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Der Israelit · 1920-03-18 · Heft 11 (18.3.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 11 (18.3.1920)
Date
1920-03-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Feuillelon-Veilage zu Ar. 11 des „3 ♦ 3m Zudenfiaat der Shafaren. Historischer Roman aus dem achten Jahrhundert. (7. Fortsetzung.) „Ich werde dein Glück ungetrübt teilen, Nechamah, denn die trüben Schatten weichen und meine Seele wird genesen-dochdoch weißt du etwas von Kosarios?" „Nicht mehr als du, Liebste; weißt du noch, wie er damals, vor acht Tagen, den Gaba hinunterging und du ihm nachschautest,- wie wir damals von ihm sprachen? Er kam seitdem nicht wieder-" „Kann ihm ein Unglück zugestoßen sein?" „Kosarios ist stark und mutig und er nimmt es mit Räubern auf wie er stch gegen wilde Tiere zu wehren weiß. Er hatden scharfgeschliffenen Dolch stets zur Hand." „Hat ihn jemand beleidigt, verletzt? Machir vielleicht oder Ben Chisdai oder gar dein Vater selbst?" „Nichts von alledem, Machir mag ihn zwar nicht und arbeitet im Stillen gegen ihn, aber offön wagt er sich gegen den Rlesen der unbekannten Berge nicht hervor, Ben Chisdai liebt ihn über alle Maßen und sieht in ihm seinen Lebensretter und der Vater behandelt ihn gut, wenn auch mit der einem Nichtjuden gegenüber, dessen Absichten und innere Gesinnung man nicht kennt, gebotenenVorsicht undZu rück Haltung." Sie betonte die letzten Worte sehr scharf. „Und wie erklärt sich denn Ben Chisdai seine Abwesenheit? Ich wagte nicht danach zu fragen." , „Ist auch ihm ein Rätsel, daS er sich nicht zu lösen vermag. Möglicherweise hängt sein Ausbl.iben mit den Vorgängen drüben — sie wies nach der Stadt — zusammen. Ich hörte, wie dein Vater, der in der Stadt bei den Chasaren Geschäfte hatte, heute im Lehrhause von neuen Kriegen erzählte, die über das Land heranziehen. Die Araber in Armenien haben sich in der Festung Ardelan gesammelt uUd wollen von dort gegen unsere Grenze ziehen. Reges Treiben herrsche im Palaste unsere- Chakan Bulan, und alles was Waffen trägt, wird zum Kampfe aufgerufen. Ich hörte, wie sie darüber berieten, einen größeren Geldbetrag von der Gemeinde unserem guten Chakan Bulan zu überreichen, als Zeichen des Dankes und der Treue. Gewährt er doch auch uns seinen Schutz, ohne Heeresdienst von uns zu verlangen. Bet der Hochzeitsfeier, an der die ganze Gemeinde teilnehmen wird, soll die Summe aufgebracht und über alles Weitere beraten werden." „Und Kosarios?" erwachte Batsua wie aus einem Traum. „Wir wollen nicht hoffen, daß er den bereits in den Bergen herumschwirrenden wilden Araberhorden in die Hände gefallen ist, vielmehr erwartet Ben Chisdai immer noch, ihn bet der Vermählungsfeier unter uns zu sehen. V. Im Palaste des Chakan saßen im großen mit bunten Teppichen ganz belegten Saale, der vom rechten Flügel aus den Ausblick aufs weite Meer freiließ, Bulan, der Beherrscher der Chasaren, unter einem Baldachin von rotglitzernder Seide, den goldenen, diamantenbesetzten Herrscherstab in der Hand. Ihm zur Rechten saß auf einem niederen Kiffenpolster der Pegan, Hamenas mit Namen, dem die Würde des Vtzekönigg zukam. Er hatte als solcher die geheiligte Person deS Chakan Bulan, der stch nach altkofarifchem Gesetze nur in seltensten Fällen unter die Sterblichen mischte, in allen StaatSgeschästen und weltlichen Angelegenheiten zu vertreten. Ihnen gegenüber saßen tm Halbkreise auf ausgebretteteu Fellen und Teppichen sieben würdige Männer, deren lange Graubärte bis auf die Brust wallten. Diener in kurzen Schafspelzen und spitzen Pelzmützen auf dem-Kopfe brachten schweigend Pergamentrollen und schürten am offenen Kamin, in dem es rot und heimelig schimmerte. Der Chakan Bulan hatte großen Rat einberufen. Alles verharrte in ernstem Schweigen, bis daß der Chakan ein Zeichen mit dem goldenen Stabe gab, worauf sich der Pegan Hamenas dreimal bis zur Erde verneigte und dann, sich emporrichtend, leise anfing. „Die Macht des Chakan wachse. Siddharte, der Sohn der Sonne, hält seine schützende Hand über ihn, Trimurti, der Ursprung aller Wesen und Saraswati seine Gehilfen verleihen ihm ihre Huld. Unsere Grenzen dehnen sich jetzt vom Schwarzen und Kaspischen Meere über die Kaukasusberge hinaus bis zu den Ländereien der Asorischen See und zur Thaurtschen Halbinsel hin. Die Slaven am Dniepper und am Oka sind uns untertan und tributpflichtig, und unsere Heere dringen Wetter vor im Westen bis zu den Karpathen. Nun kommen von Südwesten her die Araber unter ihrem Kalif Achmadus, von Neid und Furcht getrieben, gegen unser Land gezogen und der große Chakan hat nun die sieben Weisen des Chakanat einberufen, um zu beraten und zu hören, was uns die Götter zu tun befehlen." Hamenas schwieg. Einer der sieben Weisen, Miltkamin, der Berater in Kriegsfachen, ergriff, nachdem er mit der Stirn dreimal den Boden berührt hatte, daS Wort: „Die Macht des Chakan wachse. Der Aufstand der Araber darf uns nicht beunruhigen. Siddharte schickt Feuer und Hagel über die Köpfe unserer Feinde und nimmt unsere tapferen Helden in seinen Schutz. 