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Der Israelit · 1920-06-24 · Heft 25 (24.6.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 25 (24.6.1920)
Date
1920-06-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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etitc s ni. m Juden itt ihrer Gesamtheit für die jüdischen Trotzkis büßen und bluten. Warum denken nicht die Künder des Allerweltheils auch ein wenig an das Unheil, das sie schon mit ihrem bloßen Name t über ein; ganze Bevölkerung, zu der sie sich zwar nicht zählen, die doch aber ebenfalls zur „Welt" gehört und Anspruch aus Leben und Ruhe hat, bringen? Wocheimindscha«. Religiöse Schulfireiks. In hohem Grade lehrreich auch für jüdischorthodoxe Kreise sind die zur Zeit in Herne (Westfalen) und anderwärts von katholischer Seite ins Werk gesetzten Schülerstreiks. Auf Grund der neuen Verfassungsbeftimmungen haben eine Anzahl Lehrer an katholischen Schulen von dem Rechte Gebrauch gemacht die Erteilung des Religionsunterrichts abznlehnrn und damit bekundet, daß ihr Gewissen ihnen nicht gestattet, die religiösen Lehren ihrrr Kirche als wahr anzuerkennen uio zu verkünden. Die katholischen Eltern weigern sich nun nüt Recht, ihre Kinder von solchen Lehrpersonen fern rhin unterrichten zu lassen, die ihrer ganzen Persönlichkeit nach den religiösen Widerstreit in der kindlichen Seele wecken müssen. Der Kultusminister hat sich bemüht, durch einen nach beiden Seiten zur Mäßigung mahnenden Erlaß beruhigend zu wirkendoch dürfte kaum daran zu zweifeln sein, daß die Eltern mit ihrer von religiöser Treue und mannhafter Entschlossenheit zeugenden Aktion dnrchdrtngen werden. $ör die Zeschiwaus in Litauen. Ein, wie seinerzeit berichtet, in Berlin gegründetes Zentralkomiee zur Wiederherstellung der litauischen Jeschiwaus, für das die Herren Dr. M. Hildesheimer, RabbinerI. Weinberg und Dr. I. W oh lg emuth zeichnen, erlätzt erneut einen Aufruf, in dem ein kräftiges, beherzigenswertes Wort über unsere Pflicht gegenüber den Thoraanflalten im früheren Kernland der jüdischen Diaspora gesprochen wird. Bei all denk Elend, durch die Jahre der Erschütternng hindurch, die über Litauen gegangen, hat sich wie durch ein Wunder die Hochburg jüdischer Forschung und Erziehung im Geist der Ueberlieferung, allen Gewalten zum Trotz sich erhalten. Noch bestehen die Jeschiwoth. Dem Idealismus und der bewundernswerten Hingabe der Jünger dieser Schulen verdankt das jüdische Volk, daß noch immer die Quellen stießen, die Wissen und keines Feuilleton. Zur Abwehr. Bon Rabbiner Dr. M. Lewin in Wreiche». Den Talmud haben unsere Gegner schon immer sleihig zitiert, wo es ihnen galt, einen Beweis oder mindestens einen Stützpunkt für ihre Anschuldigungen gegen uns aufzugeigen. Was immer sie herauslesen wollten, das fanden sie natürlich bei der ihnen eigenen Kombinicrungsgabe und Skrupellosigkeit in ihm und verkündeten es der aufhorchenden weiten Oeffentlichkelt, um meistens vollsten Glauben zu finden. Nachprüfen ist nicht eines jeden Sache und der Talmud ist ohnehin den rneisten — selbst unter uns — ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch. Was Wunder, wenn da auch die schaurigsten Märchen aus der weitschichtigen talmudischen Literatur ausgettfcht werden konnten, ohne dah die Verbreiter jener sofort und für immer als Ignoranten oder, als böswillige Verleumder gekennzeichnet wurden. Dem Talmud glaubte man auch alles aufbürden zu dürfen, weil man so am besten das Judentum und dessen Bekenner zu treffen hoffte. Man vergaß hierbei nur, dass der Taldmud kein abgeschlossener, abgerundeter Gesetzeskodex ist und darum auch nicht die Bedeutung beansprucht, die unsere Feinde — wahrlich nicht alls Liebe und Begeisterung für d esc unsere Literatur — ihm so gerne züerkennen. Wie volle Anerkennung jeder wissende Jude auch dem Talmud zollt, so gibt es keinen unter uns und mag er auch noch so sehr in ihm seine Welt, sein Lebens- *■ Der Israelin 24. Juckt -920 Fähigkeit der künftigen Führer verbürgen. Während die größte Not an die Pforte der Jefchiwoh klopft, während viele andere Altersgenossen, in leichtem Erwerb