Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1920)
- Date
- 1920-03-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Eschenheimerstr.23 Del. 884-2, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. PtatzoorschrMen^ne^erdindlichkeU^^^^^ spsaasv. M 11 Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. m. No. 10 80S - eripißtw o; : Eottto bei der Poftsporkasse Wien No. Conto bei dem Postsparkassenamt Bndaven No. 184-.-1 Coto beim Postscheckamt Zürich W**. VIII '7254; > Conto bei der Böhmischen Unionvank. Prag .> und deren Filialen. Der Nacköruck der ürtiKel unö Correiponöenjen öes „Israelit“ Ut nur unter genauer Queiienanoabe, un9, tonjeif es firfi um größere ttuWtze bau Seit, nur nacb vorheriger öenebmigung gebattet. Infolge des Generalstreikes, in den auch die Druckereien mit hineinbezogen waren diese Woche der „Israelit" nur in vei Umfange und mit einiger Verspätung ' Eine Reihe von Beiträgen und Nachrichren mußte für die nächste Nummer zurückgestellt werden. InhalLsirbevstcht. 1. Leitartikel: Die Rettung unserer Landgemeinden. — 2. Homiletik: Aus der Ethik und Symbolik des Pessachfestes. —3. KleinesFeuilleton: Napoleon I. über die Arbeit der Juden am Sonntage. — Aus einem „gejrlligeu" Verein. — 4.Wochenrundschau: Die antijüdischen Krawalle in München. — Die Reichsschulkonferenz. — 5. K o r r es p o n d e n z e n und Nachrichten: Halberstadt, (Reltungstag für die jüdischen Landgemeinden.) — Berlin, (Die Hetze gegen die Ausländer.) — München, (Die antisemitische Demonstrarionen in Bayern.) — München, (Die Ohel Jakow-Gemeinden in München.) — Hamburg, (Repräsentantensitzung.) — Wien, (Brief aus, Wien.) — Warschau, (Me Mazzosversorgung.) — Warschau, (Die Registrierung der F.emden) — Lodz, (Unterstützung für Lodz.) — London, (Ein geflügeltes Wort.)— New 8)ork, (Beschwerlichkeiten der Einwanderung.) London, (Schwerer arabischer Uekerfall in Erez Jisroel.) — London, (Anfrage im englischen Parlament.) — 6. Personalien: Thüngen. — 8. Vermischtes. Berlin. — Hindenburg — 9. Feuilleton-Beilage: Im Iudrnstaat der Chasaren. — Kinderecke: Der Tempel des Herodes. — Aus dem Talmud und Midrasch. — 10. FrankfurrerVerichte: Zacharias Mohrerb"Ä — Der Gesellschaflsabend im Zoologischen Garten. — Taubstummenfü'.sorge. — Rödelheim bleibt selbständig. — Fa miliennach richten. — Vereinskalender — Gebetzeiten. Die Rettung unserer Landgemeinden. Iuw Miffau-Aettmond. Es ist ein Wort zur rechten Zeit, das der „Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden" just zum Nissan-NenMond in alle deutschen Lande hinausruft: Rettet die Landgemeinden! Seit jenen Tagen, da Mosche Rabbenu hinausschritt aus dem Gewühl und Gewoge der in Sündenlast zusammenbrechenden Stadt, um unterm sternbesäeten Dach des Himmels einer Frühlingsnacht den Silberstreif des jungen Mondes als Vorbild zu grüßen —^ fe t jenem Tage ward der Niffan-Neumondstag im jüdischen Kreise das Symbol der vom Frühling geküßten ländlichen Natur. Dort draußen ans der Ackerkrume, auf den Bergen und in den Talmulden sprudeln die Quellen unserer' Kraft, von dorther bedarf der Stadtbewohner immer wieder des mütterlichen Kusses seiner Erde, wenn er nicht in Generationen dahinsiechen soll. Wir haben während der letzten Monate wiederholt das Thema der Rettung der Landgemeinden erörtert. Noch nie war die Zeit so günstig, der Landflucht Einhalt zu tun, denn die Einsicht in die unendliche Überlegenheit des ländlichen Lebens über das städtische ist mächtig