Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1920)
- Date
- 1920-06-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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24. Juni 1920. Der „Frankfurter JSraelit". Seite 13 Nr. 25. vcrnKfurte v Merrchte. |8S888K| lontag und Mitiwoch, abends 7Uhr:„Gemoro"- Herr Dr. Jos. Breuer.. Zeire Kwnne Aisroet. Am vergangenen Sonntag fand in den Räumen der Agudas Jisroel eine stark besuchte Berjawmlung der „Zeire Emune Jtsroel" statt. Als Rddner waren die Herren Rabbiner Horowitz, Mitglied des Zentralkomitees der Schlome Emune Jisroel in Polen und Dr. Naihan Birnbaum angekündigt. Rabbiner Horowitz führte unter anderem aus: Die Lage in Polen sei heute sehr ernst.. Die Orthodoxie — Schlome Emune Jisroel — hat schon viele Kämpfe bestanden und wird noch viele zu bestehen haben, Abwehr — nicht so sehr — gegen die Antisemiten, als gegen die Zionisten und ihre Organe. Die Hauptarbeit geht dahin, die Jugend, die von den Zionisten mit törichten Versprechungen gewonnen wird, zur Besinnung und zur Rückkehr zum positiven Judentum zu veranlassen. Die Behauptung der Zionisten, daß die Orthodoxie als Verräter in San, Remo ausgetreten, sei, ist eine Verleumdung, ausgestellt, um die Position der Orthodoxie zu schwächen. Aber darin haben sich die Zionisten gehörig getäuscht. Schon in Frtedenszeit find tausende von orthodoxen Juden nach Erez Jisroel gegangen,- um sich dort ansässig zu machen. Unsere Liebe zu Palästina braucht nicht erst bewiesen zu werden. Als die Nachricht von San. Remo nach Warschau kam, da veranstalteten die. Zionisten Fest auf Fest, wobet Borträge gehalten, Halle! gesungen, sogar Schosar geblasen wurde. Einmal fragte Redner ein Schuster, ob wirklich Moschiach gekommen sei? Wie es aber dann komme, daß man nach wie vor aus der Straße darauf gefaßt sein müß, feinen Bart abgeschnitten zu bekommen und wetterest Mißhandlungen ausgesetzt zu sein? Das Zusammenarbeiten der Orthodoxie in Polen unter dem Namen „Schlome Eunmei Jisroel", beweisen die Zahlen bet den Wahlen zum polnischen Parlament. Die Orthodoxie hatte 100 000 Stimmendie Zionisten 60 000, die Misrachisten 13 090. Zum Schluß wandte sich noch Referent an die „Zeire Emune Jisroel" und ersuchte sie dringend, Hand in Hand-mit den westlichen Brüdern dahin zu arbeiten, daß die Scheidewand zwischen Ost und West fällt und ein geeintes orthodoxes Judentum entstehe. Alsdann sprach Herr Dr. Nathan Birnbaum. Er sagte unter anderem: Das größte Unglück sei über das Judentum erst in den letzten zehn Jahren hereingebrochen, da die Apikorstm sehr stark geworden sind und die jüdische orthodoxe Jugend geistig sehr gefährdet sei. „Aber seid nicht blind und laßt euch durch nichts beeinflussen, denn die andern können ohne Gottes Hilfe nichts leisten, noch vollbringen". In Polen erschienen tu letzter Zeit zionistische Blätter mit der großen Kopfausschrlft „Die Orthodoxen sind die schwarzen Verräter". Die jugendlichen Apikorsior nützten gleich die Ueberschrift aus und beschimpften jeden Juden der einen Bart trägt: „Du schwarzer Jud". Aber laßt euch durch solche Taktik nicht beeinflussen. Zum Schluß wendet sich Referent an die Jugend mit dem Aufruf, mutig den Kampf gegen die Apikorstm aufzunehmen und einig, treu üno geschloffen inrer der älteren Orthodoxie zu stehen. Lang analtender Beifall lohnte beide Redner. Familiennachnchten. Geburten. Mnen