen lassen könnte. Daß der „Fund" richtig eine Erfindung ist, wird uns übrigens von Ungarn aus bestätigt und noch hinzugefügt, daß dort die Bruderorgane der „Deutschen Taceszeitung" ganz und «Al W 12. Tamrnu- Von Tistriktsrabdmer %c. Joseph Wohlgewnth in Kitzmgen. atpnjv rn nmr, pp» 1*12? oy p. „Ein eigenartiges Volk, gesondert wohnl es, inner die Nationen läßt es sich begreiflich nicht einreihen." Dieser Vers enthält, wenn wir das Wort tn nach dein Midrasch deuten, die Antwort auf die heute so aktuelle Frage nach den: Wewir des jüdischen Volkstums und der jüdischen Geschichte. s.n, so sagen dnsere Weisen, entspricht dem griechischen e-s (hen), u. h. eins?) vp s.i ist also im Munde des heidnischen Sehers, der vom Gipfel der Felsen und l) Solche Sprachvergleiche bedeuten natürlich nicht die Ableitung des hebräischen Ausdrucks aus einem griechischen Mutterwvrt, sxndr. . «gekehrt die Abhängigkeit des griechischen Wortes ww Hebräischen. Volt deil Hügeln die fernste Hufuujt Israels überschaut, eine Anerkennung der Einzigartigkeit Israels als Volk. Ohne Parallele, ohne Analogon steht Israel als Vulksgebilde unter den. anderen Nationen da, einzigartig in der begrifflichen Definition seilles Volkstums, einzigartig in seiner Geschichte. ,n \ so sagt der Midrasch ferner in einer geistreichen Bemerkung, ist aus 2 Buchstaben zniammengesetzt, die in ihrer Eigenart als Zahlenworte ein Spiegelbild der Besonderheit des jüdischen Volkes bieten. Unter den Einern wird jede Zahl durch eine ihr nicht gleiche Zahl zu Zehn, der dekadischett Einheit, ergänzt, ausgenommen die Zahl n — 5, die nur wieder durch eine ihr völlig gleiche Zahl, durch sich selbst zu der dekadischen Einheit Vervollständigt werden kann. Ebenso ist es mit den Zehnern. Jeder Zehner wird nur durch eine ander s w e r t i g e Zahl zu der nächst höheren Einheit, zu 100, ergänzt, ausgenommen das o — 50 das nur durch sich s e l b st zu t00 anwachsdn kann. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, heißt ov fi Israel als Volk kann in seinem Wesen nur begriffen werden, wenil man die Eigenart der Ziffern n und \ erfaßt: Beide können nur durch sich selbst zur nächst höheren Einheit, zu einem geschlossenen Zahlenkreis werden. So kann auch Israels Volkstum nur dann richtig gewertet werden, tuen>i man den Begriff des jüdischen Volkes in Israel selbst sucht, die geschlossene Begriffseinheit der jüdisch-völkischen Wesenheit durch ein Merfmal erschließt, düs nur Israel und keinem anderen Volek sonst als Nationalcharaktaristikum eignet. Nicht die gewöhnlichen Elemente völkischer Zusammengehörigkeit, wie Gemeinsamkeit der Abstammung, der Sprache, der Kultur, der Geschichte, nicht Verbundenheit der Individuen zu einer Gesamtheit als Objekte des gleichen Hasses, sind die Kriterien des jüdischen Volkschalakters, wenngleich sie bei anderen Völkern die Hauptfaktoren des Bolksproduktes sein mögen. Gewiß sind sie in Israel auch Attribute des Volkslebens. Aber sozusagen die Substanz, der Kern und das Wesen des jüdischen Volksbegrisefs ist einzig und allein das Gortesgesetz, die Tora; nur diese stempelt Israel zu einem Volk. Alles Andere ist nur Schale. Bei keinem anderen Volke sonst finden wir die Religion als begriffsbestimmendes Element d s Volkstums. Darum heißt es: N21 DV sn Einzigartig, nur aus .sich selbst zu begreifen ist Israel als Volk, gesondert wohnt es, und unter die übrigen Nationen kann es sich begrifflich nicht einreihen Perm» von 28>n — denken, begreifen). Was von Israels Volkstum gesagt wurde, das gilt auch von seiner Geschichte. Diese Geschichte ist auch einzigartig, unvergleichlich, findet gleich n nnd f keinen Genossen außer sich selbst. Alles Gesetzmäßige, das man glaubt in dem Ablauf der Weltgeschichte entdeckt zu haben — mag Uran nun von der Warte der idealistischen oder materialistischen Geschichtsauffassung aus den Blick m die Völkerrunde schweifen lassen — erweist sich als unanwendbar auf Israels Geschichte. Denn Israels Geschichte steht nicht unter etwaigen naWrlichen Gesetzen des Völkerlebens; sie steht unter der besonderen Wältung der göttlichen Vorsehung und unter Zeichen und Wundern. Dem jüdischen Volke ist ja vom Anbeginn seiner Geschichte auch deren Verlauf und deren erhaben-glückliches Endziel vorausgesagt worden, und wir können die stetige Linie der Entwicklung zu diesem Ziele durch alle tragischen Wechselfälle unserer Geschichte,. über die Höhen und Tiefen ihrer Kurve verfolgen.

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