Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 60 (1919)
- Issue
- Heft 51 (30.12.1919)
- Date
- 1919-12-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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30. Dezember 1919 Der H-SraeUi. Skr. »1. Sekte 8 Lvrrespondenzen und Aachrtchten. WsErtzHS Mei^. Sum Aufbau Paläflinas- ZSerkin, 19. Dez. Das zionistische „Hülfswerk für Palästina", das während des Krieges sür die NotleidenSen im heiligen LünLe sümmeste, veröffentlicht jetzt einen'Aufruf an die deutschen Juden, zum Palästina-Aufbaufonds beizutragen. Trotzdem der Aufruf einige wenige Unterschriften von Persönlichkeiten trägt, die als gesetzestreu bekannt sind, dürfte t$ für die orthodoxen Kreise Pflicht sein, ihre für Erez Jisroel und zwar sowohl die für die Erhaltung der bestehenden Institutionen als die für den wirtschaftlichen Neuaufbau des Landes . bestimmten Gelder ausschließlich den entsprechenden Fonds der „Deutsch-holländischen Palästinaverwaltung" und der „Agudas Jisroel" zuzuführen, damit sie der Stärkung des religiösen Geistes im heiligen Lande zugute- .. kommen.- Sfaafssufdiüffe für iüdifcfte Gemeinden. Berlin, 19. Dez. Die preußische Landesversammlnng hat eine Etstgabe des „Verbandes der deutschen Juden" wegen Bewilligung von Staatszuschüffen an leistungsschwache jüdische Gemeinden der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Das Kaltusministerium hatte sich bisher ablehnend verhalten. Berlin, 16. Dez. Der „Zentralverein für die Interessen der Jüdischen Gemeinde" hat eine Eingabe an den Vorstand gerichtet, worin er um rasche Ansetzung eines nahen Wahltermins ersucht und Vorschläge hinsichtlich der Aufnahme in die Wählerliste macht. Der Verein spricht sich gegen jede Karren Mit für die Ausübung des Wahlrechts aus, billigt dagegen den Ausschluß derjenigen, die ihre Steuern weder gezahlt, noch Stundung oder Erlaß be. üntragt haben. gesellschaftlichen (?) Dieses Verhältnis hat sich auch durch Schaffung des Gesetzes über die GleichbercA. rtgung der Juden, durch welches ein großer Teil der ln Finnland ansässigen Juden zu finnländischen Staatsbürgern erhaben wurde, in keiner Weise ge, ändert. Die finnländischen Juden können ungehindert an eine Organisation ihres öffentlichen jüdisch-kulturellen Lebens schreiten. 0 R Ti Anfang Datum AuSgang MriMiv.: 49191 5080 Uhr Mül. 30. 8. Kirlew Frankfurt a. M, 4 Dez. 5 IS Berlin .... 3 40 4 43 München . . . 4 15 5 10 Strastburg . . — — — — Stuttgart. . . — — —• Posen .... — — — — Nürnberg. . . 4 05 b 05 Hamburg . . . — « 4 55 Säödeulfche Verfanunss-flenRerungen Karlsruhe, 21. Dez. In Baden wie in Württemberg sind zur Zeit Bestrebungen im Gang, die Ob errat sbezw. die Kirchen-Verfassung der Juden «modernen demokratischen Anschauungen anzupassen. Während man hierzulande jedoch noch nicht aus dem Stadium hschst unklarer und widersprechender Vorbereitungen und Anregungen herausgekommen ist, liegt in Stuttgart bereits ein vom Oberktrchenrat äusgearbeiteter Entwurf vor, der gleiches, allgemeines Wahlrecht vorsieht, jedoch -die Verhältniswahl ausschlirßt. Die „LandeSkirchenvsrsammlung" soll aus 1? Aögesrdneren, darunter zwei Kultn^beamLen bestehen- Der Entwurf, der noch eingehender zu b?. sprechen sein wird, dürfte