Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1920)
- Date
- 1920-12-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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L DHDMbtt IMS *t*asmmmM*säumrnmtmmmBBSMuc=s*amaamame3*t*OKa=ac=fxmx3cs*ass*sgm3BB**K*wmimm*m*tmmm An -er Schwelle des Seih Sami-rasch *) Heiliges Beth Hamidrasch, wieder darf ich sehen Deiner morschen Schwelle Iugendland, Von der Zeit verwittert deine Mauern stehen, Staub und Moder — rauchgeschwärzt die Wand, Grauen und Zerstörung grinst aus toten Räumen, Gras wächst auf den Wegen, in den Löchern, Graue Spinnennetze in den Ecken träumen, Raben krächzen auf geborstenen Dächern. Bröckelt Stein auf Stein, die Säulen beben, Stehst noch nur ein Wunder läßt dich leben. Fortgerückt, entweiht und leer dein heiliger Schrank, Trockne Blätter modern in der Tonne, Jeder Winkel, jede Nische seufzet bang, Trübe glänzt im Mauerspalt die Sonne.; Beth Hamidrasch! Ewigen Volkes heilige Mauern' Starken Geistes stilles ZufluchtSland! Warum ächzt ihr unter der Verzweiflung Schauern, Werft ihr schwarze Schallen in den Sand! Eure Pracht — soll ewig sie versinken? Soll euch nie mehr Gottes Gnade winken? Stumm und dunkel steigt zum Himmel eure Klage, Mützt in starrer Trauer still verblassen . . . Ach ich sühl's! Ihr denkt wie ich vergangner Tage, Denkt der Söhne, die euch jäh verlaffen. Fragt nach ihrem Lose unter ftemdem Sterne. — Heimgekehlt bin ich aus düberem Tal, .Heimgeflüchtet vor der großen Not der Ferne, Uebermächtig lastet ihre Qual. Still, beschämt, besiegt, verjagt vom Glück, Kehr', verzogenes Kind, zu euch zurück. Steh' nun, Beth Hamidrasch, arm und schweigend wieder An der Schwelle mit gesenktem Haupte, Mein von Trauer tief erschüttert Herz drückL nieder, Was Verwüstung unserem Da e;n raubte.; Ach, dein Nest Ist teer. Die Küchlein fortgeflogen. Fortgehuscht — ein Schatten zw-schen Bäumen, Sind zerschmettert an dem G.at der tzelsenbogen, Jrr'n geplagt in fremden Welt nräumen. Möchten sie den Tod des Friedens sterben, Nicht ln Sünde fallen und verderben! Nein, ich war nicht in ein Paradies gestellt, Seit uns tückische Gewalten schieden, Nichtig war vor Gott mein Lrben, tot die Welt, Tod bedrohte meiner Seele Frieden. N'cht mit leeren Händen ließest du mich zieh'n- Gute Engel waren mir zur Seite: Lehrtest leicht mich tragen der Gedanken Müh'n: Gabst ein reines Herz mir zum Gelette. Mächt'gen Feinden bin ich unterlegen — Hielt zu Gott — und Gort lieh seinen Segen. Sprach mein Herz: Nicht will ick ihrem Haß erliegen Will nicht, daß sie meine Ltebr schänden. Seh' ich aüeroiten nicht die Lüge strgen? Frieden will ich! — Mlch von ihnen wenden, Gottes Banner will ich nicht in Sraub erntevern,' Nicht für Erstgeburt um Linsen werben- — Wie mich ihre gleißnerischen Stimmen widern! Mag nicht Löwen — will mit Lämmern sterben. Krallen hat das Los mir nicht gegeben. Meine Kraft ist Gott: Und Gott ist Leben! Meine still' GeisleSfestung soll mich schützen, * Ww im Schneckenhaus will ich dort nisten, Meiner Art Gewaffen soll am Tore blitzen: Kommt die Zeit, will ich zum Kampfe rüsten. Gott zu meiner Rechten! JeindeSstolz zu brechen Und zu siegen gibt mir Gott die Kraft. Mähnige Löwen sah ich schon zusammenbrechen Unter zahmem Wild dahingerafft. Alles Fleisch ist Gras, die Kraft verdorrt, Gottes Odem weht und bläst sie fort. Habe nicht gelernt mit Muskelkraft zu ringen, Wein uns Völlerei mich nicht erfreute. Gott hat mich geschaffen, ihm ein Lied zu singen — Nur gerechtes Wtlöpret war mir Beute. Und mein schönstes Lied erklingt in aller Munde, Tönt hinein in alle Himmelswetten. Und die Wahrheit steigt empor in stiller Stunde, Gottes Stimmen machtvoll sieghaft schreiten. Keine Stimme wie auf Erden hallt, Gottes Wort in Ewigkeit erschallt. Und ich, den sie auS den Büchern ausgemerzt, Weil ich haßte ihre Truggesichte, AuS den Trümmern steig' als letzter ich beherzt — Gottes Siegel herrscht in dex Geschichte. Kennen wird man dann den Greis, der auserwählt, Der mit Weihrauchsaß die Welt durcheilte, Vieler mächtiger Völker Freveltat gezählt, Teufel tilgte und die Geister heilte. Nicht Beschwörungsformel trieb sie fort, Stilles'Beten war sein Zauberwort. 