Sohn: Herr Fritz Wohlfahrt und Frau, geb. Bondi. Barmizwoh-Feier. Adolf, Sohn des Herrn Carl Bodenhetmer, Langestratze 21H, Synagoge Friedberger Anlage. — Fritz, Sohn des Herrn Jakob Oppenheimer, Berlin, z. Zt. Sandweg 2, pari., Synagoge Friedberger Anlage. Die Holzbauwerke Höntsch u. Co. befassen sich auch mit der Herstellung vo,n L a u b h Ü1 t e n, die infolge der günstigen Konstruktion bei jeder Witterung einen angenehmer Aufenthalt bieten. Bei kürzester Lieferzeit kann jedem besonderen Wunsch betresfsAussührung, Rechnung getragen werden. (Siehe heutiges' Inserat). VerelnKalender. Bereit, Mekor Cbajim. Samstag morgen nach Schul: „Dinim"; Herr Rektor Falk. — 12 Uhr: „Melochim"; Herr Prof. Wey l. — Nachm. 4^ Uhr, Langestr. 18: „Mikro",' Herr Leopold Löwenthal. — Abends 8Vb Uhr, im Hörsaale: Herr Kantor Steinberger. Sonntag morgen, 91/. Uhr und Dienstag vor nnw. im Vereinslokale: „Gemoro"- Herr R. A. Posen. JahrzettSsttftungSlerne n. Dienstag, Adolf Dann-Stistung. Do nnerstag, Eva Friesländer geh. Strauß-Stistung. Freitag, Max Plunk-Stiftung. Jeden Morgen nach Schluß der Synagoge „Mischnalernen". Agudas Jrsroer-Tttgeuvg vuppe. Sonntag, nachm. 8 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Nathan Birnbaum in der Römerhalle. Montag, V- Stunde vor Maariw: „v'b.nri": Herr Frankenthal. Montag und Mittwoch, 9—10 Uhr abends: „Gemoro"- Herr Zahnarzt Ehrmann. Dienstag, 8—9 Uhr abends: „rotf". — 3'/,—4'/, Uhr nachm.: „Gemoro"- Herr Dr. Hofmann. Dienstag, */» Stunde vor Maariw: „ityy W: Herr Dr. Hofmann. Miltwoch abend, 8 Uhr: „Testllo", Herr Oberlehrer Jos. K a u f m a n n. — 88/4 Uhr: „Nerv lim"; Herr Lehrer Unna (in der Wohnung des Dozenten, Kleine Obermainstr. 30). — ^9 bis 10 Uhr: Turnen. — V* Stunde vor Maariw: „vrrDK ’pne"; Herr Zahnarzt Ehrmann. Donnerstag, 9—10 Uhr abends: „Ausspracheabend" - Herr Zahnarzt Ehrmann. — % @tb. vor Maariw: „v"N p£R"; Herr Leop. Oppenheimer. S a m s t a g v o r m., *!*1Ö Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. . I. Posen. — lls/4 Uhr: „Mischna"- Herr Lehrer A. Hirfchberg. Agudas Jisroel-MSdcherrgrrrppe. Dienstagabend, 7 Uhr: „Jlob"-Herr Zahnarzt Ehrmann. — 7—9 Uhr: Turnen. Donnerstag abend, 6 Uhr: „HebräischeSprache"- Herr Lehrer Jelen. Samstag, nach Schluß der Synagoge: „Sidravortrag". - 11-12 Uhr: „Hirschlektüre"; Frl. Bertha Ehren treu. — lU4 Uhr: „Thauro": Herr Lehrer Hirschberg. — 5 Uhr nachm.l „Tesilloh"- Herr Dr. Hofmann. Beshamidrafch, Oftendstraße 18. Samstag nachm., Uhr, Sonntag früh 8-9 Uhr, Dienstag und Donnerstag abend, 9-10 Uhr.: „Gemoro-Schiur" rrvp 822- . Herr Rechtsanwalt Dr. I. Breuer. Samstag mittag IS1/* Uhr: „wvln mit und sonstigen Erklärungen- Herr Rosenzweig. Hierauf um 1 Uhr: nti». Samstag abend, V* Stunde vor Nacht: Herr H. Holpern. Alltäglich % Stunde vor Nacht: Dtnim- Herr Rosenzwetg. - Dttl Ostendstraße 18. Täglich vorm. 7-8 Uhr, v'nos 8NVZ- Samstag nachm. 4V»—6 Uhr: Herr Rabbiner S. Weber. KeSelzettk«. llpNklIV. Freitag abend 7.50. Samstag morgen 7.45. Samstag nachm. 5.