Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1920-04-01 · Heft 13-14 (1.4.1920) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 13-14 (1.4.1920)
Date
1920-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450088-2450101--68136-2525221
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Israel». Nr. 13 u. 14 Gebe 8 1. April ISA Mittelreferent R.--R. Pfeiffer im Stadtrat: In der Bevölkerung sind beunruhigende Gerüchte über die Versorgung der jüdischen Bevölkerung mit Osterbrot verbreitet. Es wird daher folgendes festgestellt: Die Reichsgetreidestelle hat für die Osterversorgung der jüdischen Bevölkerung des gesamten Reiches mit Matze Weizenmehl zur Verfügung gestellt. Die Versorgung erstreckt sich auf die Zeit vom 3. Avril bis 11. April 1920. Auf Antrag erhalten rituell lebende Juden in dieser Zeit insgesamt 5 Pfund Matze, nicht rituell lebende Juden 3y2 Pfund Matze. Zum Ausgleich hiefür wird an den Brotkarten der mit Matze versorgten Juden ein Abzug von insgesamt Äxk Pfund Brot, darunter einen Anteil Haushaltungsmehl, gemacht. Ferner kann 'die jüdische Bevölkerung gegen Abgabe ihrer ordentlichen Zuckermarke bei einem bestimmten Münchener Geschäft rituell hergestellten Zucker in der gleichen Menge und Qualität beziehen, wie er an die übrige Bevölkerung abgegeben wird. Eine Bevorzugung der Juden in der Belieferung mit Zucker findet also nicht statt. Rabbinat und Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde geben im Anzeigenteil elne Erklärung zu.den Gerüchten über angebliche Sonderzuweisungen von Mehl und' Zucker ab. . Kamömg, 23. März. Bei den Wahlen zum Repräsentantenkolleqium der Deutsch-Jsraelitischen Gemeinde wurden 7 Orthodoxe, 4 Zionisten und 8 Liberale gewählt. Uiiniifer Bummel gegen die Verhetzung 8er 3usen3. Karlsruhe, 11. März. Bei der Beratung für das Unternchtsweseu im 7. Nachtrag zum Staatsvoranschlag angeführten Betrage erwähnte der Berichterstatter Abg. Stockinzer (Soz.) in der heutigen Landtagssitzung, daß Schüler der Pforzheimer Gymnasiums, die dem Schutz- und Trutzbund angehören, Handzettel antisemitischen Inhalts angeklebt hätten. Die Staatsanwaltschaft habe eine Untersuchung eingeleitet. Unterrichtsminister H u m m e l führte aus, daß man nach der Revolution den Schülern, die im wahlpslichtigen Alter oder kurz 'davor standen, eine etwas größere Freiheit zugebilligt habe. Schon damals sei^ jedoch angeordnet worden, daß politische Bestrebungen in der.Schule keine Stätte hätten. Mittlerweile habe sich gezeigt, daß. es da und dort während des Unterrichts zu politischen Erörterungen gekommen sei, und daß man mit der Jugend in politischer Hinsicht Mißbrauch treiben wolle. Es feien Plakate und Schriften politischen Inhalts ait; verschiedenen Schulen verteilt worden. Diese Misistände hätten das Unterrichtsministeriumzur Herausgabe eines Erlasses veranlaßt, der darauf ausmerksam mache, daß den Schülern eine Beteiligung an Vereinigungen jeder Art nach wie vor verboten sei. Der Landtag befaßte sich sodann mit der sozialdemokratischen Interpellation über die Vorgänge, die sich an die Berufung des Direktors Meyer von 'der Auevgesellschaft in Berlin als Professor an die Karlsruher Technische Hochschule geknüpft haben. In seiner Beantwortung der Interpellationen gab Unterrichtsminister Hummel zunächst eine eingehende aktenmäßige Darstellung über die Vorgänge an der Technischen Hochschule, die er als sehr bedauerlich bezeichnete. Es sei sestzustcllen, daß das Vorgehen der Studentenschaft, aus die ablehnende Entscheidung des Herrn Dr. Meyer irgendwelchen Einfluß nicht