Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 58 (1917)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1917)
- Date
- 1917-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seile i No. i und 40°/o zu verhindern, die die Arbeiter bei dem Umtausch von Lohuainveisungen bei sonstigen Händlern erlitten haben. Die Maßregel wirkt überdies wie ein Arbeitskredit an Kolonisten, die nicht in der Lage sind, ihre Mittel für die Wirtschaftsführung augenblicklich flüssig zu machen. Schließlich hat der Jüdische Nationalsonds aus den Eingängen für die Notstandsaktion jüngst einen namhaften Kredit für die Förderung des Gemüsebaues bewilligt. Für die sorgfältige Bearbeitung einer Fläche von 5 Dunam (durch eine Arbeitergruppe) sowie für qualitativ besonders gute Erzeugnisse sollen auch Preise verteilt werden. 3. Statistisches. Es besteht leider keine lückenlose Statistik der jüdischen städtischen und ländlichen Siedlungen in Palästina. Bei der Stadtbevölkerung ist man gänzlich aus Schätzungen angewiesen, bei den Kolonien bieten die Berichte der Jca (Jewish Colonisation Association) verläßliche Angaben, sowie gelegentliche Zählungen des Paläftinaamtes und der Arbeiterorganisationen. Noch mangelhafter sind die andern Gebiete der Statistiker- Hebung des Viehbestandes, der Produktionskosten und Erträge pro Flächeneinheit in verschiedenen Wirtschaftszweigen, der Kolonisten- und Arbeikerbudgers usw. Es soll hier versucht werden, den gegenwärtigen Stand der Bevölkerung Galiläas während des Krieges keine Minderung ihrer Zahl erfahren hat. Im Gegenteil, im Laufe des letzten Halbjahres har ein Zufluß von Arbeitern aus Judäa stattgefunden, wo die Arbeitslosigkeit bekanntlich viel schwerere Formen als in Galiläa angenommen hat. Eine Zählung in den Kolonien und Farmen in Judäa gegen den 1. April 1915 ergab trotz der nicht unbeträchtlichen Abwanderung, speziell von Arbeitern, seit dem Kriegsausbruch einen Zuwachs gegenüber dem Jahre 1913, für das wir im Berichte der Jca wertvolle Zahlen besitzen. Die Seelenzaht beträgt rund 7500. Davon sind 2735 Kolonisten samt Angehörigen, die Arbeitersiedler von En-Ganin und Nachlath-Jehudah inbegriffen, gegen 2380 jemenitische uno aschkenasische Arbeiter (inklusive die der Kellereien von Rlschon), über 1260 Handwerker und etwa 1115 Berufslose. Die Zahl der Landarbeiter möchten wir mit Vorbehalt verzeichnen. — In Samaria zählte die Jca 1913 in ihren Kolonien 1509 Seelen. Farmarbetter und den wahrscheinlichen Zuwachs htnzugerechnet, können wir für die Siedlungen von Hederah bis Haiffa eine Seelenzahl von 1600 etnsetzen. In Untergaltläa gab es in den Jca-Kolonien 860 Seelen, dazu kommen rund 5OO Arbeiter in den genossenschaftlichen Betrieben auf den Ländereien des Jüdischen Nationalfonds und Diese Zeremonie entspricht den Vorschriften des jüdischen Speisegesetzes. (Die Bibel gegen das Hamstern.) Es dürste die Leser interessieren, daß auch im Einzelnen Joseph in Aegypten Vorschriften erlassen hat, die denen gleichen, die die Gegenwart kennt. Nach dem Midrasch (Berescytth rabbay r. 9t) verbot Joseph, „daß jemand mit 2 Eseln nach Aegypten kam" um Getreide zu kaufen. Hierdurch werde das Hamstern unterbunden. Ein Ausfuhrverbot erließ Joseph, „daß nicht Esel das Getreide von einem Ort zum anderen bringen dürften." An die Knndenliste gemahnt die Verordnung Josephs, „daß keiner Aegypten betreten dürfte, der nicht seinen Namen und den Namen seiner Familie in die Liste einlrllg." Wenn auch der Grund Josephs ein anderer rvar, als der der Gegenwart, so ist doch die Gleichheit der Bestimmungen bemerkenswert. Dr. Michal-tt. (Ein jüdischer Gelehrter des Mittelalters über das «.eeversicherungswesen.) Im Septemberyest der „American Economic Review“ veröffentlicht der Professoe für jüdische Geschichte und Literatur an der Universität New-Aork, Alerander Marx, eine Handschrift des gelehrten Rabbi I e ch t e l N i s s i m von Pisa ans dem Jahre 1559, die m der Bibliothek des „Jüdtsch-Iheologrfchen Seminars für Amerika" in New-Vork ausvewayrl wird. In dieser Handschrift, die sich in erster