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Der Israelit · 1920-03-25 · Heft 12 (25.3.1920) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 12 (25.3.1920)
Date
1920-03-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Sekte 10 Nr. 13 35. März 1039 Eine jüdische Wahlrechtsvorlage vor 360 Jahren. In der „Jüdischen Volksstimme" macht Dr. M Grünfeld interessante Mitteiiuna über eine Entscheidung des Rabbi Menachem M. Kirochmal n"2 in einer Wablrechtssrage. 1636 wurde der Rabbi nach Krem sier in Mäh'.en als Rabbiner berufen. Gleich nach seinem Amtsantritte trat an ihn die Frage der Wahlordnung für die Gememdebeamten heran. Man wundert sich über die geradezu modernen Anschauungen, die er darin ausspricht und wir lernen dabei ein Stück Geschichte der mährischen Jude'ugemeinden kennen In der Anfrage (Schaalah) heißt es: Es bestcyMin der Gemeinde feit langen Zeiten die Einrichtung, daß der Rabbi und andere Gemeindebeamten durch direkte Wahl sämtlicher steuerzahlenden Gtz»neiudemikglieder, die Borsteher und Ravbinatsassesoren durch indirekt e W a h l gewählt werden. Die „angesehensten" Gememdemirgneder wollen nun einen anderen Wahlmodus kinführen. Nur die „Höchst besteuerten" und die durch „G e l e br sa m k e i t her v o rra g e n d e n Gemeindemttglieber" mögen die Interessen oer Gemeinde wahren und durch ein Statut soll sestgestellt werden, „welche Klasse der Besteuerten und Talmudbesiisienen zu Gemeindeämtern und zu deren Wahl zugelassen werden". Der Antrag war begründet wie folgt: Die Geuieindeangelcgenyeiien sind eigentlich Geldangelegenheiten, deshalb hätten die Armen nicht dieselben Rechte, .nie die Begüterten. Den Armen wird das Wahlrecht nur unter der Bedingung zugestanden, daß sie den „Vorzug besitzen, den die Gelehrsamkeit verleiht". Die ärmeren Mitglieder ließen sich, zu ihrer Ehre sei's gesagt, diese geplante Vergewaltigung nicht ohne weiteres bieten. Sie machten gellend, daß sie mit ihrem kleineren Steuerbetrage, den sie zahlen, ein größeres Opfer als die Reichen bringen, und, wenn die Reichen sich aus ähnliche Bräuche in anderen Gemeinden berufen, dann berufen sie sich auf den alten Brauch, „dem sich sogar die Halacha beugen muß und der nicht umgestoßen werden soll". Nun soll der Rabbi entscheiden. Die Theschubah des Rabbi lautet: „Ich kann die Ansicht derer nicht billigen, die das Wahlrecht der Armen verkürzen wollen. Wie leien wir im Trakmte Menachoth am Ende? „Das Opfer des Armen, bestehend in einer Taube, rvurde vom Herrn, vor dem alle gleich sind, eben'v wohlnefälüg angenommen, wie das Rind des Reichen". Wir fügen hinzu, der König Agrippa konnte sich eine Hekatombe leisten, die arme Witwe nur ein Turtcltäuvchen. „Nephesch" heißt es bei der Darbringung des Speiseopfers, d. h. die Seele muß bei dem Opier sein, die Gesinnung ist es, die dem Darbrlngenden angerechnet wird. Die kleine Gabe, die der Arme für ö c Bedürfnisse der Gemeinde darbringt, wiegt des Begüterten reiche Gabe aus. Wir aber denken, der Reiche spendet von seinen! Ueberflutz, wie Raschi zur Sielte sagt, der Arme setzt sein Leben, seine Seele (Aeplnsch) daran. Die heilige Schrift gebietet, dem Tagelöhner den Lohn sofort auszuzahlen, denn sein Leben (Nephesch) hängt daran. In seiner Rechrsliebe führt Nabbi Mcnachem als Gegenprobe auch andere Stimmen an. Asch eri (14. Iah.hundert) meint in seinen Refponien, daß, wo es sich nur Gemeindeangelegeriheiten handelt, die mit Gelökosten verbunden sind, solche das Hauptwort zu sprechen haben, wcläje bie höheren Steuern bezahlen und es der Mehrheit der Armen nicht gestartet werden kann, die Neichen zu überstiurmen. Dazu bemerkt Rabbi I o s u a Falk Ha - Kohenin seinem Kommentar zum vierten Teste des „Schulckan-Aruch", im „Sepher Meirns Enajim" (S'ma), Äschert habe nur nicht gewünscht, daß die Armen über die Köpfe der Reichen