niemanden befriedigen und daher wohl sehr scharfer Kritik sowohl von orthodoxer wie von liberaler Sette auSgesetzt werden. Oesterreich. Die bolfcheioiftifche öefahr ln Palfifiina? Wien» 2*. Dez. Das hiesige zionistische Organ weist mit berechtigter Entrüstung auf den in der Presse veröffentlichten Abschiedsbrief eines nach Erez Jisroel auswandernden Poale-Ziontsten hin, der erklärte, er gehe nach Palästina „um dort zur Weltrevolution beizutragen und ins besondere um mit der revolutionären arabischen Arbeiterschaft gegen den englischen Imperialismus und die. Fremdherrschaft zu frondteren?" Man soll zwar die Aeußerungen eines offenbar halbtollen jungen Menschen nicht allzuernst nehmen, aber eS ist vollkommen begreiflich, wenn man vom zionistischer Seite derartige „Parteigenossen" ' mit aller Energie abschüttelt und sich ihre weitere Parteizugehörigkeit sehr entschieden verbittet. Es könnte sonst geschehen, daß an die Stelle aller Hoffnungen auf ein wirtschaftlich und kulturell freies Palästina eines Tages ein — englisches Einwanderung-Verbot träte, das dann eine seltsame Krönung der zionistischen Bestrebungen wäre. Die zionistische Partei sollte die Konsequenzen aus dieser Sachlage ' rechtzeitig ziehen und den Einfluß der Poale-Zion von vornherein soviel wie nur irgend möglich zu beschränken suchen. Vntvn. MMsnSlung iUOIMier SolBaftn. W«rscha», 15. Dez. Die jüdischen Abgeordneten haben dem Krieg-- minister ein Memorandum überreicht, worin über die schlechte Behandlung der jüdischen Soldaten, insbesondere in Larnow Beschwerde geführt wird. Tschecho-Monrcrkei. Die kandesberfammluna der lloroahiftften Orthodoxie. Nratislava (Preßburg), 12. Dez. Wie bereits kurz gemeldet, hat die LandeSversammlung nach einem längeren, äußerst eindrucksvollen Refcrat von Rabbiner Aron Katz- Neutra den Beschluß gefaßt, den offiziellen Anschluß an die „A g udas'JSroel" zu erklären in der Voraussetzung, daß diese — wie von ihr wiederholt öffentlich erklärt wurde — die Autonomie der einzelnen LandeSorganifationen hinsichtlich religiös-politischer Fragen respektiert sowie in Erez Jisroel nichts gegen den Willen der dortigen rabbintschen Autoritäten unternimmt. Die Einhaltung der letzteren. Bedingung ist durch die Stellung des rabbinischen ÄateS. gesichert. Die lange Zeit hindurch geführten Verhandlungen über den Anschluß der Orthodoxie an den zionistischen „VolkSverband der Jude« für die Slovakei" haben trotz der weitgehenden Zugeständnisse der letzteren (siehe No. öS des „Israelit") zu keinem Ergebnis geführt. Die Landesversammlung erklärte sich bereit, gemeinsam mit dem „Volksverband" eine „Kommission zur Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Juden" zu bilden, vorausgesetzt daß der VolkSverband als solcher sich alSdann auflöfe. Diese Bedingung hat der Volksverband entschieden abgrlehnt, so daß daS Endergebnis eine Verschärfung der Gegensätze ist. Die LandeSversammlung war bet ihrem Beschlüsse von der Erwägung geleitet, daß ungeachtet aller Kautelen und Sicherungen in praktischer Hinsicht doch dir bloße Tatsache drS „A nfchluffes" der orthodoxen Majorität an eine religiös bewußt neutrale, dabei aber mit der ganzen Würde einer nationalen Vertretung sich bekleidende Organisation dem in Ungarn