Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1920)
- Date
- 1920-03-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 No. li Der Israelit. 18. März 1920 preußischen Regierung einzutreten,' sofortige Nachprüfung der Unterlagen für die Teilnahme aller Juden am Hochschulstudium,' Vorstellung bei der Reichsgetreideftelle gegen die Zuteilung von Mehl und Mazzos. So weit ist es bereits im schönen Bayernlande gekommen. Die öhel 3ahonj-6emein3e in JTIündien. München, 10. März. Die .letzte Generalversammlung der Ge meinde bnK faßte einstimmig folgende Resolution: „Mit der gesetzlichen Neuregelung der staats kirchenrechtlichen Verhältnisse in Bayern, erlischt auch die Wirksamkeit des im Jahre 1907 zwischen der Knltusgemcinde München und unserem Ver ein geschlossenen Abkommens. Mit Rücksicht hierauf ersucht die Mitglieder Versammlung die Vorstandschaft, bei der Verwaltung der Kultusgemeinde die baldige Aufnahme von Verhandlungen zur Neuregelung dieses Verhältnisses anznregen. Leitender Gesichtspunkt bei diesen Verhandlungen soll sein, daß unter Aufrechterhaltung der Organisation der sich veranlaßt sieht, gegen manche Kunstverbreitungs Methoden aufzutreten. Soweit — die Zionisten. Lebhafter geht es seit den letzten Wochen im orthodoxen Lager zu, freilich vorläufig erst halb hinter den Kulissen. Und dies deshalb, weil die Einigungsbestrebungen mancher einsichtiger, ehrlicher, frommer Juden sehr schwer mit dem Antagonismus zwischen dem ,polnischen" und „ungarischen" und noch schwerer mit dem kleinhorizontigen Partikularismus, an welchem die Wiener Orthodoxie schon jahrelang krankt, zu ringen haben. Und doch geht es langsam vorwärts. Die Macht der nichtreltglösen Mischen Parteien ist derart im Anwachsen begriffen, daß der Ruf nach Vereinigung aller gesetzestreuen Juden im Herzen aller Frommen lebhaftesten Widerhall findet. Und so ist es auch zu begrüßen, daß die Mazzosfrage die Vereinigungsbeftrebungen zu einer brennenden Probleme, zu einem Tagesgespräche der Wiener Orthodoxie machte. Der Herr' Rabbiner A. Leiter aus Amsterdam, Delegat der holländischen Orthodoxie, welche der Wiener Judenheit in der Beistellung von Mazzos so freigiebig entgegen kam, ist es, welcher den Gesamtgemeinde für unseren Verein und seine I ^r^mMngsged^nken wieder aufs Hrrrrrrrp fite impinri.ptrf)xmTIft-p ^ptnpmnTnSrrpT'fipft I brachte. Seither WUrdöN sll?0U manche Arbeiten (durch Versammlungen, Konferenzen daß sogar dte ernste zionistische „Morgenzeitung" « auch erfroren, indes die guten Wollkleider Organe die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit auf allen Gebieten des religiösen Lebens angcstrebt wird, und daß die rabbinische Autori tat des Vereins Ohel-Jakob in ihren Rechten dem Gemeinderabbiner gleichgestellt wird." In einer weiteren Resolution ersucht die Mitgliederversammlung die Vorstandschaft in An lehnung an die zwischen dem Verein „Adaß Jsroel" in Nürnberg und der dortigen Kul tusgemeinde geführten Verhandlungen die Errichtung einer jüdischen V o l k s s ch u l e in München auf das eindringlichste zu betreiben. Reprälenianfenfifeung’ Kamöirrg 7. März Das Repräsentantenkollegium der Deutsch- Israelitischen Gemeinde nahm in der letzten Sitzung einstimmig den Antrag des Gemeinde- Vorstandes ans Veranstaltung eines Wettbewerbes zur künstlerischen Ausgestaltung des Krieger-Ehrenfriedhofes der Gemeinde in Ohlsdorf an 'und bewilligte die für das Preisausschreiben erforderlichen