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Der Israelit · 1917-01-04 · Heft 1 (4.1.1917) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
58 (1917)
Issue
Heft 1 (4.1.1917)
Date
1917-01-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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mit 2 Jfc, i Der Wrtteltt. hie Antwortnote der Feinde klingt, und so wild sich immer die feindliche Presse gebärden mag, die Friedensbotschaft der Mittelmächte hat allzuhelle Resonanz im Kerzen aller Völker, um spurlos verhallen zu können. Darum ist es gewiß nicht verfrüht, wenn heute schon in der großen Oeffentlickckeit von den ersten Friedensaufgaben der nächsten Zeit gesprochen wird. lieber die allerersten Fri ed ensaufgab en des gesamten Thorajudentums kann nirgendwo Zweifel obwalten: Sie besteht im Wiederaufbau der Jeschiwoth, in der Wiederherstellung der Quellen jüdischen Lebens und jüdischer Kraft. Darüber wird, wie wir zuversichtlich hoffen, in nächster Zukunft noch im einzelnen zu reden sein. jüdischen Kolonien in Palästina. Ueber die Einwirkung des Krieges auf die jüdischen Kolonien in Palästina entnehmen wir der Monatschrift »Der Jude" (Verlag R. Löwit, Berlin N 37) nachstehende Auslassungen: 1. Kriegsfolgen und Pflanzungskolonien. Der Krieg hat vielleicht kein Land so völlig isoliert, von den Quellen seiner Einfuhr und den Märkten seiner Ausfuhr restlos abgeschnitten, wie es Palästina beschieden war. Landwirtschaftliche Betriebe, die wohlhabenden Leuten im Auslande gehören, gerieten in Stockung, weil die Landeigentümer nach dem „feindlichen" Palästina keine Geldbeträge, oder nur sehr unregelmäßig, überweisen konnten. Jede Bautätigkeit hörte auf, da Aufträge und Baumaterial fehlten,' die Einschränkung der ländlichen Wirtschaften hatte nicht nur in den Kolonien drückende Arbeitslosigkeit zur Folge, auch eine Reihe von städtischen Industrien nnd Gewerben, deren Gedeihen mit dem Fortschritt der Kolonien eng verbunden ist, wurde labmgelegt. War die Unterbrechung des Goldzufluffes schon eine arge Kalamität, so hat die Schließung der Jüdischen Bank (Anglo Palesttne Company) den rettenden Versuch üb7rdies zunichte gemacht, durch die Herausgabe von Bankschecks und ähnlichen vereinbarten Zahlungsmitteln durch die Waadim der jüdischen Kolonie das Gold im Tauschverkehr überflüssig zu machen. Man beachte ferner, daß Palästina auf den Import einer ganzen Reihe von allernotwendigsten Arbeitsmaterialien und Verbraüchsgütern angewiesen ist, wie Eisen, Holz, Kohle, Petroleum, Zucker, Kaffee, Reis, Medikamente, und es klingt fast unglaublich: zu den unentbehrlichen, aber fehlenden Nahrungsn titeln gehört auch das Mehl. Der Maogel an Transportmitteln und 4 Januar l»? die Unzulänglichkeit der Mühleninduftrie haben die für ein Agrarland seltsame Erscheinung gezeitigt, daß seit Jahren die Mehleinfuhr tu der Türket die Getreideausfuhr übersteigt. So wurde im Jahre 1908/09 für 6000O0Ltg. (13 800000 Frs.) Mehl eingeführt. In Palästina stieg die Mehreinfuhr von rund 470000 Frs. im Jahre 1904 auf 2V< Mill. Frs. im Jahre 1910 (im Hafen von Jaffa). Die Ausdehnung der Pflanzungskulturen hat die Lage in den letzten Jahren natürlich nicht verbessert. Die Ansammlung von beträchtlichen Truppenmassen in Syrien und Palästina hat die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung noch mehr erschwert. Nachstehende Tabelle der Preise im Sommer 1914 und Ende 1915 gwt einen Begriff von den Leiden der Teuerung, die gegenwärtig auf Palästina schwer lastet: im August 1014 im Dezb. 1915 Weizen (pro dz.) ... Frs. 21 — Frs. 53.— Mehl „ 30.- „ 70.- Brot „ ... „ 23.— „ 50.— Erbsen „ „ ... „ 46.— „ 410.— Butter „ '430.— „ 705.— Zucker „ . . . 43.— „ 470.— Petroleum (für eine Kiste) Frs. 13.