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Der Israelit · 1920-05-20 · Heft 20-21 (20.5.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 20-21 (20.5.1920)
Date
1920-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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(Bette 2 Nr. 20 u. 21 seine Mutter liebe und für seinen Bruder brüderlich empfinde . . . Unser stilles Bekenntnis am Feste te? Blühens geht an dritter Stelle dahin, daß wie Gort und seine Thora auch das dretgeteilte Israel —in all seinen Klassen^ Schichten und Landsmannschaften — ein Ganzes und Einheitliches ein tinrs NI'DN bildet! Zurück zum Sinai! ergeht des Festes Ruf, „wo einstens der Gott aller Zeiten das dreiteilige Licht dem dreigeeinten Volke gegeben hat!" Wocheimmdschau. Sie Schicksalsfrage des deutschen Judentums? Der Verfasser des vom D. I. G. B. vorgelegten Verfassungs-Entwurfes, Dr. Jsmar Freund, äußert sich über den Stand und die Aussichten seines Organlsationsplanes im Hamburger Familienblatt wieder einmal in sehr optimistischer Weise. Er hat, um der Orthodoxie noch weiter entgegenzukommen, die Bestimmungen über die „Kultus-Ausschüsse", Artikel 25 des Entwurfes, jetzt wie' folgt ergänzt: § 25 a. Jeder Ausschuß zählt mindestens 15 Mitglieder Jedem Kultus-Ausschuß (§ 25, Ziff. 1) müssen mindestens 5 Rabbiner, 3 Lehrer und 8 Kantoren, jedem Unierrichtsausschuß (§ 25, Ziff. 2) mindestens 3 Rabbiner und 5 Lehrer angehören. Mitglieder der Kultus- und Unterrichtsausschüffe können nur solche Personen sein, die der für den Ausschuß massgebenden religiösen Richtung angehören. (§ 25 6.) Die Ausschüße für den Kultus- und Unterricht (tz 25, Ziff. 1 und 2) sind, soweit es sich um Fragen des religiösen Standpunktes handelt, dem Rate gegenüber selbständig. Den Gemeinden gegenüber haben ihre Beschlüsse lediglich gutachtliche, nicht zwingende Bedeutung. § 25 c. Alle weiteren Bestimmungen über die Zusammensetzung, die Wirksamkeit und die Geschäftsordnung der Ausschüsse bleiben einem Bundesbeschlujse sß 8) Vorbehalten. Freund beruft sich daun — wie zu erwarten war — auf die Zustimmung der gesetzestreuen Gemeinden und Rabbiner Bayerns zu der ganz analogen Regelung, die man in Nürnberg getroffen habe, und appelliert an den „Gemeinsmn" der Gesetzestreuen, die sich dem großen Werke, das „eine Schicksalsfrage des deutschen Judentums" bedeute, nicht versagen würden. Der Halberstädter „Bund gesetzestreuer Gemeinden" habe dem D. I. G. B. gegenüber seine Bereitwilligkeit zu einer Verständigung ausgesprochen. Wir kennen die Erklärungen nicht, die der „Bund" abgegeben hat, sind aber überzeugt, daß sie mit dem von uns an dieser Stelle wiederholt vertretenen - Standpunkt in der Sache Kleines Feuilleton. Sr. Loses Wohlgemuth. Dozent arn Rabbinerseminar für das orthodoxe Judentum in Berlin. Zn seinem 25 jähriaeu Dozeutenjubilänm. Im Elternhause in Hamburg in einer von jüdischem Fühlen und Wissen gesättigten Atmosphäre herangewachfen, ein Enkel von Rabbi Jesajah Wohlgemuth y'5», zeichnete sich Josef Wohlgemuth als Schüler Dr. Esriel Hildesheimers V'2? so aus, daß er nach Abschluß seiner rabbinischen und philosophischen Studien im Alter von 27 Jahren zum Dozenten am Rabbinerseminar ernannt wurde. Im Laufe des nunmehr verfloffenen Vierteljahrhunderts seiner Tätigkeit hat er so Hervorragendes geleistet, daß er eine der markantesten Persönlichkeiten der gesetzestreuen Judenheit geworden ist, deren Name Weltruf genießt. Vor allem hat er in dem Kreise, den ihm sein Berus zog, als Lehrer der gesetzestreuen Rabbiner überaus segensreich gewirkt. Sein gediegenes talmudisches Wissen im Verein mit besonderer methobischer Begabung und sein klares, logisches, wahrheitsuchendes Denken befähigen ihn wie selten jemand, seine Schüler mit der talmudischen Methode vertraut zu machen und sie in den Stand zu fetzen, die talmudischen Gedankengänge klar zu analysieren und, frei von allem Gesuchten und Gekünstelten, den Kern jedes talmudischen Problems herauszuschälen. Auf dem Gebiete der Dezi so reu versteht er cs, infolge seines Der Israelit. durchaus