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Der Israelit · 1920-03-11 · Heft 10 (11.3.1920) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 10 (11.3.1920)
Date
1920-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: «0 Pfennig, Stellengesuche 60 Pfg. ex. lusive Teuerungszuschlag fiirdie sechsgespaltene Colonel- Zeile; Rabatt nach Tarif Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b H., Frankfurt a. M., Gr. Eschenheimerstr. 23 Del. 8848, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. VlatzvorsthrMeu ohne Verbindlichkeit. Zahlungen außer direkt au den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 18 808 — erfolgen an: Conto Sei der Postsparkasse Wien No. 79 Conto Sei dem Poftsparkassenamt Bndavekt Na. 18181 Coro Seim Postscheckamt Zürich tfr. VIII 7884 Eonto Sei der Böhmischen Uniondank, Prag Und deren Filialen. vsr llsMruÄ 8er Rrfihei un9 Correlponaenjen 8es „Israeli*“ ist nur unter genauer Quellenangabe, uii9, fosneil es Mi um größere hangelt, nur nach vorheriger ßenehmfgung gehaftet IrchKl4sÄbsvstcht. 1. Leitartikel: Hafsokoh. — 2. Kleine- Feuilleton: Grlrvtes und Erlauschtes. — Gin Organisation-rr Juden Spaniens. — (Der große Kurfürst. — (Nicht jeder Moritz ist ein Jude.) — 3. Wochen ru n d f ch au: Die „jüdische Minderheit" tu der Tschecho-Slowakei — 4. Aufsätze: Eine deutsche Stimme für die Oft juderr. — 6. Korresp ondenzen und Nachrichten Berlin, (Gesamtorgamsatiou der deutschen Juden.) - Berlin, (Besteurung-rechl der Neligionsgesellschasten.) - Warschau, (Agudah-Bewegung in Polen.) — Warschau (Die Zwangssonntagsruhe.) — Warschau, jMazzausvrr sorgung.) — Warschau, (Ein unerhörter Fall.) — Warschau (Die Sonntagsruhe.) — Zürich, (Ein Bild jüdbchei Elends.) — Prag, (Die Rechtsstellung der Juden in de Tschecho-Slovakei.) — New 3)ork, (Erwachen in Amerika. — 6. Personalien: Frieöberg i. H. — Schlüchtern. - WieZloch. — Raesfeld. — Zürich. — 7. K ere ius rv e s e u — 8. Vermischtes. — 9. Literarische Notizen. - Familiennachrichtem - Sabbat-Anfang und AnsganZ — 10. Feuilleton-Beilage: Am Iutzrnftaat dr Chasaren. — L. Rosenthal: Wie der Dorfrichter Lajoeinen Dreö bestrafte. — Kinde recke: Der blinde Rabbi — Der Prophet Elijaya. — Aus dem Tainmd uw Midrasch — 12. Frankfürre rBerichte: Die Palästina ' wache Vereins kniender — F amiliennachrich teu Gebetzeiten. In der Musik gehören die Pausen mit zürn Takte/ zurrr Rhytmus, zur Harmonie des Ganzen. Natur wie Geschichte kennen die Pausen ebenfalls, und Stillstand, ja gelegentlicher Rückgang gehören mit zu dem Gesamtbilde, zu den Etappen der Fortentwicklung. Unsere Synagoge läßt, nachdem mit Schekalim uns der erste Vorbote des Frühlings gegegrüßt, eine Pause (Hafsokoh) eintreten, eine weitere steht zwischen dem dritten und vierten Frühlingsboten, just zur Zeit, da über milden Glanz einer Vorfrühlingssonne noch Winters Sturmfinale dahingleitet . . . Dir ganze Geschichte ist der Hassokaus voll, die aber im Ganzen den Auf- und Vorwärtsdrang der Welt nicht aufhalten. Die Menschheit gleicht auf ihrem Marsch dem Lichte entgegen jenem Pilger, der auf drei Schritte nach vorne einen zurück macht — am Ende aber dennoch ans Ziel gelangt... Und unsere Geschichte erst! Schon wenige Jahre nachdem sich dem Volke die Türe ins Freie aufgetan, tritt die vierzigjährige Pause der Wüstenwanderung ein. Im Lande der Rast tritt die Hafsokoh — und der Rückfall — mit jedem neuen Richter ein, der — um mit den Midraschweisen zu sprechen — durch sein Wirken in den Augen seiner Gemeinde „gerichtet" ist. Es geht vorwärts unter dem Könige, der der Welt die Psalmen schenkt und seinem Sohne, der dem Herren einen Tempel baut, die H^sokoh stellt sich aber schon bei dessen Tod mit der Teilung des Reiches ein. Trotzdem ist nach