— Frs. 90. - Es ist in der nächsten Zeit eher eine Verschlimmerung, denn eine Linderung der Notlage zu erwarten. Die Maßnahmen der Zentralregierung zur Regelung der Versorgung mit Lebensmitteln gelten naturgemäß in erster Linie der Hauptstadt, Palästina kann auf die Wirkungen dieser Fürsorge kaum rechnen. Anderseits trat durch die von der Kammer im Februar dieses Jahres beschlossene Ausgabe von Psundnoten eine schwere Währungskrise ein. Trotz des Zwangskurses und der Strafandrohung erhielt man im März für ein Pfund anstatt 108 Piaster nur 87*/°. Der Kursverluft wird gegenwärtig mit 25—35ü/o angenommen. Die vorwiegend Ackerbau treibenden jüdischen Siedlungen Unter- und Obergaliläas haben sich in dieser krisenhaften Zeit bedeutend Widerstandsfähiger, weil in den meisten Lebensmitteln sich selbst genügend, erwiesen, als die auf Pflanzungen beruhenden Kolonien Judäas. Die Einseitigkeit dieser kapitalintensiven Plantagenwirtschaften war ein Gegenstand der Sorge und der Kritik Einsichtiger schon in Friedenszeiten. Im Kriege offenbarte sich besonders kraß die Abhängigkeit der judäischen Pflanzer von den ausländischen Märkten. Am wenigsten litten die Mandelpflanzer, da die Mandeln Lagerung gut vertragen und im Lande selbst relativ günstige Preise erzielt werden konnten. Sie fanden in Beirut, Damaskus, Aleppo und sogar in Konstantinopel Absatz. Der Betrag beläuft sich auf 300000 Frs., gegenüber dem normalen Berkauftwert von etwa 45Ö000Frs. Das jüdische Winzersyndtkat „Karmel" konnte noch mit besonderer Erlaubnis der Anglo-Aegyptischen Regierung bis zum 31. Mai 1915 einen Teil seiner Weine auf neutralen Schiffen ausführen, hauptsächlich nach Amerika, ein geringes Quantum selbst nach Aegypten. Erst am 1. Juni 1915 wurde die völlige Blockade über die syrischen Häfen verhängt. Etwa die Hälfte der Weinernte des Jahres 1914 wurde derart veräußert. Billigere Weine wurden zum Teil zu Alkohol verarbeitet. Von den 600000 Kisten Orangen des Jahres 1914 konnten hingegen nur 20%, abgesetzt werden. Der Rest wurde zu Schleuderpreisen im Lande verkauft/ ein Teil der Orangenernte blieb unqepflückt. Das Wirtschaftsjahr 1914/15 (5675) gestaltete sich für die Orangen gärten besonders kritisch, weil die Erlaubnis zum Einführen von Petroleum zum Betrieb der Bewäsftrungsmotoren nicht zu erlangen war. Die noch, vor der Bewässerungszeit plötzlich aufgetretene Heuschreckenplage hat freilich für den größten Teil der Orangenkultur die Bewässerungsfrage im Sommer 1915 gegenstandslos gemacht. In diesem Jahre hilft man sich zum geringen Teil durch Göpelantrieb, hauptsächlich jedoch durch den Umbau der Petroleummotoren zu Kraftgasmaschinen, die mit Koks, aber auch mit Holzkohle betrieben werden können. Die Schwierigkeiten des Absatzes, die Erschütterung des Kreditwesens des Landes, die Vernichtung der Ernte durch die Heuschrecken haben die judäischen Pflanzer vor die Notwendigkeit gestellt, eine Anleihe aufzunehmen, um die Pflege der Pflanzungen zu sichern. Der jährliche Geldbedarf für die Bearbeiiung der bepflanzten Ländereien in Judäa wird folgendermaßen berechnet: Orangen, etwa 7 700 ©miaut ü Frs. 150.— Frs. 1 155 000.— Weinpflanzungcn, etwa 12000 Dunam ä Frs. 25.— Frö. 300 009.— Mandelvstavzungen, etwa 27 000 Dunam ä Frs. 20.- Frs. 540 000.— Oliven, etwa 4ö0ü Dunam ä Frs. 10.— Frs. 45 000.— Eukalyptus und diverse Pflanzungen, etwa 2200 Dunam ü Frs. 10.— Frs. 22 000.— zusammen: Frs. 2 062 000 — Die Wirischastsausgaben des Ackerbaues in Judäa werden mit 350 000 bis 500000 Frs. geschätzt. Das gesamte Gelderfordernis erreicht somit 2*/s Mill. Frs. Etwa die Hälfte des Betrages soll nach den Vorschlägen der Organisation der judäischen Kolonie t auf dem Wege einer Anleihe aufgebracht werden. Die Orangenbesitzer erhielten bekanntlich von einer jüdischen Gruppe in den Vereinigten Staaten im Jrhie 1915 eill Darlehen von 200000 Kleines Zrvwetkn. Vir es-Seba. Bon Martin Hartmann. *) Man weiß aus Presiemitleilungen, welche günstige Entwicklung das als Beerseba aus dem Alten Testament bekannte Bi'r es-Seba', der Mittelpunkt der Operationen gegen Aegypten, genommen hat, das noch vor wenigen Jahren eine elende Niederlassung von Halbbeduinen darstellte. Die in Damaskus erscheinende arabische Tageszeitung „esch-Schark" enthält in ihrer Nnnpner dom 15. Oktober d. Js. den ausführlichen Bericht ihres Vertreters an dem Orte, der bei Gelegenheit des Besuches hoher Gäste mit diesen unter "Führung