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Der Israelit · 1920-04-01 · Heft 13-14 (1.4.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 13-14 (1.4.1920)
Date
1920-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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©eit« 2 Nr. 18 u. 14 Irrhattsüdorstcht. Aufruf. — 1. Leitartikel: „WLM sich DölKer befreien . . ." — 2. Homiletik: Zlkckr in die Hagadah. — 3. KleinesFeuilleton: S. Brückyeimer: UauSer Prlftuh-Küchr. — (Rothschild an Wilhelm.) — 4. W o ch enrundschau: Das Sündenbekenntnis des Zionismus. — Honig auS den Blüten. — 5. Aufsätze: Heinrich Einstädter: Was Könnte Machst für unsere zandgrmeinden geschehen? — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: München, (Der Stadtrat gegen die juöenfeindlichen Kundgebungen.) — Hamburg. — Karlsruhe, (Minister Hummel gegen die Verhetzung der Jugend.) — Karlsruhe. — Wien, (Die Judenverfolgungen in Ungarn) — Wien, (Eingreifen der Entente in Ungarn?) — Paris, jüdische Welthilfskonferenz.) — Bukarest. — Zürich, (Der Wiederaufbau der Lungenheilstätte. — Jerusalem, (Die Wahlen in Erez Jisroel.) — London, (Palästina und Emir Fatsul. — 8. Personalien: Nffenheim. — 9. Aus Welt und Leben: Die Judenstadt von Lublin. — Gutti Alsen: Der Jude von Nissen. — 9. Feuilleton-Beilage: Im Iudenstaat der Chasarrn. Die aufgezwungene Mazzo. — Heinrich Einstädter: Das Chomezfeuer. — (Urbanowicz, der gelehrte Richter.) — 10. Kind er ecke: Michael Sachs: Das Grab der Aeghpter. — Vom großen Alexander! — 1l. Frankfurter Berichte: Leo Mainz V'SiT. -- Hagadahbortrag. — Verein Jüdische Bibliothek und Lesehalle. — Vereinskalender — Gebetzeiten. — Litterarische Warte: Auslieferung. — Der junge Grätz bei Samson Raphael Hirsch. — Solomo. — Bücherbesprechungen. — Litterarische Notiz. — Iüdi s ch e r V o l k s s r e un d: Pesach. — Berichtigung. — Die Sünde des Menschen. — Sesirah- Betrachtungen und Erinnerungen von Samson Raphael Hirsch. — Dpendelrste. — „Wenn sich Völker befreien.. Nicht nur vier Fragen sind es, die heute auf uns einstürmen, unserer Jungen und Jüngsten Köpfe bewegen und deren Mund beredt machen. Alles ist problematisch und in Nebel gehüllt. Ob mit dem das hundertfache n3ni2tt ritt von heute restlos zu beantworten ist? Wörtlich genommen, gibt es nicht einmal Antwort auf die vier Sederfragen aus Kindesmunde, tiefer gesehen aber vermag es uns wohl klare Erkenntnis unseres Jchs und der Grenzen unserer Kraft zu verschaffen. Der Wilna er Gaon in seinen für alle Zeiten gedachten Randglossen zur Hagadah sieht in den ersten Worten der tt'NI^-Antwort den Kernpunkt des ganzen Erlösungswunders, der auch Kernpunkt unserer Zukunftshoffnung ist. Ricke in die Kagadch. Bon Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren). Die „vier Söhne" (2’22 ruD-jx), ihre Fragen und die ihnen zu erteilenden Antworten boten zu allen Zeiten den Hagadahkommentatoren und -interpreten gewisse Schwierigkeiten, von denen manche zur Genüge bekannt sein dürften. Namentlich die Frage des Mi und die „schlagfertige" Antwort, die ihm nach der Hagadah zu erteilen wäre (IM nx nnpn), beschäftigte die Hagadaherklärer am meisten. Denn vor allem ist ein „schlagendes" Argument — wenn es auch bildlich gemeint ist — noch lange nicht geeignet, den Gegner zu entwaffnen oder gar ihn zu überzeugen. Abgesehen davon ist es nicht einzusehen, warum die Hagadah dem Mi nicht die Antwort erteilt, die die Thora selbst auf diese seine Frage vorschreibt. Die Frage des 2BH ist bekanntlich im 2. B. M. Kap. 13, 26 enthalten. Anstatt nun ihm die im folgenden Vers 27 enthaltene ausführliche und erschöpfende Antwort zu erteilen, chrelbt die Hagadah eine ganz andere Antwort vor, ie im Kap. 13, V. 8 enthalteii ist, und versteigt sich Der Israelit. 