vort Lebensgütern ihre Zeit nützen, hat sich der ed'e Sinn der '22 nicht niederriugen lassen. Aber ihre Not ist so groß, daß zu befürchten steht, selbst ihre Anspruchslosigkeit möchte nicht genügen, ihnen ein erträgliches Leben zu gewähren. Lite neu ist sehr verarmt, das übrige Rußland durch kaum zu überwindende Maueln getrennt und übrigens selbst so kraftlos, daß es nicht wie früher, als die eigentlich stützende Kraft in Frage kommt. Deshalb ruht auf uns allen, die wir geistig von jenen Zentren leben, die Pflicht zu' stützen und zu elhalten. Die hohe Bedeutung, die. dieJ-schiwoth in der Vergangenheit hatten, wird ihnen auch künftig verbleiben. Man muß sich doch vor Augen halten, daß es keine Anstalten sind, die zu einem Beruf lediglich vorbereitcn. Hier empfingen und empfangen zahlreiche Jünglinge das Geschenk des Thorawissens, die nie den Beruf des Rabbiners ausüben.' Auch in Litauen selbst hat sich ein Ausschuß aus den angesehensten Rabbinern g bildet, mit dem Zwecke, die Jeschiwoth zu erhalten und Lehrerseminare zu gründen, die für das niedere Schulwesen Lehrkräfte ausbilden sollen. Eilt großes Erziehungswerk soll also, wie im Correspon.de 'zerrteil aus Kowno berichtet wird, sichergeftellt werden. Dieser Ausschuß bedarf der tatkräftigen Mitarbeit der Juden in allen Ländern. Aus diesen Erwägungen hat sich das obengenannte Berliner Zentralkomitee gebildet, das alle Thorasreunde Deutschlands z -r Mithilfe auftust. (Beiträge sind Per Postschek an Aron Hirsch u. Sohn, Halberstadt, Postscheckkonto 267 Berlin oder per Reichsbankgirokonto an die gleiche Firma zu überweisen.) Herbert Samuels paläfiirraprogramm. London, 18. Juni. Der neu ernannte vom König in den Rittcrstand erhobene Oberkommissar für Palästina, Sir Herbert Samuel, hat sowohl in einer Bankettrede bei der ihm zu Ehren veranstalteten Abschiedsfeier der zionistischen Organisation als durch ein offizielles Communiquö an die Presse, sein Programm in den Huuptzügen entwickelt, wobei er sich vor'rehielt, Genaueres tu Palästina selbst bekcmntzngeöen. Die Bankettrede war naturgemäß aus einen feierlichen Ton gestimmt, bot aber dennoch manche sachlich bedeutungsvolle Züge. „Die „Grundbücher" sagte Sir Herbert, „werden bald geöffnet und Landverkäufe erlaubt werden, sodaß das Werk der wirtschaftlichen Entwicklung kräftiger fortgesetzt werden kann. Häuser müssen für die Leute, die kommen, gebaut werden . . . Bei all dieser Arbeit werden die Zionisten eine große, eine führende Rolle spielen —..und unter „Zionisten" verstehe ich alledie Ihterteffe für Zion haben. Jede G.legencheit sollte der mohammedanischen und christlichen Bevölkerung gegeben werden, an diesen ökonomischen Entwicklungen teilzunehmen. Sie dürfen sich nicht.ausgeschloffen fühlen". Irr dcr Mitteilung, die Herbert Samuel der Presse zügehen ließ, heißt es: „Vollkommene religiöse Freiheit wird in. Palästina aufrecht erhalten werden. Die den großen Religionen heiligen Örtlichkeiten' werden unter der Aufsicht der Anhänger dieser Religionen bleiben. Eine Zivilveiwaltung für das Land wird sofort eingerichtet werden. Die höheren Aemter werden durch britische Beamte' von Tüchtigkeit und Erfahrung besetzt werden. Die anderen Aemter werd n dcr Bevölkerung des Landes ohne Unterschied des Glaubens offen stehen,. — — Gemäß der Entscheidung der oUUexten und assoziierten Mächte werden Maßnahmen ergriff-n werden, um das jüdische nationale Heim in Palästina zu rekonstruieren. Das Sehnen des jüdischen Volkes durch 2000 Jahre, dessen spätester Ausdruck die moderne zionistische Bewegung ist, wird endlich verwirklicht werden. Die hierfür zu ergreifenden Maßnahmen werden sich ,m:t einer gewissenhaften Achtung, vor 'den Rechten der gegenwärtigen nichtjüdischen Einwohner vertragen. Das Land hat Raum für eine größere Bevölkerung als-es jetzt enthalt- und Palästina, zweckmäßig versehen mit Landstraßen, Eisenbahnen, Häfen und elektrischer Kraft, nüt intensiver bebautem Boden, Heranziehung des Ocdlandes, Aufforstung und Malariabekämpfung, endlich durch Förderung städtischer und ländlicher Industrie, kann einen großen Bevölkerungszuwachs nicht nur