Linie mit dem Finanz- und Wechselwescn der Juden um die Mitte des 16. Jahrhunderts beschäftigt und es vom streng-orthodoxen Standpunkt aus beurteil!, komn.l Iechiet Nijsuu auch aus das System der Schlffsversicherungetr seiner Zen zu reden, und gerade unter den gegenwärtigen Verhältnissen dürfte es wohl nicht ohne Interesse sein, die Grundzüge des da- Der JSraeltt. m privaten Farmen, zusammen 1360 Seelen. J'n Obergaliläa zählte die Jca 1913 über 930 Kolonialbewohner. Die gesamte ländliche Bevölkerung ergibt sich derzeit mit rund 11400 Köpfen. Es kann daher mit ziemlicher Genauigkeit angenommen werden, daß die Zahl der Juden in den ländlichen Siedlungen unmittelbar vor dem Kriege 12000 überschritten hat. Aeue Sucher. Bücher und Broschüren über Zeitfragen- Im Herbste und in der ersten Winterhälfte pflegte der Büchermarkt seine Hochsaison zu feiern. Darin hat sich in den letzten Kriegsjahren nicht viel geändert, denn die Bücherei gehört zu den Jndustrteen, die sich jeder Lage mit Leichtigkeir anpassen. So ist denn auch dieses Jahr das Kriegsbuch vorherrschend. Vier Fünftel der auf unserem Tische liegenden Bücher und Broschüren stehen in irgend einer Beziehung zum Kriege. Bei vielen dieser Preßerzeugniffe kommt dem Leser unwillkürlich der wehmütige Gedanke an die Papierknappheit. Wo ein schönes, beachtenswertes Wort fällt, wird es sicherlich auch in diesem Gewirre von Papier und Druckschwärze nicht ganz untergehen. Max Dessoir unternimmt es, nach einem psychologischen Aufbau des Wellereignisses die seelischen Verhältnisse im kämpfenden Heere zu zergliedern?) Die Schilderungen, die sich um eine tiefdringende Einfühlung . in das Seelenleben des einzelnen Soldaten und der Gruppenverbände bemühen, werden ergänzt durch anschauliche Gefechtsberichte. Die Schlußabjchnttte sind dem psychologischen Abbau des Krieges gewidmet. Es erscheint Dessoir als vornehmste Aufgabe, den Wertgewinn der Berührung mit der göttlichen Schick,alsgewalt loszulösen von der Erscheiuungsform des Krieges und htnüberzuletten in den Tatgeist des Friedens. F o er ft er macht „Das Verhältnis der deutschen Jugend zum Weltkriege" zum Gegenstände eines 167 Seiten starken Buches.2) Der „Foerst er"streit ist noch in aller Erinnerung. Er entstand durch Aeußerungen Foerfters in einem schweizerischen Blatte über Bismarcks Werk im Lichte der großdeutschen Kritik, Aeußerungen, die zwar von persönlichem Mut und wissenschaftlicher Wahrheitsliebe des ’) „Kriegspsychologische Betrachtungen" von Max Dessoir. Verlag von S. Htrzel in Leipzig. 2) „Die Deuische Jugend und der Weltkrieg, Kriegs¬ und Friedensaussntze." Von Dr. Fr. W. Joerster, ordentlicher Professor an der Universität München. Verlag „Naturwissenschaften" G. m. b. H. in Leipzig 1910. maligen Seeversicherungswesens kennen zu lernen: Es bestanden in jener Zeit in den einzelnen Ländern, die Seehanoel trieben, größere oder kleinere Gesellschaften, die das Risiko für alle über See gehenden Schiffe und Waren übernahmen und die Schiffe und ihie Ladung gegen Räuberei, Brand, Untergang usw. schützen wollten. Die Versicherungsprämie wurde nach der Entfernung des Weges bemessen, den das Schiff zurückzulegen hatte; sie betrug z. B. für die Strecke von Livorno nach Neapel 7 v. H. vom Wert der Ladung, von Livorno nach Messina oder Palermo 8 v. H, nach Alexandrien 12 v. H. Die Verantwortung der Gesellschaften erstreckte sich über die eigentliche Fahrtdauer hinaus, denn sie endete erst, wenn die Waren an ihrem Bestimmungsorte dem rechtmäßigen Empfänger abgeliefert worden waren. Die einzelnen Gesellschaften hatten keine allgemein gültigen Bestimmungen, sondern richteten sich nach dem Brauch und den Sitten des Landes, dem das zu versichernde Schiff angehörte. Entstand ein Streit zwischen Reedereien und Versicherungsgesellschaften, wie zum Beispiel dann, wenn bei einem Sturm die Ladung über Bord geworfen werden mußte, um das Schiff zu retten, so wurde er ans Grund eines allgemein anerkannten Gesetzbuches, des „Consulado de Barcelano“ entschieden, und jeder der streitenden Teile mußte sich dem Erkenntnis