überetnstimmen. Wo „Schicksalsfragen"' beantwortet werden sollen, da muß vor allem Wahrhaftigkeit herrschen! Für uns ist aber die Darstellung des religiösen Gegensatzes zwischen Orthodoxie und Richtlinien-Judentum in der Form von untergeordneten „Kultus- Ausschüffen" eine ungeh euerliche-Unwahrhaftigkeit. die gänzlich indiskutabel erscheint, auch wenn sie — leider — von der übel beratenen bayrischen Orthodoxie 'in einem unglückseligen Augenblicke der Schwäche akzeptiert worden ist. Das schließt jedoch keineswegs jede Verständigung aus. Diese Verständigung kann, wie wir wiederholt hervorgehoben haben, nur auf dem Wege der Konstituierung selbständiger Gemeindeverbände gesunden werden, die sich zur Lösung bestimmter Aufgaben unter Wahrung ihrer Selbständigkeit zusam° menfinden. Nur so ist übrigens auch das Problem vielleicht lösbar, das sich aus dem Vorhandensein der süddeutschen Gemetndeverbände für die' Befürworter einer Gesamtorganisation ergiebt. Stellt man sich auf diesen Boden, so könnte im Rahmen des Ganzen auch der D. I. G. B. wie bisher ruhig bestehen bleiben und zur öffentlich-rechtlichen Körperschaft werden. Zionistischer SoriallSmus. Vor kurzem hat in Prag eine Weltkonferenz der innerhalb des Zionismus bestehenden sozialistischen ArbeiterorganisationenH zpoel hazair and Zetre Zion stattgefunden, die zu einer Verschmelzung dieser beiden Gruppen geführt hat. Während bis jetzt die unter dem Namen Poale Zion bekannte jüdisch-sozialdemokratische Organisation als Vertretung des sozialistischen Zionismus angesehen wurde, scheint sich nunmehr die Entwicklung, die die Poale Zion aus dem Zionismus hinaus und zur internationalen Sozialdemokratie hinüberführte, mehr und mehr zu einer endgültigen zu gestaltenan die Stelle der Poale Zion tritt Hapoel hazair. Die Poale Zion hatten es ursprünglich mit ihrem Zionismus durchaus ehrlich gemeint) sie waren sich ihres Gegensatzes zu den gänzlich kosmopolitischen Bundisten wohl bewußt und wollten demgegenüber, auf dem Boden der jüdischen Volkseinheit verharrend, dort den Klassenkampf nach sozialdemokratischem Muster auskämpsen. Aber die Wirklichkeit belehrte sie bald, daß das Objekt dieses Kampfes gar nicht vorhanden war. Der „jüdische" Kapitalismus hat so wenig „Jüdisches" an sich, daß ihm mit den Mitteln des Klassenkampfes nimmermehr auf natior * , 20. Mai 1920 naler Grundlage, sondern nur im Rahmen der internationalen Arbeiterbewegung beizukommen war. So wurde denn der Poale-Zionismus von Tag zu Tag immer unjüdischer — unjüdischer nicht nur im religiösen Sinne, das war er vom ersten Augenblick an, sondern auch im nationalen. Ganz anders Hapoel hazair. Der seelische Mittelpunkt dieser von einem nicht immer ganz klaren Idealismus erfüllten Partei „der jugendlichen Arbeit" ist Palästinanational bis auf die Knochen, erblickt die Partei in der sittlichen Funktion der Arbeit an sieb, des Ringens oer menschlichen Kraft mit der Natur, das erlösende Evangelium. Eine wahrhafte Geme.in schaft im Sinne Ferdinand Tönnies' und Martin Bub e rs soll sich in Palästina entwickeln, ein Gemeinschaft schaffender, nicht nach Klaffen und Ständen geschiedener hebräischer Menschen. Auch hier von irgendwelcher Beziehung zur magna oüarta des jüdischen Volkes, zum Gesetze der Thora, nicht die leiseste Spurstrohl aber klares Bewußlsein der Tatsache, daß ohne energische Erziehungsarbeit mtt dem Ziele der Sch affung einer jüdischen Arbeiterschaft alle Palästina-Politik ein leeres, ergebnisloses Spiel bleibt. Wir glauben, daß Hapoel hazair in den kämmenden sozialen und religiösen Kämpfen in Erez Jisroel keine unbeträchtliche Rolle spielen wird, und auch die Orthodoxie muß ' hoher mit dieser Gruppe rechnen. Wer weiß, ob nicht der-" einst der Tag kommt, an dem in den Ehrlichen unter diesen jungen Pionieren die Erkenntnis durchbricht, daß Gottes Land und Gottes Gesetz unablösbar zuetnander gehören, und daß ohne die willige Ergreifung des letzteren das Schicksal der Poale Zion auch dasjenige des Hapoel hazair sein wird. Rabbi Israel Hildesheimer Tsr- Aerfönliche Krirmermngen zu seinem hundertsten Geöurtstage 5580 — 37. Ajar —5680. Von Rabb. Dr. A. Cohn in Basel"). Am 27. Jjar 5680 (20. Mai 1920) werden hundert Jahre verstoßen sein, seitdem Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer geboren worden ist. Da ist es dem Schreiber dieser Zeilen, der zehn Jahre lang ein Schüler des Verstorbenen war, bet ihm Thora gelernt, und, was mehr wert ist *) Auszugsweise aus dem „Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz". 