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Der Israelit · 1920-03-11 · Heft 10 (11.3.1920) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 10 (11.3.1920)
Date
1920-03-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. lt 11 RölH llät Wie der Sorstichier Lsjos einen Sied -eflraste. Bon Bergingenieur L. Rosen thal-B«sel. iSchi'ch). . „Alw, wie stehts mit der Frischmelkcu?" begann i>?r Quälgeist deß Slowaken neuerdings die -eschäft- ' >iche Verhandlung, indem er mit innerlicher Genuginung die Rinnsale geschmolzener Butter beobachtete, die iiber dessen rotglühende Wangen herab liefen, willst du die für 190 bar lassen oder nicht? Da« sic is bezahlt damit glänzend, weißt du ganz genau. Sei nir so halsstarrig und bedenk: wer den lebten Tropfen will, dem fällt der Deckel auf die Nas'. Du kommst mir nix fort, bevor gemacht iS daS Äesckäst. Ich Hab' zu nötig frische 'Butter " Butter — — dem Josch fiel cs trotz der Hitze eiskalt in den Leib hinein. Der Schrecken war diesmal noch größer als vorhin und mißtrauisch blickte er ocn Lajos an. Sollte der absichtlich - i>a& Wort gebraucht haben? Aber — nein. Würde :i sonst so ruhig nnd freundlich dreinblicken. Indessen. — wollte er noch etwas von seinem Raube retten, so war es die höchste Zeit; fein ganzer Körper troff unter der schweren Bundn von Schweiß, und kurz entschlossen sprang er daher auf, schlug urit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser emporhüpften und schrie: „So gib wenigftcrls 195 Kronen!" Der ungeheure Wolfshund, der glauben mochte, daß sein .Herr bedroht sei, erhob sich, sträubte dir borstigen Aückenhaare, fletschte das furchtbar: Gebiß und starrte mit tückisch funkelnden Augen den vermeintlichen Angreifer an. Das zornige Knurren, ws er dabei ausstieß, hörte sich ebenfalls sehr bedenklich an. Man sah, es bedurfte nur eines Winkes von Lajos, und er wäre dem Bauer an die Kehl» zesprnngen. „Ruhig TörökSetz' dick wieder hm!" befahl der erstere. Und in begütigendem Tone fuhr er fort: „Nimm Vernunft an Josch — ich habe dir 190 Kronen geboten, aas Aeußerste, was ich tu« konnte - nun sei aber auch kein Bethar und sag za. Keinen Heller geb ich mehr, das schwöre ich dir bei den Gebeinen meiner Väter!" „So nimm sie ins Teufels Namen! Ta!!" Damit patschte der Josch mir der flachen Rechten in die sich ihm bereitwilligst entgegenstreüende des Käufers, womit der Abschluß des Handels besiegelt war. Rückte darauf den Tisch halb zur Seite und wollte davon. „Halt - nix so hitzig!" rief' aber La;os und schob den Tisch wieder fest vor den bald Lpchmor- -en, „wir müssen die Sach' doch noch machen schriftlich. Ich will sicher gehen. Türök! Vchait' den Kvscy gut im Auge." Der Hund klopfte öen Boden mir. seinem Kchwanz zum Zeichen, daß er verstanden habe. Dann holte Lajos vom Cckbrett sein Schreibjeug herunter, entnahm der Schublade des Tischeeinen Stcurpelüogen und schrieb sein säuberlich den ganzen Handel nieder. Cr beeilte sich durchaus nicht — Int Gegenteil machte er alles recht bedächtig und langsam. In stummer Wut und Verzweiflung sah ihm der unglückliche Josch zu. Endlich kam es zum Unterschreiben. Dem Slowaken wurde das nicht leicht. Einige dicke Buttertropfen, die dabei von seiner Stirn auf den Akt fielen, machten diesen nickt schöner aber deswegen nicht ungültig. . Das wußte auch der JoScy, der überhaupt vor allem Geschriebenen, besonders auf Stcmpelpapi:r. einen heiligen Respekt hatte. Nun konnte er gehen. Und wie schnell er davon Gebrauch machte. Gins — zwei - orei war er draußen. Durch das geöffnete Fenster vier ihm noch der pfiffige Wirt nach: „Tie Kuh laß ich gegen Abend holen und schicke das Geld mit!" Ter auf so eigenartige Weift bestrafte Dieb schaute sich nicht werter um und schritt so schnell es ging davon. Als er sich unbeobachtet wähnte, fast er nach seiner