1. April 192« Mit tt'IÄtttt WV7 ÖHSJ? sagen wir es klar und deutlich allen, die am Frage- und Antwort-Spiel der jüdischen Zukunft beteiligt sind, worauf es damals ankam, heute noch cmkorrrmt und immer noch ankommen wird. Wenn ein Volk inmitten der Völker zur politischen Freiheit gelangt, so Pflegte dieser Befretungsakt in der Regel auf dreierlei Wegen vor sich zu gehen. Im ersten Falle wirft das geknechtete Volk, vom Freiheitsdrange beseelt, selbst die Ketten ab, um seine Schicksale in eigene Hand zu' nehmen. Zuweilen ist es aber der Herrscher des Landes, der, von edlen menschlichen Regungen geleitet, aus eigenem Antrieb das Werk der Erlösung auch an den Schwachen und Gedrückten vollzieht (Napoleon). Ein dritter in der Geschichte des letzten Jahrhunderts nicht mehr ungewöhnlicher Weg zur Befreiung des Fremdvolkes ist die Auflehnung des Wirtsvolkes gegen Druck und Entrechtung und in Verbindung damit die Proklamierung des Menschenrechts für alle. War doch die Emanzipation der Minoritätsvölker an der Schwelle unseres Zeitalters und später säst stets eine unmittelbare Folge von Revolutionen und Freiheitskämpfe. War einer dieser drei gegebenen Wege bei der Erlösung Israels aus Mizrajim gegangen worden? wn gibt als Antwort: ein lautes Dreimalnein! Ein Volk von Knechten, die, so tief in den Nttttltt '3 steckten, daß jede geistige Regung in ihnen erstorben schien, jeder Gedanke an Freiheit und Erlösung erstickt. So sehr, daß ihnen selbst der Glaube für ie von Moses überbrachte Botschaft fehlte, ITH *Wtt fiwp N*N22tt1. Waren es also die Freiheitsstürmer, die mit starker Hand die Wälle pharaonischer Gewalt zu nehmen gedachten? Nein: Oder konnte man gar vom Beherrscher Einsehen und Erbarmen erwarten, erwarten, daß er von edlen Regungen auf die Bahnen der Liebe und Menschlichkeit geleitet wird und sich aus eigener sittlicher Kraft zu der Höhe emporschwingt, wo Recht und Freiheit für alle erstes und oberstes Gebot ist? Konnte man diesen zweiten Weg hier erwarten? Nein Hinab! Der König, der hier in Rede steht, heißt Pharao, ein Name, der alle Illusionen solcher Art zerrinnen läßt. Am allerwenigsten konnte aber Israels Befreiung aus einer geistigen und sittlichen Erhebung des AegypterVolkes heraus erwartet werden. an^tth/ es handelt sich um Mizrajim, wo Menschenrecht gleichbedeutend war mit den Rechten einer Herrenkaste, die neben und unter sich nur noch Sklaven kannte, Objekte der Ausbeutung und' Knechtung. Pharao und sein Volk waren einander wert und würdig. *f?tt n&p Nttlxl MWp, wie sich die Weisen des Talmuds ausdrücken. Wo aber der Eigentrieb fehlte, König und Volk versagten, blieb nur ein einziger Weg zur Geula offen : ttVtt 1WK /taT 138'M- Nur Go ttesmacht konnte hier eine Türe ins Freie brechen, wo ■ alle natürlichen Voraussetzungen dafür fehlten und sich Widerstände bergboch türmten, die alles menschliche Hoffen und Wollen zunichte hätte machen müssen.- Hat nicht der geniale Hagadahdeuter aus Wilna mit dieser Auffassung das WH ans# auch auf alle Fragen der Gegenwart und der jüdischen Zukunft im Ganzen die richtige Antwort gegeben? Jüdisches Selbstbew ußtsein wünscht die nationale Jugend, in den Ländern des Golu§ wie als Hintergrund für die Bauarbeit in der künftigen jüdischen Heimat. Nicht mehr als anap, fordern stolz und bewußt als snin '32 hätten wir hier wie da unser gutes Recht zu fordern. Andere, Besonnene erwarten von einer Willensäußerung der Fürsten und Könige, vom Federstriche eines Hohen Rates die Wendung in den Geschicken Israels und — das Endziel. Es gibt jedoch auch der Stürmer genug, für die die Judensrage mit zum Komplex der sozialen Menschheitsfragen gehörtfür die Zion der Zukunftftaat ist, nicht der des Jesajas und Secharjah/ sondern der Propheten des Sozialismus; die aber im übrigen ihr Blut aus fremden Wällen verspritzen und damit sogar noch unseren Feinden Wälle errichten und Waffen schmieden — gegen uns. Und wohin haben bisher diese drei parallel laufenden Wege geführt? Die überschwengliche und unnötig scharfe Betonung des jüdischen Bewußtseins, des nationalen Stolzes, der es verschmäht, zu bitten, sondern nur immer fordert und verlangt, der mitten im verzweifelten Freiheitskampf ihrer Fesseln entsprungener Völker