Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1920)
- Date
- 1920-01-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Deutsch? M ZC 47?2 er Israelit 61 Zülirgsng. ^ränhfurt s- M-. Sen 8. Januar 1920 17. Tebet 5680. M 1 Adonnemeril pro Biertelfabr 1 Deutschland bei den Post, I Ämtern M. 3.75, bet direkter Bestellung und RechnnngSerteilnng i! durch den Verlag M. 4.50 vierteljährlich, für Lehrer und KnvnS-!> beamte (nur direkt) ML 25 vierteljährlich. Deutsch-Oesterreich und Ungarn Kronen 12.50 viertelj.; Tschecho-Slotvakei Kr. 7.50 vicrtelj., Holland fl. 1, Skandinavien Kr. 2, Schweiz, Frankreich und Belgien Fr. 1.50, England 1 sh. 6 p., Amerika 0.50 Doll. Vierteljährlich. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint tederc Donnerstag > 'Anseratr: tzy Pfennig, Stellengesuche 50 Psg. ex. lustve TeuerungSzuschlagfürdie sechsgespaltene Colonel. Zeile; Rabatt nach Tarif Jnserateuannahme )urch den Verlag des Israelit G. m. b H., Frank«! fnrt a.M.,Gr. Efchendeimerstr.23Del. 8843, Amt Hansa» N sowie sämtl. Annoncen-Exped. deS In- und Auslands, l fStahvorschriftrn ohne PerbindttchkeU. >'> Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 19 803 — eclolgen an: , Conto bei der Bostsparkasse Wien S-o. Conto bei dem Voftsparkafsenawt äP«ibr.i>« ö* *« <• " Coto beim Postscheckamt Zürich Sv. VIII 7354 Conto bet der Böhmischen Unionbank Prag und deren Filialen. ver Nachdruck 9er Nrilke! unS Correfpondenjen 9es «Israelit“ M nur unter genauer Quellenangabe. und, soweit es llck um größere Ilutsötze _handelt. nur nach norberlger öenehmifluns gestattet. __ Inhaltswversicht. 1. Leitartikel: Provinstairabbin-r Dr. Michael Gähn V'itT. 2. Homiletik.- Ser iichlspendende Keuchtrr. -- 3. Kleines Feuilleton: (Juda Makkabäu8 als Oper). — (Zur Geschichte vou Cypern). — (Die jüdischen Katakomben in Rom). ----- 4. Wochenruudschau: Der Friede. — Das „amtliche" Material. --- 5. Aussätze: Me Erhaltung drr Mischen KanSgememLLN. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Hamburg (Wahlen im Shnagogenverband). — Davos (Ein Lawinensturz in Davos). — Warschau (Warschauer Brief). — Budapest (Pogrom in Kecskemetl. — Belgrad (Sonntagsruhe in Serbien). — Moskau Bolschewismus contra Zionismus). — Stockholm (Agudas Jisroel in Schweden). — Paris (Judenermordung in Kursk). — London (Smart Samuel aus Polen hermgekehrt). — London. — London (Die Prozentnorm in Jn- — New-York (Eine amerikanische Kommission für die Ukraine). — London (Gegen die ukrainischen Metzeleien) --- 7. Personalien: Berlin. — Tann. — Hann. Mündrn. — Breslau. — Nördlingen. — Wien. 8. Vermischtes: Berlin. — Berlin. — Berlin. — Berlin. — Louöütt. — ftamitmmfytttiMn. — 9. Berlage: §s sin Pech! — Eine Krsegs^Lharrnstirs. — 10. Kinberscks. — 11. Frankfurts?BerrKir. - FümrÜknnachrjchrsM — — mUtmiäh Sofßpi^wsteiiÄS» T Samson Raphael Hirsch’s großen Pentaf euchCommentar m neuer Auflage •rhaiten die Abonnenten des „Israelit“ (auch neu hinzutretende) als Prämie rud Mk. 25— oiter du himm zu Mk. 36 — statt Mk. 60.—. Lieferung in 15 Heften zu je Mk. 2.40, auf Wunsch auch bandweise. Wir bitten um eifrige Propaganda für den „Israelit“ in Freundeskreisen, Vertrefer gegen Provision überall gesucht. bed^11 W0^e s*c‘k c*er beigefügten Postkarte Frankfurta. M. Verlag des „Israelit“ G. m. b.H, Sr. Michael Lahn b"N- In der Nacht zum zehnten TeweS, dem Tage, der den Beginn unserer ersten nationalen Katastrophe bezeichnet, ist die gesetzestreue Judenheit Deutschlands, ja des ganzen Erdenrundes, von einem schweren Schlage getroffen worden: der Fulda er Raw, der Mann der lebensprühenden Begeisterung und der markigen Tat, der ragende Fels der Gottestreue und des Wahrheitsmutcs in einer haltlos schwankenden Zeit, ist seiner irdischen Wirksamkeit plötzlich entrückt worden. Wohl hatten seit sechs Jahren die Nahestehenden um den Alternden gebangt, und liebevolle ärztliche und kindliche Sorgfalt war schon von damals an bemüht, ihn vou jeder aufregenden Tätigkeit fernzuhaltrn. Aber gerade HL? letzten Monate harren ^den mehr als SiebziMhrigLN wuaöeeh^r vrrAngt^ er begann wi?d?