unterwerfen, das an dir Hand dieses Buches gefällt wurde und wogegen es bine Einsprache aber Berufung gag. Januar 1817 Verfassers zcugeii, die aber heute, im Momente gespannter Leidenschaften und gesteigerten patriotischen Empfindens, besser unterblieben wären. Im genannten Buche widmet Foerster das letzte Kapitel dieser seiner eigenen Sache und beleuchtet die Motive und Grundanschauungen, die für seine Stellungnahme zu den Problemen der gegenwärtigen Weltlage maßgebend sind. Die anderen Teile des Buches enthalten einen Appell an die Jugend, das Vermächtnis der Zeit, den Schützengrabengeist, zu einem der Fundamente des neuen Deutschlands zu machen. Eingehend befaßt sich der Verfasser auch mit religiösen, sexuellen und Erztehungsfragen, überall in wohltuendem versöhnlichem Tone. Der Abschnitt „Mitteleuropäische Schützengrabenpolitik" enthält eine Kritik des so rasch berühmt gewordenen Naumann'schen Buches „Mitteleuropa". So sehr Foerster selbst für einen engeren Zusammenschluß der jetzt verbündeten Mittelmächte ist, so möchte er doch im Gegensätze zum Naumannschen von Schützengräben umschlossenen Mitteleuropa, ein friedsames Mitteleuropa für Europa. Eine scharfe Abrechnung' hält Foerster mit den „Krtegsromantikern hinter der Front", die anstatt die künftige Annäherung der jetzt feindlichen Völker vorbereiten zu helfen, sich nicht genug tun können, den vorhandenen Haß immer von neuem zu schüren. Hans Roh de kommt, durch die neuesten Phasen des Balkankrieges, die eine wesentliche Verschiebung der Machtverhältniffe im nahen Orient bringen, angeregt, mit einem sehr interessanten orientierenden Buch über „Deutschland in Vorderasien?") Was uns Juden am meisten in diesem Buche interessiert, das sind die Schilderungen der Verhältnisse in Palästina und die eingehende Behandlung der dortigen jüdischenKolonisation. Er hält die jüdischen Kolonisten Palästinas für berufen, neben ihren jüdischen nationalen Bestrebungen deutsche Sprache und Kultur zu fördern. Mit großem Nachdruck * spricht der Verfasser einer jüdischen Einwanderung in Palästina das Wort. In den eingewanderten Juden würde die Türkei nach dem Kriege das finden, was ihren Bedürfnissen in geradezu idealer Weise entspricht: einen Bolkszuwachs, hinter dem keine feindliche Macht steht. Dem Buche ist eine gut ausgeführte Uebersichts- . karte der Eisenbahnen Vorderasiens beigegeben. Asien und zwar die „Armenische Frage"*) behandelt auch Bratter, der sehr nachdrücklich den am Ruder befindlichen englischen Lords, die 3) „Deutschland in Vorderasien." Von Hans Nohde. Verlag Ernst Siegfried Miktler-Sohn, Berlin. 4) „Die Armenische Frage." Von C. A. Bratter. Coneordia-Verlag Berlin. Die Tränenschale. Von S. Frn-g. (Uebertragen von Frdr. Thieberger.) „Sag', Mutter, ists wirklich so, Mutter, ists wahr? Großvater erzählt, vor Gottes Thron Steh' eine Schale, ganz wunderbar . . . Steh' dort von dem Morgen der Zeiten schon. Und wenn uns ein Tag voll Leiden scheint, Weint Gott eine Träne . . . Mutter . . . Gott weint, Und die Träne zittert zur Schale hinein... Und einstens, Mutter, weißt du, einst, Wenn die Tränenschale zum Rande voll: Er, den du im Beten ersehnst und erweinst, Er kommt, der die Welt erlösen soll. Dann sind auch wir nicht Getretene mehr, Dann dürfen wir frei sein, wie's ehedem war . . . Unsre Augen, leidumschattet und schwer, Werden still und klar ... Ists wirklich so, Mutter, sag, Mutter ists wahr. . . ." Die Mutter nickte und schwieg und schwieg. In ihrem Schweigen lag dumpfe Qual. Das Auge des Knaben war Sonne und Sieg. Er fragte die Mutter zum zweitenmal: „Und wann, wann wird die Schale voll? . Wie dulden und hoffen viel hundert Jahr ... Vielleicht, daß die Träne, die niederquoll-- Vielleicht vertrocknet die Träne gar? Vielleicht . . . ja, Mutter . . . wenn vielleicht Der Schäle Grund durchbrochen war . . Die Mutter schweigt. Eine Träne schleicht Aus ihrem Auge, zag und schwer. Und diese stumme Träne streift Des Knaben Haar. Es strahlt wie nie . . . Ob er den Kutz der Träne auch begreift?! Auch d i e in deine Schale, Herr, auch die . . .