Butter, aber o wch — es roar nur ein etwa wallnußgroß-es Stücklein übrig geblichen. Das dünkte selbst dem geizigen und in punkto Reinlichkeit nicht sehr heiklrgen Josch nicht mehr groß und appetitlich genug, und er warf cs mit einem kräftigen Fluch in den Schnee. Als Abends der Meschores de§ Lajos die KuD holte, legte er dem ehemaligen Besitzer derselben 187 Kronen und 80 Heller aus den Tisch und übergab ihm einen Brief seines Herrn. TaS kostete wieder viel Mühe, bis der Inhalt herausbuchstabi'ert War. Seiner Frau, die überhaupt weder lesen rwch schreiben konnte, sagte der Josch aber nichts davon «wer doch nur soviel als ihm gntdüntte. Das Briefkein lautete: 8 „Lieber Josch! Durch Ueberoringer. dieses erhältst du den Kaufpreis für die Kuh, 190 Kronen, «bzüglick 2 Pftmd Butter — du weißt sclstn — ' ä 1 Krone und 10 Heller, sodaß noch 187 Kronen und 80 Heller verbleiben. Ich hätte das Dreifache, ja fo^ür »flv Zehnfache dafür rechnen tonnen und iu wurdest nix gesagt haben dagegen, allein ich bin eu» ehrlicher Mann uttd will nnch nix bereichern an ikir. Mer wenn du ivjeder mal brauchst Putter, s» &f»? ans TUBt* Gebot — du Arnnft fte da»» »ffe» bou aller Welt, frisch und kühl nach Haus vag«» uns sie schmeckt nix nach Kopfschweiß, wvmrt freundlich grüßt Lajos. Der Josch zerriß das Papier und wars es in« Ofenseuer. Dann spuckte er giftig aus, baltte sie Faust, und sie nach der Richtung der Gvtöfchenke hin schüttelnd, murmelt» er rngrimnnU: „Jul? verfluchter!" jm I 1LJJUII.I. ni^naiiipejuwr inillllHHli—m—Mi wahrlich, ich hätte anders gehandelt, und sie wären heute alle meine Freunde. Sie hätten mir und meinem Reiche mit ihrer Festigkeit und ihrem Edelsinn große Dienste leisten können. Nun, ist es geschehen, so sage mir Brb«, waö kann ich tun, um meine schwere Sünde zu sühnen?" / „Du hast", antwortete der Rabbi, „das Licht der Welt auögelöscht, indem du die weisen Lehrer getötet hast. Gehe nun hin und zünde ein neues Licht an. Erbaue fyte verfallenen Mauern und richte den heiligen Tempel in seiner alten Pracht wieder auf, daß er zum Augenlicht der Welt werde". Herodes ging hin und tat also. Der Tempelbau des Herodes gehört zu den wunderbarsten Ereignissen der damaligen Zeit. Wie dieser zu Stande kam, soll später erzählt werden. Bon Heinrich EiusLirdter. Der jüdische König Herodes hatte, ganz vom römischen Geiste beseelt, schlecht gehandelt gegen die weisen Lehrer, die er für Feinde seines Hauses hielt. Viele sind seinem Zorn zum Opfer gefallen und noch mehr sind über die Grenze in fremde Länder geflüchtet. Einer der größten Gelehrten in Jerusalem war Baba, der Sohn Butas. Er entstammte einem vornehmen jüdischen Hause und war nicht allein wegen seiner Gelehrsamkeit hochgeehrt, sondern auch infolge seiner endlosen Herzensgüte allgemein beliebt und bewundert. Als das Verhängnis Israels Wesen traf und Herodes Henkersknechte ihr blutiges Handwerk in den jüdischen Lehrhäusern ausüöten, schenkten sie auf Befehl des Königs dem alten Baba das Leben, jedoch wurde der Greis geblendet nnd er mußte in Nacht und Dunkel seinen Lebensabend fristen. Herodes liebte es zuweilen, sich im Gewände eines einfachen Mannes, ungekannt, unter das Volk zu mischen, um die Stimmung der Leute und ihre Meinung über ihn und seine Schandtaten zu hören. So kam er auch einmal in die bescheidene Behausung des blinden Baba und ließ sich mit ihm in ein Gespräch ein. „Was sagst du blos zu diesem verfluchten Sklaven, diesem Mörder uud Henker seines eigenen Volkes, dem Herodes?7 Hub er an. „Hat er doch in seinem Wahnsinn die jüdischen Lehrhäuser verwüstet. Wollt ihr ihn so weiter gewähren lassen, daß er das ganze Volk vernichtet?" „Was kann ich, ein bliüder Greis, dagegen tun", seufzte der Naöbi. „Sprich einen Fluch gegen ihn aus, der wird dann sicher an ihm in Erfüllung gehen". „Nein", sagte Baba, „in