ausgeübt habe, sondern daß lediglich dos weitgehende Entgegenkommen der Anergesellschaft in Berlin Herrn Dr. Meyer bewogen habe, die Berufung nach Karlsruhe abzulehnen. Das Vorgehen der Studentenschaft sei zweifellos aus die Verhetzung durch die Rechtsparteien zurückzuführen. Es wäre eine geistige Verarmung D e u't s ch lands, wenn durch Auffassungen, wie sie die Karlsruher Studentenfchaft bekundet habe, unser geistiges Leben der Mitarbeit bedeutender Gelehrten beraubt werden sollte. Das Ansehen der deutschen Hochschulen im Ausland würde durch ein solches Vorgehen der Studentenschaft auf das Schwerste gefährdet. Auch die Herren von der Rechten hätten allen Anlaß, klipp und klar zutn Ausdruck zu bringen, daß sie mit der Haltung der Karlsruher Studentenschaft' nicht einverstanden seien, lieber die Agitationsmethoden der Rechten sei sich die Regierung aber auch im Klaren. Die Regierung werde sich nicht abhalten lassen gegenüber diesen Treibereien auch weiterhin Pflichtgemäß zu verwahren, und werde sich auch in Zukunft bemühen, bei, der Besetzung von Lehrstühlen den Tüchtigsten zu wählen. Sollte die Karlsruher Studentenschaft noch eimnal eine ähnliche Haltung einnehmen wie im vorigen Full, so werde die Regierung nicht zögern, die Hochschule zu schließen, um zu zeiget!, daß die Regierung Herr im Hause sei ttnd nicht die Studentenschaft. (Lebhafter Beifall.) KarlsrrrHe, 21. März. Der badische Ob.errat bat die Wah len zur badischen israelttscheu Landessynode für April in Aussicht genommen. Die Auflegung der Wählerlisten wurden soeben angeordnet. Die Wahlen finden noch nach dem seither giltigen System statt. Ungarn. Die Judenuerfolgungen in Ungarn. Wien, 18. März. Nur mühsam ringt sich aus dem von der Zensur beherrschten „erwachten" Ungarn der Todesschrei der von raffinierter Verfolgung gemarterten Juden an das Licht der Ooffentlichkeit. Die ungarische Judenverfolgung arbeitet ^individuell", das heißt, es werden keine Massenpogrome veranstaltet und nicht Judenviertel in Brand gesteckt. Aber man wirst unter den ^nichtigsten Vorwänden jüdische Bürger in Kerker und Festungen, setzt sie qualvollen Martern, Leib ustd Leben gefährdender Behandlung und teilweise dent Tode aus ttnd schafft daneben durch systematische Aufhetzung der öffentlichen Meinung eine Stimntung unbändigen Hasses, die sich unausgesetzt in den furchtbarsten persöttlichen Angrissen auf Juden ättßert. In der Erlatter Festung schmachten unzählige Juden aus dem von den Rumänen befreiten Gebieten. Eine Entente-Kommission, die Garantien für Schonung der Juden forderte, wurde mit leeren Berspre chnng en ab gespeist, Eingreifen 3er Entente in Ungarn? Wien, 21. März. Der Vorsitzende der ungarischen Friedensdelegation in Paris, Gras Apponyi, richtete an den Ministerpräsidenten ein offizielles Schreiben, worin er erklärt, daß die Judenhetzc in Ungartt die- Stellung der ungarischen Unterhändler bei der Friedenskonferenz aufs äußerste erschwere. Die Herrschaft des Gesetzes auch zu Gunsten der ntchtchristlichen Konfessionen müssen endlich gesichert werden: sonst sei Ungarns Unabhängigkeit v e r l o r e n. Der Ministerpräsident hat den Brief in der Kammer verlesen, wo er tiefen Eindruck machte. Die „Wiener Morgenzeitung" befürchtet jedoch: nicht mit Unrecht, daß man jetzt die Judenverfolgung bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrags unterdrücken werde, um sie dann in verschärfter Form ausleben zu lassen, Eine Besserung der'Lage kann in der Tat nur von innen heraus erfolgen. Die jitöifche UJeithiifshonferen?. H>arls, 22. März. Die von dem