Mittel. Ferner wurden dem Israelitischest Uuterstützungsvcrein für Obdachlose 1000 'Akk. als einmalige Beihilfe bewilligt. Nach Erledigung der Tagesordnung erinnerte der anwesende Kommissar des Gemeinde- Vorstandes Jakob Alexander daran, daß diese Sitzung die letzte des Kollegiums sei und daß es neun Jahre in ernster Zeit ersprießliche Arbeit geleistet habe. Nach Erwiderung einiger Mitglieder des Kollegiums schloß der Vorsitzende die letzte Sitzung des Retzräseukänteukotleginius, welches oier Jahre Wer den satzuugsgemäß festgesetzten sLn^atzrigen ZetkesUrn tzinäus tttt Amte war. Gestörte irt/. Brief aus Men. Wien, 8. März. (z). Die „Wintersaison" im Wiener jüdischen Gesellschaftsleben geht zur Neige, ohne auch nur einen Teil dessen gebracht zu haben, was die vorjährige veranstaltungs-, versammlungs- und gründuugZwütige Saison dem jüdischen Publikum bescherte. Die Wiener Zionisten, welche voriges Jahr sehr eifrig in „Revolution" und „Renaiffance" machten, ließen Heuer nach Erreichung mancher Ziele in ihrer Tätigkeit nach. Dafür blüht aber umso üppiger eine recht zweifelhafte „jüdische" Kunst und derlei anderer Modekult und so sieht man fast allwöchentlich auf allen Litfaßsäulen neben andersfarbigen auch blauweiße Ankündigungen augenfällig prangen, in welchen die jüdischen Volksgenossen" zum Besuche von allerlei Abenden eingeladen werden, wo nur die Besucher jüdisch sind, doch keineswegs das Repertoire. . . Und das Treiben geht manchmal schon soweit, und dgl.) zur Gründung einer „Vereinigung aller gesetzestreuen Juden in Wien" getan — Arbeiten, die von den Zionisten halb mißtrauisch, halb feindlich gewertet werden. Vom orthodoxen Standpunkte jedoch ist noch kein Grund vorhanden, frühzeitig zu jubeln. Nicht der „Feind" von außen, sondern manche' „Freunde" von innen lassen vorläufig das Gelingen des Vereinigungswerkes problematisch erscheinen. In der Wiener Orthodoxie ist noch immer das Bewußtsein nicht stark genug, daß man persönliche und taktische Fragen, die leicht zu Zwistigkeiten führen, zurückstellen muß, angesichts der betrübenden Tatsache, daß das religiöse Judentum in Wien geistig lahm und organisatorisch unschöpserisch ist, und daß auf den Trümmern unserer alt- und echtjüdischen Lehrgebäude moderne Kulturjudentumpaläste sich zu erheben beginnen. Noch fehlt auch der orthodoxen Jugend in Wien jener Brand der Seele für die ewigen Werte und Wahrheiten der jüdischen Thora und jener unpersönlich-heiligerhabene Haß gegen den Zwergschwarm ihrer Verächter und Mißächter. Hoffen wir, daß in diesen Punkten baldigst ein Wechsel zum Guten eintriit, ohne welchen die Wiener Orthodoxie schwerlich Versäumtes nachzuholen und Neues hervorzubringen vermögen wird. -esä- Mo^srr. Die Hla^osceFförgung in PnkM WäpfHM/ 6. Mürz. Wex ZEsns,ppkt MM zur Msmtma. CS« MsMch M 000 SaS tntfeitmö, ift &iiä Amerika bereits mrrgetroffen. Es hnndÄt sich im ganzen um etwa 5 000 000 Pfund Mehl, die für die Notleidenden bestimmt sind. Die Verteilung soll sich aus 1000 000 Seeleruerstrecken. Der allgemeinen Verteilung für die Bemittelten kommt dieses Quantum nicht zugute. Man hofft, daß in wenigen Tagen der ganze Transport in Warschau eintreffen wirb. Die Armen bekommen zum Teil das Mehl in Natura verabreicht, zum Teil auch in der Form von fertiggebackenen Mazzos. Die Erhöhung des Gemeindeetats geht verhältnismäßig ohne Reibungen vor sich. Es werden alle zur Zwangsgemeindefteuer herangezogen, die