8tn Bote aus Elbaus, der heute auf flinkem Rosse hergeeilt ist, brachte die Kunde, daß dort am Ufer des Kaspischen Meeres, das durch den südlichen Fuße des Kaukasus eingeengt wird, der glorreiche Sohn des Chakan, die Zukunft unseres Landes, der edle Sa lim an mit seinen Truppen angelangt und am Bergpaß Stellung genommen hat, um dort Achmadus Heere zu erwarten und den Hauptschlag gegen sie zu führen. Es steht gut um unsere Sache und w.r wollen für Trimurti in den Tempeln alle Gebetmühlen in Bewegung setzen und Siddharte Opfer bringen!" Da ha dal, dem die Eintreibung von Zoll und Zins oblag und der die Finanzen der Schatzkammer verwaltete, berichtete, daß der Tribut auS allen Vasallenländern, der Schatzkammer des Chakan richtig und Pünktlich zugeführt wurde. Aus Bulgarien und anderen Ländern seien reiche Geldgeschenke etngegangen. Alle Bestellungen für die Ausrüstung und Verproviantierung deS Heeres seien auf die Stunde geliefert worden und auch schon mit reinem Golde bezahlt. Auch die anderen in Chasarien lebenden und Gastrecht genießenden fremden Völkerstämme hätten sich erboten, freiwillige Beiträge zur Krtegskasse zu leisten, als Dank für Schutz und Gastrecht, daS sie im Lande genießen. Besonders die Juden, die mit aller Welt in Frieden leben, kündigten durch ihren Vertreter, den Kaufherrn Amram, die Leistung einer ansehnlichen Summe an. . „Heil dem großen Chakan! Sein Reich wachse!" Alle riefen es im Chore. Nur der Pegan Hamenas verzog unwillig das Gesicht. „Siddharte sei Dank!" fing er mit gedämpfter Stimme an. „Und dennoch ist er mir bang um die Zukunft unseres Reiches. Ich habe dumpfe Träume, und Ahnungen drücken auf meine Seele. Ich bitte den hohen Rat und den großen Chakan, zu beschließen, die Gelder der Fremden, besanders der Juden, der Feinde SiddharteS, nicht anzunehmen. Die Götter sehen huldvoll auf uns und verzeihen uns in ihrer Gnade, daß wir die Fremden, die ihrer spotten und mißachten, in unserer Mitte dulden. Wir dürfen aber die Götter, wenn sie unsere Hand im Kriege gegen die Araber führen sollen, nicht noch mehr reizen, indem wir der Fremden Hilfe annehmen und ihr Gold verwenden." Dumpfe Stille trat ein. Man kannte die strenge unduldsame Art des Pegan, doch hatte man ihn in Gegenwart seines obersten Herrn, des unumschränkten Beherrschers des Landes, noch nie so sprechen gehört. Alles sah gespannt auf die ehernen bewegungslosen Züge des Chakan. Dieser deutete mit dem Stab auf Tab an, den großen Schriftgelehrten im Rate, der die ganze Zeit brütend, den Kopf auf die Brust gesenkt, dasaß. (Fortsetzung folgt.) inderecke. inderecke Der Tempel des Herodes. Nachdem Herodes aus Anraten von Baba, Sohn Butas beschlossen hatte, den Tempel neu zu errichten, schickte er einen Boten nach Rom, um die Genehmigung für diesen Bau bei seinem Schutzherrn, dem Kaiser von Rom einzuholen. Da er allen Grund hatte, anzunehmen, daß die Erlaubnis zum Tempelbau in Rom nicht erteilt werden wird, wartete er diese gar nicht ab und fing mit den Bauarbetten sofort an. Der Bote blieb ein ganzes Jahr aus und kam dann, mit einer Botschaft zurück, die nicht sehr schmeichelhaft für Herodes war. Die Römer kannten den schlauen Herodes und wußten, daß er ihre Genehmigung nicht abwarten würde. So schrieben sie ihm u. a.: „Du ungetreuer Knecht." Fragt man etwa nach vollzogener Tat? Solltest Du noch weiter unserer spotten, so wollen wir Dir deinen-Adelsbrief ins Gedächtnis rufen." Sie erinnerten ihn daran, daß er ein entlaufener Sklave sei, der sich ohne Recht auf den Thron Judäas geschwungen hätte und drohten ihm harte Strafe an für den Fall, daß er wieder einmal ohne Willen und Wissen Roms wichtige Maßnahmen treffen sollte. Herodes steckte diese Beleidigungen ein. Aber .der Tempel war inzwischen fertig geworden und war von solcher Pracht, daß man sagte: „Wer den Tempel des Herodes nicht gesehen, hat einen schönen Bau noch nie erblickt." Aus dem Talmud und Mdrafch. (R. Eleafar b. Pedath:) Die Frommen versprechen wenig und tuen viel nach Abrahams Beispiel (Gen. 1s, 4—5 und 6—8); die Frevler versprechen viel, tuen aber nicht einmal Weniges gleich Ephron (Gen. 23, 11 und 15.) Baba mezta 87a.

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