Jahrhunderten, die judäische Reichshälfte wenigstens, reif für einen Jesajas und Chisktjah. Eine siebenzigjäyrige Pause in Babylon, in der der jüdische Geist dennoch dauernd vorwärts drängt und eine Etappe von Jirmehohu bis zu Esra zurücklegt. Der Tempel ist in erneuter Pracht wiedererstanden, Männer der' „großen Synode" sprechen Recht mb bringen die Fülle der geistigen Werte von Generationen unter sicheres Dach. Eine neue Hafsokoh: der Hellenismus. Der Makkabäer eiserner Besen schafft Ordnung und Reinheit, die anhält bis zum Bruderkrieg und der Römerherrschast. Pause auf Pause, Verfall und scheinbarer Rückgang. Und dennoch hatte es bei all den Widerstünden, bei all den Haft sokaus im Reiche des jüdischen Geistes so kräftig syrtgearbeitet, daß ans dem Zusammenbruche Jabneh hervorblüht, der Geist, der uns bis heute am Leben erhalten , . , Die Hassokaus haben auch in den letzten Zeitläuften keine geringe Rolle gespielt. Nach dem sittlichen Verfall des Mittelalters erleben wir die kraftvolle Kulturwelle zu Beginn de^ 19. Jahrhunderts. Aber schon nach der großen Revolution und dem Befreiungskriege, Stillstand und Rückgang, Ernüchterung und Erbitterung. A ch t u n d v i e r z ig ruft die alten guten Geister, die die Menschheit auf ihrem Entwicklungsgang hinan zur Höhe geleiten, wieder auf den' Plan. Aber schon in den siebenziger Jahren erleben wir die Aera Stöcker, die mit hem Emporblühen des deutschen Reiches Schritt hält und in der Atmosphäre des eisernen Kanzlers gar herrliche Blüten treibt. — Vier Jahrzehnte ist Frieden in Europa, die neue Generation kennt den Krieg nur noch aus Geschichtsbüchern und Heldenliedern, undOptimisten glauben das jesajanische Bild vom Wolf und Lamm habe im Weltenleben seinen festen unverrückbaren Rahmen gefunden, da kommt der 1. August 1914! Der Beginn des unglückseligen Krieges bringt da* schöne Kaiserwort, das dieParteigrenzen aufhebt. B "i Abschluß, des Krieges wehen rote Banner, di> von Freiheit und Brüderlichkeit sprechen und heute — rufen die Berliner Zeitungen offen und ungestört zu Mord auf, schreien die Plakate in die Gaffen: „Tod den Juden!" Im Momente, wo wir darob verzweifeln möchten, berührt uns die Synagoge mit milder Hand und raunt «is sanft und vertraulich zu: Kennst du Jude, Vielerfahrener, nicht den Gang der Geschichte? Es geht nicht im gleichem Tempo immer vorwärts! Auf den Schekel der Gleichheit folgt Hafsokoh. Nichtsdestoweniger führt es über Hemmungen und Rückfälle zur Tilgung verderblichen Amalekgeiftes. Aber dann ist wieder Hafsokoh und deren mehr auf dem Wege zum letzten Ziele ... Das Bewußtsein, daß Hassokaus unausbleiblich sind und diese die Fortbewegung wohl verzögern, aber nicht ausßalten, mag uns über alle Not der Gegenwart hinwkghelfen! MchemmM«. Die -jüdische Mndrchei^ in der Tschecho-Slowakei. Die Bestimmungen des neuen tschecho-slowakischen Verfasftmgsentwurfs über die Zulassung der von Sprache und Konfession völlig absehenden, also lediglich von der Willenserklärung des Einzelnen abhängigen jüdischen Nationalität machen an sich einen sehr toleranten und liberalen Eindruck und sind von' den dahinter stehenden tschechischen Politikern auch gewiß so gemeint. Dennoch werden sie, wie wir fürchten, zunächst zu einer völligen Zerreißung der tschecho-slowakischrn Judenheit und daneben keineswegs zu einer Besserung ihrer politischen Lage führen. Die ungeheure Mehrheit der tschecho-slowakischen Judenheit, die slowakische Orthodoxie, wird niemals dazu zu bringen sein, sich in eine konfessionslose jüdische Nationalität elnbeziehen zu lassen, nur damit ein paar „Intellektuelle" in Prag und Mähren ohne Gewissensskrupel im Vollbewußtftin ihrer Konfessionslosigkeit sich

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