Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 28-29 (9.4.1903)
- Date
- 1903-04-09
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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662 Auch unterdrücken Sie das Hebräische., nicht um die Kinder zu entlasten, denn in allen Ihren Schulen betragt die . Zahl der Unterrichtsstunden per Woche 33, aber es gibt selbst solche mit 39 Stunden wöchentlich. Sie unterdrücken das Hebräische einzig und allein, weil Ihnen diese Sprache eine verabscheuungswürdige ist. (une langue m€pris.&I?le). Nun wohl! Wir erlauben uns, Ihnen zu sagen, daß, wenn es sich sür uns darum handeln würde, unsere Kinder zu unterrichten, wir sie in die Regierungsschulen schicken könnten, deren Thore uns offen stehen, nachdem wir zu ihrer Unterhaltung durch Zahlung der Schulsteuern mit beitragen. Wenn die 4—6000 Juden unserer Gemeinde sich die jährliche Last von 25,000 Fcs. ausbiirden, geschieht es einzig und allein, um ihren Kindern eine nationale, hebräische Erziehung zu Theil werden zu lassen. Wenn diese fehlt — und sie gebt in den Schulen, wie sie Sie haben wollen, ab — dann sind alle diese Opfer unnütz und überflüssig. Was diese Ihre Schulen uns bieten können, haben wir umsonst in den Regierungsschulen. die unvergleichlich besser sind, als unsere Schulen. Darum werden wir niemals damit einverstanden seid und es gestatten, daß das bischen Hebräisch, welches dort noch vorhanden ist. von Ihnen ausgemerzt werde. Nun können Sie. wenn Sie wollen, Ihrer Frau Direktorin schreiben, daß sie ihren Platz wieder einnehmen solle, den sie zu Beginn des SchNljahres inne hatte, und die Durchführung des seit Beginn des Schuljahres in llebüng gewesenen. Lehrplanes wieder aufnehme. Wenn Sie aber nicht wollen, können Sie die Direktorin und selbst den Direktor abberufen. Sie können sogar weiter gehen und mit Hilfe einiaer Genossen. welche Ihnen in unserer Mitte geblieben sind, dahin streben, die Existenz unserer Schule unmöglich zu machen. Wir wissen es, daß Sie vor nichts zurückschrecken, wenn Ihre Eigenliebe kn Frage steht. ilm d'as Komitee, welches den Mutb gehabt hat. einen Lebrvlan zu entwerfen und Ihnen denselben in größter Höfkichkcit mitzutheilen, zu strafen, haben Sie im vergangenen Jahre den Waisen unserer Schule die 1000 Fcs. entzogenwelche die „Alliance" bisher jährlich für ihre Bekleidung gewidmet hatte; ja, wir wissen es auch, daß Sie aus gleicher Ursache ganz ungehöriger Weife die 1000 Fcs. zurückhalten, welche die verehrliche „Anglo-Jewrsh-Affozration" Ihnen mit der Bestimmung übersendet hat, sie uns zukommen zu lassen, und Welche Sie sonst im Monat Februar uns zukommen ließen. Um endlich das Schulkomrtee zu strafen, daß es gewagt hat, die jüdische, nationale Fahne in dkm Saale anzubringen, in bem der jährliche Ball zu Gunsten der jüdischen Schulen abgehalten Wurde, haben (&ie auch den Beitrag unterdrückt, den Sie uns bisher zur Speisung von 170 jüdischen Waisenkindern aus dem von der fel. Baronin Hirsch hinterlassenen Fonds zuwendeten. Sie haben zwar nicht das Recht, die Warfen für die Handlungen des Schulkomiters zu strafen; Sie haben auch nicht das Recht, das Vertrauen der verewigten Wohlthäierin, durch welches Sie Mit der Verwaltung der Fonds zu Gunsten der Armen betraut wurden, zu poetischen Zwecken zu mißbrauchen, aber wir wiederholen es. wir wissen es. daß Sie vor keinem Mittel zurückschrecken. Darum dürfen wir mit Recht befürchten, daß Sie sich bemühen werden, uns hart zu strafen, ohne die Folgen hiervon zu erwägen. Aber wir sind trotzdem entschlossen, unsere Pflicht als Repräsentanten der kubischen Gemeinde von VMippovel voll zu erfüllen. Wenn es Ihnen gelinaen wird, die Stärkeren zu bleiben und unsere Gemeinde zu schädigen und eventuell zu vernichten, wird den Juden von NMivvovel nichts übrig bleiben, als diese foaenannte iüdische Gesellschaft zu verfluchen, welche das indische Geld nur unter der Bedinguna verwendet, daß die damit Beglückten daremwilliaen. sich all dessen ru entkleiden. Was noch Jüdisches an ibnen ist. wahrend .sie alle iene hart' straft, welche sich dieser Bedingung nicht füaen wollen. Für das Schülko'mitee von Bhilrpvopel: Der Präsident: Dr. M. Romano. Der Sekretär: M. M o s c o n a. Dsr §sbsnsaang des jüdsschen Tehrers. ' Wohl kein Beruf erfordert soviel Hingabe, soviel Selbstlosigkeit.- soviel „Hintansetzung" des eignen ..Ich", als der Beruf des jüdischen Lehrers. Sein Lebens¬ und Werdegang, seine Gefühle und Wünsche, seine Entlohnung und Werthschätzung werden denn auch merkwürdigerweise durch einige Bibelverse illustrirt, bei denen ebenfalls der Satzgegenstand, das „Ich", das Wörtchen *3:s theilweise oder gänzlich „hintangesetzt" ist. Der angehende ..Lehrer" hat das Seminar absolvirt. hat seine Examina bestanden und sieht sich nun nach einer Stelle um. Mer da entscheidet Nicht nur seine Tüchtigkeit als Lehrer, eine viel größere, ausschlaggebendere Rolle spielt das Sinaen. das Schächten u. s. w.. und schwer, sehr schwer fallt es manchem, nur irgendwo unterzukommen. In der Regel' materiell nicht besonders begütert, will der junge Mann den