Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 58 (1917)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1917)
- Date
- 1917-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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28.FEB.17 HU Ein Eentralorgan IQr das orthodoxe Judenfttm KfJBto IHl gsaggga Bejriindef dod Dr. Lehmann In Iflaißz tgagsa Ul Blj »MMM 88. Ja&ramtfl. pssa Sranftfurf «. FH-, 8en — — msa m i »»- Gewöhnliche Ausgabe 9».1.80, ch iftanSflo** lAmrftdru« «k. 8.-. Auslandspreise: Vnrömliche I Ausgabe: «sterreich-Uooar» 2.50 ll»..RMand I »uv., kv glaub gik.. II Awrri'a so at,.. Aiederland, l.ro Frankreich Fn, wo, 1 LboemiMtntS bei allen Vollanstattm, Buchhaudlaugrn, sowie direkt I bei dem Verlaa. HestauSgabe nur dirett. ss Der JSraellt erscheint jeden Dsnnerftag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltene Tolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Juseratenaunavme durch den Verlag deS Israelit «. m. b. H., Frankfurt a.M.» Gr. Efchenheimerstr. 23 Dek.S84S,Amt Hansa» sowie sSmtl. Annoncen-Exped. deS In» and Auslands. Platzvorschrtfteu otzvr UerdtndUchkrtt. Zahlungen können außer direkt an den Verlas erfolgen per «onts Bei de» «. «. »ostfparkaffe „int nt. 7» «onta Sei Sem ft. Vo8?parkaffe«a«t Budapest fl«. 1849^ Tunt» Sei Ser «i«ae» «ommerzSemR in «iga und des«» AMaleu. 0er NsckSruck der Flrttliel und Correfponden^en des „Israellf“!ff nur unter genauer Quellenangabe, und, foroeif es fl* um größere Ruffäbe ftanöelf, nur natft uorfterfger Genehmigung geffaffef. JrryaLtsüdeNstchr. r. Lettkrtikrl: Kie heilige Kot. —3. Aufsätze: SriLKÄfsiM j» -LN Mrfchg» Kslskis» irr D«- tästw«. — Uwe Mchrr.--- 6. Kleines Feuilleton: Martin Harimatttt: fffr es-Srva. — Löttis RossMatt, NürnbergAtzte §imhü?kftes t&bifötn §übüt, — Druck- und Zeitungstvefett in Grodno. — Der jüdische Freund Gottfried Wilhelm Leibniz's. — Bon den ungarischen Krönungszeremonien. — Die Bibel gegen das Hamstern. — Ein jüdischer Gelehrter des Mittelalters übet das Seenerficherungswesen. — Die Trünerrfchnle. --- ^Korrespondenzen ün8 Nachrichten: Frankfurt a. M.: (Der vaterländische Hilfsdienst u^ die Saööstruhe.) - Warschau sOrganisntion der Wvhltäiigkeit.) — Lemberg (Das Rettungskamiiee.) — Kopenhagen (Das Cheöarini iti RllßlSNö.) 6» KsrsSKSltSNr Osrlin. — Wiesbaden, — Düsseldorf, — Fulda. — NWerSanir 6i VeEüi ifchke §: Frankfurt a, M. Gau Birkeltzeim. — Bereni. — Porghörst. — Ballenstedt t. H. — Hannober. --- 7. Feui lleron- Äetlage: Schalem Alejchenr: Mur Begegnung. Sie heilige M. Nirgends Lrisit das Wort von der heiligen Not in seiner ganzen Liefe und Tragik so zu, wie in Litauen, wo der Krieg neben allem Ungemach, das er brachte, so viele geistige Werte des Judentums zerstört hat. Schon der Auftakt der Weltkatastrophe traf die Zudenheit Litauens im Herzpunkte, indem Nikolajewitsch's Heere, gleich denen des Syrerkönigs von dazumal, auch die Aecker erbarmungslos zerstampften, die die heilige Zukunftssaat für das geistige Thoraleben der ganzen Diaspora bargen: dte Jeschiwoth. Aus verspätet eintreffenden amerikanischen Blättern kann ein kleines Bild gewonnen werden Mer den derzeitigen Stand der Jeschiwoth, richtiger, deren Trümmer im besetzten Gebiete, wie - jenseits der russischen Schützengrabenlinie. Die meisten kleineren Lehranstalten Huben zwischen den zwei Feuern aus russischen und deutschen f -Känonen ihr jähes tragisches Ende gestmden.Unter ^der deutschen Herrschaft wagten sich inHTelschl, - Slobotkö, Lomza, sowie in einigen Lehrhäusern Wilnas aus - den Trümmern einige bescheidene Änfäng^.wieder, hervor, die-aber--kaum in einem -z^Verhältms^ zw dem alten Thöraglanze in Litauers - r^st'ehen. ^Mre^Zukunst And Entwicklungsfähigkeit^ '^hangenrabM^vÄn-Faktoren ab/ die. nicht in: un- Als im Mat 1915 Htndenburgs Truppen im Lriuniphzuge über Litauens Gefilde rasten und die Kosaken aus ihrem eiligen Rückzuge ihr Mütchen an den wehrlosen Jndeugemeinben kühlten nnd stillten, als zudem noch das harte Geschick der Evakuierung die Bevölkerung traf da wiederholte sich die altgeschichtliche Erscheinung onbtf 7\tbi rmn ^x-iw'' aipa Ss Die Jeschiwoth gingen mit auf die Wanderschaft. Die altberühmte Lehranstalt des Rabbi Galanter biTWl' nD3D