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Der Israelit · 1920-03-04 · Heft 9 (4.3.1920) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 9 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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wn umirw w w 'Y ‘ iwunn'min i f UMZM öay&i» wmfm Zm Iudenstaat der Lhasaren. Historischer Roman aus dem achten Jahrhundert. (5. Fortsetzung.) „Und der Staat, das Volk?" fragte Kosarios, der mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört hatte, „hat er sich erhalten?" „Der Staat existiert als solcher heute nicht mehr. Adjabne ist wie alle neuparthischen Provinzen vom Schwert des Propheten erfaßt worden und unter Omar Pascha unter den Islam gekommen. Doch haben die neuen Juden, des Landes, die es mit ganzem Herzen geworden, sich als solche behaupten können. Viele gingen nach dem heiligen Lande, die meisten haben sich aber zu ihren Brüdern in Babylonien geschlagen, wo sie deren Wohlrrgehen teilen. Dori, wie in Jerusalem leben heute noch viele angesehene Adjabnitenfamilien und stehen in hoher Achtung." Barsua sprang auf. „Durften nun Monobaz und Jzates, die jüdischen Könige von Adiabne, sich mit Jüdinnen vermählen und taten sie es?" fragte sie. , „Jzates Weib war eine fromme Jüdin, wenn auch nicht dem Blute nach und stand ihrem königlichen Grmahle bei der Uebung guter frommer Werke wacker zur Seite. Sie hieß Samachos und war eine Tochter des Königs Abemortgos vonCharoe, eines Verbündeten des Monobaz, bei dem er seine Erziehung genossen hatte. 'Auch die Frau seines Bruders, des Monobaz, teilte als treue Jüdin die Gesinnung ihres Mannes voll und ganz." „Und sie hätten sich jetzt auch mit Jüdinnen von Blut vermählen dürfen!?" erkundigte sich Kosarios. „Ja" sagte Ben Chisdai. Kosarios steinernes Gesicht bekam Leben und Bewegung: Es war zu merken, daß es in seinem Gehirn fieberhaft arbeitete, aber er sprach nur kurz und gemessen, wie es seine Art war: „Ein ganzer Mann, dieser Monobaz, wenn er so aus seinem Innersten heraus handelte. Wenige sind es nur, die die Kraft haben, den Kampf mit der Welt und — mit sich selbst aufzunehmen — — — Und dennoch, Ben Chisdai, es hieße doch mit seiner ganzen früheren Welt, mit Allem, was einem tief im Blut sitzt, brechen, wollte man sich ganz zu euch bekennen. Seltsam mit diesen neuen Grundsätzen! Fremd, eigenartig zunächstbeißen sie sich im Gehirn, im Blute fest, bis daß sie ein Stück von uns sind. — Ihr wollt die Welt einzig durch das Wort, die Lehre, das Licht, erobern und weiset alle Waffengewalt wett von euch. Im Augenblick ist mir aber nicht klar, wie die Welt, wie der Mensch ohne Waffen auskommen soll. Was wäre aus dir geworden, Chisdai, wenn ich damals aus dem Friedhöfe zu Bagdad, meinen gutgrschliffenen Dolch nicht für alle Fälle zur Hand gehabt hätte?" n „Es wäre mein Togewesen, und mit mir wäre das kostbare Dokument und die Kunde, die ich zu überbringen hatte, uns allen verloren gegangen, die Verbindung zwischen dem Herzpunkt unserer Ration in Babylon und dem versprochenen Teile der Jakobsgemeinde war bedroht. In diesem Falle hat das Schwert, euer Schwert, wiederum mal die Lehre geschützt." „Willst du damit sagen, daß uns das Schwert in die Hand gelegt ist, einzig nur, um euerem Volke und euerer Lehre zu dienen? Wie aber, wenn sich gar das Schwert gegen euch