5680. __ systematisierenden Geistes, seinen Schülern den oft schwierigen Stoff in übersichtlicher, man möchte fast sagen, relü-fartiger Darstellung nahezubringen, bei der das Wesentliche und Kernhaste plastisch yeroortritt. Seine religtonsphilosophischen und homiletischen Vorlesungen sind von dem Geiste gründlicher philosophischer Durchbildung und von fachwissenschaftlicher Gediegenheit getragen. Aber der Dozent eines orthodoxen Rabbinerseminars muß mehr ols ausgedehntes, gründliches jüdisches und profanes Wissen und die Fähigkeit der unterrichtlichen Darbietung besitzen. Er muß vor allem eine harmonisch geschlossene Persönlichkeit sein, in der die traditionell-gesetzestreue jüdische Lebens- Heiligung, der Lehrinhalt und die Welt- und Lebensauffaffung des überlieferten Judentums einen Ausgleich mit der Kultur der Zeit gesunden habe, eine Persönlichkeit, die, in den Stürmen des Kampfes zwischen Judentum und Zeitkultur gestählt, der heranreifenden Rabbinergeneration Fahnenträger und begeisterndes Vorbild zu sein vermag. Solch' eine Persönlichkeit ist Dr. Wohlgemuth. Er ist die Inkarnation des Prinzips N"-i BJ> min im Sinne der beiden Klassiker dieses Grundsatzes Hildesheimer und Hirsch n"r&£?, aber es haftet nichts Epigonenhaftes an seiner Verfechruug dieser Parole, sondern er ist durchaus origineller Meister in ihrer Verwirklichung. Die staunenswerte Universalität seiner Bildung, die sich nicht nur in dem hohen Flug seiner Gedanken als glänzender Kenner der Geisteswissenschaften, sondern auch in seinem tief schürfenden Verständnis für Fragen der Naturwissenschaft offenbart, ermöglicht ihm einen Ueberblick über die Gesamtkultur der Zeit, läßt ihn aber auch Erwiesenes von Hypothetischem unterscheiden und zeigt ihm die Grenzen des Wissens. Diese hochwertige Allgemeinbildung im Verein mit seiner ' gründlichen Kenntnis der talmudischen und besonders der reltgionsphilosophischen Literatur und seine heiße Liebe zum traditionellen Judentum befähigt ihn, cm harmonisch gerundetes Bild aus Thora und Kultur zu gestalten, in welchem der Primat der Thora durchaus gewahrt bleibt. Die Einflußsphäre des Jubilars aber endigt nicht an den Mauern des Rabbiuerseminars. Ein so universaler Geist wie er, strebt über die Schranken seines engeren Wirkungskreises hinaus und sucht.nicht nur indirekt durch die Ausbildung seiner Hörer, sondern auch direkt durch das geschriebene Wort auf die große Oeffentlichkeit einzuwirken. Durch seine Schriften verbreiten sich die Lichtwellen seines Getstes in der Oeffentlichkeit mch wirken die Emanationen seiner Persönlichkeit aus die große Gemeinde seiner Leser. Er ist ein feinsinniger Schriftsteller, der mcht nur durch die Gediegenheit des Inhalts belehrt, sondern auch durch seinen Stil entzückt. Dieser Stil ist es nicht zuletzt, der seinen Werken ihre Bedeutung verleiht. An tUm sehen wir die Wahrheit des Buffon'schen Wortes: Le style est l’homme menie, „Der Stil ist der Mensch selvst". In Wohlgemuth s S'il spiegelt sich sein ganzes Wesen. Sein Stil ist nicht überladen und schwülstig, nicht gekünstelt und geziert, sondern klar, leichtflüssig, seingeschlisstn, von säst greifbarer Gegenständlichkeit des Ausdruckes, von edlem metaphorischen Glanze der bildhaften Sprache, dabei überhaucht von einem Schimmer dichterischer kraft. Wohlgemuth atnr bereichert ichkeitslehre in hat die religionsphilosophische Litedurch feine Schriften: „Die Unsterbder Bibel" (1899), die Uebersetzung on „Der Weg der Frommen", von M. CH. Luzzatto 1908) und „Das jüdische Religionsgesetz in jüdischer inloitrfi+itrtrt/'

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