gewachsen, und es bedürfte nur einer zielbewußten Organisation, um eine systematische Abwanderung aus den Städten aufs Land in die Wege zu leiten. Allein, da erhebt sich riesengroß eine andere Aufgabe, die vor allem gelöst sein muß, wenn jene Organisation nicht Sisyphusarbeit leisten soll: das jüdische Gemeindeleben auf dem Lande, das vor einer unmittelbaren K a t a st r o p h e st e h t, muß gerettet werden, wenn sich die Gemeinden nicht austösen sollen. Ohne Unterricht für seine Kinder kann der Jude nicht elfteren, ohne Gottesdienst, ohne Schechita kann er kein jüdisches Gemeinschafts- und Einzelleben aufrechterhalten. Das alles aber steht vor dem Untergang. Es kann kein Beamter mehr von den Hungerlöhnen leben, die heute gezahlt werden — und Hunger löhne sind es fast durchweg im Verhältnis zu dem wahnsinnig hohen Lebensbedarf. Mag diese Geldkrise auch vorübergehen, in keinem Falle ist abzusehen, wo die kleinen Gemeinden auch nur im entferntesten die Mittel hernehmen sollten, um ihre Lehrer und Beamten nach dem ^Maßftabe der staatlichen Sätze, die doch auch nur ein Existenzminimum bieten, zu besolden. Da hilft auch nicht das Allheilmittel des Zusammenschlusses der Gemeinden allein, uw den kleinen die Steuerkraft der Großgemeinden nutzbar zu machen. Das beweisen erstens die Erfahrungen in den Ländern mit Zentralkassen, zweitens aber ist zu bedenken, daß die Großgemeinden heute nicht mehr wagen dürfen, die Steuerschraube rücksichtslos anzuziehen, ohne einen Maffenaustritt indifferenter Mitglieder befürchten zu müssen. So blelbt denn nur eins: die Schaffung eines großen Millionensonds zur Rettung der jüdischen Landgemeinden! Zu diesem Fonds soll der Kettrmgstag fnv die jndischrn Landgemeinden am 1.—15 April 1980 die Grundlage legen. Unsere englischen Glaubensgenoffen sind uns mit ihrem großen War Memorial Fund, der ganz den gemeindlichen und unterrichtlichen Bedürfnissen der englischen Gemeinden gewidmet sein soll, mit einem guten, nachahmenswertest Beispiel vorangegangen. Vor allem sollten die zahlreichen Glaubensgenossen, denen die letzten Jahre große Vermögen bescheert haben, sich entschließen, endlich einmal etwas wirklich Großes zu leisten. KapitalstiftunoeH.Mn Mk. 10000 aufwärts, sollen den unaugrerAaren Grundstock des Rettungsfonds ausmachen. . Sollte es in Deutschland nicht hundert jüdische Männer mii jüdischer Gesinnung geben, die gewillt sind, in den nächsten Wochen eine solche' Mk. 10000-SLiftung ohne weiteres zu errichten, södaß die erste Million als Fundament des Ganzen geschaffen wäre? Wie viele werden wehmütig der Kindheitstage im ländlichen Milieu gedenken und werden glücklich sein in dem Gedanken, ihrerseits zum Aufbau, zur Forterhaltung eines solchen ländlichen Kehillolebens, wie sie es gekannt und geschätzt, kräftig beitragen zu können. Es kommt oft nur auf eine Anregung an. Die ganze Judenheit, Jung und Alt, Mann und Weib, sollte sich von heute bis zum 15. April in eine große Gesellschaft von „Schnorrern", in eine Gesellschaft von „Meassim" verwandeln, jeder seinen Nebenmenschen 14 Tage lang nur daraufhin ansehen, ob er als Objekt für eine Hunderttausend Mark-Stiftung, für sünfzigtausend, zehntausend oder etwa nur für einen lumpigen Tausendmarkschein in Betracht kommt. An Drucksachen, Rundschreiben, Ausrufen, Plakaten, Zetchnungsltsten rc. wird das Büro des Rettungstages es nicht fehlen lassen. Aber die Menschen werden's überall sein, die den Ausschlag geben, die sich zu Werbe