im Kriege einen Vermögenszuwachs zu verzeichnen hatten. Die Arbeiten.stoßen indessen dadurch auf Schwierigkeiten, daß der Streik der Gemeindeangestellten noch nicht bewendet ist. Infolge dieses . Streikes konnten auch die aus England für die notleidende Bevölkerung eingetroffenen warmen Kleider nicht rechtzeitig zur Verteilung gelangen. So kam es denn, daß die armen Leute froren, und zum .Teil aus englischem Stoff, wohl verpackt in Kisten und Kasten, im Gemeindehause überwinterten. Ob die Verteilung bis zum Hochsommer beendet sein wird, ist bei deM Tempo, Mit dem in der hiesigen Gemeindeverwaltung gearbeitet wird, immerhin sehr fraglich, Me BeMnsrung 9er §rem9en. Warschau, 10. März. Wiewohl von amtlicher Seite versucht worden ist, den Registrierungen der Fremden einen möglichst harmlosen Charakter zu geben, so haben doch bereits die.meisten der Registrierten eine Aufenthaltskarte, versehen mit Bild und allen Merkzeichen, erhalten, die ihren. Aufenthalt in Warschau bis zum '1. Juli 1920 gestattet. Bis zu diesem Termine darf keiner ohne besondere Erlaubnis der Behörde, die diese Karte ausgestellt hat, die Stadt verlassen. Nach Ablauf des Termines haben sich die Fremden zu Melden zwecks Erneuerung des Aufenthaltsscheines, der je nach den Umständen auch verweigert werden kann. Der Preis einer solchen Karte ist auf 25 Mk. für jedes Mitglied der Familie festgesetzt. Man sieht, daß das Gesetz zunächst für den Staat ein ziemlich einträgliches Geschäft ift. Unterstützung fiir Lo9?. Lodz, 7. März. Eine Delegation des amerikanischen Hilfs- Komitees weilte hier mehrere Tage, um das emerikanische Unterstirtzungswerk zu organisieren. Eine Viertelmillion Mark brachte sie gleich als erste Unterstützung für den Monat Februar mit. Eine zweite Unterstützung im gleichen Betrage stellte sie auch für März in Aussicht, freilich nur unter der Bedingung, daß die Verteilungen durch das Ortskomitee auf rein demokratischer Grundlage vorgenommen werden und in einer Weise, daß sich keine Richtung und Leine Partei über Benachteiligung zu beklagen haben. Als Pessachgeschenk haben die Amerikaner der notleidenden jüdischen Bevölkerung in Lodz 125.000 Pfund Mehl zur Bereitung von Mazzos und 15 Faß Oel Zugedacht. Grr.gLa.rzLr. kin geflügeltes Eöorf. London, 5. März. Irr seiner letzten Rede zur türkischen Frage hat Lloyd George von der Sucht gewisser Leute gesprochen, überall jüdischen Einfluß zu wittern, insbesondere den der Hochfinanz. Es gebe eben „ H eb romaninken", denen auch die Legende zuzuschreibeu sei, die jüdischen Bankiers verhinderten bic Unnxxchn Konstanz Diese RnbriZiernng. Wsisskp .ZubsufMUßkf üntes um in d§x Psychiatrie mmetämic ÜäN Geisteskranken, ist nicht Übel und dürste auch in anderen Ländern vielfach am Platze sein. KrnsLkMa. Befebröer[icfiheifen 9er 6inEöan9erung. New Nork, 20. Febr. Das neue Einwanderungsgesetz das — entgegen Wilsons Veto — von jedem Einwanderer die Fähigkeit verlangt, 40 Worte lesen zu können, erregt leibhaften Widerstand, denn es spielen sich in seinem Gefolge ganze Tragödien; ab. Eine Ausnahme für Bräute ehemaliger Kriegsteilnehmer ift bereits genehmigt. Die Legislative des Staates NetmNork hat fetzt eine Resolution angenommen, worin der Kongreß um Aufhebung des Gesetzes ersucht wird, das ganz unnütz sei und nur Schikanen verursache. Ucrla.Mrrct. Schwerer arabifdier Ueberfall in 6re? Jisroef, Loudou, 10. März. Ussischkin meldet aus Jerusalem: Am ersten