3 AusChatmNachmann Bialik: Ged ichte. Aus dem - Hebräischen übertragen von LouiS Weinberg. D neueste prächtige deutsch» Bialik-Ausgahe ist im W»li«erlag, Berlin erschienen. „4 Der Israelit. Nc. 48 Seite 8 Wanke nicht, Zelt Scheins! Noch wirst du schirmend ragen, AuS dem Schutt wird deine Mauer leben; Wenn am jüngsten Tag die Würgeengel jagen, Werden Tempel und Paläste beben. Wenn ich den zerstörten Gottesiempel richte, Set der Vorhang licht, das Fenster weit, Weichen soll der dunkle Schatten vor dem Lichte, Einzteh'n unseres Gottes Herrlichkeit. Und es sehen's alle, groß und klein: Welkt das Blühen — ewig Gott allein! Gin Hundertjähriger. Herr Michael Wolf, früher wohnhaft in Ock-nheim, Rhetnhfssen, jetzt bet seiner ältesten verheirateten Tochter in Waldbrettbach bet ein Hundertjähriger. Neuwied a. R., vollendet am 16. Dezember sein hundertstes Lehensjahr. Er ist körperlich und. geistig noch sehr fri'ch und rüstig uno hegt für alles noch sehr reges Interesse. Inderecke. Chanuko-Freuden. Bon Heinrich Einst adter. Steiers haben die Schneiderin. Darum weicht auch Emilie nicht aus dem Zimmer. Sie unterhält sich doch gar zu gern mit ihr und schaut zu, wie fiink sich die fleißigen Hände regen und wie munter sich das Rad der Maschine dreht. Emilie weiß immer zu fragen, und die Näherin antwortet geduldig. Ehanuka steht vor der Tür, und da möchte das Kind wissen, wie die kleine Schwester der Schneiderin das Fest begehen wird. „0 mein Gold, da ist nicht viel zu erzählen. Der Vater entzündet, dann wird Moaus zur gesungen und Kaffee getrunken. Das ist alles." „Dazu gibt es aber doch Obstkuchen, und sicher wird nachher auch fest gespielt." „Obstkuchen? Wir sind froh, wenn wir Brot haben. Und wer sollte meinem Schwesterchen ein Spiel kaufen?" Da wird Emilie ganz traurig, und lange denkt sie schweigend nach. Dann rutscht sie vom Sofa herunter, auf dem sie gesessen hatte, und geht in die Küche, woselbst sie eine längere Unterredung mit ihrer Mutter hat, und darauf zu ihrem Bruder, der seine Schulaufgaben lernt. Und da zeigt es sich, daß das kleine Märchen es schon ganz gut versteht, seine Pläne dnrchzuführen. Allerlei Spielsachers werden aus dem Schranke der Kinder herbeigesucht und andern Tags nebst einem schönen Kuchen an die Adresse des armen Mädchens ge« sandt. Zuerst wollte Emilie auch ein Breschen betlegen, d nn mit kleinen Buchstaben konnte sie schon schreibenaber die Mutter hrtte ihr erklärt, daß es am schönsten sei, wenn der Beschenkte den Geber gar nicht kenne. Das sah Emilie auch ein, und darum schrieb das B'üderchen nur auf einen Zettel: „Gut Ehanuka!"- Und Chanuka kam. Und kam zu Steiners mit viel Licht und Freude. Jeden Abend nach dem Entzünden saß die Familie fröhlich um den Tisch, auf dem das Trendel tanzte und die Nüsse rollten. Und einmal saß auch ein Besucher dabei, ein Vetter des Vaters aus dem nahen Städtchen. Er blieb auch zum Abendrot, und da hatte er erst Zeit, ein Chauuka-Erlebnts zu erzählen. „Denket Euch, gestern Hab' ich etwas erlebt, ich möchte es mir nicht abkaufen lassen." Kunstpause und gespannte Miene. „Ich war in Breitenbach, um Ziegenfelle zu kaufen. Als es dunkel wurde, ging ich zum alten Merker, um bet ihm zu entzünden. Wir hatten gerade den „Moaus zur" gesungen, da kommt der Postbote und bringt ein Paket „für Fräulein Berta Merker." Der Alte weiß nichts zu sagen vor Staunen, und das arme Kind schaut mich ganz ängstlich an. „Nun, machts doch nur auf, dann werdet Ihr schon sehen, was es ist und von wem es kommt." Der Vater öffnet also die Schachtel, und — denkt: Allerhand Spiele und Bücher und ein ganzer großer Kuchen kommen zum Vorschein. Da werden die ernsten Augen des lieben Mädchens auf einmal hell. Jauchzend und jubelnd tanzr das kleine Ding im Zimmer umher und öffnet die Bücher und die Spiele und zeigt uns die Bilder und die Figuren und weiß sich vor Freude kaum zu fassen. Endlich fragt es: „Wer hat mir das alles geschickt?" — Ein ‘ Absender ist nicht angegeben. Wir suchen nach einem Briefe, finden aber nur einen Zettel: „Gut Chanuko!" „Das hat ein Kind geschrieben", spricht der Vater. „So soll Gott es segnen", spricht das Kind. „Das war mein schönster Chanukö-Tag"/ so schloß der Vetter. Und die Kinder schwiegen gerührt sind dachten: „Unser schönster Chanuko-Tag ist heute." m:: . VJ ß