des Etappeninspektors Behdfchet Bef, der zugleich Mutesarrif des nengebildeten Regierungsbezirks ist, eine Rundfahrt unternahm. Es wurden besichtigt die ausgezeichnet geleiteten Krankenhäuser, das Amt für Post nnd Telegraph und bte Werkstätten für Eisen und Holzarbeiten, denen der Oberkommandierende des 4. Armeekorps, Dschemnl Pascha, seine besondere Sorgfalt zuge'waudt hat: die dort hergestcllten Geräte aller Art, vom einfachen Pfluge bis zn Wagen für-Militnrtranspvrtc, machen den Ort fast unabhängig von den größeren Judustriezentren des Landes. Der Hebung der Industrie soll eine demnächst zu erösfnende Gewerbeschule dienen, die zugleich der Heranziehung bvn Liednliieuelenkenten *) Ans dem „KmrespondenZblatte der Nachrichtenstelle für d?n Orient." dienen soll. Damit wird es langsam gehen: aber ohne solche Versuche ist ein Vorwärtskommeu nicht möglich. Bemerkenswert sind die Bäder, die zugleich Erziehungsanstalten nnd Hygiencanstalten für die Bevölkerung sind/ der Benutzer des Bades erhält seine Kleider nach Benutzung ° des Bades gewaschen und getrocknet zurück. Mit eitler der großen Mühlen des Ortes ist eine Eisfabrik -verbunden. Behdschet Bej hat seine besondere Sorgfalt den Anpflanzungen Zugewandt nnd unter diesen sind die für die Klima- Verbesserung so wichtigen Enkalyptushaine beachtenswert. Es fehlt nicht eine Zentrale für Erzeugung bvn Elektrizität: dieser weit in die Steppe vorgeschobene Posten besitzt elektrische Beleuchtung. Die Krone wird dem Gebäude aufgesetzt dadurch, daß Bstr es-Sebw auch eine gut eingerichtete Druckerei besitzt, eine Schöpf'nna Djemal Paschas selbst, und in dieser Druckerei eine Zeitung gedruckt wird, die den Narnen führt „Tschöl", „Steppe" bezw. arabisch „esch-Schol". Als der fc ul hl n am 12. November .1914 rum drei Reichen den. Krieg erklärte, und damit die Wendung, der die Türkei sich nicht entziehen konnte, Wirklichkeit wurde, dachte kaum jemand daran, wie mitten unter den gewaltigen Ereignissen, die das Osnranische Reich bis ins Innerste erschütterten, das unter den Provinzen arabischer Sprache eine Sonderstellung einnehmende Syrien den Aufschwung nehmen würde, den es iinmer erhofft nnd ans gewaltsame Weise herbeizllführen gesucht hatte. Der durch Energie und hohe Begabung ausgezeichnete Mann, der das Gesamtgebiet der syrischen 'Perwaltnugseinheiteu als militärischer Oberleiter unter sich Hot und auch zn weitgehenden Eingriffen in die Zivilberwallnng befugt ist, hat fein Amt mit Ernst aufgefaßt und hat für die Hebung des ÄMbeß Mtzerordentliches geleistet. Die Aktion gegen die ägyptische Grenze brachte Vorschiebnng bedeutender Truppenmassen auf die Sinai-Halbinsel mit sich, nnd es war die Schaffung von Anlagen für diese Mcnschemuasseu in jedem Falle geboten. Aber es wird ausschließlich der außergewöhnlichen Intelligenz und Energie des, gerade für Zibilvrganisation besonders begabten Djemal Pascha verdankt, daß diese Anlagen bereits nach zwei 'Jahren sich in einem Lichte darstelleu, das Bewunderung weckt. Die „Hauptstadt" des „Schol", der Steppe, loie man Bi'r es-Seba' nennt, ist geschaffen. Sie wird über den Krieg hinaus dauern und sie lvird zu einem Mittelpunkt wirtschaftlicher und kultureller Anlagen werden, die in dem Maße wachsen und sich entwickeln werden, wie die arabische Bevölkerung Verständnis für diese aufbnncnde Tätigkeit ihres türkischen Herren zeigt. Kriegserlebuis von cand. pRI. Lvnitz Rosenblatt in Nürnberg. Drei Tage angestrengten Marsches lagen hinter uns, namentlich die letzte Partie des Weges schielt schier nnübermindlich; aber vorwärts durch dick und dünn, durch Berg und Tal/ immer vorwärts hieß es um endlich Fühlung mit dern Feinde zu bekommen; spät abends am dritten Tage erhielt das Bataillon die wohlverdiente Ruhe und alles lag bald gemütlich zusammen in den Biwaks/ B. L. hatte aber, bevor er sich in der: Kreis der munteren Karneraden setzte, noch etwas Besonderes zu verrichten/ hatte er doch während dieser drei Tage schon kein iÄeserlrneljr.in^her Hand gehabt und .desto Dringender

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