in Slabotko schloß sich den Ausgetrtedenen aus Kowno an und ließ sich mit Leiter, Lehrern und Schülern, soweit letztere nicht für den Kriegsdienst eingezogen waren, in einem der Lehrhäuser von Minsk nieder. Zur gleichen Zeit verließen die Jeschiwsth aus Lida und Radin ihre Heimst. Die erstere fand nach langen Wanderungen endlich eine Ruhsstätts in der sndrnfsifchen Stadt Jelisabethgrad, die letztere siedelte zunächst nach einem Städtchen in der Nähe von Minsk über, wo fte aber einerseits wegen der Nähe der Front, dann aber auch wegen der gewaltigen Belastung des Minsker Gouvernements nicht lange bleiben konnte. So irrt sie heute noch in der kalten, weiten russischen Welt auf der Suche nach einer Heimat umher. Ein glücklicheres Geschick waltet über die bekannte Chassidim-Jeschiwah zu Lubawitz. Die Stadt im Gouvernement Mohilew ist vvm Kriege direkt nicht berührt worden. Der Idealismus der Wohlhabenden, auf den die Jeschiwah gegründet ist, nährt sie nach wie vor ungeschmälert. Das Schülerkontigent mag qualitativ, da die älteren Jahrgänge fehlen, etwas zurückgegangen sein, steht aber in der Zahl heute stärker denn je da, da die Propaganda kräftig fortgesetzt wird und, der Not der Zeit gehorchend, auch Schüler jüngeren Alters herangezogen werden. Tieftraurtg gestalteten sich aber die Geschicke der weltberühmten Jeschiwoth zu Wolosch in und Mir. Des Schicksals Laune fügte es so, daß der deutsche Feldzug im Gouvernement Wilna bet Woloschin, im Gouvernement Minsk aber an der Stadtgrenze von Mir Halt machte. Die. Schützen- und Laufgräben durchziehen die genanntem Städte, die öfters ihre Besitzer wechseln, und die Stimme der Thora wurde dort -durchs rauhes, tausendstimmiges Kriegsgeschrei abgelöst. -^- ,EE..'.wap. am . Rüstiage des Versöhnungsftstes-5676 (1915), als.-der Befehl zur Mobili- ' Ci ' i sierung der „blauen Reserve" (Inhaber blauer Mtlitärpässe, wie sie für die Reserve zweiten Grades ausgestellt werden) erging. Zu dieser Kategorie zählten fast alle Jeschiwähjünger, sofern sie ganze Glieder hatten. Der Befehl wurde zumeist noch am gleichen Tage in rigorofesier Weise durchgeführt. Es rächte sich bei dieser Gelegenheit eine unverzeihliche Versäumnis der zuständigen Stellen, die bei Kriegsausbruch nicht dafür sorgten, daß den Jeschiwahhörern das Recht der geistlichen Schüler auf Militärfreiheit zuerkannt werde. Bon rabbinischer Seite, wie aus der Mitte der Jeschiwoth selbst, wurden rechtzeitig genug dementsprechende Anregungen gemacht und Bemühungen unrernommen, in Petersburg, wo die jüdische Intelligenz über das Minimum der jüdischen Rechte wacht, ließ man sich die Sache nicht sehr angelegen sein und betrieb sie nicht mit dem gebotenen Eifer. Erst in zwölfter Stunde gelang es, wenigstens für die bereits amtierenden Rabbiner, wie für die Krönrabbiner, dieses Recht unter gewissen Einschränkungen zu erwirken. Die Thyrajüuger, auch solche, die längst im Besitze einer Autorisation sind, mußten und müssen unter die Fahnen, womit den Lehrhäusern jäh der Boden unter den Füßen entzogen wurde. In Woloschin wie in Mir wurde wochenlang der Einziehungsbefehl in der Weise ausgeführt, daß Kosaken und Polizei die Lehrhallen nächtltcherweise überfielen nnd Tag für Tag die Prtvathäuser nach Gestellungspflichtigen absüchten. Es war ein beliebter Sport der Kosaken, mit Kolben und Nagaika die Jeschiwajünger den Kasernen zuzutretben. An diesen Tagen hatte das russische Westheer viele viele Gefangene gemacht.. .Und es gehört in die Heldengeschichte dieses Krieges, mit welchem Heroismus und welcherSelbstverleugnungeinigeSchüler aus lauter Liebe zu der.altgehetligten Pflanzstätte des jüdischen Geistes mitten in diesen Schrecken und Gefahren bis zum letzten Momente ausharrten. Wer den Moment miterlebt hat, als der greise Letter der Woloschiner Jeschiwah, Rabbi R'efoel Schäpiro in Begleitung seiner letzten Treuen die Thorastadt, die' geistige Werkstätte seiner Väter und Vätersväter verließ, der wird sich des gewaltigen Eindruckes sein Lebenlang nicht mehr entschlogen. — — Die Zukunft ist in einen dichten Schleier ge- ' hüllt. Das Zauberwort F r i e d e ist unter' die geschlagene Menschheit geworfen und sie wird dessen nicht mehr verlustig gehn. So unversöhnlich