unserer heiligen Lehre steht geschrieben: „Im Gemache deines Lagers sollst du den König nicht verwünschen!" „Herodes ist ja aber kein Könia, sondern nur ein entlaufener Sklaoe", ereiferte sich der Andere. „Und sollte er nur ein Fürst oder sonst ein Vornehmer sein, so heißt es doch: Und dem F'.rsten in deinem Volke sollst du nicht fluchen". „Du willst ein Thocagesetz für einen Mann in Anspruch nehmen, der selbst alle Thoragesetze in schändlicher ft-rife mißachtet? Ist es nicht eine gute, edle Tut, einen solchen Mann zu vernichten „Ich mag nicht fluchen", sprach der Rabbi, „denn findet mein Wort Ohren, so werde ich und werden es auch Andere, Unschuldige, schwer zu büßen haben", „Wie soll denn das Work bekannt werden", wandte Herodes ein. , Es ist ja kein Anderer außer dir und mir im Raume". „Die Vögel des Himmels führen die Stimme dahin, beißt es in unserer Schrift", beharrte der blinde Rabbi. Nun mußte Herodes der Komödie ein Ende machen. „Ich bin selbst König Herodes", rief er voller Rührung und Neue. „Hätte ich geahnt, daß die Weisen Israels von solcher Art sind, Die kleine. Bertha besucht seit dem letzten Frühjahr die Schule. Sie kann schon recht hübsch verarbeiten, waS ihr Lehrer in der Religtonsstunde erzählt, und es dann in ihrer netten Art nebst eigenen kleinen Zutaten wiedergeben. Manchmal aber verschmilzt sie ihre eigenen Erfahrungen mct dem Vortrage, tn der Schule, und es entstehen dann Geschichten, die mit den biblischen nicht ganz übereinstimmen. Am letzten Freitag sollte Bertha nacherzählen, was in der vora^sgegangerien Stunde gelehrt worden war, und sie tat es in folgender Weise: „Einmal las eine Frau auf der Straße Holz auf. Es waren nur kleine Stücke, die von einem Wagen gefallen waren. Gestohlen hatte sie nicht. Da kam gerade der Professor Elijahu und sagte: „Bitte, kann ich vielleicht ein Glas Wasser haben?" „Gern", antwortete sie und wollte schon ins Haus laufen. Da rief ihr der Professor nach: „Bitte, bringen Sie mir auch ein wenig Brot". Da sagte die. Frau: „Es tut mir leie, wir sind selbst so knapp. Ich habe nur noch eine Handvoll Mehl, und auch unser Oel geht zur Neige/ denn es sst ja alles so sündhaft teuer. Wenn Sie Brotkarten haben, dann können Sie ja zum Bäcker gehen." Aber der Herr Professor sprach: „Backen Sie mir, bitte, von dem Mehl und dem Oel einen Kuchen. Gis werden dann sehen, daß Sie immer noch genug für sich und Ihren Sohn haben." Dir Frau machte den Kuchen, und er schmeckte dein Professor sehr gut. Da fragte er die Frcm, ob sie vielleicht ein Zimmer zu vermieten habe. Das traf sich gut, und der Professor zog bald ein. Und soviel Kuchen sie auch backte, es fehlte ihr doch nie an Mehl und Oel. Bald nachher bekam ihr Sohn die Grippe, und fast wäre er gestorben. Da war es ein Glück, daß der Professor im Hause wohnte. Der machte den Jungen wieder gesund. Eigentlich tat das der iiebe Gott, aber die Leute sagen, immer: Wir hatten einen Professor." (R- Alexander im Anschluß an Pf. 99,4 :) Zwei Eseltreiber, die einander haßten, gingen gleichen Weges,- da fiel des Einen Esel unter seiner Last nieder; der Andere sah es, ging aber weiter. Im Gehen jedoch sagte er zu sich: Es steht in der Thora (Exod. 23,5) geschrieben: „Wenn du den Esel deines Feindes usw."/ sofort Lehrte er nur und half jenem aufladen. Dieser aber begann darüber zu sinnen, wie sehr ihn der Andere, ohne daß er es geahnt habe, liebe. Nun gingen sie zusammen in die Herberge, aßen und tranken mit einander. Wodurch ist der Friede Zwischen ihnen gestiftet worden? Dadurch dass der Eine in die Thora Einblick genommen hatte. Tanchuma zu Mischpatim. , * (R. Jonathan 5. Eleasor:) Wehe den Wetsenjüngern, welche sich mit der Thora beschäftigen, aber keine Gottesfurcht hegen! Bgl. Prov. 17,16. Joma 72d. «-S-

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