hinweg Beschlüsse fassen, aber keineswegs sollen die Besitzenden allein den Ausschlag geben und er erklärt, weder dürfe ein Majorisieren der Minderheit der Neichen durch die Mehrheit der Besitzlosen, noch eine Beherrschung der Armen durch eine kleine Zahl der Neichen eir-trelen. Was war demnach nach Rabbi Menachems Responsum ln Mähren Brauch? Zur Wahl des Rabbiners und der anderen Gemeindebeamlen ist die Mehrheit derer, aus denen die Steuerkraft ruht, aber auch die Mehrheit der Gemeindemitglieder erforderlich. Dieser Brauch beruht auf dem Responsum Ascheris. Es kann demnach nicht zugegeben werben, die Armen von der Wahl auszuschließen, sie ihres Wahlrechtes zu berauben, weil ihr Sieuerbeitrag ein geringer ist. W e steht cs aber mit dem Wahlrecht, derer, die der Geistesbildung und des religiösen Wissens entbehren? Rabbi Menachim entscheidet: Es widerspricht der Vorschrift des Talmud, denen das Wahlrecht zu entstehen, die der Geistesbildung und des religiösen W sjpns entbehren. Zur Zerr der Talmudlehrer wurde das Landvolk der „Am Haarez") wegen seiner Rohheit und Unwissenheit nicht einmal zur Zeugenaussage zugelass.n. Aber schon damals erklärte sich Rabbi J^se bageg n. Man soll die Kluft zwischen den Menschen nicht erweitern, nicht den Keim des Hasses leger: in das Herz des Urig». bilde! cn. Das muß zu Spaltungen führen, die bester vermieden werden. Die Erlmieruug greift dann Platz, wenn man den Ungebildeten ein Recht tauben will," das sie bis jetzt geübt haben. Wenn in manchen Gemeinden ein Vorrecht der Reichen < _Ber HSraeM. besteht, so ist diese Bestimmung durch gütliches Uebereinkommen der Parteien festgesetzt worden. Eine gewaltsame Einführung aber gegen die bestehende Ordnung, müsse Zsink und Streit verursachen. inderecke. Liede junge Freunde! Irrra Eure Rätsellösungen legen davon Zeugnis ab, daß Ihr Euch gern mit dem Hebräischen beichäftigt und keine Mühe scheut, wenn Euch eine Ausgabe gestellt wird. Das verdient Lob. Ihr . werdet es in späteren Jahren oft erfahren, daß selten ein Erfolg ohne Anstrengung erzielt werden kann, und dann wird es gut fein, wenn Ihr Euch schon in der Jugend daran gewöhnt habt. Heute lade ich Euch ein, an einem Versteck-Rätsel Cure Kräfte zu erproben. Aus vier Bibelversen sollt Ihr je ein Wort nehmen, und diese vier Worte müssen einen Satz ergeben, der eine wichtige, in der Thora enthaltene Vorschrift ausspricht. Die vier Sätze sind: Bamidbor, Kap. 12, Vers 14; Bereschis, Kap. 4, Vers 3; Schemuel II, Kap. 9, Vers, 7; Wajikro, Kap. 7, Vers 12. Nun munter ans Werk! Es grüßt Euch bestens Euer v Onkel in der Kinderecke. Auflösung des Rätsels in Nr. 8. vm vw. vw. Richtige Lösungen sandten ein: Minna Oppenheimer, Hanau. — Emanuel Wolf, Köln, — Samuel Baer, Segeberg. — Paul Scherling. Darmstadt. — Eva Friesländer, Berthold Stern, Siddy Weil, Henny Sulzvach, Ttlli u. Trude Schachnowttz, Sophie Risch, Grete Gutmann, Salomon Wolf, Irene Kraftlos, Nanny Stern, Jetta Rosenheim, Sophie u. Hannah Landau, Karl Stern, Ludwig Rapp alle in Frankfurt a. M. Raschi -beschichten. in. Raschi's Mutter ging, da sie noch diesen unter ihrem Herzen trug, ourch die enge Straße der Stadt Worms, die zur Synagoge führt. Da rollte ihr ein voübeladener Wagen entgen, der die ganze Straßenbreite einnahm. Die Frau wollte ausweichen. Doch zu spät. Die Pferde waren im vollen Trab und der Fuhrmann konnte sie nicht mehr halten. Die unglückliche Frau klammerte sich an die Synagogenmauer, doch fuhr der Wagen so dicht an sie heran, daß sie beinahe totgedrückt wurde. Da öffnete sich plötzlich eine Nlsche in der Mauer und die Frau konnte darin Zuflucht und Rettung finden. Die Nische an der Synagogenmauer von Worms ist heute noch zu sehen.' IV. Im vorgerückten Alter unternahm Nascht große Wanderungen, um durch Golusleiden alle möglicherweise begangenen Sünden zu büßen. Wie