mit seinen eigenen Rechnungen und Aspirationen kommt, hat in Polen und Galizien — wo der Judenhaß nur auf Ausreden wartete — mit zu den Zuständen geführt, die wir endlos und so aus tiefstem Herzen beweinen. Wobin hat aber das Vertrauen auf den hohen Rat der Mächte geführt, mittels dessen man drei Jahre lang mit den Herzen der Millionen in unverantwortlichster Weise gespielt hat? Noten und Versprechungen, Proklamationen und ein leuchtendes Fata Morgan a von Zinnen und Türmen nahen Heimatglückes! Und nun Ersogar zu der Behauptung, daß er wegen dieser Frage! der Erlösung nicht würdig wäre (bx:r *"n X7 LN '"n :7x). Und endlich: Warum wird die in der Thora angeführte und scheinbar harmlos lautende Frage (2. V. M. Kap. 12, 26) ausgerechnet dem van in den Mund gelegt und warum wird ihm nicht die Antwort zuteil, die die Thora ihm zu erteilen vorschreibt? Wozu in die Ferne schweifen? Die Antwort auf all' diese Fragen ist sehr einfach. Man beachte den betreffenden Thoraabschnitt (2. B. M. Kap.) etwas genauer. In diesem Abschnitt — namentlich von Vers 3l ff. — sind die Vorschriften enthalten, die Israel zum erstenmale in Aegypten befolgen und aussüyren sollte (Vorbereitung des Peffachopfers re.). Dies alles mutz naturgemäß den in onrrv geborenen und erzogenen Kindern fremd und sogar sonderbar erscheinen. Denn sie werden es zum erstenmal sehen. Ist es denn ein Wunder, wenn diese Kinder auf ägyptischem Boden fragen rrrüy.i no LLb nxrn? Diesen Kindern soll man antworten N2t xin ree, denn sie können es unmöglich wiffen und ihre! Frage ist nur allzu begründet und daher auch bebegreiflich. Diese Frage werden alle Kinder fragen, alle, die in W18V leben und das NLv s22p zum erste nm ale sehen werden. Deshalb heißt es hier ausnahmsweise 22')2 L2»dx vwsx* »2 (in Mehrzahl), währerrd sonst nur von Einzahl die Rede ist l"2i "ftXL" '2. Wer aber nach der Erlösung aus Aegypten, also auch nach der Offenbarung am Sinai, wer jetzt die Frage richtet 22^ nxn rnnyn nö, der fragt nicht mehr so naiv und harmlos wie jene Kinder, die in ägyptischer Knechtschaft und vor der ,"W2P vb': lebten, denn dieser sollte schon wiffen, warum wir „dies alles tun"- ein solcher ist ein Mi, der sich über alles erhaben glaubt (6 xbi 22b) und ihm gebührt mit Recht die Antwort, die ihm die Hagadah erteilt. Wie die Frage, so die Antwortwie man in den Waid ruft, so hallt es wieder, auf einen groben Klotz, gehört ein grober Keil. Auffallend ist auch scheinbar die Frage it'XNü ^12* B>Tin, „man könnte glauben, daß man schon vom Beginne des Monats Nissan usw." Wieso könnte man es nnnehmen? And warum ausgerechnet voui Beginn deS Monats Nissan, also volle 15 Tage vor Pessach? Beachtet man aber genau den Wortlaut des betreffenden Thomabschnittes, dann sieht man, wie begründet diese Annahme wäre. Die Hagadah schließt mit den Worten "^2*7 JViiHV die ebenfalls im 2. B. M. Kap. 18, 8 enthalten sind. BerS 4 lautet: „Heute (M'N) ziehet ihr aus (aus Aeaypten) im Monate des Frühlings (L'LX.n tiHri)" Vers tz schließt: „Und ihr sollet verrichten diesen Dienst in diesem Monat". Vers 8 aber lauter: „Und du sollst sagen deinem Sohne an diesem Tage (xnn 2V2)". An welchem Tage? Ist doch in diesem ganzen Abschnitt von „diesem" Tage (d. h. von einem bestimmten Tage) überhaupt nicht die Rede.. Dieses x:nn m'2 könnte sich höchstens auf Vers 4 beziehen, der mit 2ivt beginnt und mit n^xn LNN schließt. Daher die Frage wnn t?x*ia ^2'. Man wäre in der Tat versucht (nämlich durch das Wortspiel von 21\“T und cvo), daß rrum auf die Zeit v 0 m A n f a n g e d e s M 0 n a t s (2'2X2 ann) zu beziehen, deshalb heißt es i"2i ru ->QP2. Diese Annahme wäre nicht willkürlich, sondern ganz logisch. Bekannt ist das Wortspiel im folgenden Hagadabübschnitt. Israel sollte bekanntlich in Aegypten 400 Jahre sein, in Wirklichkeit waren es aber 210 Jahre 0"*n). Die Differenz ist demnach 199 Jahre (gleich: ,2). Das ist auch in der Hagadah angedeutet. Mn n"2,MP

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