^ zn lehren und zu arbeiten, mb nach am tzsmkippnr rrugea nm Hs? Neils-OLnnde frlne herzergreifenden Weisen die Seelen seiner Gemeinde zum Göttlichen empor. So durfte er denn mitten in der Fülle der Mizwos von dannen gehen) kaum aus dem Kreise seiner Schüler herausgcticten, mit denen er gelernt, und die er dem Neumond froh entgegen geführt, die Worte des Kiddusch Lcwono säst auf den Lippen — so kehrte er heim, „seinen Bildner zu verherrlichen ob der Herrlichkeit seiner Weltenherrschaft."- Der äußere Lebensgang des Entschlafenen ist rasch erzählt. In Rüdesheim am Rhein von einfachen, frommen Eltern erzogen — er hat sein Leben lang das fröhliche Temperament des Rheinländers nicht verleugnet — wußte er schon als Zwölfjähriger dem Vater die Erlaubnis abzuringen, in dem benachbarten Mainz seinen Wisst nsdurst stillen zu dürfen. Zu den Füßen von Rabbi Schmuel Bondi lernte er mit Feuereifer Thora, dabei in unsäglichen Mühen durch Unterricht sich die Mittel zum Lebensunterhalt verdienend. So durfte er nach schweren Jahren das von Jsrael Hildesheimer yxt ins Leben gerufene Rabbinerseminar in Berlin beziehen. Es war die Zeit, in der der „Reb'be" in der Vollkraft seiner Jahre jedem einzclnen seiner Schüler die ganze Fülle seiner begnadeten Persönlichkeit spendete, und sicherlich hat das engelgleiche mm/ das den Meister auszeichnete, mehr vielleicht als bei irgend einem seiner Schüler in der Seele des jungen Michatt Cahn gezündet und Wurzel geschlagen. Nach erlangter 'rnrrnn mr>n und mehrjähriger Amtswirksamkeit in der poskn'schen Gemeinde Samter folgte der junge Rabbiner einem Rufe, der ihn wieder in d-e Nähe seiner süddeutschen Heimat führen sollte, nach Fulda. Was er hier innerhalb der Gemeinde und in einem ausgedehnten Landbezirke in den vier Dezennien seiner Lebenswtrksamkeit als Rabbiner geleistet, davon legen die Institutionen dieser Gemeinden Zeugnis ab. Mit der ganzen Wucht seiner unvergleichlichen Uebcr^ zeuZungskrast, einer nimmer erlahmenden Energie und Tag und Nacht nicht rastender GewissentzasLigkrit wandte kr dem Kleinsten wie htm Grsßren, der Schule, h?r Mitws wir der GchechLt«, hem GeschZfrs' und Fsmilienleben der GernÄndenrstglL?h?r, der Art der Mizwo-Ersüllung wie der Rechtsstellung der Gemeinden und ihrer Beamten seine Fürsorge zu. Mit den Lehrern der Landgemeinden wußte er in ein enges Freuncschaftöverhältnis zu treten, das aus Vertrauen und Verehrung beruhte. Vor allem lag ihm neben der Ausgestaltung der jüdischen Volksschulen das eigentliche Thora lernen am Herzen, und seine Lieblingsschöpfung, das Beshamidrasch, das er in Fulda geschaffen, und mit dem er den Namen seines großen Vorgängers auf dem Fuldaer Rabbinatösitz, des Maharam Schiff in seiner Gemeinde Praktisch zu Ehren zu bringen gedachte. In seinem m8!22 PNP-, galt Dr. Cahn vielen als eine strenge Natur — aber wer auch nur eine Ahnung von der Vielgestaltigkeit, von der Wesensart seines Gemilus Chesed hatte, der mußte in ihm einen Mann vcn übersprudrlnder Menschenliebe erblicken. Da war keine Witwe, keine Waise in seinem Rabbinatsbezirke, die in ihm nicht dn Annehmer, kein schwergeprüfter Familienvater, der nicht Rat und tatberette Hülfe im Rabbinerhause zu Fulda gefunden hätte. Dazu war eine umfassende Sammeltätigkeit innerhalb wie außerhalb des Bezirkes nötig, deren Mühen und Unbilden nur eine so herzbezwingende Persön-