stets hochgehaltenen Prinzipr der Souveränität der Thora widerspreche. Die Orthodoxie ist sich klar darüber, daß vom Standpunkte ihrer praktischen Interessen der Anschluß an den „VolkSverband" und die ihr dadurch erwachsende Mithülse tüchtiger und. erfahrener FächkeM auf den verschiedensten Gebieten äußerfl Dörtrilhast gewesen wäre. ES ist einfach 'ein Opfer, daS man dem eigenen Gewissen und der Reinheit des PrinzipeS bringt, wenn man auf alle diese Vorteile verzichtet und allein bleibt. Die finanzielle Lage der jungen orthodoxen Organisation stellte sich in der Sitzung wenig trostreich dar, sodaß die Haltung gegenüber dem VolkSverband umsomehr von einem gewissen Heroismus zeugt. Als unerläßlich wurde die Gründung eines eigenen PreßorganS für die slowakische Orthodoxie bezeichnet, doch seien hierzu 100000 Kronen jährlich nötig. Personalien. Josef Sulda V'xr. Main», 1». Dezb^ In dem höhen Alter von nahezu SS Jahren verschied hier Joses Fulda, der Sentorchef Firma Josef Fulda, Mainz, »ine» der bedeutendsten Bankhäuser Güddeutschiand». Solidität, Zuverlässigkeit, Tüchtigkeit und besonder» eine große »orficht, durch die er sein Hau- und seine Kundschaft vor Verlusten zu wahren verstand, bilderen die Grundlagen, dte feiner Firma den Aufstieg ermöglichten. Die starke geschäftliche Inanspruchnahme gestattete dem vielseitig interessierlen Manne trotzdem noch, fich wissenschaftlich zu betätigen und seine mathematischen Kenntnisse waren geradezu sprtchwSrtltch. Ho war auch sein Gedächtnis ein außerordentliche». Tie Ahnen de» Verklärten stammen aus Frankfurt a. M. Nach dem Brande der Frankfurter Judengaste 1717 find sie nach Mainz verzogen, vermutlich mit dem Haupte der Familie, des Vorstehers Rabbt Perez Fulda, besten Nachkommen dauernd Shrenstellen in der Mainzer Gemeinde einnahmen. — Dte am Sonntag nachmittag stattgehabte Beerdigung gestaltete sich zu einer emdruikSvollen Trauerkundgebung. Biels Mitglieder der beiden hiesigen jüdischen Gemeinden ließen es sich nicht nehmen, dem^ ehrwürdigen Manne dte letzte Ehre zu erweisen. Rabbiner Dr. Bondi schilderte die Kämpfe, die der fromme Mann bet Gründung der Israelitischen RettgionSgesellschaft zu bestehen hatte. Lange Zeit dauerte eS, bis die anderen dte GefetzrStreuen als gleichberechtigt anerkennen wollten. Mehr denn 40 Jahre gehörte der Datzingefchiedene dem «orstand der Israelitischen ReligionSgefellschast an und fein vorbildliche» Leben zwang dte Reformer nicht zum wenigsten, der neugegründeten Gesellschaft die Achtung nicht zu versagen. Hatte doch dte junge Gemeinde sich einen Dr. Lehmann al» Führer erkürt, der gleich groß als Schriftsteller und Lehrer der Gemeinde gewesen. Im Namen de» Vorstände» widmete Bankier Dr. Gustav Schlesinger dem scheidenden langjährigen Borsitzenden »orte de» Danke» für besten unermüdliche Arbeit. n"33Un. Vermischtes. Berlin, 3. Dezbr. In der Preußischen Lande»«; Versammlung nahm am Freitag der Kultusminister Hämisch in ausführlichen Darlegungen zu wichtigen Schulfragen in Preußen Stellung. Zu der antisemitischen Hetze führte er au»r Außerordentlich beklagenswert Ist die antisemitische Verhetzung gerade der Jugend der höheren Schulen. Ich rufe ihr zu, nicht der dte Juden herzufallen und sie zu beschimpfen