selbst kehrt, wie das' vor achthundert Jahren, bei Zertrümmerung eueres Reiches und seitdem bis heute hundertmal geschehen ist und noch geschieht?" „Dann dient das Schwert uns, und euch selbst sogar, auf direktem Wege, wie es im Segen, der Esau geworden, heißt: „Mit deinem Schwerte sollst du leben und deinem Bruder — damit — dienen." Siehe Kosario, wir sind hier, hergepeitscht von Not und Drangsal aus allen vier Enden der Erde. Glaubst du denn, wir seien von dem Lenker der Zeiten umsonst über euere Berge gejagt worden, und hätten hier keine Aufgaben zu lösen?" Kosarios sah nachdenklich in die Ferne. In sein Marmorgeficht legten sich neue Furchen. Man hörte förmlich das Rauschen der Gedanken hinter dem gewaltigen Chasarenschädel. Dte Sonne senkte sich. Am Kamin spielten dunkle Schatten mit den roten Lichtstreifen. Kosarios verbeugte sich artig gegen die Damen und drückte Ben Chesdai wärmer denn sonst die Hand. Dann ging er, wie immer, eiligen Schrittes davon und verschwand durch das Osttor aus der Judenstadt. IV. Wie Kosarios aus dem Hause ging und,Me Gabahöhe hinaufschritt, sah ihm Batsua lange nach. Wie merkwürdig es ihr ums Herz war! Dieser Mann, der da kam und ging und still, fast achtlos an ihr vorbeisah, war ihr nicht i r g e n d e i n e r, er fing allmählich an, eine bestimmte Ecke in ihrer Seele zu beherrschen, und es wurde ihr bang und bänger um diese Gewißheit. Was bedeutete ihr dieser fremde, eigenartig düstere Mann?" Sie wartete seiner, ja schmachtete nach ihm, wenn er nicht kam, und doch bot ihr seine Nähe so wenig ... Seine Rede glitt an ihr vorbei wie sein Blick, der stets Ben Chisdai oder den Anderen galt/ und dennoch streifte sein Auge zuweilen das ihrige, fand sein Wort den Weg in ihr Herz. Noch nie hatte er eine direkte Frage an sie gerichtet, er vermied es offentsichtltchz sie anzuschauen und doch ging es wie stille Zwiesprache oft zwischen ihnen. Sie hörte zunächst nur den Klang seiner Worte, ohne den Sinn zu begreifen oder zu beachten. Aber der Ton klang und drang ins Herz eisern und wuchtig und fuhr über geheime Saiten, die leise erzitterten . . . Hatte sie es zu weit kommen lassen? Sie hielt den fremden Mann anfänglich für einen Glaubensgenossen und legte sich ihm gegenüber hie Jungfrauen ihres Standes geziemende Zurückhaltung auf. Zu ihrem nicht geringen Staunen vernahm sie aber aus seinen Reden, daß er anderen Stammes sei. Sie freute sich nun, eine natürliche Trennungsgrenze zwischen sich und ihm zu sehen wodurch sich alle anderen Rücksichten erübrigten. Dem Fremden gegenüber, der zu einem anderen Gotte schwor, war es kein Gebot der Klugheit mehr, sich abzuschließen. Hier brauchte man die Worte nicht zu zählen und zu wägen, denn ein natürlicher Wall türmte sich zwischen ihnen, der engere Annähenung ausschloß. Hatte sie dennoch zu viel auf sich gebaut? War sie zu weit in ihrem Selbstvertrauen gegangen? Sie sah ihm lange nach bis seine Umriffe im Abendnebel hinterher Gabahöhe ganz verschwanden. Träumend, den stieren Blick nach der Anhöhe gerichtet, so traf sie Rechamah und faßte sie an der Hand. Batsua fuhr erschrocken zusammen.! „Batsua, du siehst stumm in die Ferne und! deine Augen sprechen von unsäglichem Glück oder! Trauer. — Im reinen Quell eines Menschen- I auges spiegeln sich Glück wie Schmerz oft in I gleichen Farben." ' f „Ich sah