Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1920)
- Date
- 1920-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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. ... ■IKJ; er Israeli Ein Centralorgan lür das orthodoxe Judentum Ispoief oco Dr. Lehnaon Io Major 61, latirgang- Sranftfurf a. ITT.. 9en 26. Februar 1920 ' 7. Adar 5680. M « «lvonnemxnl Pro Bierteljavr r Deutschland Sei den Postämtern M.3.75, bei direkter Bestellung und Rechnungserteilung durch den Verlag M. 4.50 vierteljährlich, für Lehrer und KutiuSbeamte (nur direkt) M. 2.25 vierteljährlich. Deutsch-Oesterreich und Ungar» Kronen 12.50 viertelj.; Tschecho-Slawakei Kr. 7.50 Viertels., Holland fl. 1, Skandinavien Kr. 2, Schweiz, Frankreich und Belgien Fr. 1.50, England 1 8h. 6 p., Amerika 0.50 Doll, vierteljährlich. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: 60 Pfennig, Stellengesuche 50 Pfg. ex. lusive Teuerungszuschlag für die selüsgespaltene Colonel- Zeile: Rabatt nach Sumf Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. v H., Frankfurt a.M., Gr. Eschenheimerstr. 23 Del. 584«. Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Ma-vorschriften rchne ^Verbindlichkeit. Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 18 803 — erfolgen an: Conto -ei der Postsparkasse Wien No. 79v"n Conto bei dem Pottsparkassenamt Budapest No. 181*1 Coto beim Postscheckamt Zürich Ufr. VIII 7354 . Conto bei der Böhmischen Unionbank. Prag und deren Filialen. Her Nackömck Ser Arfiftel unfl CorrefponDenjen 0es „Israelit“ iß nur unter ßenauer Quellenangabe, unö, foroeif es fleh um größere Mäfee banSelt. nur nach norheriger Senebmlgung oeitaftet. IrchattsÄveiOcht. 1. Leitartikel: Das große Hassen. —2. Kleines Feuilleton: Dr. Felix Kanter, Purim Betrachtungen. — (Die Lat eines FeldrabbinerS) — 3. Wochenrun tisch au: Zur Organisationsfrage. — Die Bewegung im Mlsrachi. — 4. Aufsätze: Gill nationales Heim im arabischen Palästina? — 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Vom HochschulantisemitismuS). — Berlin, (Der Verband der deutschen Juden). — Berlin. — Warschau, (MazzauSbersorgung) — Budapests (Aus dem ungarischen Hexenkessel). — New Aork. — Zürich, (Ein Wahlsieg der Agudas Jisroel in Palästina) — Sabbat-Anfang und Ausgang. — 6. Frankfurter. Berichte: Die Palästinawoche. — Ausschuß für die Verbreitung jüdischer Volksbtbliotheken aüf dem Lande. — 7. BeretnSkalender — 8. Familiennachrichten. 9. Vermischtes: Berlin. — Berlin. — Hamburg. — Kopenhagen. — Gebetzeiten. — 10. Feuilleton- Beilage: Im Iudrnstaat' der Cchasaren. — Wie er Purim als Millionär gefeiert hat! — 11. Personalien. Lübeck. — Mühlheim a.M. — 12. K inderecke: Sara Bondi, Prolog zn einer Purimfeier — Heinrich Elnstädter, Ein Purimspaß. — Heinrich, Einstädter, Purim-Rätse? — Aus den Raschi-Gefchichten. — Auflösung des Rätsels in Nr. 6.— ssaammamaumasmmmBm»uwkmKuu*wSsaBi*0amäimmMi Das große Kaffen. Jüdische Art wertet Dinge und Geschehnisse nach Grund und Quelle, Geschichte und Entstehung, darum verweist die Synagoge vor und am Purim auf Israels Erbfeind in der Wüstenzett, auf den ersten Hasser des Hasses wegen, auf Amalek. Darin liegt die Hauptbedeutung des Purims, daß er einen Präzendenzfall hat in Israels erster i Werdezeit und selbst zum Präzendsfalle für eine 'Verfolgungsgeschichte von Jahrtausenden wirddie große Bedeutung, der mir dem Worte gerecht wird: ^tOD V/>K DT D'DDD D'TpIDN DD DK Purim, losgelöst von seinem Urgründe, den er in Amalek hat, würde uns eine bloße hübsche Erzählung von Gelage und Intrige, Gefahr und Errettung bleiben, die uns spannend unterhält, erschüttert und erfreut, aber doch nicht über Jahrtausende hinaus uns in Bann halten könnte. So aber ist er Zauberspiegel, der Jahr für Jahr den Blick von einer trüben, einer neuen Frühlingssonne sich entgegenrtngenden Gegenwart hinweg zu den ältesten Zeiten menschlichen Haffes'lenkt und ihn von dort wieder nach der