er einmal nach Spanien kam und ein Lehrhaus aussuchte, sah er wie die Leute voller Bewunderung um einen Mann standen, der aus einer Schrift vorlas, und wie sie jedes Wort gierig verschlangen. Als er richtig htnhörte, merkte er zu seiner großen Freude, daß dieses Buch nichts anderes war als sein Kommentar zur Thora. Er tat, als hörte er nichts und genoß im Stillen die Freude, daß sein Werk nun überallhin den Weg gefunden und vollauf gewürdigt wurde. Wie er aber dann hörte, daß die Lernenden eine schwierige Stelle bei aller Anstrengung nicht deuten konnten, trat er vor und erklärte den Satz so anschaulich, daß alle Zweifel und Fragen wegfielen und die Sache allen klar wie die Sonne erschien. „Woher weißt Du dieses", drangen sie in ihn. „Ich habe diese Erklärung aus dem Munde Raschis selbst." „Du kennst diesen großen Mann und hast ihn mit eigenen Augen gesehen?," wunderten sie sich und wollten alle Einzelheiten von ihm wissen. Als er sich von den vielen Fragen gar zu sehr bedrängt sah, gab er sich endlich zu erken° nen, entzog sich aber allen Ehrungen dadurch, daß ex noch in der gleichen Nacht unbemerkt aus der Stadt verschwand. Aehnliches erfuhr er auch in Böhmen, in Polen, in Ungarn und anderen Ländern, so daß sein Name bald in aller Welt bekannt wurde. Aus dem Talmud und Midrasch. (R. Chanina b. Chama:) Jerusalem ist zerstört worden, weil die Israeliten jener Zeit gegenseitig falsche Nachsicht übten, indem sie nicht einander wegen der begangenen Sünden ermahnten; man vergleiche das Bild in Echa 1,6: „Ihre Großen sind Rehen gleich", wie das Reh in der Hhrde seinen Kops an den Schweif des vor ihm schreitenden Rehes hält, so hielten auch sie ihr Gesicht zu Boden gesenkt und wiesen einander nicht zurecht. Sabbat 119d. fledermut tut nicht gut. Von Heinrich Einflädter. Salo war ein leichtsinniger, ungehorsamer Knabe. Er tummelte sich lieber mit bösen Buben auf der Straße, als ruhig bei den Schulaufgaben zu Hause, zu sitzen, und je wilder und ungeberdiger seine Gesellschaft sich benahm, desto zufriedener fühlte er sich. Seinen Eltern bereitete er dadurch große Sorgen. Ihre Ermahnungen blieben meistens ohne Erfolg, und zu empfindlichen Strafen konnten sie sich bei ihrer übergroßen Liebe zu dem einzigen verzogenen Söhnchen nicht verstehen. Die Folge davon war, daß sich Salo mit der Zeit über die Gebote Gottes und der Menschen mit frevelhaften Uebermut hinwegsetzte. An einem der Zwischen tage des Peßachfestes spielte Salo mit seinen Kameraden in einem Lagerhause „Verstecken". Die weiten Räume des Gebäudes boten gar viele Winkel, in denen, die Knaben sich leicht verstecken konnten. Trotzdem hatten einige jüdische Kinder sich geweigert, an dem Spiele teilzunehmen, weil sie fürchteten, dabet mit Chomez in Berührung zu kommen, denn das Lagerhaus diente auch zum Ausspeichern von Mehl und Getreide. Salo kannte solche Rücksichten nicht. Ja, als er in einer Ecke zwischen Warenhaken ein Stück Kuchen fand, biß er herzhaft hinein. Er hatte ja jetzt schon lange auf solches Backwerk verzichten müssen! So aß er es, obwohl ^-es trocken war und gar nicht gut schmeckte. Doch die Strafe folgte diesmal der Sünde auf dem Fuße. Bald fühlte Salo heftige Leibschmerzen, er wurde gak^ blaß und wand sich unter heftigen Krämpfen am Boden. Der Kuchen war nämlich vergiftet gewesen, und zur Vertilgung von Mäusen und Ratten zwischen die Waren gelegt worden. Zum Glücke war bald ein Arzt zur Stelle, der mit Erfolg starke Brechmittel anwandte. Aber doch mußte der Knabe viele Schmerzen , ertragen, und er konnte das Krankenlager nicht! verlassen. Diese schwere Zeit war aber j für ihn. Zum ersten Male hörte er willig auf die guten Lehren seiner Eltern, und als ein besserer Mensch verließ er die Krankenstube, in der er so viel hatte leiden müssen.

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