nationaljüdischen „Comitä der Delegationen" angeregte W e l t h ü l f s k o n f e - renz tonnte bisher aus dem Stadium der Vorder hanidlungen nicht heranstreten. Die drei größten und sinatizmächtigsten HülfsorgänisLtionen: Alliance Jsraslite, Jewish Colonization Association ttnd American Jewish Relief Eommittee stehen dein Projekt reserviert, wenn nicht gar ablehnend gegenüber, angeblich, weilsie die Konferenz für verfrüht halten. In Wirklichkeit dürste für die Haltung der drei Organisationen wohl die Tatsache maßgebend sein, daß man das neu entstandene nationatjüdischo Comttö nicht für berufen hält, die Initiative in dieser Sache zu ergreifen, und daß 'man sich die Einberufung der Konferenz selber Vorbehalten^ will. Ob die Nationalräte, die ja große Lust zeigen, sich als daltcrndc „Vertretung" des jüdischen Volkes in Paris ztt etablieren, die Hülsskonserenz auch ohne den Jca-Konzern abhalten werden, dürste hauptsächlich von der . Stellungnahme der Amerikaner abhängen, die den Ausschlag geben werden, Unrnnnien. Bukarest, 18 März. Durch den Tod des Senators Hecht ist das jüdische Mandat int rumänischen Senat freigeworden; Hecht bemühte sich ausgleichend im assimilatorischen Sinn zu wirken. Bei der bevorstehenden Ergänzungswahl stellen die Zionisten eine eigene Kandidatur aus. Der UJie3eraufbau 3er Lungenheilfiätte. Zürich» 25. März. Der „Hilssverein für jüdische Lungenkranke" hat beschlossen, die Heilstätte in Davos sobald wie irgend möglich wieder ztt eröffnen. Entscheidend für den Zeitpunkt wird das Ergebnis der eingeleiteten Samnllnngen sein. Die UJahlen in Ere? Jisroei. Jerusalem, 15. März, Der vorläufige Ausschuß (Waad hasemani) hat beschlossen, am Chol hamoed Peßach die so oft ausgeschobenen Wahlen zu einer De-! e g iertenv er sainm ln n g der paläst.i^ it e n s i s ch eti Juden ftattsinden zu lassen. Die zionistischen Führer stehen oiesein Beschluß mit gemischten Gefühlen gegenüber, weil man der Mehrheit gegenüber dent alten Jschuw nicht ganz sicher ist. Pafäflina un3 Emir Saifui- London, 22. März. In der Unterhaussitzung vom Dienstag fragte Abg. Newman den Unterstaatssekretär des Auswärtigen, ob Palästina nach den Bestimmungen des Friedesvertages dem arabischen Königreich zu gewiesen worden sei. Der Unterstaatssekretär antwortete, die Frage sei zu verneinen. Diese Antwort enthält nichts Neues, und eS ist, auch abgesehen von dem formalen Moment, ziemlich ausgeschlossen, daß England sich von dem arabischen König das Mandat über Palästina entwinden läßt. Lloyd George hat den Emir einladen lasten, zur Berichterstattung nach London zi» kommen. EniUMnw Uffeuheiur, 1. März. Bor einigen Tagen starb der yrer im Ruhestände lebende Lehrerveieran I. L Be g l e t n im 74. Lebensjahre. Er amtierte in Btbera u, Untereisenheim und schließlich in Demmelsdorf bei Bamberg; in letzterer Gemeinde wirkte er segensreich volle 40 Jahre und erwarb sich Tank und Anerkennung der Vorgesetzten Behörden. Der zur Beerdigung hierhergeeiUe Diftrik.srabbtuer Dr. B rader aus Ansbach, skizzierte das Lebensbild des verstorbenen Lehrers, pries insbesondere seine innige Frömmigkeit, Bescheidenheit und sein stets freundliches Wesen. Auf dem Begräbnisplatz in Ermetzhofen widmete Herr Hauptlehrer Strauß von hier, dem verstorbenen Kollegen herzliche Worte der Treue und Freundschaft und rief ihm namens des israelitischen Lehrervereins, sowie des paritätischen allgemeinen bayerischen Brudervereins die letzten Abschiedsgrüße zu. Sein Andenken wird ein gesegnetes und dauerndes sein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.