Menschheit letztem Hoffen zwingt. Amalek ist Jmbegriff des Gemeinen und Gewalttätigen aller Zeiten. Allwo und allwann das Schwert geschwungen, und der Rache Lied gesungen wird, sich Hände regen oder nur Lippen bewegen, um Haß zu streuen und dem ID sm D*7KD D"»KH Bahn zu ebnen, zieht Amalek verheerend durch die Reihen, wo Machtgier und Siegestaumel die Feder führen und der Völker Schicksale diktieren, da hat Amalek seine Hand im Spiele. Amaleks Gedächtnis muß aus der Menschengesellschaft, wenn sie physisch und psysisch gesunden soll, restlos schwinden. So lange aber man den einen Helden preist, der am' sichersten die Waffe führt und den als Weisen lobt, der die besten Pläne für Völkerschlachten ausklügelt, oder die besten Mordinstrumente schafft, solange es überhaupt Sieg in dem Sinne gibt, daß der Sieger über Tod und Leben des Besiegten entscheidet, so lange lebt auch Amaleks Ruhmgedächtnis in unserer Mitte. Die uns gewordene göttliche Mahnung lautet aber: PDöJ? ^iDT riK Sifiön NND D’ötPn finflö auslöschen und auslöschen sollst du das Gedenken Amaleks unter dem Himmel. Nicht Mmalek als Mensch, auch nicht als Volk ist mithin Gegenstand unseres großen Hassens, sondern sein Andenken, sein Nuhmgedächtnis. Ewiger Kampf der unheilbringenden Anschauung, daß Macht und Gewalt uns des Lebens höchste Güter erringen und erhalten j könnten! Nicht eher kann der göttliche Thron zu seinem vollen Bestände und der göttliche Name zu seinem vollen lückenlosen Glanze in der Menschenwelt gelangen, als bis diese Ausrottung Amaleks allgemein und restlos durchgeführt ist. NND'V tbW Dtfn PKT D7>w KDDN PK *'•> DD 'KJW p’DP Dw Ivw Der Thron — das ist die göttliche Waltung in der sichtbaren Welt der Menschen, Dinge und Erscheinungen. Der Name — die Gotteswahrheit in der unsichtbaren Welt der Geister, der Ideen und Gedanken. Halb aber nur ist DMIflnnD N1DD, lückenhaft der Thron wie der Name, solange auf Erden das Schwert entscheidet und pDDD “IST dem die Verdienstkrone zuspricht, der den stärksten Arm hat und die schärfste Waffe führt. Der große Krieg hat als ö'tt DD v^lfi Völkerkraft gestärkt und gebrochen. Wer in Wahrheit gebrochen und wer gehoben aus diesem blutigen Chaos hervorgeht, wird erst die spätere Geschichte zeigen. Heute aber kann schon als feststehend gelten: ist das, was hier und da zu Boden liegt, Amalekgetst, so kann und wird aus diesem Zusammenbruche neues Leben entstehen noch eher als die Hoffenden zu hoffen wagen. Wo aber Siegestaumel in Druckmitteln und unerfüllbaren Forderungen das pbteV *1DT aufleben läßt, da ist der höchste Sieg nicht errungen ... Doch ziemt es sich zur Zeit, mehr den Blick nach innen zu richten. In unserem deutschen Vaterlande sind in kritischer Stunde alle guten Geister am Werke, .von neuem aufzubauen und aufzurichten. Ihnen, „den Schwachen und Matten aus dem Wege" fällt aber Amalek in Len Rücken, der in Presse und Versammlungssaal den Rassenhaß nährt und den Bruderkampf bis zur hamanitischen Konsequenz "OKD1 JYTD D^lirn DD predigt. Von dem Maße, wie es gelingen wird, mit dem Blicke nach oben, zurerhabenen Moseshand, diesen inneren Amalek zu überwinden, hängt es ab, ob und wann wir uns von der politischen Gesunkenheit erheben. Es gilt für uns und alle, Amalek aus dem Wege zu schaffen, der durch die Wüste der Kulturentwicklnug vor- und aufwärts führt. Unsere Purtmrolle könnte, an Amalek gewertet, hierin eine Mahnung an die Welt sein. Sie ist kein Rach- und Haßgesang, sondern sie zeigt, wo und wie die Kräfte eines Volkes einsetzen müssen, wenn die Arbeit zum Glück und Gesamtheile führen soll. Im "Momente, da an Stelle hamanitischen Verntchtungswillens Recht und Gerechtigkeit einen Sachverwalter finden in einem Mordechai, da ist Jubel und Freude allenthalben im Lande — nicht nur in der befreiten ~ Judengaffe— TDiTl die Stadt Schuschan atmete froh auf. Ewiger Haß und ewiger Kampf gegen Amalek aller Zeiten, aller Völker! /