ohne Schaden ertragen, sondern dieser Zuwachs wird, den gegenwärtigen Bewohnern zu reichem Vorteil werden. Die Einwanderung, soweit sie den wünschenswerten Charakter trägt, wird daher in demjenigen- Maße zugelassen werden, wie die Entwicklung den Einwanderern Arbeitsplätze gewähren wirb. Vor allem werden erzieherische und geistige Tendenzen (intluenos) gepflegt werden, in der Hoffnung, daß noch einmal elctttcnt vollends finden, der jeden Satze auch irn agadischen Teile als verbindlich und verpflichtend ansieht, wenn wir auch an dem halachischen Teil nicht zu rütteln wagen. Diese Ausführungen, die wir durchaus nicht als neue Weisheit - ausgeben, glaubten wir doch hier wiederholen zu sollen, weil wieder einmal mit einem talmudischen Zitat operiert wird. In der» Buche: „Die Juden inr Heere, eine statistische Untersuchung nach amtlichen Quellen" von Otto Armin, findet sich als Leitwort: „W.-nn du in den Krieg gehst, so gehe nicht zuerst, sondern zuletzt, damit du zuerst heim- \ kehren kannst". (Talmud, Pesachim 112b). Mit diesem Satze, der übrigens Pesachim 113 a zu lesen ist, will der Verfasser offenbar seine These, die Juden leien im Kriege Drückeberger gewesen, stützen, als ob uns „die Drückebergerei" eine von Religionswegen gebotene oder mindestens anempfohlene Pflicht sei. Bevor wir auf den Sinn dieses Satzes eingehen, möchten wir jeden Vernünftigen und Vorurteilslosen fragen, ob es nicht mehr angebracht wäre, die Quellen zu befragen, die einem leichter zugänglich sind — ob es nicht wohl objektiver gewesen wäre, die Bibel, die doch, die grundlegende Religionsquelle des Judentums ist, für das ur Behandlung stehende Thema heranzuziehen. Da alte allerdings der Verfasser jenes Werkes keinen Satz oder irgend eine Erzählung finden können, die er in seinem Sinn; und Geists hätte ausbeuten können. Jedenfalls hätte er es zu gewärtigen geh NN, leichter überführt zu werdru. Mit dem Talmud geht es natürlich besser. Wer ist denn hier sobald imstande, der Wahrheit nachzuspüren! Die heldenmütigen Kämpfe der Makkabäer sind nicht die einzigen Kriegstaten, von denen die jüdische Geschichte zu berichten weih. Die Kämpfe mit Amal.ek und mit Sichon, dem König der Einoriterü . (siehe lausenden Wochenabschnitt), die Eroberung des i* heilige n Landes unter Josua und die Befestigung des Besitzes unter den Richtern, die Erweiterung des jüdischen Reiches unter David und die Sicherung der Grenzen unter den späteren Königen Israels und Judas undschließlich der Niedergang und die Auslösung der beiden Schwesternreiche bedingten alle gewaltige Kämpfe, wie sie in gleicher Zahl und Schwere kaum eine zweite Volksgemeinschaft zu bestehen gehabt. Wie trefergrerfend wirkt doch der Psalm, mit dem der religiöse Jude beim Ausgang des Sabbats für die Zeit der neuen Arbeit, der Sorgen und Kämpfe, wie sie das Leben mit sich bringt, sich rüstet. Hier preist der Sänger auf dem Throne' den Herrn, „der meine Hände übt zum Kampf, meine Finger zum Krieg." (Psalm 141, 1). Die Propheten des alten Israel ersehnen zwar und verhetffrn die Zeit, in der die Schwerter zu Pflugscharen und die Lanzerl zu Wtnzermessern umgesch miedet werden sollet!, sie tun das aber nur in der Hoffnung auf die dauernde Weltertöfnug in der Zukunft. Oft genug gebrauchen sie Kriegsbild-r zur Belebung ihrer Reden und erkennen sie den Kampf als notwendiges Uebel an.. Nirgends ist auch nur etwas zu find:», was wie ein Ansporn zur „Drückeo.-rgerei" auch nur entferne gedeutet werden könnte . . . An einer einzigen Steile in der Bibel wird-uns eine Kriegsrede überliefert, die dein Priester zur Pflicht gemacht wird, die er in feststehender Form immer von neuem zu hollen hatte, so oft Israel in den Kamps zog. (Deateronomien 20). Man lese diese kurze, aber. inhaltsreiche Rede und wer die Wahrheit zu bekennen den Mut hat, wird zugestehen müssen, das; wir hier eine Kriegsansprache lesen, wie sie gar nicht schöner und trefflicher gedacht werden kann. Wendet sie sich auf der einen Sette gegen Mutlosigkeit und Verzagtheit, so weist sie aus der anderen Seite den Krieger auf

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