—. Samstag abend 9.40. Wochengottes dienst: Morgens 6.15. Nachmittags 7.15. Kleines Feuilleton. (Ein Rrbeiterstreik im alten Aegypten). In unserer Zeit der sozialen Kämpfe ist es nicht unintereffant, einen Blick auf. Arbeiter bervegungen zu werfen, deren Schauplatz eines der großen Reiche des alten Orients war. In dem umfangreichen Turir-er Papyrus finden sich die Urkunden eines Arbeiterstreiks in der Totenstadt des alten Theben zur Zeit Rommes III., eines Königs der zwanzigsten Dynastie (1100—1168 v. u. Zir.), der die erste Streikbewegung ist, von der uns die Geschichte zu berichten weiß. Die Handwerker und Arbeiter im alten Aegypten waren in Truppen eingeteilt, von denen jede an ihrer Spitze einen Vorarbeiter, den „Großen der Truppe" hattedieser mußte die Liste über s.ine Untergebenen und ihre Arbeitsleistung führen. Da finden wir in den Eintragungen vielfach blaue Montage verzeichnet, zu denen der Vorarbeiter mit roter Tinte die Entschulöigungsgründe hinzufchrieb: Krankheit, Opfer an die Götter usw. Oester wird auch einfach Faulheit eingetragen, und besonders eifrige Arbeiter bleiben wohl auch einen halben Monat ihrer Beschäftigung fern. Häufig tritt auch Feiern wegen Arbeitsmangel ein, was für die Leute keinen Schaden bedeutet, da sie auch für die beschäftigungslose Zeit bezahlt werden. Die Entlohnung bestand nicht in Geld, sondern in Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen. Jede Woche bekamen sie von den hierzu bestimmten Beamten eine Anzahl von Fischen, Fett, Hülsenfrüchte, Getreide und Bier geliefert. Wurde die Lieferung verzögert oder blieb sie infolge der Unterschlagungen vonsekten der Beamten ganz aus, so rotteten sich die Arbeiter zusammen und traten in den Ausstand. So auch die Nekropolenarbeiter im 29. Jahre König Ramses III., die sich die Ausfolgung ihres Lohnes regelmäßig durch Arbeitseinstellung erzwingen mußten. Mit Weib und Kind verließen sie ihren Arbeitsort, obwohl sie der Schreiber der Totenstadt und ihre Vorarbeiter mit eidlichen Versicherungen zurückholen wollten. Sie waren zu oft zum Narren gehalten worden. Nächsten Tag versuchten sie, in den Tempel Ramses II. einzudringen, wobei zwei Geudarmerieosfiziere um die Aufrechterhaltung der Ordnung bemüht waren. Trotz der Beschwichtigungsversuche der Priester gaben dle hungernden Handwerker nicht nach, bis sie endlich ihre Monatslieferungen erhalten hatten. Aber einen Monat später stellten sie die Arbeit wieder ein und zogen bis zu den Toren der Stadt Theben, wo der Gouverneur persönlich mit ihnen unterhandelte. Er zeigte anfangs keine Lust, auf ihre Forderungen einzugehen, fand es aber schließlich doch geraten, sie wenigstens teilweise zu erfüllen. Aehnliche Streiks werden aus der Zeit Ramses IX. berichtet. Damals mußten die Arbeiter, als die Getreidemengen endlich geliefert wurden, dem Beamten für seine „Gefälligkeit" ein Geschenk übergeben, das in zwei Kasten und einer Schreibtasel bestand. Hinter all diesen Vorfällen ist die Mißwirtschaft in der Verwaltung, Bestechlichkeit und Unredlichkeit der Beamten und die zunehmende Schwäche der Negierung deutlich zu erkennen. am Eschenheimer Turm. =E= Ziüerthal und Sierlaballit. K««tt8rfnunfl 6 V, <U>r, Uni 77, M aben»». Neu eröffnet: Wein-Klause. Eingang n«r Stiftstraße SS. Sehumann-Tiieate)? Letzte 2 Tage der „Volks-Schauspiele“: „Mein Leopold“. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von Adolph L'Arronge. Montag, 28., Dienstag, 29. und Mittwoch, 30 Juni: Geschlossen. Donnerstag, l.Juli: Eröffnung der VOLKS-OPER. Donnerstag, 1. u. Freitag. 2. Juli, abends 7% Uhr: „Wildschütz“, Samstag, 3. Juli, abends 7% Uhr: „Traviata“, Außerdem täglich geöffnet: „SCHUMANN-WINTERGARTEN“ „SCHUMANN - BIERTUNNEL“ „SCHUMANN-HIPPODROM“. 028335