dem Sonnenball nach, wie er so ro^ und herrlich hinter dem Berge verschwand." „Die Sonne geht nicht unter, Batsua, sie leuchtet, wenns nächtig um uns ist, anderwärts und zieht morgen zum anderen Himmelstor wieder zu uns herauf." „Und bringt doch allmorgendlich neuen Kummer, weckt neue Sehnsüchte, schafft Lust und Leid oder beides zugleich." „Was drückt dich, Batsua?" Batsua schwieg. „Du sprichst, Batsua, wie du nie gesprochen hast", fuhr die Freundin fort. „Wir sind dein silberhelles Lachrn und den heiteren Blick gewöhnt. Du bist aber ganz verändert und dein verstörtes Wesen fiel auch Ben Chisdai auf". „Glückliche, die du den Namen, der dein Herz schlagen macht, so vertraut aussprechen darfst!" „Und du, Batsua?" Nechamah schmiegte sich enger an die Freundin. „Ich weiß es nicht, Nechamah; was t ch empfinde, und was in mir sich ereignet, hat noch keinen Namen, ist auch mit dem Namen irgend eines Menschen noch nicht zu bezeichnen". „Auch nicht mit dem des Kosarios? . . ." Nechamah sah der Freundin klar und gütig ins Auge. „Ich habe den Namen noch nie genannt", wehrte Batsua leise ab, als müßte sie etwas vor drohender Gefahr schützen, „und wenn ich ihn nenne oder nur nennen höre, klingt er mir so fremd und fern, als habe dieses harte Wort mit dem, was mir im Herzen sitzt, garnichts gemein, und dennoch . .. ." Batsua brach plötzlich ab. „Weißt du, daß Kosario kein Jude ist?" „Weiß ich feit kurzem und freue mich darob. Dennoch verletzt es meinen! Stolz — schelte mich Sünderin—und tut es mir in der Seele weh, wenn er kalten Blickes an mir vorübersieht . . . Hast es gemerkt, Nechamah, er sieht mich nicht und achtet meiner Anwesenheit nicht im geringsten..." „Du weißt, es ist der Chasaren stolze Art, ihrer Seele Glut hinter eisernen Türen gleichmütiger Ruhe zu verbergen. Traue dieser eisigen Ruhe nicht und sei auf der Hut! Vergiß es nicht, du bist dte Tochter Rabbi Amrams und wie eine Schwester zu Ben Chisdqt, e r aber ist nicht unseres Stammes." „Ich yörte es im Gespräche der Männer, daß nicht der Stamm noch das Blut, sondern der Glaube allein es mache", sagte Batsua unsicher. „Mag sein", erwiderte Nechamah, „es steht uns unwiffenden Frauen kein Urteil über diese tiefgehenden Dinge zu. Aber angenommen, der Glaube allein mache es, so ist Glaube keine Ladenware, dte man kurzer Hand kaufen oder tauschen kann. Glaube will, wo er einem nicht angeboren ist, durch Kampf und Arbeit der Seele erst, errungen sein. Du darfst, Batsua, das innere Ringen dieses Mannes auch unbewußt nicht stören, noch weniger fördernd beeinflussen . . ." „Er sieht mich ja nicht" „Du siehst ihn aber, auch nachdem er bereits hinter dem Gaba verschwunden ist . . ." „Dort kann ihm aber der „böse Blick* nicht mehr schaden" lachte Batsua. Aber es war nicht ihr altes volles Lachen. — Schritte wurden hörbar. Die Straße entlang kam Ben Chisdai, Hand in Hand mit Machir, „Weißt du", sagte Nechamah, „Machir mag Kosarios nicht. Er ist es auch, der das Mißtrauen gegen ihn im Lehrhause nährt. Nur nach Sonnenuntergang, wenn der Fremde den Platz geräumt hat, sieht man ihm im Arm Chisdais. Sieh, wie eifrig er aus ihn einredet, sie sprechen vom Kosarios, er ist eifersüchtig aus Ben Chisdai, den ihm jener genommen. Vielleicht auch auf dich . , . (Fortsetzung folgt.)

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